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Veröffentlicht am 24.07.2019

Wahrlich eine wertvolle Wegbegleitung

Vom Glück des Wanderns
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Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit ...

Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit dem Wandern und den damit verbundenen Gedanken zur praktischen Philosophie zu beschäftigen.

Wie oft hören wir Begriffe wie: Lebensweg, durchs Leben gehen oder eine Durststrecke überstehen. Alles hat im weiten Sinn etwas mit dem Wandern zu tun. Wir bewegen uns fort, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Viele Ereignisse des Lebens lassen sich aufs Wandern übertragen. Da setzten wir uns beispielsweise ein Ziel und können das nur durch eisernen Willen und Durchhaltevermögen erreichen. Oder wir haben einen schweren Weg vor uns und überlegen vorher sehr genau, welches Gepäck wir tatsächlich benötigen. Unnützer Ballast wird erst gar nicht mitgenommen.

Der Verweis auf Viktor E. Frankl veranlasste mich, dieses Buch („Trotzdem Ja zum Leben sagen“), zu kaufen. Herr Frankl ist davon überzeugt, dass selbst in den dunkelsten Momenten des Lebens (Er war in mehreren Konzentrationslagern) ein Grund zur Dankbarkeit besteht. Sich an den kleinen Dingen erfreuen, das können Menschen besonders dann, wenn sie aufmerksam durch die Natur schreiten. Ich schreibe bewusst „schreiten“, also nicht Walkman im Ohr und Pulsuhr an der Hand sondern jeden Schritt genießen als das, was er ist. „Die Freude an der Natur.“

Das rechte Maß zu finden und sich nicht für andere Menschen zu verbiegen, diesem Wunsch ist ebenfalls ein Kapitel im Buch Vom Glück des Wanderns gewidmet. Beim Anschauen der Wunder, welche die Natur bietet, wird der Wanderer demütig. Er merkt, wie klein er ist und im Idealfall tritt für ihn „Wohlgemutheit“ ein. Eine wunderbare und passende Wortschöpfung.

Beim Lesen des Buches kam es mir an vielen Stellen vor, als würde mir ein Spiegel vorgehalten. So häufig erkannte ich mich und nahm den Rat und die Denkanstöße des Autors sehr gerne an. Zum Beispiel das Maßhalten, sich nicht überanstrengen. Wenn es mal bergauf geht, ruhig viel Pausen machen und akzeptieren, dass das Alter seinen Tribut fordert. Für mich ein lehrreiches und dabei so unterhaltsames Buch, dass ich es mit Sicherheit noch mehrmals lesen werde.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Motte oder die schwierigen Phasen des Lebens

Blackbird
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Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung ...

Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung such. Der Vater nennt die Freundin seine „Lebensgefährtin“. Das versteht Morten überhaupt nicht. Dass man jemanden, den man liebt, „Lebensgefährtin“ nennen kann. Zu diesem Umbruch in seinem Leben kommt auch noch, dass sein bester Freund Bogi an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Non-Hodgkin-Lymphom oder so nennen die Fachleute das.

Blackbird ist der zweite Roman des Schauspielers und Autors Matthias Brandt. Das erst Buch

Raumpatrouille hörte ich und war von dem Text aber auch der Stimme Brandts beeindruckt. Dieses Buch las ich jetzt und auch hier war es die Sprache, die mir sehr gut gefiel. Mir fehlte allerdings etwas und ich denke, dass es die Stimme des Sprechers war.

Das Buch punktet durch Komik und Vielfalt im Ausdruck. Motte ist ein ganz normaler Junge, der von heute auf morgen mit einem sehr kranken Freund zurechtkommen muss. Ja, zurechtkommen. Für ihn ist es keineswegs selbstverständlich, dass er oft ins Krankenhaus geht um Bogi zu besuchen. Auch die Veränderung des Freundes, bedingt durch die Chemotherapie, ist für ihn schwer anzuschauen. Dann kommt auch noch das Drama, dass er sich Hals über Kopf in Jacqueline verliebt. Wie soll er das alles durchstehen, ohne verrückt zu werden?

Blackbird gefiel mir gut, aber wie schon erwähnt, es fehlte der Sprecher. Ich werde mir das Buch als Hörbuch kaufen und es erneut genießen. Wer lieber selbst liest, findet ein ernstes Stück, welches durch humorige Abschnitte leichter zu ertragen ist.

O-Ton Morten nach seinem ersten Kuss: „Küssen war, als ob ich eine Sprache zwar nicht konnte, mich aber von jetzt an nur noch in ihr unterhalten wollte.“

Ich danke dem Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Eine Reise durch Kuba, sehr bildhaft geschrieben

Nächstes Jahr in Havanna
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Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: ...

Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: „Der 3. Weltkrieg beginnt“. Das Erlebnis ist mir noch heute präsent, obwohl ich damals in keiner Weise etwas mit dem Begriff „Kubakrise“ anfangen konnte. Der Titel des Buches „Nächstes Jahr in Havanna“ erinnerte mich sofort an diese Nacht und voll Spannung begab ich mich gemeinsam mit der Autorin nach Kuba.

Die Autorin schrieb in der Ich-Form von zwei Frauen und in zwei Zeitebenen. Das ist Elisa Perez im Jahr 1958, 1959, die in Havanna lebt und ihre Enkelin Marisol im Jahr 2017, die ihr Zuhause in Miami hat. Elisa floh damals mit ihren Eltern aus Havanna. Der Grund war die Revolution und der Sturz des Präsidenten Batista. Elisa und ihre Familie hatten die Hoffnung, bald wieder nach Kuba zurückkehren zu können.

Marisol hat die schmerzvolle Aufgabe, den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Da sie bei ihr Aufwuchs war die Beziehung der beiden sehr eng. Marisols Eltern trennten sich als sie noch ein kleines Mädchen war. Elisa nahm den Platz der Mutter ein. Immer wieder sagte sie zu Marisol: „Wenn Fidel Castro stirbt, kehren wir nach Kuba zurück.“ Leider kam es anders und sie starb vor ihm. Einige Wochen nach dem Tod der Großmutter findet Marisol einen Brief von ihr. Dieser richtet sich an sie mit der Bitte, dass Elisas Asche in Havanna verstreut werden soll. Ein schwieriges Unterfangen, da die Urne nach Kuba geschmuggelt werden muss.

Marisol studiert Reiseunterlagen und nimmt Kontakt mit Ana auf. Das ist eine Freundin Elisas von damals und Marisol wohnt während ihres Aufenthalts auch dort. Hier erfährt sie, welches große Geheimnis Elisa mit ins Grab nahm. Aber auch die Probleme der Einheimischen werden ihr vor Augen geführt. Auf der einen Seite diese unvorstellbare Armut und auf der anderen Seite der zur Schau gestellte Reichtum von Privilegierten. Touristen genießen die Schönheit Havannas und es gibt immer mehr Kubaner, die davon leben.

Mir gefiel das Buch ausgesprochen gut. Ich lernte Kuba so kennen, wie sie von Einheimischen gesehen wird. Die Anfänge Fidels und die Gründe für das Auflehnen des Volkes gegenüber Batista. Dass nach der Revolution nichts besser wurde und was Che Guevara mit der Sache zu tun hatte.

Die Autorin schreibt im Anhang, dass in dem Buch ein Stück ihres Herzens steckt. Das habe ich beim Lesen gespürt. Stammt ihre Familie doch aus Kuba und floh 1967 vor den Unruhen dort. Sie wurden in den USA aufgenommen und leben dort seitdem. Das Heimweh nach Kuba ist aber noch immer ungebrochen.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Ein Weiser Mann schildert spannende Begegnungen

Die verspielte Welt
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Der ungarische Journalist und Autor Paul Lendvai ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist bekannt für seine neutrale und subjektive Berichterstattung. Sein kritisches Buch zum derzeitigen ...

Der ungarische Journalist und Autor Paul Lendvai ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist bekannt für seine neutrale und subjektive Berichterstattung. Sein kritisches Buch zum derzeitigen Ministerpräsidenten Ungarns war Anlass etlicher Drohungen und falscher Behauptungen. Das schreckt Herrn Lendvai in keiner Weise und auch in dem Buch

DieVerspielteWelt berichtet er über Stationen und Begegnungen während seines journalistischen Schaffens.

Als ungarischer Jude erlebte er den Holocaust hautnah mit. Wurden doch etliche Familienmitglieder und Bekannte durch Nazis ermordet. Im Buch

DieVerspielteWelt zeigt er die Anfänge des
Jugoslawienkrieges auf. Im Jahr 1961 besuchte er zum ersten Mal den Vielvölkerstaat. Danach schreibt er über die Situation in Albanien, den Menschenrechtsverletzungen im Kosovo und den tiefgreifenden Veränderungen im gesamten Osten Europas. Er erinnert sich an Gespräche mit führenden Politikern und den Werdegang etlicher Länder von damals bis heute.

Einigen Persönlichkeiten widmet er mehrere Seiten, indem er einen kurzen Lebenslauf schrieb. Darunter sind zum Beispiel Walter Laqueur und George Soros. Interessant war für mich, dass Orban als junger Mann nur studieren konnte, weil er durch die Soros-Stiftung Unterstützung erhielt. Heute ist es sein ärgster Feind und die schmutzigen Kampagnen und ständige Lügengeschichten nehmen kein Ende. Sowohl Soros als auch Lendvai sind ungarische Juden und flüchteten aus dem Land, in dem sie verfolgt wurden.

Der amtierende Präsident der USA findet ebenfalls Erwähnung und auch hier schreibt Herr Lendvai klar und deutlich, was ihm nicht gefällt. Er zitiert in

DieVerspielteWelt auch Helmut Schmidt:
„Charisma ist eine Gabe, die hatte auch Hitler. Ohne Moral und ohne Vernunft kann charismatische Ausstrahlung eine Gefahr sein.“ Wie recht er doch hat.

Das Buch werde ich mit Sicherheit mehrmals lesen. Es ist ein kluges Sachbuch, welches ganz ohne Dogmen und Pathos auskommt. Es ist auch keineswegs eine Aneinanderreihung von Fakten, sondern unterhaltsam geschrieben. Eines nehme ich aber mit: Die Furcht um unsere Demokratie in Europa und der Wunsch, dass die zerstörenden Kräfte nicht noch stärker werden.
Im Anhang ist ein Namensverzeichnis aufgeführt. Auf diese Weise ist es einfach die Seite zu finden, auf der der Name des Gesuchten steht.

Ich danke dem Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 18.07.2019

"Es ist genug für alle da"

Gemma Habibi
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„GemmaHabibi sei unter Boxern das oft beschworene Herz, der Hunger. Wonach? Nach Anerkennung, ein anderes Leben oder Selbstbestimmung. Boxen sei wie die Kunst oder die Literatur, ein Mittel, diesen Hunger ...

GemmaHabibi sei unter Boxern das oft beschworene Herz, der Hunger. Wonach? Nach Anerkennung, ein anderes Leben oder Selbstbestimmung. Boxen sei wie die Kunst oder die Literatur, ein Mittel, diesen Hunger aufrecht zu erhalten. Die Worte verkörpern die Sucht nach einer Bedingungslosigkeit, der sich alles andere unterordnen muss.“ Das meint Robert Prosser über sein neuestes Werk

GemmaHabibi.

„Es ist genug für alle da“, so lautet der Satz auf einem Transparent, welches während einer Demo in Wien hochgehalten wird. Und das ist der Beginn des Romans

GemmaHabibi. Der Autor schreibt in der Ich-Form. Die Anfänge in Wien, nachdem er zum Studium aus einem kleinen Ort in die „große Stadt“ zog. Sei Aufenthalt in Syrien und die Menschen, die er dort kennenlernte. Das ist Z., der später auch nach Österreich flüchtet und Elena, eine Fotografin. Mit ihr fängt er eine lockere Beziehung an. Während des Studiums, und zwar im Jahr 2013, gab es ein Projekt für die künftigen Anthroposophen. Lorenz, so heißt der Protagonist, meldet sich daraufhin in einer Boxschule, einem Gym, an. Er will erforschen, in welcher Weise das Boxen zur Völkerverständigung beitragen kann.

GemmaHabibi zeigt, dass beim Boxen die Nationalität eigentlich keine Rolle spielt. Warum nur eigentlich, das wird im Verlauf der Erzählung klar. Der Autor beschreibt verschiedene Erlebnisse von Geflüchteten und immer wieder kommt die Sprache aufs Boxen. Ich denke es ist das Jahr 2015, wo viele Menschen in Wien ankamen und von „Bahnhofsklatschern“ begrüßt wurden. Elena hält diese besondere Situation mit ihrer Kamera fest. Dazu gehört auch die nicht nachvollziehbare Gewalt der Polizei bei einer Demo in Wien. Auch in Österreich sind die mit Schlagstöcken und Pfefferspray unterwegs, um „gewaltbereite, linke“ Demonstranten gewaltsam zu stoppen. Die Demo hieß übrigens „Refugees welcome“.

Eine Reise nach Ghana beschreibt der Autor ebenfalls und das sehr ausführlich. Seine Erlebnisse dort zeugen von guter Beobachtungsgabe und auch immer wieder der Schwenk zur Sportart Boxen. Der Roman ist nicht immer chronologisch aufgebaut und anfangs fiel es mir schwer, den Gedankengängen des Autors zu folgen. Das legte sich mit der Zeit. Viele Situationen waren für mich interessant, jedoch kam mir ein wenig zu viel Boxen vor. Dennoch empfehle ich das Buch, weil es toll geschrieben ist und der Wahrheit sehr nahe kommt. Es ist mehr als „nur“ ein Roman.

Vielen Dank dem Verlag und

NetGalley, das ich

GemmaHabibi lesen durfte.