Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2018

Ein beeindruckendes Buch, erstaunlich ehrlich

Tödlicher Irrtum
0

Wer ist im wahrsten Sinne des Wortes prädestiniert, wenn es um das Schreiben eines Romans nach Tatsachen geht? Ganz klar jemand, der sich auskennt und an der Quelle sitzt. So ist es auch in dem Thriller ...

Wer ist im wahrsten Sinne des Wortes prädestiniert, wenn es um das Schreiben eines Romans nach Tatsachen geht? Ganz klar jemand, der sich auskennt und an der Quelle sitzt. So ist es auch in dem Thriller Tödlicher Irrtum. Der Autor Patrick Burow ist zudem Staatsanwalt und Richter und kennt sich bestens mit Fehlurteilen seiner Kollegen aus.

In dem Thriller geht es um ein neunjähriges Mädchen, welches morgens aus dem Haus geht und sich auf den Weg in ihre Schule macht. Danach nicht mehr gesehen wird. Trotz groß angelegter Suchaktionen verliert sich ihre Spur. Sie wurde zum letzten Mal einige hundert Meter von der Schule entfernt gesehen. Schnell finden die Ermittler einen Tatverdächtigen, der sehr bald den Mord an der Kleinen gesteht. Er wird in die Psychiatrie eingewiesen und dort soll er laut Urteil ein Leben lang bleiben.

Eine kleine Crew, bestehend aus dem alkoholabhängigen Professor Heckscher und zwei Studenten bilden das neu gegründete „Institut für Justizirrtümer“ und stoßen auf den Fall der Neunjährigen. Schon bald fallen ihnen Ungereimtheiten auf. Und nicht nur das. Sie erkennen rasch, dass bei den Ermittlungen äußerst nachlässig gearbeitet wurde. Rasch stellt sich der Grund für das Geständnis heraus und dass es unter Drogeneinfluss abgelegt wurde. Es ergeben sich neue Ansatzpunkte und es gibt einige Verdächtige. Bis zum Schluss wird der Leser in Atem gehalten.

Mir gefiel der Thriller gut. Herr Burow hat sich intensiv mit dem Thema Justizirrtümer befasst und bereits einige Titel dazu veröffentlicht. Tödlicher Irrtum spannt den Leser bis zur letzten Seite auf die Folter und ich wusste bis dahin nicht, wer der Täter ist. Und das ist, wenn jemand so viel liest wie ich, äußerst selten. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 09.12.2018

Ganz nett, mehr aber auch nicht

Wolgatöchter
0

Ines Thorn wurde in Leipzig geboren. Neben Slawistik und Germanistik studierte sie auch Kulturphilosophie. Den ersten Roman veröffentlichte sie im Jahr 2000. Seit 2003 widmet sie sich völlig ihrer Passion, ...

Ines Thorn wurde in Leipzig geboren. Neben Slawistik und Germanistik studierte sie auch Kulturphilosophie. Den ersten Roman veröffentlichte sie im Jahr 2000. Seit 2003 widmet sie sich völlig ihrer Passion, dem Schreiben von Büchern. Ihre Wolgatöchter wurden 2016 veröffentlicht.

In diesem Buch geht es um eine Familie, die sich rasch aus dem vertrauten Umfeld verabschieden muss. Der Grund dafür liegt darin, dass das Familienoberhaupt Georg Reiche als Kunstdieb und -fälscher gesucht wird. Dabei wollte er keineswegs betrügen sondern lediglich seine Familie vor Ungemach und Hungertod beschützen. Das ging schief, er wurde erwischt und konnte sich kaum vor den Häschern der Staatsmacht schützen. Einziger Ausweg war für ihn die Flucht nach Russland. Da seine Frau in vergangener Zeit schwor, ihn jederzeit zu unterstützen, sagte sie ihm beim Umzug nach Russland ebenfalls ihre Unterstützung zu. Die Kinder wurden nicht gefragt. Sie mussten sich dem Schicksal beugen und ihren Eltern in eine ungewisse Zukunft folgen.

In ihrem Buch „Die Wolgatöchter“ beschreibt die Autorin hautnah und sehr lebendig, wie es den Auswanderern damaliger Zeit erging. Hier zieht eine Familie nach Russland, weil der Vater wegen Kunstfälschung gesucht wird. Die Töchter werden nicht gefragt und sowohl Mutter als auch Vater glauben den Versprechen der Vermittler. Das Haus, welches ihre künftige Heimat sein soll, entpuppt sich als heruntergekommenes Objekt. Nicht nur die Tatsache, dass es vor Dreck trieft und viel Ungeziefer beherbergt, ist für die Auswanderer erschreckend. Schon bald erfahren sie, dass hier ein Mord statt fand. Eine Schwester möchte mehr darüber erfahren und sie forscht dem Geschehen damaliger Zeit nach. Die andere verliebt sich in einen Balten und vergisst dabei jede Vorsicht.

Für mich war das Lesen des Buches eine angenehme Unterhaltung. Zuweilen vorhersehbar aber nicht wirklich langweilig. Wer auf Lektüre mit Tiefgang steht, wird enttäuscht.

Veröffentlicht am 08.12.2018

Das Buch lässt mich nicht los

Jeder stirbt für sich allein
0

Jeder stirbt für sich allein wurde im Jahr 1947 veröffentlicht. Hans Fallada war der Autor und er hat bis heute nichts an seiner Popularität verloren. Der Name ist ein Pseudonym, da er tatsächlich Rudolf ...

Jeder stirbt für sich allein wurde im Jahr 1947 veröffentlicht. Hans Fallada war der Autor und er hat bis heute nichts an seiner Popularität verloren. Der Name ist ein Pseudonym, da er tatsächlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen hieß. Hans Fallada war und ist bis heute bei einigen Lesern umstritten. Das liegt wohl daran, dass er sowohl Morphium- als auch Alkoholabhängig war. Dennoch schrieb er Romane, die bis heute eine Vielzahl an Lesern unterhält.

Hans Fallada beschreibt in seinem Roman Jeder stirbt für sich allein die Situation während der Zeit des Nationalsozialismus sehr genau und anschaulich. Er berichtet von einem Ehepaar, deren Welt nach dem Tod des einzigen Sohnes zusammenbrach. Dieser kämpfte und wurde in Hitlers Krieg ermordet. Wie ihm erging es vielen jungen Männern und Otto sowie Elise Hampel wollten ihren Mitmenschen die Wahrheit über die Machenschaften des Feldherrn und seiner Anhänger mitteilen. Da dies niemals öffentlich geschehen durfte, schrieben sie ihre Ansichten auf Postkarten und verteilten diese in entfernt liegenden Stadtteilen Berlins.

Das Buch ist der letzte Roman Falladas und es gefiel mir sehr gut. Die Schilderungen sind genau und ich litt wirklich mit dem Ehepaar Hampel. Ja, auch Bücher, die im letzten Jahrhundert geschrieben wurden, sind keineswegs altbacken. Jeder stirbt für sich allein ist ein zeitloses Buch, was die damalige Situation erschreckend real wirken lässt. Die Sorge der Mutter bei der Einberufung des Sohnes und die Angst des Ehepaares, dass sie denunziert werden und ins Gefängnis müssen, hat mich mitgerissen. Spannender geht es kaum, zumal die Geschichte auf Tatsachen beruht und nicht der Phantasie einfallsreicher Schriftsteller entspringt.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Sehr berührend und einwandfrei recherchiert

Die Frau im hellblauen Kleid
0

Das Buch hatte ich innerhalb von zwei Tagen durch. Der Grund dafür lag in der Spannung mit dem dieses traurige Thema umgesetzt wurde. Hier konnte ich leider mal wieder hautnah miterleben, wie sich der ...

Das Buch hatte ich innerhalb von zwei Tagen durch. Der Grund dafür lag in der Spannung mit dem dieses traurige Thema umgesetzt wurde. Hier konnte ich leider mal wieder hautnah miterleben, wie sich der Hass Andersdenkender langsam aufbaute und niemand vor Denunzierung geschützt war.

Die Grundlage der Geschichte wird aus vier Generationen der Altmannfamilie gebildet. Verena möchte die abwechslungsreiche Historie ihrer Vorfahren veröffentlichen. Da gefällt der Mutter absolut nicht. Der Grund für diese Abwehr wird deutlich, wenn sich Leser mit den Gegebenheiten der damaligen Zeit auseinander setzten. Juden wurden diskriminiert und für sie gab es nur den einzigen Ausweg, dass sie sich nach Übersee absetzen.

Die Frau im hellblauen Kleid suchte ihr Glück und fand es nur für wenige Monate. Hitler hatte seine vielen Anhänger fest im Griff. Er verstand es vorzüglich, seine abstrusen Gedanken zu offenbaren und als einzige Wahrheit in die Köpfe seiner Anhänger einzupflanzen. Viele Künstler erkannten die Gefahr sehr rasch und flüchteten in die vereinigten Staaten.



Möge es noch mehr Leser solcher Bücher geben und diese dann auch gegen die hier so bildhaft beschriebene Rechte Gesinnung kämpfen.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Die Autoren lassen merklich nach

Kluftinger (Ein Kluftinger-Krimi 10)
0

Oha, und das ist nun tatsächlich der bereits mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattete 10. Band rund um den schrulligen Ermittler? Beim vorherigen Buch dachte ich noch, dass es wohl ein Ausrutscher ist ...

Oha, und das ist nun tatsächlich der bereits mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattete 10. Band rund um den schrulligen Ermittler? Beim vorherigen Buch dachte ich noch, dass es wohl ein Ausrutscher ist und die Autoren mit Sicherheit an ihren guten Stil anknüpfen können. Keine Frage, je länger eine Serie dauert, desto anspruchsvoller wird das Publikum und die Autoren müssen sich Mühe geben, um den Erwartungen gerecht zu werden.

Im neuesten Band des Autorenduos, die den beliebten Kommissar ins Leben riefen geht es um spürbare Todesgefahr. Ja, und nicht gegenüber „irgendeinem“ Einwohner von Altusried. Nein, der Hauptkommissar höchstselbst ist betroffen. Nicht nur er und seine Familie sind besorgt, sogar die Kollegen grübeln ein wenig. Was hat es wirklich mit dem suspekten Kreuz auf sich und in welcher Weise spielt hier das Erleben von damals eine Rolle? Ich frage mich ernsthaft, ob die beiden Autoren es wirklich nötig haben, sich dem allgemeinen Stil ihrer Kollegen anzupassen. Ja, zwei Zeitebenen in die Geschichte einzubauen, ist allseits üblich. Aber meiner Meinung nach passt es nicht zu „meinem“ Kluftinger.

Nein, das Hörbuch riss mich nicht „vom Hocker“. Die Sprecher gaben sich zwar alle Mühe und glänzten mit korrekter Aussprache. Aber das macht für mich kein gutes Hörbuch aus. Ich vermisste die Erzähler der vorherigen Ausgaben. Nur eine Frage an die Herausgeber des Hörbuchs: Wie kommt es, dass die Sekretärin Menske plötzlich und unerwartet Hochdeutsch spricht?“ Bei den letzten Hörbüchern sächselte sie sehr stark und das gefiel mir wesentlich besser.