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Veröffentlicht am 19.09.2021

Die (Lebens)Unfähigkeit des Herrn Schmidt

Barbara stirbt nicht
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m Buch "Barbara stirbt nicht" von Alina Bronsky lernen wir das Ehepaar Schmidt kennen, das seit über 50 Jahren verheiratet ist. Die beiden Ehepartner Walter und Barbara haben in den vielen Jahrzehnten ...

m Buch "Barbara stirbt nicht" von Alina Bronsky lernen wir das Ehepaar Schmidt kennen, das seit über 50 Jahren verheiratet ist. Die beiden Ehepartner Walter und Barbara haben in den vielen Jahrzehnten ihrer Ehe die jeweils traditionelle Rolle übernommen und sich offenbar damit gut arrangiert, und dies bis zur absoluten Perfektion. So kommt es, dass Walter Schmidt, der bisher der wirtschaftliche Versorger und Ernährer der Familie war, aber in Sachen Haushaltsführung komplett unfähig, in dem Augenblick, als seine Frau Barbara eines Morgens krankheitsbedingt das Bett nicht mehr verlässt, vor nahezu unüberwindbare Hindernisse. So grotesk es dem Leser auch vorkommen mag, aber Walter Schmidt ist tatsächlich nicht einmal in der Lage, sich alleine einen Kaffee zu kochen. Zwar versucht er sich, um seine kranke Frau zu kümmern, aber alle Bemühungen wirken in ihrer Hilflosigkeit geradezu albern, der alte Mann kommt dem Leser quasi vor wie ein kleines Kind. Diese Unfähigkeit hat Alina Bronsky derart offen und brutal geschildert, vielleicht auch etwas überzogen, so dass man schmunzeln muss, doch bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken. Diese Lebensunfähigkeit wirkt komisch und ist doch gleichzeitig bitterernst. Durch die Einfachheit der Sprache, die die Autorin verwendet, wird die ernste Situation noch deutlicher, geradezu glasklar. Der Roman liest sich durch den flüssigen Schreibstil einfach weg, alle Figuren, die beiden Ehepartner, sowie deren erwachsene Kinder und auch Nebenrollen, wie Bäckereiverkäuferin und Hausarzt sind treffend und gut geschildert, so dass man sich alles bildhaft vorstellen kann. Ein auf den ersten Blick humorvoll wirkendes Buch, das einen extrem ernsten Hintergrund hat. Man wird sich zum einen der Endlichkeit des Lebens bewusst, aber auch die Festgefahrenheit der Protagonisten regt zum Nachdenken an. Von mir die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Alte Traditionen gerne bewahren

Wildtriebe
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Aufmerksam geworden war ich auf dieses Buch durch das mehr als schön , detailliert und liebevoll gestaltete Cover mit zart gemalten Blüten, von dem ich ganz sicher bin, dass es auf jeden Fall dazu geführt ...

Aufmerksam geworden war ich auf dieses Buch durch das mehr als schön , detailliert und liebevoll gestaltete Cover mit zart gemalten Blüten, von dem ich ganz sicher bin, dass es auf jeden Fall dazu geführt hätte, dass ich es auch in der Buchhandlung angesehen hätte! Im Zentrum steht die ältere Bäuerin Lisbeth vom sogenannten Bethches-Hof, die Anwesen werden nach den Namen der Familien benannt, diesen Brauch kannte ich bereits aus der Heimat meines Mannes in der Eifel. Fehlenden männlichen Erben geschuldet liegt die gesamte Verantwortung für den elterlichen Hof auf unserer Protagonistin, Bethches Lisbeth, die die Hoffnung hegt, dass ihre Schwiegertochter, die ihr Sohn zur Frau nimmt, eine Hilfe sein wird. Eine Hilfe in Haus und Hof bei der unsäglich vielen Arbeit. Doch Marlies, eben einer anderen viel moderneren Generation angehörend, erfüllt das traditionelle Rollenbild nicht, sondern möchte, als unweiblich angesehen, nicht nur in der Stadt arbeiten gehen, statt in der Landwirtschaft zu schuften. Außerdem Neues ausprobieren, etwa einen Jagd- und Traktorenschein machen, Fertigkeiten, die bisher eine Männerdomäne waren. Die beiden Frauen liefern sich stille Kämpfe, weniger durch laute Worte oder Diskussionen, denn durch leise spitze Bemerkungen und böse Blicke. Auch nach der Geburt von Enkelin Joanna wird all dies nicht besser, denn auch die unterschiedliche Kindererziehung stellt einen erheblichen Streitpunkt dar.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Ich mochte die unaufgeregte leise Art und die Zwischentöne, mit der die Autorin die einerseits engstirnige, andererseits durch vorgegebene Traditionen und Strukturen Geborgenheit gebende Dorfgemeinschaft schildert. Klatsch und Tratsch, der sich schwer tut mit jedem uns allem abseits der Norm, aber auch sich aufeinander verlassen können, all das kennzeichnet die Menschen auf ihren Höfen. Ich konnte Marlies verstehen, dass sie sich mit all dem schwer getan hat, aber ich hatte durchaus auch große Sympathie für die alte Lisbeth, die durch das Beharren auf alt eingefahrenen Rollenbildern das Bewährte erhalten möchte. Ich glaube, dass uns allen ein "Stück Lisbeth", ein sich Abfinden mit dem zugewiesenen Platz in der Gesellschaft manchmal
gar nicht schlecht täte. Ute Mank zeichnet ihre Charaktere und deren innere Dialoge auf eine extrem empathische Art, man flog als Leser nur so über die Seiten hinweg und war allen handelnden Personen trotz ihrer Unterschiedlichkeit extrem und gleich nah. Für mich ein sehr gekonntes und gelungenes Gesellschafts- und Personenportrait, und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Perfekte Mischung aus Fiktion und Realität

Die Teehändlerin
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Wir lernen in diesem Roman von Susanne Popp, wohlbemerkt mein erstes Buch der Autorin, die Protagonistin Friederike kennen, die mit Tobias Ronnefeldt in Frankfurt verheiratet ist, der im ersten Viertel ...

Wir lernen in diesem Roman von Susanne Popp, wohlbemerkt mein erstes Buch der Autorin, die Protagonistin Friederike kennen, die mit Tobias Ronnefeldt in Frankfurt verheiratet ist, der im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts den Grundstein für das noch heute existierende Familienunternehmen legte, das seinen Ruhm und Bekanntheitsgrad durch den Handel mit Tee begründete. Tobias Ronnefeldt war ein naturwissenschaftlich interessierter Mensch mit einem ausgeprägten Forschergeist, der sich aus diesem Grunde auf eine ausgedehnte Chinareise begab, hier vermischt die Autorin reale mit fiktionalen Elementen, alles sehr gekonnt, so dass eine spannende Geschichte entstanden ist, die mich als Leser gekonnt in ihren Bann zog. Friederike bleibt zu Hause in Frankfurt und hütet die vier Kinder der Familie, ein fünftes ist unterwegs, und kümmert sich, anfangs notgedrungen durch die Abwesenheit ihres Gatten um das familiäre Geschäft. Doch entdeckt sie nach und nach nicht nur ihren Spaß daran, sondern ebenfalls ein gewisses Talent hierfür, das alles trägt zum Gelingen und Erfolg des Unternehmens. Dass diese berufstätige Beschäftigung der Dame des Hauses zur damaligen Zeit nicht dem rollenüblichen Bild einer Frau entsprach, stößt nicht nur ihrem Ehemann Tobias nach seiner Rückkehr auf. Doch Friederike lässt sich von den gesellschaftlichen Ressentiments in keinster Weise beeindrucken und geht auf eine sehr selbstbewusste und sympathische Art ihren Weg. Nebenbei lässt Susanne Popp die eine oder andere kleine Liebesgeschichte mit einfließen, alles perfekt dosiert und an keiner Stelle kitschig oder überladen. Der Schreibstil ist extrem flüssig und angenehm, die Charaktere sind sehr authentisch geschildert, so dass man sich allen auf eine unterschiedliche und angemessene Weise nahe fühlt. Ich wurde großartig unterhalten und habe ganz nebenbei viele historische Details erfahren. Das Titelbild ist sehr geschmackvoll gestaltet, es zeigt ein Bild der Protagonistin, man bekommt Lust auf die Handlung, und ich habe das Buch immer wieder gerne zur Hand genommen. Von mir die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.09.2021

Nette Unterhaltung für zwischendurch

Bis ans Ende aller Fragen
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Lange hatte ich schon nichts mehr vom Autorenduo unter dem Namen Anne Hertz (bestehend aus den Schriftsteller Schwestern Wiebke Lorentz und Frauke Scheunemann) gelesen, mochte einige Bücher von ihnen in ...

Lange hatte ich schon nichts mehr vom Autorenduo unter dem Namen Anne Hertz (bestehend aus den Schriftsteller Schwestern Wiebke Lorentz und Frauke Scheunemann) gelesen, mochte einige Bücher von ihnen in der Vergangenheit und war deshalb sehr gespannt auf das neuste Werk! Wir lernen Protagonistin Maxi kennen, Mitte 40, selbständige Frau, Inhaberin eines eigenen Cafes und Single, gerade relativ frisch von ihrem langjährigen Freund Thomas wegen einer Jüngeren verlassen. Durch eingestreute Tagebucheinträge aus Maxis Jugend erfahren wir, dass ihr tatsächliches heutiges Leben und ihre früheren Pläne und Vorstellungen extrem auseinander klaffen, aber wen wundert's? So typische romantisch verklärte Zukunftsphantasien eines Teenagers lassen sich selten tatsächlich realisieren! Als Maxi in ihrem Cafe eine Trauerfeier ausrichtet, lernt sie Witwer Gregor kennen, der gerade seine Frau verloren hat, u. nun alleinerziehender Vater von zwei Kindern ist. Maxis Nichte kommt in dem Zusammenhang auf die Idee, um ihre Tante zu verkuppeln, bzw. zu neuen Männerbekanntschaften zu verhelfen, diese in eine Trauer-Selbsthilfegruppe zu schicken unter dem Vorwand, selbst den Partner verloren zu haben. Es tun sich tatsächlich einige Herren der Schöpfung auf, die für unsere Protagonistin in Frage kommen, sowohl in besagter Gruppe als auch anderswo, es ergeben sich diverse Verwicklungen, alles sehr unterhaltsam und abwechslungsreich inszeniert. Eins vorweg - die Idee, sich unter falschen Voraussetzungen in eine Trauergruppe einzuschleichen und quasi mit den Gefühlen der dortigen Teilnehmer zu spielen, fand ich schon von Anfang an irgendwie ein bisschen geschmacklos und war deshalb zugegebenermaßen skeptisch. Trotzdem habe ich mich auf die Geschichte eingelassen, da ich dennoch neugierig war. Die Autorinnen entwickeln daraus tatsächlich einen interessanten, spannenden Plot, und bieten abwechslungsreiche, kurzweilige Leseunterhaltung. Der Schreibstil ist exrem flüssig und angenehm, die Figuren alle durchweg sehr sympathisch. Und doch gibt es von mir einen Stern Abzug, da alles im Gegensatz zum wirklichen Leben zu konstruiert wirkt. Einerseits die Notlösung einer Trauergruppe zur Partnerwahl, andererseits kann sich die Protagonistin dann kaum vor Verehrern retten, das lief mir doch alles etwas zu glatt. Auch ihre teils extrem oberflächlich anmutende Umgehensweise mit ihren männlichen Bekanntschaften war mir oft suspekt. Und doch hatte ich ein paar entspannte Stunden mit diesem Buch, dessen Cover mit einem farblich stimmigen Blumenmuster sehr ansprechend gestaltet ist, und das man deshalb immer wieder gern zur Hand nimmt. Deshalb von mir eine gut gemeinte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Gewöhnungsbedürftig und dennoch lesenswert

Der Kolibri
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Sowohl das farblich sehr ansprechend gestaltete Cover, als auch Klappentext und Leseprobe haben mich von Anfang an sofort in ihren Bann gezogen, so dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste und sehr ...

Sowohl das farblich sehr ansprechend gestaltete Cover, als auch Klappentext und Leseprobe haben mich von Anfang an sofort in ihren Bann gezogen, so dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste und sehr neugierig darauf war. Es ist sprachlich recht anspruchsvoll geschrieben, geradezu poetisch, die langen Sätze bilden einen regelrechten Sog, dem ich mich als Leser schwer entziehen konnte. Der Handlung fand ich teilweise etwas schwer zu folgen, dass ich das Buch schwer aus der Hand legen konnte, lag eher an dem eindringlichen Schreibstil des Autors. Gleich am Anfang erfahren wir gemeinsam mit dem Protagonisten Augenarzt Dr. Marco Carrera, dass er von seiner eigenen Frau betrogen wird. Deren Psychoanalytiker sucht Marco in seiner Praxis auf und hinterbringt ihm dieses Geheimnis. Nun werden nach und nach, allerdings nicht chronologisch, Ereignisse, Schicksalsschläge aus dem Leben der Hauptfigur geschildert. Puzzleteil fügt sich an Puzzleteil, teilweise wirkt das ganze etwas verwirrend, trotzdem konnte ich mich der Faszination der Geschichte schwer entziehen. Von mir eine Leseempfehlung mit leichten Abstrichen.

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