Ein "Heimatroman" mit Tiefgang
Von Norden rollt ein DonnerJannes Kohlmeyer ist 19 Jahre alt. Er lebt in der Nähe von Bergen-Belsen und ist Hirte. Seine Herde besteht aus 42 Ziegen und 37 Heidschnucken. Die Arbeit macht ihm Spaß und das, obwohl es immer mal wieder ...
Jannes Kohlmeyer ist 19 Jahre alt. Er lebt in der Nähe von Bergen-Belsen und ist Hirte. Seine Herde besteht aus 42 Ziegen und 37 Heidschnucken. Die Arbeit macht ihm Spaß und das, obwohl es immer mal wieder Wofssichtungen gibt. Sein Vater ist zunehmend dement und Jannes hat Angst. Angst vor der Zukunft oder vor dem eventuell baldigen Verlust seines Vaters. Die Diskussionen um den Wolf ängstigen ihn dagegen nicht so sehr. Okay, wenn er alleine mit den Tieren unterwegs ist, dann denkt er schon daran. Zum Glück blieben seine Schafe bisher vor Angriffen verschont.
Die Liste der Nominierten für den dbp24 ist auch in diesem Jahr abwechslungsreich. „Im Norden rollt ein Donner“ schaffte es gar auf die Shortlist. Hauptperson ist Jannes. Sein Vater beschäftigt sich stundenlang mit neuen Erkenntnissen über den Wolf und die Mutter arbeitet für ihn mit. Mit den neuen Nachbarn hört Jannes Begriffe, die er so nicht kannte. Diese besuchten die Schäfer als sie ein Wolfsfeuer entzündeten und alle Dorfbewohner dazu einluden. Was ist zum Beispiel ein „Judasfeuer“? Und warum tragen die Neuen so eigenartige Kleidung? Wie angeblich die alten Kelten sie trugen? Sehr suspekt die Leute.
Nicht nur völkische Ansichten beschreibt der Autor. Er lenkt den Blick auf die unrühmliche Vergangenheit dieser Gegend. In Bergen-Belsen gab es das Konzentrationslager. Und in Tannenberg ein Außenlager. In der Gegend wurden Zwangsarbeiterinnen rekrutiert, die für die Rheinmetall-Borsig AG schuften mussten. Es ist also ein Buch, das einige Themen anreißt. Nein, nicht auf alle Fragen gibt es Antworten. Das macht aber nichts. Das Buch ist ein literarisches Meisterwerk und hat viele Leser verdient.