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Veröffentlicht am 03.10.2020

Das waren keine Menschen, das waren Bestien

Der Tod des Henkers
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Ist es wirklich so unvorstellbar, dass unsere Vorfahren unbedarft waren und von den Gräueltaten der Anhänger des NS-Regimes nichts wussten? Wie sieht es denn heute aus? Gibt es nicht unzählbare Anhänger ...

Ist es wirklich so unvorstellbar, dass unsere Vorfahren unbedarft waren und von den Gräueltaten der Anhänger des NS-Regimes nichts wussten? Wie sieht es denn heute aus? Gibt es nicht unzählbare Anhänger der Naziideologien, die sogar noch meinen, dass sie mit ihren Demos und lauten Parolen das deutsche Volk vor „fremden Blut“ retten können?

Beim Lesen des Buches „Der Tod des Henkers“ war es nicht nur die Ungerechtigkeit, die mich aufregte. Viel häufiger fragte ich mich, ob es tatsächlich Feigheit oder Angst vor der Bestrafung durch Fanatiker war, dass intelligente Menschen dem wahnsinnigen Reichskanzler folgten. Heinz Pannwitz ist die Hauptperson in dem Buch und er berichtet in der Ich-Form von dem Attentat auf den „Henker von Prag“. Die Rede ist von Reinhard Heydrich, der unter anderem auch für die „Endlösung der Judenfrage“ verantwortlich war. Er wollte unbedingt in einem Auto gefahren werden, welches nicht durch ein „lästiges“ Dach geschützt wurde. Dass dieser Wunsch ihm das Leben kosten sollte, ahnte er wohl nicht. Im Mai 1942 war Heydrich der Statthalter Hitlers in Prag. Im Mai des gleichen Jahres wurde ein Attentat auf ihn verübt und nur wenige Tage später starb er an den Folgen.

Die Autorin Laura Noll schrieb einen Roman, der spannend und zugleich berührend ist. Das Attentat auf Heydrich geschah tatsächlich und auch die unmenschlichen Vergeltungsmaßnahmen sind historische Fakten. Wie die Deutschen Machthaber in Tschechien agierten ist nicht nachzuvollziehen. Sie betrachteten die Einheimischen als minderwertig und meinten tatsächlich, dass sie allen weit überlegen seien. Der Tod von Heydrich wurde massenhaft gesühnt und der kleine Ort Lidice dem Erdboden gleich gemacht. Die Männer erschossen, Frauen in Vernichtungslager gebracht und Kinder an „arische Eltern“ verschenkt.

„Der Tod des Henkers“ ist kein üblicher Kriminalroman. Er zeigt auf, wie Gestapo und SS in den besetzten Ländern agierten und die dort lebenden Menschen grundlos töteten. Keine Frage, das Buch zeigt, wie Hitlers Anhänger ihre Umgebung in Angst und Schrecken versetzten. Fünf Sterne sind eigentlich nicht genug für diesen Tatsachenbericht. Eine Leseempfehlung ist dabei für mich selbst verständlich.

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Veröffentlicht am 01.10.2020

Aufschlussreiches Buch; nicht nur über die Freimaurer

Die Freimaurer – Der mächtigste Geheimbund der Welt
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In seinem Buch über „Die Freimaurer – Der mächtigste Geheimbund der Welt“ beleuchtet der Historiker John Dickie die vielen Facetten der Maurer. Woher kommt der Name? Wer waren die ersten Mitglieder und ...

In seinem Buch über „Die Freimaurer – Der mächtigste Geheimbund der Welt“ beleuchtet der Historiker John Dickie die vielen Facetten der Maurer. Woher kommt der Name? Wer waren die ersten Mitglieder und was bewog sie dazu, diesen Bund zu gründen? Er nennt berühmte Mitglieder und weist darauf hin, welche Ansichten über die Freimaurer den Tatsachen entsprechen und welche zum Bereich der Mythen gehören. Bei einem Radiointerview sagte Dickie, dass die Mafia ein Freimaurerbund für Kriminelle sei. Das nutzten die Betroffenen und luden ihn zu einem intensiven Gespräch ein. Das wiederum war der Beginn einer gründlichen Recherche an deren Ende das Buch stand.

Da ich gerne historische Romane lese, begegnen mir dabei immer wieder die Geheimbünde. Also nicht nur Freimaurer sondern auch Illuminaten und Vereinigungen. Aus dem Grund wollte ich ein Buch lesen, welches subjektiv und sachlich den Werdegang und die Bedeutung der Freimaurer beschreibt. Und ich wurde mit „Die Freimaurer – Der mächtigste Geheimbund der Welt“ nicht enttäuscht. Nicht alleine die vielen Fakten über die Maurer, deren Entstehungsgeschichte und deren berühmte Mitglieder gefielen mir. Der Autor berichtet ebenfalls viel über die Geschichte der USA und Europa. Welche Aktionen beeinflussten die Logen und wann waren sie sogar die treibende Kraft dafür?

Ich erfuhr, wie der Name entstand und welchem Eingangsritual sich die künftigen Mitglieder unterziehen mussten und müssen. Welche wichtigste Tugend eines Maurers gefordert wurde und dass mit ihnen der Beginn von Verschwörungstheorien geboren wurde. Was hatte Napoleon mit den Freimaurern zu schaffen und was geschah 1813 in Leipzig. Nein, mehr zähle ich nicht auf, dazu ist das Buch zu umfangreich. Aber ich erwähne noch, dass Herr Dickie viele Fakten aufzählte, die als Quelle des Buches dienten. Jeder, der sich für die Geschichte von Geheimbünden interessiert und dabei auch etwas über die Geschichte der Welt erfahren möchte, sollte das Buch lesen.

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Veröffentlicht am 28.09.2020

Gnadenloses Urteil über Berg- und Biobauern

Die Infantin trägt den Scheitel links
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„Die Infantin trägt den Scheitel links“ stand auf der Longlist zum dbp20. Die Autorin schreibt über das karge Leben von Bergbauern. Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin und sie gibt ihre Gedanken zum ...

„Die Infantin trägt den Scheitel links“ stand auf der Longlist zum dbp20. Die Autorin schreibt über das karge Leben von Bergbauern. Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin und sie gibt ihre Gedanken zum Heranwachsen preis. Vom Kleinkind bis zur jungen Erwachsenen durchlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle. Die Infantin leidet unter der Boshaftigkeit ihrer älteren Zwillingsschwestern und ist Papas Liebling. Sie wehrt sich tapfer gegen jeden, der ihr das Leben schwer machen möchte.

Ja, die Autorin kann mit Sprache umgehen und es gab einige Passagen, bei denen ich herzhaft lachte. Mir fehlte aber der Rote Faden und eine zusammenhängende Geschichte. Es gab zu viele kurze Gedankensprünge, die mir das Lesen verleideten. Auch die zuweilen vulgären Aufzeichnungen stießen mich ab. Alkohol- und Drogenexzesse beim Urlaub der Eltern und den darauf folgenden Schwangerschaften und/oder Liebesleid, nicht wirklich interessant.

Das Cover ist einzigartig und gefällt mir noch immer sehr gut. Auch die Erklärung des Begriffes „Sterbenswort“ oder dieses Zitat: „Beim Klopapier ja, aber beim Essen haben sie nie gespart, die Eltern.“ Das Ende bleibt offen und ich gebe drei Sterne sowie keine Empfehlung. Es sollte jeder selbst lesen und sich ein Bild davon machen.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Köln und die Inquisition

Das Geheimnis der Reformatorin
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In Köln geht ein Mörder um und das veranlasst Jonata, ihrer Heimatstadt einen Besuch abzustatten. Der Tote ist ihr Vater, den sie vor vier Jahren überstürzt verlassen musste. Sie floh vor der Inquisition. ...

In Köln geht ein Mörder um und das veranlasst Jonata, ihrer Heimatstadt einen Besuch abzustatten. Der Tote ist ihr Vater, den sie vor vier Jahren überstürzt verlassen musste. Sie floh vor der Inquisition. Und daran hat sich nichts geändert, es ist also ein großes Wagnis für sie, wenn sie nach Köln zurückkehrt. Zum Glück hat sie gute und verschwiegene Freunde, die ihr bei der Suche nach dem Täter helfen. Dazu gehört auch Figen, eine junge Magd, die ebenfalls für die Übersetzung der Bibel und somit eine Reformation ist.

Das Köln schon 1522 Erzkatholisch war, sieht man heute noch am gigantischen Dom. Und eigentlich ist auch klar, dass dort die Inquisition blühte. Wie gefährlich es war, den Katholiken zu widersprechen, das erlebte Jonata am eigenen Leib. Alleine dieser Machtmissbrauch, der damit einherging ist heute in Köln glücklicherweise nicht mehr vorstellbar. Damals war es leider so und die Betroffenen wurden grausam gefoltert. Etliche stellten die Häscher auf öffentlichen Plätzen aus und das neugierige Volk durfte es unter anderem mit Pferdeäpfeln bewerfen. Auch Steine flogen und das ist wohl noch das harmloseste Bestrafen durch die Zuschauer.

Die Autorin beschrieb sehr eindrucksvoll, wie es damals zuging. Der Spannungsbogen war permanent gespannt und ich las das Buch allzu gerne. Auch die Wendungen sind treffend, sodass der Leser bis zum Schluss tatsächlich nicht weiß, wer der oder die Täter sein könnten. Es ist der zweite Band über die Reformatorin Jonata, aber für mich war es der erste. Und das tat dem Lesefluss keinen Abbruch. Ich war schnell gefangen von der Geschichte und das ohne Vorkenntnis. Fünf Sterne gebe ich gerne und eine Leseempfehlung ebenfalls.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Freundschaft half selbst gegen die Nazis

Zeus und Goldenberg
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Die große und auch letzte Show des A. Hitler für internationales Publikum fand im Jahr 1936 statt. Die Olympischen Spiele sollten darüber hinwegtäuschen, was in Deutschland mit Juden, Kommunisten und weiteren ...

Die große und auch letzte Show des A. Hitler für internationales Publikum fand im Jahr 1936 statt. Die Olympischen Spiele sollten darüber hinwegtäuschen, was in Deutschland mit Juden, Kommunisten und weiteren „Untermenschen“ geschah. Während der Zeit trafen sich in Hamm zwei junge Männer, die im Untergrund verschwinden mussten: der Jude Goldenberg und der Kommunist Zeus. Die beiden Verfolgten fanden Hilfe beim örtlichen Pfarrer. Das ging nicht lange gut und sie mussten sich aus Hamm heraus stehlen. Ein waghalsiges Abenteuer für beide.

Der Autor Franz Josef Brüseke wurde in Hamm geboren und lebt mittlerweile in Brasilien. Mit seinem Buch „Zeus und Goldenberg“ schrieb er einen Roman, der auch den Irrwitz des Krieges deutlich macht. Als Jude in Deutschland verfolgt, flieht Goldenberg nach Frankreich. Und dort wird er als Deutscher gejagt und muss um sein Leben fürchten. Aber auch für Zeus gilt, dass er immer wieder um sein Leben fürchten muss.

Ein Buch, das mir gut gefiel. Sachlich und fast schon nüchtern schreibt Herr Brüseke über die furchtbaren Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs. Hautnah aber keineswegs zu brutal durchlebt ich die Flucht der beiden und die Haft des Pfarrers. Gute vier Sterne und eine Empfehlung gibt es von mir.

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