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Veröffentlicht am 25.04.2018

Wohin willst du, Zeitreisemädchen?

Liebe ist stärker als Raum und Zeit – 2018
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Wohin willst du, Zeitreisemädchen?

Susanne Wittpennigs aktuelle Neuerscheinung schließt direkt an den ersten Band dieser Buchreihe an. Der Leser wird gleich zu Beginn mit der furchtbaren Tatsache konfrontiert, ...

Wohin willst du, Zeitreisemädchen?

Susanne Wittpennigs aktuelle Neuerscheinung schließt direkt an den ersten Band dieser Buchreihe an. Der Leser wird gleich zu Beginn mit der furchtbaren Tatsache konfrontiert, dass der Versuch, Lisas zweites „ältere Ich“ namens Lisa Whitfield in die Zukunft zurückzuschicken, schiefgelaufen ist. Anstelle der fünfundvierzigjährigen Lisa Whitfield landet nämlich nun versehentlich die sechzehnjährige Lisa Leonor Lambridge im Jahr 2018. Ihre Freunde warten am 14. Februar 1990 vergeblich auf den Teenager – Lisa kehrt nicht wie erwartet zurück und bleibt neunundzwanzig Jahre lang verschollen. Doc Silverman und sein Sohn Zac sind entsetzt, Lisas bester Freund Momo, der sie kurz vor ihrem Verschwinden so schwer enttäuscht hatte, ist am Verzweifeln. Seinen seelischen Schmerz ertränkt er in Alkohol – eine Verhaltensweise, die ihm ab sofort zur zweiten Natur wird.

Die sechzehnjährige Lisa taucht im Jahr 2018 auf und wird von den gealterten Ausgaben des Dr. Levi Gideon Silverman und seines Sohnes Zac Zimmerman bereits erwartet. Die Technologie haben sich zwischenzeitlich rasant geändert. Lisa darf eine neue und moderne Variante des Time-Transmitters bewundern, der Zacs Lebenswerk darstellt, und wird mit der fremden, aufregenden Welt des Internet konfrontiert. Obgleich sie in ihrer Schulzeit im Jahr 1990 stets als fortschrittlicher und technisch begeisterter Teenager galt, mutiert sie im Jahr 2018 zum verschrobenen „Retro-Girl“, das weder ein Smartphone bedienen kann, noch um die Bedeutung von apps oder sozialen Plattformen weiß. Die beiden Wissenschaftler haben die Jahre bis zur berechneten Ankunft von Lisa genutzt und planen, sie so rasch wie möglich zurück in die Vergangenheit zu schicken. Der einzige Unsicherheitsfaktor in dem perfekt ausgearbeiteten Plan ist die Ungewissheit über den Verbleib des bösen Professor Ash, der mit aller Macht versucht, in den Besitz der Zeitmaschine zu gelangen. Die Monate bis zu ihrem geplanten Aufbruch verbringt Lisa als Austauschschülerin in ihrer alten Schule – und erlebt so einige Überraschungen. Als sie auch noch Informationen über ihre große Liebe Momo erlangt, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als nur ein einziges Mal wieder in Momos Armen liegen zu dürfen. Doch der weise Doc Silverman warnt das junge Mädchen davor, die Zukunft zu beeinflussen, er meint: „Die Zeitlinie kann vieles reparieren, aber nicht dein Herz.“ Und Lisa merkt sehr bald, wie recht der alte Wissenschaftler damit hat. Denn ihr Herz macht Lisa die Entscheidung zwischen den beiden Welten letztendlich so unsagbar schwer.

Der zweite Band dieser interessanten Jugendbuchreihe um das Zeitreisemädchen Lisa ist genauso spannend, unterhaltsam und fesselnd wie dessen Vorgänger und ich war sofort wieder mitten im Geschehen. Der einnehmende und lockere Schreibstil, die angenehme Schriftgröße und der großzügige Zeilenabstand trugen neben dem hoch interessanten Inhalt ebenfalls dazu bei, das Lesen zu einem Vergnügen zu machen. Die Sprache ist der jugendlichen Zielgruppe angepasst, und angesichts der Tatsache, dass Hüte und Brillen bei Susanne Wittpennig nicht aufgesetzt oder abgenommen, sondern „an- und ausgezogen“ werden, legt mir die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um Redewendungen aus einer Dialektsprache handelt. Der Spannungsbogen war angesichts der Thematik groß, wurde durch drohende Übergriffe des Antagonisten Archibald Ash noch zusätzlich erhöht und steigerte sich am Ende zu einem grandiosen Finale - ein Finale, das eine aufregende Fortsetzung der Geschichte im nächsten Band verspricht.

Die Autorin beschäftigt sich auch in diesem zweiten Band um die alltäglichen Sorgen und Probleme des Erwachsenwerdens und vergleicht die technischen Entwicklungen, die Modetrends und das Verhalten der Jugendlichen zwischen 1990 und 2018. Da ich etwa im Alter der Protagonistin bin, war dieses Buch nicht nur für die Jugendliche Zielgruppe, sondern auch für mich eine sehr bereichernde Lektüre. Durch das „Retro-Girl“ Lee wurden viele Erinnerungen wie beispielsweise das mühsame Aufnehmen von Liedern aus dem Radio auf Kassettenrecorder und viele bestimmte Hits aus dieser Zeit geweckt. Ich musste über den Frisurentrend „Vokuhila“ schmunzeln und hatte die im Buch erwähnten Mickey Mouse T-Shirts oder die pinkfarbenen Leggins und Haarbänder wieder lebhaft vor Augen. Dem Hauptthema „Zeitreise“ sowie den Auswirkungen der Beeinflussung von Vergangenheit und Zukunft wird natürlich die meiste Aufmerksamkeit zuteil, und so manche Ausführungen der beiden Wissenschaftler hinsichtlich eines Zeitparadaxon forderten volle Konzentration.

Die handelnden Personen waren sehr gut ausgearbeitet und ich freute mich darüber, einigen von ihnen aus dem ersten Band in Form ihres „älteren Ichs“ wiederbegegnen zu dürfen.

Fazit: „Time Travel Girl 2018“ war genau wie der Vorgängerband ein sehr überzeugendes, spannendes Jugendbuch mit einer interessanten Thematik, das mich ausgezeichnet unterhalten hat. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen, möchte jedoch zum besseren Verständnis vorab jedem die Lektüre des ersten Bandes ans Herz legen.

Ich bin bereits sehr gespannt auf die Fortsetzung dieser Geschichte!


Veröffentlicht am 23.04.2018

Bräute auf Abwegen

Bräute auf Abwegen
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Bräute auf Abwegen

Der bezaubernde Sammelband mit dem Titel „Bräute auf Abwegen“ und einer Protagonistin im Hochzeitskleid auf dem Buchcover beinhaltet drei jeweils nur etwas über einhundert Seiten zählende, ...

Bräute auf Abwegen

Der bezaubernde Sammelband mit dem Titel „Bräute auf Abwegen“ und einer Protagonistin im Hochzeitskleid auf dem Buchcover beinhaltet drei jeweils nur etwas über einhundert Seiten zählende, romantische Liebeskomödien von drei namhaften christlichen Autorinnen.

Im ersten Abschnitt präsentiert Karen Witemeyer „Das Ehemann-Manöver“, in dem Marietta Hawkins, die Tochter eines texanischen Ranchers, sich in den attraktiven Vormann ihres Vaters verliebte. Marietta hat es sich in ihren hübschen Kopf gesetzt, das Herz dieses faszinierenden Daniel Barrett zu erobern. Als sie erfährt, dass Daniel jedoch Hawk’s Haven in Kürze verlassen und eine eigene Ranch gründen wird, drängt die Zeit. Die junge Frau mit den sanften braunen Augen macht sich sehr zielstrebig und mit äußerster Entschlossenheit – „Es ist an der Zeit, die Möglichkeiten zu erkennen, nicht die Probleme zu sehen. Die Möglichkeiten von Liebe und Heirat, um genau zu sein.“

Die zweite Geschichte mit dem Titel „Der Bräutigam, der sich nicht traut“ stammt aus der Feder Regina Jennings und spielt in Missouri, wo nach vielen Regenfällen ein Fluss über die Ufer tritt. In einem kleinen Haus in der Nähe lebt die achtzehnjährige Katie Ellen Watson, deren Eltern für ein paar Tage verreist sind. Als ein ungepflegter und bedrohlich wirkender Fremder plötzlich in ihr Haus kommt, steht ihr Josiah Huckabee, Katies bester Freund aus Jugendtagen, zur Seite. Doch Josiah scheint für Katie nichts als ein großes Ärgernis darzustellen. Es wird für die beiden zu einer echten Bewährungsprobe, die vorgetäuschte Fassade aufrechtzuerhalten und dem unheimlichen Eindringling ein jung vermähltes Ehepaar vorzuspielen.

Mary Connealy erzählt zu guter Letzt von einem romantischen Abenteuer in Houston, Texas, das den Titel „Eine Braut auf der Flucht“ trägt. Die elegante zarte Carolyn Halsey wurde von ihrem Vater aufgrund hoher Spielschulden verschachert. Gemeinsam mit ihrem Bruder Isaac flieht sie in der Nacht vor ihrer Zwangsverheiratung. Carries Schwester Audrey bittet einen großgewachsenen Texas Ranger namens John Conroy, sie aus Houston herauszuholen und zu ihr nach Colorado zu bringen. Der gutaussehende und kampferprobte Mann mit den durchdringenden blauen Augen erscheint Carrie wie ein Retter, der direkt vom Himmel geschickt wurde. Doch Carries verschmähter Bräutigam ist nicht nur für seinen Reichtum, sondern auch für seine Brutalität und Grausamkeit bekannt. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um seine Braut zurückzubekommen.

Drei ausgezeichnete Autorinnen sorgen durch drei amüsante Liebesabenteuer für ein vortreffliches Lesevergnügen. Durch den locker-leichten Schreibstil, eine Menge Charme und eine beachtliche Portion Humor stellen diese drei Kurzgeschichten eine kurzweilige Lektüre dar.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und kann dieses Buch Lesern mit einem Faible für historische Liebesromane wärmstens weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 22.04.2018

Behindert, zerbrechlich, orthopädisch auffällig, aber gesegnet. Das ist mein Leben.

Espenlaub
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Behindert, zerbrechlich, orthopädisch auffällig, aber gesegnet. Das ist mein Leben.

„Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln…“

Der alleinstehende Anton Hinteregger führt ein äußerst arbeitsames ...

Behindert, zerbrechlich, orthopädisch auffällig, aber gesegnet. Das ist mein Leben.

„Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln…“

Der alleinstehende Anton Hinteregger führt ein äußerst arbeitsames Hirtenleben, er ist Kuhhirte aus Leidenschaft und lebt mit seinen Kühen abwechselnd im Sommerquartier auf der Alm und im Winterquartier bei der Familie des Raffaltbauern Alois Schmid. Nach dem schrecklichen Unfalltod der Mutter nahm sich die tiefgläubige Altbäuerin Walburga Schmid des armen Waisenkindes an und nahm es wie einen eigenen Sohn in die Familie auf. Da Anton aufgrund seiner Sprachbehinderung kein Schulbesuch möglich war, unterrichtete die ausgebildete Lehrerin Walburga den Jungen. Sie lehrte ihm die Liebe zur Literatur und zeigte ihm den Weg zu einem fröhlichen und befreiten Christsein. Anton wuchs unter ihrer Obhut zu einem charakterstarken, zuverlässigen, fürsorglichen und gläubigen jungen Mann heran.

Als die gleichaltrige Evamaria Stocker als Hausmädchen auf den Raffalthof kam, begegnete Toni der Liebe seines Lebens. Zu seiner großen Freude erwiderte das hübsche und fröhliche Mädchen seine Gefühle und die beiden planen eine gemeinsame Zukunft. Evis Mutter kann jedoch aufgrund ihrer Standesdünkel den Freund der Tochter nicht akzeptieren und sorgt auf sehr effektive Art und Weise dafür, die Liebenden zu trennen. Evi wird für zwei Jahre zum Studium nach England geschickt, kehrt jedoch entgegen allen Zusagen und Versprechungen nach dieser Zeit nicht mehr zurück. Sie gerät in die Fänge einer Sekte und bricht unter dem Einfluss des fanatischen Sektenführers jeden Kontakt zu ihrer großen Liebe, ihrer Familie und ihren Freunden ab.

Toni leidet sehr unter der Trennung von Evi und seiner quälenden Einsamkeit, er ist tief verletzt und die sterbende Hoffnung auf ihre ist beinahe schlimmer als seine Diagnose Morbus Parkinson.

Jürgen Mette hat sich mit diesem Roman zielstrebig in mein Herz geschrieben. In seiner Geschichte über den geduldigen und in sich gekehrten Anton Hinteregger konzentriert er sich vor allem auf seinen Protagonisten, dessen Charakterisierung ihm hervorragend gelungen ist. Tonis stille Gedankenwelt, seine Emotionen, seine Ängste, aber auch sein Festhalten an der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner geliebten Evi werden im Buch sehr eindringlich und außergewöhnlich berührend beschrieben. Tonis früh verstorbene Mutter gab ihm einen starken Glauben mit auf den Weg, der durch die Person der Walburga Schmid noch vertieft wurde. In den langen Jahren der Einsamkeit und des Wartens auf Evi reifte er trotz tiefster Verzweiflung und infolge seiner Weigerung, nicht aufzugeben, zu einer in sich ruhenden Persönlichkeit, die auch anderen Menschen Mut und Hoffnung vermittelt.

Der Leser erhält in diesem Buch einige Informationen über die Parkinson-Erkrankung, beginnend von den ersten Anzeichen körperlicher Einschränkungen, über den Weg zu einer Diagnose bis hin zu verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Das Hauptaugenmerk wird jedoch stets auf die Person des Protagonisten gelegt und dessen Erfahrungen und Empfindungen in den Mittelpunkt gerückt. Der christliche Glaube spielt in diesem Buch eine zentrale Rolle, und in den Erzählsträngen, die sich mit dem Leben von Evamaria Stocker in London beschäftigen, erfährt man von ihrem Abgleiten in die Fänge einer Sekte.

Ich empfand „Espenlaub“ als tief berührende, zum Teil erschütternde Lektüre. Evis lange Abwesenheit ließ an manchen Stellen sogar einen gewissen Groll in mir entstehen, und das Wiedersehen ging mir ein klein wenig zu „glatt“ über die Bühne. Das happy end versöhnte mich jedoch mit Evis Abtrünnigkeit und ich möchte dieses Buch, das so voller Glauben und Hoffnung ist, jedem ans Herz legen, der sich mit der Parkinson-Erkrankung eines gläubigen Christen auseinandersetzen möchte.

Besonders berührt hat mich eine ganz bestimmte Passage eines Briefes, die Anton am Ende des Buches zitiert:

„Ich kann wieder glauben, dass ich trotz Parkinson vielleicht die beste Zeit meines Lebens noch vor mir habe. Nicht ein erfolgreiche, aber eine folgenreiche Zeit. Nicht eine furchtlose, aber tapfere Zeit. Nicht ein gesunde, aber doch eine geheilte Zeit. Nicht eine zweifelsfreie, aber doch keine verzweifelte Zeit. Nicht eine überzeugte, aber doch eine zeugnishafte Zeit. Ich bin allerdings auch ganz nüchtern darauf eingestellt, dass ich möglicherweise die schwerste Phase meines Lebens vor mir habe.“

Veröffentlicht am 19.04.2018

Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

Die Ausreißer – Sehnsucht nach Meer
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Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

„Es gibt so viel Mist auf der Welt. Und die schlimmsten Dinge passieren in Familien. Diese glücklichen, ...

Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

„Es gibt so viel Mist auf der Welt. Und die schlimmsten Dinge passieren in Familien. Diese glücklichen, netten Familien mit Vater, Mutter und zwei Musterkindern, die sich alle anstrahlen, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt – die gibt es doch nur auf Müslipackungen!“ (Lars)

Der Halbwaise Lars glaubt nicht an eine heile Familienwelt. Er lebt bei seinem gewalttätigen alkoholkranken Vater, ist ein unscheinbarer und feinfühliger Junge, der sich hart und abweisend gibt und keine Freunde hat. In der Schule vermeidet er es konsequent, aufzufallen und wird von den meisten einfach übersehen. Lars ist ruhig, mag keinen Lärm, und hält sich tunlichst aus allem raus.

Nele Zimmermann ist unsportlich und mollig, hat ebenso wie Lars keine Freunde und wird als unbeliebte Schülerin in ihrer Klasse gemobbt. Als braves Mädchen aus christlichem Elternhaus, deren Vater kürzlich die Familie verlassen hat und mit seiner neuen Freundin im Norden des Landes lebt, stellt sie ein begehrtes Zielobjekt für die Schikanen ihrer Mitschüler dar. Das Selbstbewusstsein des warmherzigen und einfühlsamen Scheidungskindes leidet fürchterlich unter dieser Situation, und als sie wieder einmal von ihren Mitschülerinnen grausam gehänselt und gekränkt wird, kommt ihr völlig unerwartet Lars zu Hilfe.

Der ruhelose Einzelgänger Noah ist bereits seit seinem achtzehnten Geburtstag auf der Straße unterwegs. Eine zottige Mischlingshündin namens Cassiopeia begleitet ihn auf seiner Wanderschaft. Als der Hund in Karlstadt von einem Auto angefahren wird, ist Lars zufällig Zeuge dieses Zwischenfalls. Er hilft Noah, das Tier zu verarzten und besorgt den beiden eine Unterkunft. Der charismatische und stets gut gelaunte Noah erzählt Lars von seinem nächsten Ziel und lädt Lars spontan ein, ihn auf seiner Wanderschaft zur Nordsee zu begleiten. Durch einen Zwischenfall in der Schule eskaliert schließlich die Lage in Karlstadt und Lars packt tatsächlich seinen Rucksack. Er beschließt, abzuhauen und sich dem gewalttätigen Einfluss seines Vaters zu entziehen. Zugleich spitzen sich jedoch auch bei Nele die Dinge zu, bei ihr bahnt sich ebenfalls eine Katastrophe an. Als sich unterwegs auch noch Noahs Bekannte Angel zum Trio gesellt, sind kurz darauf vier Jugendliche und ein Hund unterwegs zum Meer.

Melissa C. Feurer erzählt in diesem beeindruckenden Jugendbuch die traurigen Geschichten von vier jungen Menschen, deren hervorragende Charakterisierung sie dem Leser sofort ans Herz wachsen lässt. Die vier Protagonisten sind grundverschieden, haben jeder für sich einen Grund, abzuhauen. Die Wanderschaft stellt sich alles andere als einfach heraus. Nicht nur mangelnder Komfort, Hunger und die Suche nach Schlafplätzen machen ihnen zu schaffen, sondern auch ihre seelischen Wunden. Während ihrer Reise unterwegs zum Meer müssen sie sich ihren Gefühlen stellen. Das Verarbeiten ihrer Probleme und der damit einhergehende Veränderungsprozess werden von der Autorin eindrucksvoll beschrieben. Die handelnden Figuren sind vielschichtig dargestellt. Noah hält die ganze Gruppe zusammen und trägt dazu bei, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die harten Fassaden der Jugendlichen bröckeln langsam, und der Weg zum Meer wird zugleich auch zu einem Weg der Selbstfindung und Heilung.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst einnehmend. Behutsam und mit viel Feingefühl tastet sie sich nach und nach an die Probleme ihrer Figuren heran, offenbart in kleinen Schritten deren seelische Verletzungen. In Form von beeindruckenden und sehr tiefsinnigen Dialogen dürfen die traumatisierten Teenager gegenseitige Verständnis und Wertschätzung erfahren.

„Die Ausreißer - Sehnsucht nach Meer“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der schwierige familiäre Situationen und das Mobbing in Schulen zum Kernthema hat. Melissa C. Feurer legt zudem großes Gewicht auf den christlichen Glauben und wartet darüber hinaus mit einer Fülle von Lebensweisheiten auf. Sie plädiert dafür, die Hoffnung niemals aufzugeben und führt ihre Protagonisten letztendlich zur Erkenntnis, dass Zeit zwar nicht alle Wunden heilt, manche schmerzhaften Erfahrungen im Leben jedoch zur persönlichen Entwicklung beitragen.

„Vielleicht geht es Menschen im Bezug auf Gott manchmal auch so. Sie sind wütend und enttäuscht, weil Gott ihnen eine schmerzhafte Erfahrung nicht erspart hat, und erkennen einfach nicht, dass er es gut mit ihnen meint.“

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Billig-Lüge

Die Billig-Lüge
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Franz Kotteder berichtet in seinem Sachbuch von den Methoden der Discounter hinsichtlich ihrer Geschäftspolitik, der Herkunft und oft skandalösen Produktionsweise der angebotenen Billigware und dem teilweise ...

Franz Kotteder berichtet in seinem Sachbuch von den Methoden der Discounter hinsichtlich ihrer Geschäftspolitik, der Herkunft und oft skandalösen Produktionsweise der angebotenen Billigware und dem teilweise erschreckenden Umgang mit dem Personal. Er lässt hierbei auch das Thema „Arbeitsbedingungen der Billigproduzenten im Ausland“ nicht aus. Dennoch ist er um Objektivität bemüht, schreibt keineswegs reißerisch oder hetzt gegen die Discounter, sondern zeigt dem Leser schonungslos seine Eigenverantwortlichkeit für diese Entwicklung auf.

Durch den Run auf immer billigere Ware, durch den Verzicht auf Qualität zugunsten des Preises ist der Konsument letztendlich derjenige, der über diesen Trend zu bestimmen vermag. Der „König Kunde“ entscheidet durch sein Kaufverhalten bzw. durch sein kritisches Hinterfragen, ob durch den Konkurrenzdruck der Billiganbieter inländische Firmen schließen müssen und Arbeitsplätze verloren gehen.

"Die Billig-Lüge" ist ein aufwühlender Report über einen Kreislauf, zu dessen Veränderung jeder einzelne von uns durch seine Einstellung und sein Konsumverhalten einen Beitrag leisten kann.