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Veröffentlicht am 25.03.2022

Die Kunst des erzählenden Sachbuchs wurde perfekt umgesetzt

Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
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„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die ...

„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die Entwicklung Putins so enden musste. Es beschreibt nicht nur seinen Werdegang, sondern auch jenen, den seine Befürworter durchliefen. Wie aus einem unbekannten Mitarbeiter des KGB´s dieser „Zar“ werden konnte, das ist so unglaublich, dass es fast wie ein Thriller anmutet.

Es dauerte etliche Tage, bis ich mich durch den dicken Wälzer durcharbeitete. Viele Namen, die häufig russisch und daher für mich schwer zu behalten waren, stoppten den Lesefluss immer wieder. Der Autorin gelang allerdings der Spagat zwischen trockenem Sachbuch und unterhaltsamer Lektüre. Aber es gibt auch mir bekannte Persönlichkeiten, wie Obama, Trump oder Merkel, die erwähnt werden. Es ist unglaublich, wie Herr Putin zunächst in sein Amt gedrängt wurde und es jetzt nicht mehr abgeben möchte. Wie er und seine Mannen Unmengen an Geld in die Hand nahmen und nehmen, wie sie zudem alle ihre Fühler nach Europa ausstreckten. Und sie sind heute fest in vielen Statten der Union etabliert.

Nie hätte ich gedacht, dass tatsächlich Menschen getötet und/oder moralisch zerstört wurden, nur weil sie den Ansichten des Kremls, in Person Putin, widersprachen. Welchen Zusammenhang es zwischen den Prunkbauten in Moskau und den Zuwendungen aus dem „Westen“ für die russische Bevölkerung gibt. Und dass Trump enge Beziehungen zu Russland pflegte, das ist wohl jedem bekannt, der seinen Werdegang verfolgt. Oh man, welch ein Chaos der Seilschaften, welches nur die Betroffenen erkennen. Eins steht fest: Die Grundlage des hier beschriebenen Übels ist sehr viel Geld. Und dieses wird nicht den Armen, sondern den Reichsten der Reichen nützen.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Welch ein bemerkenswertes Buch

Der Aufgang
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Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. ...

Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. Herr Hertmans forschte nach und heraus kam dieses bemerkenswerte Buch
„Der Aufgang“.

Welch ein fantastisches Werk. Die Sprache, die Fakten und die Fotos, eine Harmonie, die ich so noch bei keinem Buch finden konnte. Der SS-Mann Wilhelm Verhulst verschwieg gekonnt, was er hinter dem Rücken seiner Frau trieb. Und das nicht ohne Grund. Die war nämlich so gar nicht mit dem einverstanden, was ein Herr H. trieb. Sie konnte wohl als Pazifistin durchgehen.

Das Buch ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte und deckt etliche Fakten auf, die mir so nicht bekannt waren. Oder hätten Sie gewusst, dass in Belgien Büsten aus Gips aufgestellt wurden und von wem sie stammten? Oder wie auch dort die Menschen verfolgt wurden, nur weil sie Juden waren? Dass einige Anhänger dann Unterschlupf in Deutschland fanden, ist wohl das Ergebnis ihrer Loyalität zu H.

Stefan Hertmans sprach mit den Kindern und Kindeskindern des Ehepaares Verhulst. Er schlug viele Unterlagen nach und sorgte so für die Authentizität seines Romans. Und das Cover ist mal wieder sehr gelungen. Wie eigentlich immer beim Verlag Diogenes.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Kein Buch für Zartbesaitete

Sechzehn Pferde
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Der kleine Ort Ilmarsh liegt an der britischen Küste und ist nahezu ausgestorben. Immer mehr Einwohner ziehen fort. Und nun kommt noch dieses schreckliche Verbrechen dazu, welches noch mehr Menschen flüchten ...

Der kleine Ort Ilmarsh liegt an der britischen Küste und ist nahezu ausgestorben. Immer mehr Einwohner ziehen fort. Und nun kommt noch dieses schreckliche Verbrechen dazu, welches noch mehr Menschen flüchten lässt. 16 Pferdeköpfe und ein Haufen Schweife werden gefunden. Die Tiere wurden brutal getötet und ihre Häupter eingegraben. Nur jeweils ein Auge schaut aus der Erde. Wer ist für diese Abscheulichkeit verantwortlich? Alec Nichols lebt mit seinem Sohn vor Ort und ist Polizist. Gemeinsam mit Dr. Cooper Allen soll er den Fall lösen und das so schnell es irgendwie geht.

„Sechzehn Pferde“ ist kein Buch für Zartbesaitete. Die hier beschriebene Brutalität hat mich schockiert. Und das nicht nur, weil ich Pferde mag. Es wird genauestens dargestellt wie sie zu Tode kamen. Aber nicht nur das störte mich. Auch das ständige Hin und Her zwischen den Zeiten, Orten und Akteuren war recht anstrengend. Der Sprachstil war aber angenehm zu lesen. Ein weiteres Plus für mich ist, dass das Buch zum Nachdenken anregt. Was veranlasst(e) junge Menschen zur Stadtflucht und warum sind es oft nur die Senioren, die in ihren Häusern auf dem Land verweilen? Wer ist verantwortlich, wenn sämtliche Geschäfte zentralisiert werden und viele Kilometer entfernt vom Dorf liegen? Also kein „Schmöker“ sondern ein Werk, das es verdient, aufmerksam gelesen zu werden.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Kari und die Häkelmafia ermitteln

Sylter Sünden
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„Sylter Sünden“ geschahen in der Vergangenheit. Alle, die damals beteiligt waren, haben ihre Tat bitter bereut und büßen bis heute. Doch, woraus bestanden diese Sünden und was haben sie mit dem Mord an ...

„Sylter Sünden“ geschahen in der Vergangenheit. Alle, die damals beteiligt waren, haben ihre Tat bitter bereut und büßen bis heute. Doch, woraus bestanden diese Sünden und was haben sie mit dem Mord an einem Bräutigam zu tun? Kari Blom ermittelt eigentlich in einem ganz anderen Fall und kommt ihrem Verlobten Jonas Voss bedenklich in die Quere. Dabei möchten die beiden doch bald heiraten und das Verhalten Karis passt so gar nicht zu einer glücklichen Verlobten.

Ist die Insel Sylt wirklich ein Sehnsuchtsort? Oder sehnen sich die Einwohner nach der Ursprünglichkeit ihrer Insel zurück? Als es hier noch keine Prominenz gab und sowohl Mieten als auch Grundstückspreise noch erschwinglich waren? Im siebten Band der Reihe um Kari Blom werden auch diese Fragen thematisiert. Das gefiel mir gut. Aber auch die Story war spannend aufgebaut. Der lebendige Stil ließ mich direkt eintauchen in die Ermittlungen. Die drei Damen der „Häkelmafia“ sind schrullig und nun ja, nicht immer so richtig glaubwürdig.

Es gibt etliche Ortsbeschreibungen und Kenner der Insel, werden die Stellen bestimmt erkennen. Was mich störte, das waren die vielen kleinen Zwistigkeiten im privaten Bereich der Ermittler. Ansonsten finde ich gut, dass man nicht alle Bücher der Reihe gelesen haben muss, um dem aktuellen Fall folgen zu können. Dieser Band ist abgeschlossen und eine recht spannende Lektüre für den Feierabend.

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Veröffentlicht am 12.03.2022

Die Wende brachte nicht nur Vorteile

Im Schatten der Wende
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„Im Schatten der Wende“ beginnt wenige Monate vor dem Mauerfall und endet kurz danach. Tobias Falck war Mitglied der Vopo und tritt nach der „Wende“ dem Kriminaldauerdienst bei. Viel mehr, er wird dorthin ...

„Im Schatten der Wende“ beginnt wenige Monate vor dem Mauerfall und endet kurz danach. Tobias Falck war Mitglied der Vopo und tritt nach der „Wende“ dem Kriminaldauerdienst bei. Viel mehr, er wird dorthin beordert. Es herrscht allerdings noch große Unsicherheit bei den Ermittlern. Sie können sich weder mit dem privaten Alltag noch mit den völlig überzogenen Straftaten abfinden. Damit haben sie niemals gerechnet, als Kohl ihnen die „blühenden Landschaften“ versprach. Vielleicht ist der goldenen Westen ja gar nicht so ideal, wie viele Bürger es sich vorstellen?

Frank Goldammer kennt die DDR und er weiß, worüber er schreibt. Das merke ich bei jedem Buch von ihm. #ImSchattenderWende beschreibt zunächst die Wochen vor dem Umbruch. Der junge Volkspolizist Falck ist kein fanatischer Anhänger des Sozialismus. Ein wenig mehr Freiheit fände er gut. Ihn stören die Bespitzelung und seine Kollegen, die jeden beobachten und melden, der nicht linientreu ist. Goldammer schreibt über die „Montagsspaziergänge“ und welche Gefahren dabei lauerten. Dass alles friedlich und ohne Blutvergießen blieb, ist nur den besonnen Männern der Vopo zu verdanken.

Und nach der Wende? War da mit einem Schlag alles besser? Weit gefehlt. Die Straftaten wuchsen vielen Ermittlern über den Kopf. Sie kannten sich nicht aus mit den Verbrechen im Westen und mussten sich praktisch erst daran gewöhnen. Dafür blieb aber keine Zeit. Die Opfer riefen mit recht nach rascher Aufklärung.

Die Situation nach der Wende schildert der Autor gut und unverfälscht. Für mich gab es aber zu viele Lokalitäten mit etlichen unterschiedlichen Akteuren. Dadurch zog sich die eigentliche Story zu sehr in die Länge. Aber vier Sterne sind meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt und die Leseempfehlung ebenfalls.

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