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Veröffentlicht am 11.07.2019

Literarisch ein Genuss

Ein anderer Takt
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EinAndererTakt erschien bereits im Jahr 1962 unter dem Originaltitel A Different Drummer. Der Autor William Melvin Kelley wurde schon vor vielen Jahren als der „übersehene Gigant der amerikanischen Literatur“ ...

EinAndererTakt erschien bereits im Jahr 1962 unter dem Originaltitel A Different Drummer. Der Autor William Melvin Kelley wurde schon vor vielen Jahren als der „übersehene Gigant der amerikanischen Literatur“ bezeichnet. Er wurde 1937 in einem Sanatorium auf Staten Island geboren. Seine Mutter litt an Tuberkulose und sie trug den Jungen entgegen der Warnungen ihrer Ärzte aus. Das Risiko wurde mit der Geburt eines gesunden Kindes belohnt. Gestorben ist William im Jahr 2017 in Harlem.

Der Roman beginnt mit einem Rückblick als Sklaven noch angekettet und in Schiffen nach Amerika kamen. Grauenhaft, wie die Menschen bei ihrer Ankunft begutachtet wurden. Wie Tiere behandelten die Weißen Herren sie und zahlten je nach Gesundheitszustand und Ausbau der Muskulatur für sie. Die Menschen wurden teilweise mit Peitschen vom Schiff getrieben. Ein dunkelhäutiger Riese wehrte sich gegen die Machenschaften und ihm gelang es, einige seiner Peiniger auszuschalten.

Tucker ist ein Mann, der in

EinAndererTakt seine Farm zunächst mit Salz überschüttet. Dann tötet er seine Kuh und das Pferd und steckt anschließend das Haus an. Er nimmt Frau und Kind um das Land zu verlassen und alle Schwarzen mitzunehmen. Niemand will mehr in der Gegend bleiben. Die Weißen wundern sich zunächst und erst nach und nach wird ihnen klar, was damit zusammenhängt.

Das Buch glänzt durch seine klare und zugleich ausgefallene Sprache. Sie ist kaum mit dem schriftstellerischen Versuch so mancher „Autoren“ der heutigen Zeit. Es berichtet nicht chronologisch sondern beginnt mit dem Verlassen der Farm. Danach wird aus Sicht von verschiedenen Leuten der Werdegang bis zu diesem Ereignis beschrieben.

EinAndererTakt liest sich nicht nebenbei, sondern es ist Konzentration gefragt. Dafür wird der Leser mit einem literarischen Hochgenuss belohnt.

Tucker ist ein „Neger“, ja auch dieses „Unwort“ kommt häufig in dem Buch vor. Der Autor schreibt dazu, dass es nur dann ein Schimpfwort sei, wenn es auch so gemeint ist. Der Junge lässt sich nicht verbiegen und macht Dinge, die von seiner Umgebung zunächst nicht verstanden werden. Er sagt: Jeder kann seine Ketten abstreifen. Der nötige Mut, ganz gleich, wie tief er begraben ist, wartet nur darauf, gerufen zu werden.“

EinAndererTakt ist aber viel mehr als die Darstellung von Rassismus des letzten Jahrhunderts. Es berichtet von Vertrauen und Freundschaft sowie Ungerechtigkeit durch Menschen, die meinen, dass sie über dem Gesetz stehen.

Das Buch war für mich ein Highlight meines Lesejahres 2019 und ich gebe eine ausdrückliche Empfehlung, es auch zu lesen.

Ich danke dem Verlag und #NetGalley, dass ich den Roman lesen durfte.

Veröffentlicht am 10.07.2019

Nicht das beste Buch zum Thema

Das Haus des Dämmerlichts
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DasHausDesDämmerlichts ist die Neuauflage eines Buches, welches bereits im Jahr 2016 erschien. Es trug den Namen Schattwald und nicht nur der Name wurde geändert. Auch das Cover erinnert nicht an die Ausgabe ...

DasHausDesDämmerlichts ist die Neuauflage eines Buches, welches bereits im Jahr 2016 erschien. Es trug den Namen Schattwald und nicht nur der Name wurde geändert. Auch das Cover erinnert nicht an die Ausgabe von 2016.

Der Roman schildert die Geschichte von Anna und Charlotte. Anna Südhausen ist eine junge Frau, die als Journalistin für eine Frauenzeitschrift tätig ist. Sie wurde vor wenigen Wochen von ihrem Mann wegen einer jüngeren Frau verlassen und leidet sehr darunter. Sie bekommt einen Anruf aus Innsbruck und erfährt dabei, dass ihre Großmutter Charlotte Waldhofer gestorben sei und eine Nachricht für sie hinterlassen habe. Sofort fliegt sie nach Österreich, organisiert die Beisetzung und sucht nach der letzten Mitteilung ihrer Großmutter an sie.

Im Haus Charlottes findet Anna zunächst Tagebücher, die in einfache Schulhefte und mit Bleistift geschrieben sind. Sie erfährt darin, was die Großmutter während des Krieges erlebte und noch einige andere Dinge, die nicht nur sie selbst sondern auch ihre Mutter betreffen. Diese starb vor etlichen Jahren bei einem Autounfall und seitdem hatte Anna kaum noch Kontakt zu Charlotte.

DasHausDesDämmerlichts beginnt mit dem Flug Annas nach Innsbruck und das nächste Kapitel beschreibt die Ankunft Charlottes in der Einrichtung Schattwald. Sie war die Tochter eines Rüstungsfabrikanten und musste miterleben, wie Nazigrößen im Haus der Eltern ein und aus gingen. Als ihr Bruder starb, fällt sie in ein tiefes Loch und die Eltern schicken sie weit weg nach Schattwald. Es ist ein Haus, in dem psychisch Kranke versorgt und therapiert werden. Der Chefarzt steht den Kranken zur Seite und möchte verhindern, dass sie dem damals üblichen „Gnadentod“ entkommen können.

Für mich war das Buch zu oberflächlich. Es gibt etliche Verwicklungen und sogar ein plötzlicher Todesfall konnte bei mir keine Spannung erzeugen. Das Schildern des Umgangs mit psychisch Kranken wird nur angerissen. Das Buch hat Längen und dann kommt das Ende zu schnell. Es werden nicht alle Fragen geklärt sodass ich ein wenig ratlos zurückblieb. Wen das nicht stört, der kann sich auf Familiengeheimnisse und die Beschreibung von Unrecht an psychisch Kranken einstellen. Zu dem Thema gibt es viel Literatur und

DasHausDesDämmerlichts ist nicht die beste.

Vielen Dank an den Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Nein, er war kein Attentäter, er war ein Held

Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter
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StauffenbergMeinGroßvaterWarKeinAttentäter ist ein sehr beeindruckendes Buch. Die Historikerin Sophie von Bechtolsheim schrieb es und es erschien im Herder Verlag. Bald jährt sich der Tag des Attentates ...

StauffenbergMeinGroßvaterWarKeinAttentäter ist ein sehr beeindruckendes Buch. Die Historikerin Sophie von Bechtolsheim schrieb es und es erschien im Herder Verlag. Bald jährt sich der Tag des Attentates auf Hitler wieder und es werden etliche Gedenkfeiern stattfinden. Daher ist es gut, wenn durch das Buch auch eine andere Sicht auf den Menschen Stauffenberg möglich ist.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 27.08.1913 geboren und am 21.07.1944 erschossen. Und nicht nur er war das Opfer der Nationalsozialisten. Mit ihm gab es etwa 200 Menschen, die ebenfalls aufgrund des Ereignisses ermordet wurden. Sie waren an der Planung beteiligt oder unterstützten die Akteure. Aber auch nach dem Vorfall starben Angehörige durch die damals übliche „Sippenhaft“. Die Mutter von Claus von Stauffenberg starb während der Haft in einem Lager nahe Danzig an Typhus. Seine Frau überlebte die Gefangenschaft unversehrt. Die Kinder der Beteiligten wurden in einem eigens dafür hergerichteten Haus in Gewahrsam genommen. Das Geschehen wird bis heute kontrovers diskutiert und es gibt etliche Bücher und Schriften über den Widerständler Stauffenberg. War er tatsächlich ein Antisemit, wie es einige Historiker behaupten? Folgte er wirklich mit wehenden Fahnen dem Emporkömmling und Österreicher nach?

Das Sachbuch

StauffenbergMeinGroßvaterWarKeinAttentäter zeigt, wie schwer es ist, die Wahrheit zunächst zu ergründen und dann zu erhalten. Frau Bechtolsheim ist das gelungen. Sie berichtet über das Kennenlernen des Ehepaars Stauffenberg, wie es zur Verwundung des Großvaters kam und welche Verletzungen er durch seinen Afrikaeinsatz davontrug. Er verlor die rechte Hand, zwei Finger der linken Hand und sein linkes Auge. Nach dem Tod ihres Mannes Claus wurde die Witwe Nina häufig interviewt. Ihre Worte gaben die Journalisten jedoch falsch wieder und daher beschloss sie in den 70er Jahren, keine öffentlichen Interviews mehr zu geben.

Die Hinterbliebenen der damals Beteiligten erhielten keinerlei Zuwendung. Ihre Männer wurden unehrenhaft aus dem Militär entlassen und die Witwen mit ihren Kindern mussten nach dem Krieg bis zu 10 Jahre auf finanzielle Unterstützung warten. Die am Widerstand beteiligten wurden „Volksverräter“ genannt und ihre Familien mit Wut und Ausgrenzung bedacht. Das dauerte bis weit nach der Kapitulation an.

Nein, das Buch überzeugte mich ganz klar, dass Stauffenberg kein Attentäter war. Warum es seiner Enkelin so wichtig ist? Weil sie miterlebte, dass er mit den Attentätern der Bader-Meinhof-Bande und dem Terroristen des Islams verglichen wurde und wird.

StauffenbergMeinGroßvaterWarKeinAttentäter ist ein wertvolles Buch. Es zeigt, welcher Mensch Stauffenberg war und was ihn zu diesem Schritt bewog. Er dachte dabei an das Deutsche Volk und seine Familie.

Vielen Dank an den Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Es wird Zeit, dass wir uns selbst umarmen

Embrace Yourself
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Schon beim Betrachten des Covers kam bei mir Freude auf. Endlich mal eine Frau, die ihre Kurven selbstbewusst zeigt. Keine Fotografie, die bearbeitet ist und nur aus diesem Grund ein Model mit „perfekten“ ...

Schon beim Betrachten des Covers kam bei mir Freude auf. Endlich mal eine Frau, die ihre Kurven selbstbewusst zeigt. Keine Fotografie, die bearbeitet ist und nur aus diesem Grund ein Model mit „perfekten“ Maßen abbildet.

EmbraceYourself richtet sich nicht nur an Frauen mit Übergröße. Es ist ein Sachbuch für jeden, der sich selbst dauerhaft und kritiklos annehmen möchte.

In dem Buch kommt immer mal wieder die Sprache auf den Film. Nein, es ist keine Werbung dafür, sondern einfach eine Erwähnung von Gesprächen mit Betroffenen, die gefilmt wurden. Auch wie der Erfolg des Streifens war und ist und dass er in Deutschland nur an einem Abend gezeigt wurde. Es gab also keine wochenlangen Werbekampagnen oder Vorankündigen auf sämtlichen Kanälen. Frau Brumfitt ist die Autorin und sie lebt mir ihrer Familie in Australien. Nach der Geburt ihrer drei Kinder wollte sich ihr Traumgewicht nicht wieder einstellen und sie haderte lange damit. Bis sie den Entschluss fasste, alle positiven Seiten ihres Körpers zu sehen und gegen die angeblichen Makel anzukämpfen. Aus dieser Idee wurde dann der Wunsch für einen Film geboren. Sie wollte allen Frauen zeigen, dass auch sie nicht an ihrem Aussehen verzweifeln müssen.


Die Statistik in

EmbraceYourself belegt die hohe Zahl der Schönheitsoperationen. Bereits junge Frauen und Jugendliche lassen sich Brustvergrößerungen schenken. Welches Risiko sie dabei eingehen, wissen sie oft nicht. Frau Brumfitt fragt in dem Buch: Ist männliche Zustimmung bei meinem Aussehen der „Heilige Gral“? Recht hat sie. Auch damit: Mein Körper ist nicht da, um anderen zu gefallen. Ihr Film wurde durch Crowdfunding realisierbar und von sehr vielen Menschen unterstützt. Damit Rechnete Frau Brumfitt gar nicht. Es zeigt aber, wie wichtig das Thema ist.

Die Werbung suggeriert, wie ein perfekter und schöner Körper auszusehen hat. Dabei werden die Fotos bearbeitet und zeigen nie das wahre Bild der Models. Das sollten sich Frauen, die verzweifelt zu den GNTM´s „aufschauen“ vor Augen führen. Hier sind die Eltern gefragt, die ihre Kinder aufklären und ihnen mit Rat zur Seite stehen können. In

EmbraceYourself stehen viele Originalzitate von Frauen, denen die Ratschläge von Frau Brumfitt geholfen haben. Sie konnten ihre Hemmungen überwinden und ein zufriedenes Leben ohne Diäten führen.

Für mich war das Buch ein Anstoß zum Nachdenken. Warum denke ich so über meinen Körper und was kann ich daran ändern? Es ist keineswegs dogmatisch und gefiel mir schon aus dem Grund sehr gut. Einige Tipps sind umsetzbar und niemand behauptet, dass das leicht ist. Die Autorin spricht ihre Leser direkt mit du an und sorgt auf diese Weise beim Lesen für eine private Atmosphäre.

Noch ein Zitat aus

EmbraceYourself:

Mit jedem Atemzug kommst du deinem letzten Atemzug einen Schritt näher. Also verschwende keine Zeit.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Carmen Silva gibt sich die Ehre

Die Hebamme von Sylt
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Während einer Sturmnacht werden auf der Insel Sylt gleich mehrere Schicksalsschläge das Leben der Menschen auf den Kopf stellen. Die junge Hebamme Geesche Jensen lebt in einem kleinen Haus und richtete ...

Während einer Sturmnacht werden auf der Insel Sylt gleich mehrere Schicksalsschläge das Leben der Menschen auf den Kopf stellen. Die junge Hebamme Geesche Jensen lebt in einem kleinen Haus und richtete hier ein Zimmer für Gebärende ein. Sie ist die einzige Fachfrau auf der Insel und hat einen guten Ruf. In einer Sturmnacht des Jahres 1872 kommen gleichzeitig zwei Schwangere zu ihr. Das eine ist ihre Freundin Freda und die andere die Gräfin Katerina von Zeiderlitz, die mit ihrem Mann auf der Insel Urlaub macht. In der Nacht geschehen schreckliche Dinge und eins davon ist, dass der Ehemann von Freundin Anne auf dem Meer verunglückt und nicht mehr zu ihr zurückkehrt. Geesches Verlobter ist schwermütig und kann es nicht verwinden, dass er als Arbeiter an der neuen Inselbahn tätig sein muss. Viel lieber wäre er Fischer, hat aber kein eigenes Boot. Er verunglückt ebenfalls kurz nach der Sturmnacht.

Schon schnell wird dem Leser klar, was noch in der ereignisreichen Nacht geschah. Darum geht es aber nicht nur und das Buch ist dennoch spannend. Weil viele Dinge passieren. Es wird gemordet, gelogen und denunziert. Der Graf von Zeiderlitz und sein Bruder Marinus entzweien sich, weil sie kein Vertrauen mehr zueinander haben. Geesche muss gegen die Wut der Einwohner Sylts kämpfen. Sie wird falsch verdächtigt und gerät in Lebensgefahr. Fast verliert sie ihre Existenz und es gibt nur einen Menschen, der ihr helfen könnte.

Besonders gut gefielen mir die historischen Fakten. Ich wusste zum Beispiel nicht, wer sich hinter dem Pseudonym Carmen Silva verbirgt. Oder wer damals den Ort Westerland kaufte und zum Aufstieg verhalf. Das Buch zeigt, was aus einem schlichten Fischerdorf mit armen Menschen im Laufe der Zeit werden kann. Am Ende ist auch kein sogenannter Cliffhanger. Jeder, den die beiden folgenden Bücher nicht mehr lesen mag, kann darauf verzichten. Ich werde es nicht tun, da ich wissen möchte, wie es mit Geesche und der Insel weiter geht.