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Veröffentlicht am 16.04.2018

„Aus der Weisheit eines reichen Lebens“

Du machst mich stark
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*„Aus der Weisheit eines reichen Lebens“'

Gordon MacDonald, langjähriger Pastor und Buchautor, wies im Anhang seines aktuellen Buches „Du machst mich stark“ auf die bedeutende Rolle seines ehemaligen ...

*„Aus der Weisheit eines reichen Lebens“'

Gordon MacDonald, langjähriger Pastor und Buchautor, wies im Anhang seines aktuellen Buches „Du machst mich stark“ auf die bedeutende Rolle seines ehemaligen Trainers Marvin W. Goldberg hin, der ihm nicht nur eine Menge über das Laufen, sondern vielmehr über das Leben an sich beigebracht hatte. Seine Lektionen prägten die Lebenseinstellung des Autors und weckten in ihm den Wunsch, ein Mensch mit Ausdauer zu sein. Gordon MacDonald erkannte, dass diese Ausdauer sich bei weitem nicht nur auf den Sport beschränkt, sondern vor allen Dingen auch sein Denken und Handeln umfasst, auf die Fähigkeit, das Leben zu schätzen. Sein damaliger Trainer betonte stets die Wichtigkeit von Selbstdisziplin und Stärke und dem Vorhandensein einer Richtung, die durch Gottes Berufung vorgegeben wird. Gordon MacDonald berichtet seinen Lesern von den Spuren, die dieser großartige Mann in seinem Leben hinterlassen hatte. Er beginnt dieses Buch mit dem Bericht über die individuellen Trainingsprogramme des Trainers für die einzelnen Mannschaftsmitglieder, die durch die weiße Anschlagtafel in der Stony Brook School in New York kommuniziert wurden. Trainer Goldberg und seinen Methoden, den Jungs etwas über den Sport und das Leben beizubringen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und nehmen einen sehr hohen Stellenwert ein. In den dreißig Buchkapiteln erfährt man immer wieder über persönliche Erlebnisse des Autors mit Trainer Goldberg, im Fokus stehen jene Christen, die aus der Masse heraus ragen und die Gordon MacDonald als „Menschen mit Ausdauer“ bezeichnet. Marvin W. Goldberg war vermutlich nicht bewusst, wie sehr er seinen ehemaligen Schüler beeinflusst hat, indem er ihm nicht nur die Ausdauer für eine Sportart, sondern vielmehr auch die Art und Weise vermittelte, wie man als Nachfolger Jesu lebt. Er war sein Trainer, zugleich aber auch sein großer Mentor, der MacDonalds Grundeinstellung zum Leben als Christ prägte.

In den einzelnen Kapiteln schreibt der Autor über die Bedeutung dessen, was einen Menschen mit Ausdauer ausmacht. In einer großen Themenvielfalt äußert er sich über Fragen des Lebens, und nennt dabei auch ganz konkret einige, die dabei helfen, zu reflektieren, sich zu besinnen und zu erkennen, wie ein Leben mit Ausdauer aussehen kann. Er weist beispielsweise auf die Macht der Erinnerungen hin und erklärt, wie wichtig es ist, seine Vergangenheit in Ordnung zu bringen, um ein gesundes geistliches Leben führen zu können. Im Zuge dieser Vergangenheitsbewältigung beweist der Autor großen Mut, als er seine persönliche Schuld offenbart und von seiner dunkelsten Sünde berichtet. Doch auch Dankbarkeit, Konflikte mit dem eigenen Ego oder das große Augenmerk, das auf soziale Kontakte gelegt werden sollte, sind Themen, die er seinen Lesern auf ganz besonders beeindruckende Art und Weise nahe bringt.

Der Autor meint: „Seit einiger Zeit vertrete ich den Standpunkt, dass die heutige Vorstellung von einer christlichen Bekehrung viel zu klein ist. Sie betont das Einschlagen des ersten Nagels – eine Entscheidung, das Leben Jesus anzuvertrauen -, übersieht aber oft den letzten Nagel – das, was wir Jesu Berufung nach sein und tun sollen.“ Meiner Meinung nach ist es ihm vortrefflich gelungen, seinen Lesern einen Eindruck davon zu vermitteln, wie man diese Berufung zu erkennen und ihr zu folgen vermag.

Die fesselnden Buchkapitel enthalten viele Bibelzitate, auf die der Autor umfassend eingeht und die er in seine Ausführungen einbezieht. Ich empfand „Du machst mich stark“ als äußerst anregende, teilweise sogar aufwühlende Lektüre, als ein mit Lebensweisheiten sowie Weisheiten aus der Bibel strotzendes Buch, das ich sehr gerne weiter empfehle.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Spritzige Unterhaltung mit gewissem Spannungsfaktor

Volldampf voraus!
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Spritzige Unterhaltung mit gewissem Spannungsfaktor

Karen Witemeyer, die Autorin historischer Romane mit überzeugender christlicher Botschaft und einer Happy-End-Garantie hat es mit ihrem aktuellen Buch ...

Spritzige Unterhaltung mit gewissem Spannungsfaktor

Karen Witemeyer, die Autorin historischer Romane mit überzeugender christlicher Botschaft und einer Happy-End-Garantie hat es mit ihrem aktuellen Buch „Volldampf voraus!“ erneut geschafft, mir einige äußerst vergnügliche Lesestunden zu bereiten. Diesmal sind ihre Protagonisten tief mit der Dampf- bzw. Fluss-Schifffahrt im Amerika des Jahres 1849 verbunden. Als einzige Tochter und Erbin von Renard Shipping durfte Nicole Renard eine exzellente Ausbildung in einem Mädchenpensionat genießen. Zudem brachte ihr Vater ihr nicht nur alles bei, was es über die Schifffahrt zu wissen gab, sondern ermöglichte ihr zudem auch noch Unterweisungen im Gebrauch von Waffen. Eine ernsthafte Erkrankung von Anton Renard veranlasste die hübsche junge Frau mit den braunen Locken und goldbraunen Augen dazu, sich mit dem kostbaren Familienschatz aufzumachen, um ihren zukünftigen Ehemann auszuwählen. Ihre Pläne wurden jedoch durchkreuzt, und sie landete aufgrund einer Stellenanzeige unvermittelt in Oakhaven, wo sie Darius Thornton kennen lernte, einen exzentrischen Mann mit nachlässigem Äußeren, der gefährliche Experimente betrieb, um Dampfschiffe sicherer zu machen. Darius mag Menschen, die unverblümt ihre Meinung äußern und sagen, was sie denken. Dieser Eigenschaft war es wohl zu verdanken, dass er damit bei Nicole an der richtigen Adresse war. Die intelligente junge Frau hingegen ergriff wider Erwarten nach ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Darius nicht unverzüglich die Flucht, sondern stellte sich der Herausforderung. Zudem gab Nicole ihrem Vater ein Versprechen, und ihre Ehre gebot es ihr, dieses auch zu halten…

In diesem turbulenten, romantischen, vor Humor und Charme sprühenden Buch mit den einnehmenden Protagonisten und den sympathischen Nebenfiguren wird es keine Sekunde langweilig. Abwechselnd darf man amüsiert lächeln, eine aufkeimende, zarte Liebesgeschichte beobachten, die durch eine Familienfehde hervor gerufene Spannung auskosten, und zu guter Letzt das unweigerliche Happy-End, das bei Romanen dieser Autorin bereits garantiert ist, genießen. Zwar handelt es sich bei der Wahl der beiden Hauptfiguren um die dem Klischee entsprechenden „jungen, begüterten und schönen“ Menschen, Karen Witemeyer hat ihnen jedoch einige Macken und Kanten zuerkannt. Eine höchst erfreuliche Bereicherung bildet das Ehepaar Wellborn, die als Butler und Haushälterin bei Darius Thornton wunderbare Nebenfiguren darstellen. Der stoische, jedoch tief in seinem Herzen butterweiche Butler und die Frau an seiner Seite mit dem köstlichen Humor trugen viel dazu bei, diese Lektüre zu einem Vergnügen zu machen.

Ich kann „Volldampf voraus!“ als leichte, köstliche Unterhaltung für Fans historischer Romane auf alle Fälle weiterempfehlen. Ich empfand jedoch die Gestaltung des Buchcovers als enttäuschend. Sollte man die Romane dieser Autorin nicht bereits kennen und zu schätzen gelernt haben, erweckt das abgebildete Paar auf der Titelseite mit dem „einfältigen“ Gesichtsausdruck kaum das Bedürfnis, sich eingehender mit dem Buch zu beschäftigen. Nichts in der Mimik der jungen Frau mit dem wirren Haar lässt darauf schließen, dass es sich hierbei um eine scharfsinnige kluge Dame aus gutem Elternhaus handelt – leider ist eher das Gegenteil der Fall. Zudem wirkt das im Inhalt als edel und kostbar beschriebene grüne Seidenkleid in der Abbildung dann doch ziemlich minderwertig, die grelle Farbgestaltung des gesamten Covers rundet meinen Eindruck noch ein wenig ab. Den Mann an der Seite der dunkelhaarigen Frau mit dem pinkfarbenen Lippenstift würde ich ebenfalls nicht als intelligenten Unternehmer einschätzen, auch er wird eher naiv gezeichnet. Wirklich schade!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Mission Hollywood, Band 3

Leben nach Drehbuch
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Mission Hollywood, Band 3

„Das Leben ist zu kurz, um es mit halbherzigen Beziehungen und sinnlosen Unternehmungen zu vergeuden“.

Leider kam Andi Ellison zu spät zu dieser Erkenntnis. Die junge Studentin ...

Mission Hollywood, Band 3

„Das Leben ist zu kurz, um es mit halbherzigen Beziehungen und sinnlosen Unternehmungen zu vergeuden“.

Leider kam Andi Ellison zu spät zu dieser Erkenntnis. Die junge Studentin ging mit einem starken Glauben an die Universität von Indiana und geriet aufgrund ihres Zweifels und ihrer Neugierde auf Abwege. Im Buch „Leben nach Drehbuch“, dem dritten Teil der Reihe „Mission Hollywood“, erzählt Karen Kingsbury von der tragischen Wende, die das Leben der hübschen Missionarstochter genommen hat. Nachdem sie sich mit dem ungezähmten wilden Studenten Taz eingelassen hatte, brach dieser ihr das Herz und wandte sich kurz darauf schon dem nächsten Mädchen zu. Doch Andi hatte bereits ihre Unschuld an ihn verloren, und ihre nur kurze Zeit dauernde Affäre war nicht ohne Folgen geblieben. Als die junge Frau ihre Schwangerschaft bemerkt, gerät sie in tiefe Verzweiflung – und sieht als einzigen Ausweg nur noch eine Abtreibung.

Als Leser darf man in diesem Band die Geschichte der erfolgreichen Filmemacher Keith Ellison und Chase Ryan wieder ein Stück mitverfolgen und erleben, wie Jeremiah Productions mit ihrem Film „Der letzte Brief“ große Erfolge feiert. Das lange avisierte Ziel, Filme mit christlicher Botschaft zu produzieren und damit Menschenleben zu verändern, scheint erreicht, und die beiden ehemaligen Missionare an der Spitze des Erfolges gelandet zu sein. Doch Chase steht gefährlich nahe am Abgrund und erhält buchstäblich im allerletzten Moment eine Chance, seine Wertigkeiten zu überdenken und sein Leben zu ändern.

Den Familien Elisson und Ryan wird in diesem Buch zwar viel Platz eingeräumt, mindestens ebenso große Aufmerksamkeit wird jedoch den liebenswerten Flanigans und Cody Coleman zuteil. Karen Kingsbury liefert hervorragend charakterisierte Figuren und bringt neben den bereits aus den Vorgänger-Büchern bekannten Protagonisten auch interessante Nebenfiguren in die Handlung ein. Sie berichtet zudem von Baileys Freund Tim Reed und deren Beziehung zu Cody Coleman, und skizziert Motivationen, die inneren Kämpfe, Zweifel und Ängste der handelnden Personen. Wie nicht anders erwartet wird auch im dritten Teil dieser Buchreihe großer Wert auf den christlichen Glauben gelegt. Das Gebet und der Glaube an Gott spielen eine sehr zentrale Rolle, Hoffnung, Vergebung und Bekehrung sind überaus wichtige Themen in diesem Buch.

„Manchmal wird das Leben so kompliziert, dass man alleine keinen Ausweg mehr findet. Wenn das eintritt, muss Gott für den Ausweg sorgen. Mach dir keine Sorgen um morgen. Geh den nächsten Schritt.“

„Leben nach Drehbuch“ war für mich persönlich das bislang am meisten beeindruckende Buch dieser Reihe, ein Buch mit vielen Emotionen und sehr viel Tiefgang. Karen Kingburys unvergleichlicher, äußerst einnehmender Schreibstil hat mich auch diesmal wieder vollständig für sich eingenommen. Ein wundervolles Buch, das bereits die Vorfreude auf den vierten Band schürt.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Es begann mit einem Gedicht…

Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe.
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Es begann mit einem Gedicht…

„Was, wenn ich dir sage, dass Jesus Religion abschaffen wollte?
Was, wenn ich dir sage, welche Partei du wählst, spielt bei ihm keine Rolle.
Was, wenn ich dir sage, dass C ...

Es begann mit einem Gedicht…

„Was, wenn ich dir sage, dass Jesus Religion abschaffen wollte?
Was, wenn ich dir sage, welche Partei du wählst, spielt bei ihm keine Rolle.
Was, wenn ich dir sage, dass C heißt nicht, alles sind christlich.
Du hältst andre für blind, merkst aber nicht: Hast selbst keinen Durchblick.

Wenn Religion so gut ist, warum entstehen deswegen Kriege?
Warum hilft sie nicht den Armen und stiftet Friede?
Ihre Kirchen sind groß, aber drinnen ist nichts los.
Sie verurteilt Geschiedene, sagt, dass Gott sie nicht liebe,
wo doch Gott im Alten Testament die religiösen Führer Huren nennt.“


Es begann im Grunde mit einem Gedicht, das Jefferson Bethke schrieb und im Internet veröffentlichte. Nachdem es innerhalb weniger Stunden von Millionen Menschen gelesen wurde, erkannte der junge Mann verblüfft, welche Auswirkungen das schriftliche Festhalten seiner Gedanken hatte. Nach unzähligen Zuschriften von Personen, die von der Religion enttäuscht waren und sich nach dem „echten Jesus“ sehnten, entschloss er sich, das vorliegende Buch zu schreiben und gab ihm den provokanten Titel „Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe.“

In zehn Buchkapiteln spricht der junge Autor seine Leser sehr persönlich und eher salopp an, verfehlt dabei aber niemals sein Ziel: nämlich aufzurütteln, nachzudenken, und sich bewusst zu machen, was es bedeutet, Jesus nachzufolgen, und nicht bloß einen Haufen von Regeln zu befolgen. Er beginnt damit, ein wenig aus seinem eigenen Leben zu erzählen – vor allen Dingen seinen eigenen Erfahrungen mit der Religion sowie jenen seiner Mutter. Bethke gab in jungen Jahren aufgrund von Begegnungen mit konservativen Christen Gott auf – und sein Image, Beziehungen und Mädchen wurden kurzfristig zu seinem neuen Gott. Er gibt unumwunden zu, dass er selber erst ganz unten ankommen musste, um zu begreifen, dass er dem „falschen Jesus“ gefolgt war, nämlich einem selbsterfundenen, der mit jenem in der Bibel nicht viel zu tun hatte. Er beschreibt offen und freimütig seinen Ich-bezogenen Lebensstil am College, aber auch seinen Sinneswandel, als er den Unterschied zwischen dem Glauben an Jesus und dem „Falschen Christsein“, auf das er im Verlauf seines Buches detailliert eingeht, darlegt. Er schreibt wörtlich: „Wenn du mit Religion „Überzeugungen in Bezug auf das Universum, seine Entstehung, sein Wesen und seinen Sinn“ meinst, sage ich dazu Ja und Amen. Dann ist das Christentum eine Religion. Aber diese Definition trifft auch auf den Atheismus zu. Wenn wir Wenn wir aber unter „Religion“ das verstehen, „was jemand tun oder wie er sich verhalten muss, um vor Gott bestehen zu können“, dann ist das wahre Christsein keine Religion. Wahres Christsein dreht sich um die Gerechtigkeit von Jesus – um seine Taten und wie gut er ist. Religion heißt, wir versuchen, Gott DURCH unsere moralischen Bemühungen näherzukommen. Jesus hingegen ist Gott, der uns TROTZ unserer moralischen Bemühungen nachgeht.“

Bethke wendet sich im gesamten Buch gegen eine weichgespülte, fadenscheinige und kulturelle Religiosität und prangert das „Weihnachtsmann-Christentum“ an. Der Autor zieht für seine Ausführungen auch Bibelstellen heran. Er weist beispielsweise darauf hin, wie Jesus alle sozialen, geschlechtsspezifischen und wirtschaftlichen Denkmuster durchbrochen hat, wie er auf Randgruppen zuging und es für ihn einfach keine Schranken gab. Er schreibt über die Gemeinde bzw. wie eine Gemeinde aussehen sollte, über das Thema Homosexualität, von dem er auch in seinem privaten Umfeld betroffen ist, er erzählt von Schuld und Gnade, der Freundschaft, der Hoffnung und der Liebe. Und er gibt dabei ganz gewaltige Denkanstöße, die mich als Leser sehr nachdenklich machten und nicht nur viele Fragen aufwarfen, sondern auch einige beantworteten. Die nachstehenden Passagen für mich besonders beeindruckend:

„Gott liebt uns, weil er Liebe IST. Er liebt uns nicht, weil wir so liebenswürdig wären. Das ist ein riesiger Unterschied.“

„Wenn du begreifst, wie groß das Geschenk ist, das Jesus dir gemacht hat, kannst du gar nicht anders, als ihm nachzufolgen. Weil er sein Leben für dich gegeben hat, kannst du gar nicht anders, als ihm deines zurückzugeben.“

„Du kannst Gott ehren, wo auch immer er dich hingestellt hat. Du musst kein schlechtes Gewissen haben, weil du Koch bist oder weil du malst. Nur zu oft begreifen Christen nicht, dass ihr Missionsfeld dort ist, wo sie gerade sind.“


Ich könnte hier an dieser Stelle noch unzählige Zitate aus diesem Buch anführen. Ein Buch, das in einfacher Sprache verfasst wurde und mich so tief zu beeindrucken vermochte. Aus dem Leben gegriffene Beispiele, grundlegende Wahrheiten aus der Bibel, in schlichten Worten ohne „Schönrederei“ dargelegt. Worte, die stark berühren und nachdenklich machen. Jefferson Bethke hat die Gabe, seinen Gedanken unverblümt Ausdruck zu verleihen und dabei andere zu begeistern. Zumindest ist ihm dies bei mir gelungen. Ich kann dieses Buch wirklich jedem Christen weiter empfehlen, dem daran liegt, Jesus nahe zu sein, verändert zu werden und andere Menschen neugierig zu machen. Das Buch kann auch dazu beitragen, das eigene Leben zu verändern, ihm eine neue Richtung zu geben. Denn Jefferson Bethke fragt ganz konkret, wie unser eigenes Leben aussieht, wo Gott uns hingestellt hat, und ob wir seinen Plan erfüllen, oder aber versuchen, vor ihm wegzulaufen.

Im Schlusswort fordert der Autor seine Leser dazu auf, sein Leben Jesus anzuvertrauen, ihm nachzufolgen: „Wirst du dich ihm anvertrauen? Ich weiß nicht, wo du gerade stehst oder von wo du kommst, aber ich weiß, dass Jesus einen besseren Plan für dein Leben hat als du. ER hat dein Leben besser im Griff, wenn du ihn lässt, als du selbst. Niemand hat mir mehr Verletzungen, Scham, Schuldgefühle und Schmerz zugefügt als sich selbst. Er weiß das und befreit mich davon. Das kann er auch für dich tun. Komm einfach so, wie du bist.“


Veröffentlicht am 16.04.2018

Gnadenzeit

Gnadenzeit
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„Noch ist Gnadenzeit. Noch ist Zeit zur Umkehr. Noch könnte er aus der Finsternis ans Licht treten, Gnade erleben, Amnestie zugesprochen bekommen. Er bräuchte nur 400 Meter hinuntersteigen und sich dem ...

„Noch ist Gnadenzeit. Noch ist Zeit zur Umkehr. Noch könnte er aus der Finsternis ans Licht treten, Gnade erleben, Amnestie zugesprochen bekommen. Er bräuchte nur 400 Meter hinuntersteigen und sich dem Gastwirt offenbaren. Ich bin der Zeuge. Ich kenne den Täter, und ich kenne das Opfer.“_

Ein Mordzeuge, dessen Identität zu Beginn des Buches noch im Dunkeln liegt, hadert mit sich und seinem Gewissen. Es gibt Gründe, die ihn daran hindern, seine Beobachtung zu melden. Und so wird die Leiche der jungen Frau erst entdeckt, als der Täter längst über alle Berge ist. „Tote Frau im Oytal gefunden“. Dieser Anruf leitet für den Oberkommissar bei der Kripo Kempten das Ende eines gemütlichen Fernsehabends ein, bevor dieser überhaupt begonnen hatte. Alois Bachhuber aus Oberstdorf nimmt gemeinsam mit seinem Assistenten Sepp Brutscher die Ermittlungen in diesem Fall auf, wobei sich rasch herausstellt, dass die Polizei es mit einem Mord zu tun hat. Die Spuren führen zu einer Sekte, und die Kriminalbeamtin Maria Sonnlaitner als Expertin im kirchlichen Milieu ist durch ihre einfühlsame Befragung von Zeugen und Verdächtigen eine überaus wertvolle Hilfe. Als die Identität des Mordopfers geklärt ist und die Kriminalbeamten die Familie befragt, treffen sie auf ein beklemmendes Umfeld und aktive Unterstützer und Mitglieder des despotischen Sektenführers August Haupt. Je weiter die polizeilichen Ermittlungen fortschreiten, umso erschreckendere Dinge kommen ans Licht. Fassaden beginnen zu bröckeln, und was jahrelang im Untergrund schwelte, drängt nun mit einer Urgewalt zutage.

Ich muss zugeben, dass ich bislang nur wenige christliche Kriminalromane gelesen habe, und meine Erwartungshaltung hoch war. Der Einstieg in das Buch ist dem Autor zunächst vortrefflich gelungen, der einnehmende Schreibstil gepaart mit einer großen Portion Humor bereitete mir aufgrund der Aussagen des Ehepaars Bachhuber großes Lesevergnügen. Die bildhafte Sprache ließ die Schauplätze der Handlung vor meinem inneren Auge lebendig erscheinen, die relativ häufige Verwendung des regionalen Dialekts im Buch empfand ich als stimmig. Die Krimihandlung an sich hat mich jedoch ein wenig enttäuscht. Spuren werden eher oberflächlich verfolgt, Aussagen nicht überprüft, von Tatortspuren und näheren Details zu den Ermittlungen erfährt der interessierte Leser nur wenig. Der häufige Wechsel des Schauplatzes und der agierenden Personen war durch separate Kapitel gekennzeichnet, die ihrerseits jeweils durch eine ganzseitige Abbildung immer derselben Landschaft in Schwarz-Weiß klar vom vorangegangenen Inhalt getrennt wurden. Die Handlung wies einen sehr niedrigen Spannungsfaktor auf, die verdächtigen Personen offenbarten sich dem Leser sehr rasch, auch die Auflösung des Falls stellte für mich keine wirkliche Überraschung dar.

In diesem Buch wurde dem Glauben bzw. der Art und Weise, wie Menschen diesen ausleben, großes Augenmerk zuteil. Der psychologische Aspekt und die Geschichte um den despotischen Sektenführer August Haupt, der die kleine Versammlung in der Forstgasse leitete, lässt die Krimihandlung ein wenig in den Hintergrund treten. Bereits nach dem ersten Drittel des Buches konzentriert sich der Autor verstärkt auf die Vergangenheit des Opfers und das Umfeld, in dem es gelebt hatte. Relativ gut beschrieben wurde die Art und Weise, wie eine Sekte entstehen kann. Wie das Ansinnen einer seriösen Glaubensgemeinschaft, Menschen zu Jesus Christus führen zu wollen, gemeinsamen in der Bibel zu lesen und zu beten, die Kinder in Gottesfurcht zu erziehen und das Leben Gott zu weihen, ganz rasch aus dem Ruder geraten kann. Er zeigt auf, welche Umstände dazu führen, dass sich ein ungebildeter Laienprediger mit psychischen Problemen und einer radikalen Ideologie zum dominanten Sektenführer aufschwingen kann, zum Fanatiker wird und sich dabei selbst als das Maß aller Dinge betrachtet. Jürgen Mette verdeutlicht, wie eine kleine Glaubensgemeinschaft ihre Fassade der Rechtsgläubigkeit zur Schau stellt, hinter der sich jedoch Abgründe verbergen. Wo Kontrollwahn und körperliche Züchtigungen, psychologischer und körperlicher Missbrauch sowie eine radikale Abkehr von einem so genannten „saft- und kraftlosen anonymen Namenschristentum“ Kinderseelen wie auch erwachsene Menschen zu zerbrechen vermag. Ich hatte während der Lektüre den Eindruck, dass die Bibel als Basis des christlichen Glaubens in diesem Buch negativ dargestellt wird. Zwar kann man das Verhalten eines Jakob Weber oder eines August Haupt keinesfalls auch nur im Geringsten nachvollziehen oder gar gutheißen, dennoch vermeinte ich eine stets unterschwellig präsente Kritik an Menschen zu spüren, die die Bibel als Grundlage ihres Glaubens betrachten.

Mir ist die Bewertung dieses Buches schwer gefallen. Einerseits empfand ich die mit viel Humor gespickten Dialoge des Oberkommissars Bachhuber als erfrischend und amüsant. Andererseits fehlte es mir bei der Krimihandlung eindeutig an Spannung sowie an detaillierter Ermittlungsarbeit. Im Grunde nahm ich das Buch als Bericht über eine Sekte, bei dem das zentrale Augenmerk auf das Glaubensleben gelegt wird, wahr.

Die optische Aufmachung des Buches wirkt düster und bedrohlich – und zwar sowohl die tiefschwarze Covergestaltung, als auch die dreißig identischen schwarzen Buchseiten, die jedes der Kapitel einleiten. Ich vermute, dass hier danach getrachtet wurde, die negative Grundstimmung, die Dunkelheit, die Angst und Schrecken vermittelnden Lehren der Sekte, optisch darzustellen.

Gnadenzeit – ein Buch, das ich für meine Person nicht ganz eindeutig dem Genre Kriminalroman zuordnen, sondern vielmehr als psychologischen Spannungsroman bezeichnen würde. Eine Lektüre, der ich mit gemischten Gefühlen gewidmet habe.