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Veröffentlicht am 26.07.2023

Guter Roman über den Bau des Gotthardtunnels

Bergleuchten
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Eigentlich verständlich, dass die Fuhrhalter in Göschenen um ihre Existenz bangen. Der geplante Tunnel durch den Gotthard wird etliche Touren über den Pass überflüssig machen. Helenes Vater sieht das aber ...

Eigentlich verständlich, dass die Fuhrhalter in Göschenen um ihre Existenz bangen. Der geplante Tunnel durch den Gotthard wird etliche Touren über den Pass überflüssig machen. Helenes Vater sieht das aber ein wenig anders. Er zeigt sich kooperativ mit der Firma von Louis Favre. Mit Sturheit ist keinem geholfen und der Tunnel wird den Tourismus in den abgelegenen Orten ankurbeln. Zunächst aber heißt es, sich ruhig zu verhalten und nach Möglichkeit friedlich mit den neuen Mitbewohnern zusammen zu leben. Zumal sie ja auch Geld in den Ort bringen.

„Bergleuchten“ beschreibt sehr gut, wie der Tunnel durch das Gotthardmassiv entstand. Welche Probleme es gab, wie schwer die Arbeit war und was die Männer dabei erdulden mussten. Die Autorin gibt sich dabei nicht mit oberflächlichen Ausführungen zufrieden. Vom ersten Hämmern, über das Sprengen bis es nach 15 km und viel Schufterei zum Durchbruch kam, erlebt der Leser alles hautnah mit. So werden unter anderem die Eigenheiten der unterschiedlichen Gesteinsschichten beschrieben. Worauf vor dem Sprengen zu achten ist und was es mit den Wassereinbrüchen auf sich hat.

Zugleich gibt es eine bildhafte Beschreibung der Umgebung von Göschenen. Wie sehr der kalte Winter dort die Arbeiten am Tunnel erschwert und die italienischen Arbeiter unter der Kälte zu leiden haben. Ja, und dann gibt es auch noch eine Liebesgeschichte. Die kommt mit etlichen Wendungen daher und das war mir dann doch ein wenig zu viel. Aber in der Gesamtheit gefiel mir der Roman gut und ich empfehle ihn sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 22.07.2023

Eindrucksvoller Beschreibung einer Flucht aus der Heimat

Kornblumenzeit
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„Kornblumenzeit“ beginnt im Jahr 1928. Das Leben in Ostpreußen ist geprägt von Arbeit und fröhlichen Festen. Alle helfen sich gegenseitig. Hier gibt es keine Straßenschlachten oder sonstige Unruhen. Das ...

„Kornblumenzeit“ beginnt im Jahr 1928. Das Leben in Ostpreußen ist geprägt von Arbeit und fröhlichen Festen. Alle helfen sich gegenseitig. Hier gibt es keine Straßenschlachten oder sonstige Unruhen. Das „Reich“ liegt weit weg und nur am Rande erfahren die Ostpreußen etwas von der großen Politik. Bis diese auch in Locken Einzug hält. Zunächst kaum merklich, werden Sanktionen gegen jüdische Mitbewohner spürbar. Es darf nicht mehr bei ihnen gekauft werden und etliche erkennen die Gefahr und fliehen rechtzeitig. Als sich dann Hitler Österreich einverleibt und danach auch noch Polen angreift, glauben die Lockener noch immer, dass sie vor dem Krieg verschont bleiben. Ein Fehler, der fast zum Tode aller Familienangehörigen führt.

Masuren ist noch immer das Land der Seen und liegt im Süden der ehemaligen Provinz Ostpreußen. So viele Menschen mussten vor und während des Zweiten Weltkriegs von hier fliehen. Was es heißt, seine Heimat verlassen zu müssen, das beschreibt die Autorin Simona Wernicke eindrücklich. Sie berichtet von Käthe und Carl, die sich verlieben und eine Familie gründen. Mit ihren sechs Kindern leben sie zufrieden in dem kleinen Ort Locken. Die Eltern Käthes wohnen weiter weg und erst nach dem Erwerb eines Unimogs können sich die Familien häufiger treffen. Täglich muss hart gearbeitet werden, aber das ist für die Menschen in Ostpreußen normal. Sie sind meistens Selbstversorger mit einem Stück Land. Kühe, Schweine und Hühner gehören zur Familie.

Was die Eheleute Carl und Käthe während und nach der Flucht erleben, das ist kaum zu ertragen. Am Anfang fand ich die Geschichte sehr langgezogen und zum Ende hin dann zu rasch beendet. Gut gefiel mir, dass der Werdegang eines jeden Familienmitgliedes zum Schluss kurz umrissen wird. Es bleiben also keine Fragen offen. Sehr gut gefiel mir das Cover. Der leuchtende Mohn und die kräftige Farbe der Kornblumen gehört zu den Wahrzeichen der beeindruckenden Landschaft Masurens.

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Veröffentlicht am 22.07.2023

Spannender und gut gelungener Abschluss der Saga

Das Salz des Meeres
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Endlich, der dritte Band der „Preston Saga“ ist erschienen. Effie hat es tatsächlich geschafft. Immer wieder vermittelte sie zwischen Jack und seinem Schwiegersohn Finlay. Sicher, hin und wieder gibt es ...

Endlich, der dritte Band der „Preston Saga“ ist erschienen. Effie hat es tatsächlich geschafft. Immer wieder vermittelte sie zwischen Jack und seinem Schwiegersohn Finlay. Sicher, hin und wieder gibt es noch spitze Bemerkungen, aber im Großen und Ganzen verstehen sie sich. Das ist auch wichtig, denn in diesem Buch wird es noch einmal lebensgefährlich für Jack. Auch die Drohbriefe kommen weiter regelmäßig und bisher weiß niemand, wer sie verfasste.

Für mich ist ein Roman erst dann wirklich historisch, wenn er Fakten enthält. Und das ist bei Sylvia Kaml stets der Fall. Es war mir eine Freude, dieses spannende Werk zu lesen. Ich erfuhr eine Menge über den Kolonialismus und die Arroganz der Weißen. Oder, was meinen die damit zu behaupten, dass die dunkle Hautfarbe eine „Strafe Gottes“ ist? Auch dass die Briten kräftig im Sklavenhandel involviert waren, war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst.

Auf den Schiffen von Jack und Finlay leben Sklaven, die wie Familienmitglieder sind. Wer ihnen schaden möchte, der muss mit heftigen Reaktionen der Kapitäne rechnen. Mit viel Spannung aber auch berührender Liebe mit all ihren Facetten, wurde ich nicht nur bestens unterhalten. Ich lernte mal wieder interessante Fakten der Vergangenheit und bin schon ein wenig traurig, dass die Saga jetzt beendet ist. Das Cover ist wunderschön gestaltet und hebt sich wohltuende von den momentan üblichen ab.

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Veröffentlicht am 20.07.2023

Ein verstörendes Werk mit vielen Triggern

Katharsis. Drama einer Familie
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Max lebt in USA und führt ein Leben auf der Überholspur. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Sex, Speed und Alkohol versucht er zu vergessen. Abtauchen in eine Welt ohne Traumata, das wünscht er sich. Dabei ...

Max lebt in USA und führt ein Leben auf der Überholspur. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Sex, Speed und Alkohol versucht er zu vergessen. Abtauchen in eine Welt ohne Traumata, das wünscht er sich. Dabei ist ihm selbst gar nicht so klar, worin sein Trauma überhaupt besteht und warum es ihm auch nach zig Jahren noch zusetzt. Der Anruf seiner Schwester Marie bringt ihn zunächst völlig ins Aus. Sein Bruder Nikolas ist angeklagt. Für zweifachen Mord an Tante und Onkel. Er sitzt in U-Haft und die Familie ist völlig aus dem Häuschen. Zumal auch die Journalisten keine Ruhe geben und das Leben der Angehörigen auf den Kopf stellen.

Der Autor des Romans, „Katharsis – Drama einer Familie“ verarbeitet mit dem Schreiben Erlebnisse aus seiner Kindheit. Und das schildert er so drastisch, dass ich beim Lesen häufig innehalten musste. Kurze Artikel wechseln von der Gegenwart in die Vergangenheit. Er schreibt von der Kindheit im „Pott“, dem strengen Vater und der schwachen Mutter. Nahezu täglich wurden die Jungen mit einem Riemen gezüchtigt. Max „floh“ recht früh aus dem Elternhaus und es zog ihn zunächst nach Frankreich und später dann nach USA.

Langsam wird der Spannungsbogen aufgebaut und ja, er ist dann zum Zerreißen gespannt. Viele Fakten werden zusammengetragen und es stellt sich die Frage, wie das Urteil gegen Nikolas ausfällt. Für mich nicht selbstverständlich war, dass mit der Zeit viele Menschen aus dem Umfeld des Mannes doch noch in sich gingen und ihre Versäumnisse von damals erkannten. Ein Buch mit etlichen Triggern und für Menschen, die Ähnliches erlebten, nicht leicht zu lesen. Aber der Autor zeigt klar, was Übergriffe im Kindesalter mit Menschen machen und diese lebenslänglich damit zu kämpfen haben.

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Die Geschichte vom JoPa Eis

Träume aus Eis
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Am 15. April 1928 ist es endlich so weit. Der Traum von Eva und Josef geht in Erfüllung. Sie eröffnen ihr kleines Eiscafé. Und das in bester Lage in München. Alle Mitglieder der Familie sind auf den Beinen ...

Am 15. April 1928 ist es endlich so weit. Der Traum von Eva und Josef geht in Erfüllung. Sie eröffnen ihr kleines Eiscafé. Und das in bester Lage in München. Alle Mitglieder der Familie sind auf den Beinen und helfen, damit die Eröffnung ein Erfolg wird. Nein, nicht alle. Die Eltern Josefs verachten Sohn und Schwiegertochter. Eva ist nicht die Frau, die sie sich für ihren Sohn gewünscht hätten. Obwohl die Wäscherei Pankhofer gute Gewinne abwirft, dürfen die beiden nicht mit finanzieller Unterstützung der Eltern rechnen. Dabei hätten sie es doch so sehr gebraucht. Und erst recht, als Josef einen Kredit der Bank nicht mehr bedienen kann. Dunkle Wolken ziehen über das Haus in der Kaufinger Straße.

„Träume aus Eis“ ist ein Roman, dessen Idee auf Tatsachen beruht. JoPa-Eis wurde von etwa 1933 bis 1969 in München produziert. Die eigentliche Sensation des Produktes lag darin, dass zum ersten Mal Eis am Stiel hergestellt werden konnte und das erste Eis am Stiel kam von Josef Pankhofer. Die Schwierigkeiten, die zwischen Idee und ersten Verkauf auftraten, beschreibt die Autorin Franziska Winkler anschaulich. Zudem gibt sie Einblick in die Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg und dem Erstarken der Nationalsozialisten. Die Liebesgeschichten der Töchter von Eva und Josef spielen ebenfalls eine Rolle.

Franziska Winkler versetzte mich zurück in eine längst vergangene Zeit. Und das so eindrücklich, dass ich mich mit den Problemen und Sorgen der Hauptpersonen gut identifizieren konnte. Viele Männer kamen aus dem Krieg. Sie waren entweder psychisch oder physisch verwundet. Konnten nicht mehr arbeiten und verbrachten viele Stunden unter Gleichgesinnten in der Wirtschaft um die Ecke. Und dann gab es die, die sich mit den Nationalsozialisten einig waren und ein gutes Leben führten. Ungerechtigkeit gab es damals wie heute. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert und gut recherchierten Fakten aus dieser Zeit.

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