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Veröffentlicht am 21.08.2022

Eine große Liebe zwischen zwei Welten

Die Wolkenstürmerin
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Im Jahr 1957 bangt Marlene Lilienthal um die Zukunft der Firma, die zu 50% ihr gehört. Nachdem ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, macht sie sich noch mehr Gedanken. Sie spürt die große ...

Im Jahr 1957 bangt Marlene Lilienthal um die Zukunft der Firma, die zu 50% ihr gehört. Nachdem ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, macht sie sich noch mehr Gedanken. Sie spürt die große Last auf ihren Schultern und dann kommt auch noch ihr Onkel mit einem für sie nicht akzeptablem Vorschlag daher. Sicher, er will das Unternehmen retten. Aber nein, verkaufen? Nur, wenn es gar nicht anders geht, so denkt Marlene. Sie hat auch schon eine Idee und hofft, dass sie damit ihre Familie vom Erfolg überzeugen kann. Ja, und dann gibt es da noch einen attraktiven Mann, der zunächst komisch auf sie reagiert.

„Die Himmelsstürmerin“ hat gegen Repressalien zu kämpfen, die in der Zeit des Aufschwungs wohl normal waren. Adenauer meinte noch immer, dass die Frau für Kinder, Kochen und Haus verantwortlich sei. Versammelten sich Menschen einer Vereinigung, zum Beispiel der MIT, so war die Teilnahme einer Frau wohl eher eine Ausnahme. Aber auch die Kluft zwischen Ost und West kam deutlich zum Vorschein. Die Mauer war zwar noch nicht gebaut, aber die Zeichen zur völligen Trennung mehrten sich. Das alles spielt auch in dem Roman eine Rolle.

Ein leichtes Buch zum Schmökern, so lautet meine Einschätzung zum Buch. Die Beschreibung der gravierenden Unterschiede beider Deutscher Staaten ist der Autorin gut gelungen. Der große Alex, das pulsierende Leben in Berlin, ja, das war stimmig. Und wie schwer mag es für die Menschen gewesen sein, die an den Sozialstaat DDR glaubten? Als sie erfuhren, dass es häufig den Oberen gut ging und sie noch nicht einmal alle Lebensmittel zur Verfügung hatten. Jedes Ding hat zwei Seiten und auch das stellte Birgit Zimmermann schön dar. Wer zudem auch noch Interesse am Fliegen hat, der wird das Buch einmal mehr mögen.

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Veröffentlicht am 18.08.2022

Ein Thriller der Extraklasse

Im Feuer
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Lilly ist froh, als sie ihr neues Zuhause erreicht: einen Leuchtturm. Hier hofft sie, dass sie die traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit hinter sich lassen und wieder ohne Panikattacken leben kann. ...

Lilly ist froh, als sie ihr neues Zuhause erreicht: einen Leuchtturm. Hier hofft sie, dass sie die traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit hinter sich lassen und wieder ohne Panikattacken leben kann. Aber nicht nur diese Gluthitze macht ihr zu schaffen. Es mehren sich große Brände in der Umgebung, die zudem Todesopfer fordern. So richtig glaubt sie dabei nicht, dass diese Feuer ohne das Zutun von Menschen entstanden sind und in ihr reift der Verdacht, dass mehr als ein „schlichter“ Feuerteufel dahintersteckt.

„Im Feuer“ las ich während der lang anhaltenden Hitzeperiode im August 2022. Und dabei wurde es mir noch heißer. Auch in Deutschland galt die Warnstufe rot und die Menschen sollten sämtliche Aktivitäten im Freien, die mit Feuer zu tun haben, unterlassen. Zumal es ja tatsächlich so ist, dass Brände stets durch Menschen hervorgerufen werden.

In Schweden sind es nicht nur Brände, die die Bewohner des Ortes in Angst und Schrecken versetzen. Hier geht es um Tote, die jeder kannte und schätzte. Und immer schaut es aus, als sei es ein unglücklicher Zufall oder technisches Versagen, was zur Katastrophe führte. Obwohl Lily wahrlich genug zu tun hat, lässt sie der Gedanke an die Toten nicht los und während ihrer Ermittlungen begibt sie sich selbst in Lebensgefahr.

Ein Thriller der Extraklasse, so ist mein Urteil dazu. Die Übersetzerin Friederike Buchinger hat wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Die Sprache ist sehr bildhaft und ich konnte mir die Aktionen der Protagonisten sehr gut vorstellen. Ich spürte förmlich die Hitze und hörte das Knistern der Flammen. Zudem war das Ende absolut überraschend und in keiner Weiser vorauszusehen. Also spannend bis zum Schluss. Eine Leseempfehlung ist für mich selbstverständlich.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Sehr emotional und eindringlich erzählt

Der Hunger nach Leben
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Im Jahr 1930 ist die Hauptperson des Romans „Der Hunger nach Leben“, 12 Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in einem Haus in der Ukraine. Der Wunsch nach Veränderung ist so groß, ...

Im Jahr 1930 ist die Hauptperson des Romans „Der Hunger nach Leben“, 12 Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in einem Haus in der Ukraine. Der Wunsch nach Veränderung ist so groß, dass der Vater beschließt, mit seinen Lieben das Land zu verlassen. Das geht schief, sie werden erwischt und müssen umkehren. Alle leiden unter den anschließenden Racheakten der Russen. Besonders Noah ist betroffen, da er nach der Inhaftierung des Vaters für die Familie verantwortlich ist. Er wandert durch die Lande und versucht immer wieder, ein wenig Nahrung zu erbetteln. Dabei lernt er ein Mädchen in seinem Alter kennen und lieben. Jedoch wird er auch hier vom Pech verfolgt, bei seinem Wunsch, mit ihr eine Familie zu gründen.

Ich mag die Bücher von Ella Zeiss. Sie schreibt so realistisch, dass ich immer wieder merke, dass sie viele Sachen hautnah erlebte. Auch wenn sie immer mal wieder abschweift und dann ein wenig zu ausführlich wird. Aber diese bildhaften Erläuterungen, wie es damals war und was die Menschen leiden mussten, das hat mich mitgenommen. Ich fühlte mich in die Vergangenheit und die hier genannten Orte versetzt. Und ja, auch war ich noch einmal mehr dankbar, immer in Deutschland leben zu dürfen und niemals Hunger und Not erfahren zu haben.

Das Buch empfehle ich nicht nur für Erwachsene. Meiner Meinung nach sollten es auch Kinder und Jugendliche lesen. Sie werden wohl hoffentlich erkennen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sein dürfen. Ja, und ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Teil der Reihe rund um Noah und seine Lieben.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Gut durchdacht mit spannenden Wendungen

Eifelwolf
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Er lebt wie ein einsamer Eifelwolf und genauso starb er auch. Ein Mann mittleren Alters und ehemaliger Soldat in Afghanistan. Zunächst denken die Ermittler, dass der äußerst brutale Mord im Zusammenhang ...

Er lebt wie ein einsamer

Eifelwolf und genauso starb er auch. Ein Mann mittleren Alters und ehemaliger Soldat in Afghanistan. Zunächst denken die Ermittler, dass der äußerst brutale Mord im Zusammenhang mit seinem Einsatz in diesem Land liegt. Zumal sie ein Schreiben fanden, welches vor der Rache der Taliban an den Soldaten warnt. Als aber immer mehr Details ans Tageslicht kommen, weichen Kriminalkommissare dann doch davon ab.

Immer wieder wurde ich beim Lesen in die falsche Richtung gelenkt. Das lag auch daran, dass der Autor einige Erlebnisse aus der Vergangenheit des Toten schilderte. Viele Verdächtige und einige Wendungen machen den Krimi zu einem spannenden Lesevergnügen. Dass der Autor sich bestens in der Eifel auskennt und auch die Menschen hier gut beschreibt, gefiel mich ebenfalls. Zumal er sogar die Folgen der katastrophalen Flut im Jahr 2021 erwähnt.

Spannend, kurzweilig mit gut dargestellten Charakteren, so fällt mein Fazit zum Buch aus. Es ist zwar der 5. Fall, den Hotte und seine Kollegen auflösen, lässt sich aber sehr gut ohne Vorkenntnis lesen. Dennoch werde ich die zuvor erschienen Bände mit Sicherheit bald lesen.

NetGalleyDE

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Veröffentlicht am 11.08.2022

Diese Schuld wird nie vergehen

Braunes Erbe
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Verena Bahlsen, 26 Jahre alt, gehört ¼ der Fabrik Bahlsen. Vor wenigen Monaten sagte sie: „Ich will es (Geld aus der Fabrik) behalten, will mir Jachten kaufen. Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg? Das ...

Verena Bahlsen, 26 Jahre alt, gehört ¼ der Fabrik Bahlsen. Vor wenigen Monaten sagte sie: „Ich will es (Geld aus der Fabrik) behalten, will mir Jachten kaufen. Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg? Das war vor meiner Zeit. Wir haben sie bezahlt, wie Deutsche.“ So beginnt das Buch „Braunes Erbe“ von David de Jong. Das Interview mit Frau Bahlsen schlug hohe Wellen, änderte jedoch nichts an den Tatsachen.

Unternehmen, um die es in diesem Buch geht, werden bereits im Klappentext benannt. Die Firma Bahlsen zum Beispiel beschäftigte 700 Zwangsarbeiter. Die meisten von ihnen waren Frauen aus Polen und der Ukraine. Sie schufteten in einer Backwarenfabrik bei Hannover. Und Bahlsen war nicht der einzige Unternehmer, der durch Zwangsarbeiter sein Geld vermehren und seine Fabriken zu Großunternehmen werden ließ. Eine sehr beliebte Vorgehensweise war damals auch diese abscheuliche „Arisierung“. Es wurden Jüdische Werke für sehr wenig oder gar kein Geld übernommen. Die Not der Menschen wurde schamlos ausgenutzt und bis heute gibt es kaum Erben, die dieses Vorgehen verurteilen.

De Jong schreibt, wie die Nationalsozialisten so stark werden konnten. Es gab den Börsencrash, die höchste Inflation und eine übergroße Arbeitslosigkeit. Hit.. und seine Getreuen verstanden es, die Not der Deutschen zu instrumentalisieren. Sie versprachen ihnen das Blaue vom Himmel und durch großartige Spenden finanzstarker Unternehmer, konnten sie zunächst einiges erreichen. Dann kam die Aufrüstung und mit ihr der Rückgang der Arbeitslosen. Als dann diese sogenannte „Machtergreifung“ kam, war das der „Beginn von 12 langen und blutigen Jahren“.

Ein US-Amerikaner, der Colonel George Lynch sagte während einem der Nürnberger Prozesse:

„Die sogenannte Herrenrasse hat bewiesen, dass sie lediglich in den Bereichen Verbrechen, Grausamkeit und Sadismus führend ist. Den Respekt der zivilisierten Welt habt ihr verloren.“

Nein, verantwortlich ist keiner der heutigen Milliardäre für das, was ihre Väter damals taten. Aber es tut nicht weh, sich in deren Namen zu entschuldigen, Reue zu zeigen und auch Entschädigungsleistungen in Form von Geld zu leisten. Alleine zuzugeben, dass es Zwangsarbeiter, Arisierung und weitere unmenschliche Machenschaften gab, das wäre doch etwas. Würde sich in der Historie einiger Firmen gut machen und ein ganz anderes Licht auf die Nachkommen werfen. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

Das Buch liest sich wie ein Krimi, dabei besteht es nur aus Fakten. Es hat mich nachdenklich zurückgelassen und ich werde alles daran setzten, den leider immer stärker werdenden antidemokratischen Kräften entgegenzutreten. Einige Fotos zeigen die „Größen“ mit ihren Familien und machen das Geschriebene noch einmal mehr authentischer.

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