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Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Tod lauert im Gebüsch

Denn mir entkommst du nicht
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Charlotte Schneidmann ist aus der Elternzeit zurück und muss sich mit ihrem Kollegen Käfer direkt um einen brutalen Mord kümmern: Am Aasee in Münster wird die Leiche einer Prostituierten gefunden. Der ...

Charlotte Schneidmann ist aus der Elternzeit zurück und muss sich mit ihrem Kollegen Käfer direkt um einen brutalen Mord kümmern: Am Aasee in Münster wird die Leiche einer Prostituierten gefunden. Der Unterleib ist bestialisch zerstört worden, ansonsten scheint die Tote aber nahezu unberührt. Bei der Obduktion kommt heraus: die Tote war schwanger. Wo ist das Kind? Wer tötet eine Mutter. Das Team muss schnell handeln!

„Denn mir entkommst du nicht“ ist bereits der 4. Fall für das Duo Schneidmann/Schäfer, aber mein erster Krimi von Christine Drews. Dachte ich zu Beginn, ich bekäme einen weiteren, eher ausgelutschten Krimi um den Tod einer Dirne, hat mich die Autorin positiv überrascht und in ihren Bann gezogen.

Ein Hinweis vorab: der Klappentext verrät wieder mal viel zu viel. Wer sich also noch mehr Spannung bewahren will, sollte einfach drauf los lesen!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Großteil den Ermittlungen von Charlotte und ihrem Partner Käfer, bekommt jedoch ab und an auch Einblicke in das Leben des Hauptverdächtigen Antonio Gomez. Diese Wechsel inklusive Abstecher in die Privatleben haben mir sehr gut gefallen, zumal ich gerade das Ermittlerduo schnell ins Herz geschlossen habe.

Charlotte und Käfer sind Polizisten wie aus dem normalen Leben. Sie haben Familie, lieben ihre Partner, kämpfen mit den Überstunden und tauschen sich mit ihren Kollegen aus. Christine Drews zeigt mit ihrem Krimi auf, dass die Polizeiarbeit nicht nur aus wilden Verfolgungsjagden und Ermittlungen in den dunkelsten Abgründen der Menschheit besteht. Genau dieser erfrischend normale Alltag hat mich so fasziniert. Und es gibt sogar etwas auffallendes: endlich ist mal kein großkotziger Staatsanwalt oder nerviger Chef vorhanden, der seinen Ermittlern das Leben noch zusätzlich schwer macht.

Obwohl ich die Vorgängerfälle der beiden noch nicht kenne, habe ich mich super in die Story hinein gefunden. Zu Beginn gibt es ein paar kleine Rückblicke, die mir ein Gefühl für das Umfeld der Polizisten vermitteln konnte. So fühlte ich mich von Beginn an mitten in den Ermittlungen und hatte nicht das Gefühl, irgendwo eine Wissenslücke zu haben. Christine Drews schaffte es, mich von Beginn an bei Laune zu halten. Der Krimi ist solide aufgebaut und besticht durch eine beständige Spannungssteigerung. Echt klasse!

Das Finale ist logisch herbeigeführt und in sich geschlossen. Ich dachte beim Lesen, dass ich den Täter schon enttarnt hatte und wollte schon lospoltern, als mich die Autorin dann überraschen konnte. Es gibt nicht mehr viele Autoren, die mich so aufs Glatteis führen können. Der Höhepunkt waren die letzten beiden Kapitel, bei denen ich sogar die ein oder andere Träne wegwischen musste.

Der Stil von Christine Drews ist leicht und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise besticht durch Lockerheit und durch die richtige Mischung aus detailgetreuen Beschreibungen und logischen Schlussfolgerungen.

Fazit: Fall 4 war zwar mein erster, aber definitiv nicht mein letzter! Lesen!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schönheit als Wurzel allen Übels

Das Mona-Lisa-Virus
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Auf der Reise in ein Trainingscamp in Mexiko werden die schönsten Mädchen der USA entführt. Die Aufregung ist groß und wandelt sich in Entsetzen, als die erste Schönheitskönigin freigelassen wird: komplett ...

Auf der Reise in ein Trainingscamp in Mexiko werden die schönsten Mädchen der USA entführt. Die Aufregung ist groß und wandelt sich in Entsetzen, als die erste Schönheitskönigin freigelassen wird: komplett entstellt, mit starken chirurgischen Veränderungen am Körper und gleich einem Bild von Picasso. Das FBI ermittelt und muss sich bald noch zwei weiteren Gefahren stellen: überall auf der Welt sterben Bienen und ein Computervirus zerstört jedes Bild, das es finden kann. Wer steckt dahinter?

„Das Mona-Lisa-Virus“ war mein erster Thriller von Tibor Rode und hat mich gut unterhalten. Mehr aber auch nicht. Leider, denn die Grundidee ist super. Jedoch gibt es im Verlauf einige Punkte, die mir als leidenschaftliche Thrillerleserin aufgestoßen sind.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur dem FBI bei seinen Ermittlungen in Mexiko, sondern beschäftigt sich auch mit dem Bienensterben, dem Virus, reist nach Europa und schaut sowohl dem FBI als auch der Neuroästhetikerin Helen Morgan, deren Tochter verschwunden ist, über die Schulter. Die Perspektiven und Handlungsorte wechseln gerade zu Beginn sehr schnell, was mich persönlich begeistert hat. Ich mag es sehr, wenn es mehrere Handlungsstränge gibt, die im Laufe des Buches zusammengeführt werden. Und obwohl die Orte und Personen zügig wechseln, hatte ich kein Problem, der Story zu folgen. Super!

Die Figuren sind gut, wenn auch nicht tiefgründig ausgearbeitet. Hier nähert sich Tibor Rode seinen amerikanischen Kollegen an. Von den Charakteren, insbesondere von Helen Morgan und dem FBI-Agent Millner, erfährt man nur gerade so viel, wie es notwendig ist. Das fand ich schade, denn der Thriller bietet genug Raum um die Protagonisten ausführlich vorzustellen. So jedoch bekommt man nur Happen aus der Vergangenheit, was es mir in manchen Situationen schwierig machte, die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen.

Die Story ist geradlinig und fesselnd erzählt, wenn auch nicht immer realitätsnah oder logisch. So wirft der Autor seine Leser in Situationen, die zwar für die Dramatik gut sind, jedoch im weiteren Verlauf kaum noch Beachtung finden. Hier wäre weniger mehr gewesen. Denn so wäre auch der Schrecken, den die einzelnen Aktionen auslösen sollten, größer gewesen. Da Tibor Rode aber viele Ereignisse kurz anreißt, ohne sie zu vertiefen, bleiben sie blass. Schade!

Auch so manche Entscheidung des FBI ist weit entfernt von der Realität, wenn auch gut für die Dramatik. Jedoch hätte ich mir in dem Punkt einfach mehr Nähe zum wahren Leben gewünscht. Oder eine bessere Erklärung, warum wieso weshalb so gehandelt wird. Hier waren mir die Hintergründe zu flach.

Das Finale ist passend für das Buch, für mich allerdings zu stark verkürzt. Tibor Rode führt die Spitze des Thrillers sehr gut herbei und lässt sie dann verpuffen. So erfährt man so manches erst im Rückblick, wo ich persönlich gern „live“ dabei gewesen wäre.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schnell und er geht nur dann ins Detail, wenn es nötig ist. So flogen die Seiten nur so dahin.

Fazit: eine super Grundidee, die in der Ausführung teilweise verreckt. Eher Mittelmaß als das Maß aller Dinge.