Platzhalter für Profilbild

lustaufbuch

Lesejury Star
offline

lustaufbuch ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lustaufbuch über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2025

»Große Literatur bewahrt etwas von ihrer Zeit, bleibt dabei aber unvergänglich.«

Einfach Literatur
0

Im Frühjahr des vergangenen Jahres stand Klaus Willbrand kurz davor sein Antiquariat für immer zu schließen und nahm als letzte Möglichkeit das Angebot der befreundeten Digitalberaterin Daria Razumovych ...

Im Frühjahr des vergangenen Jahres stand Klaus Willbrand kurz davor sein Antiquariat für immer zu schließen und nahm als letzte Möglichkeit das Angebot der befreundeten Digitalberaterin Daria Razumovych an. Über Nacht wurde er regelrecht zum Star. Auch bei mir dauerte es nicht lange, bis ich den Account vom Algorithmus empfohlen bekam.

Was für ein Wissen über Literatur muss Klaus Willbrand gehabt haben? Dass er es hatte, zeigte er uns bereits in seinen Videos und jetzt auch in Buchform.
Bei beiden wurde er von Daria mehr als nur unterstützt, weshalb beide im gleichen Zug genannt werden müssen. Ohne sie wäre sein Antiquariat längst geschlossen. Was dies für sein Vermächtnis bedeuten würde, welches nun ein ganz anderes ist und an dem viele teilhaben, ohne ihn überhaupt gekannt zu haben, möchte man sich gar nicht ausmalen. Am liebsten würde man ihn noch gerne weiterhin über Literatur reden hören.

Dieses Buch erzählt autobiografisch Klaus‘ Lebensweg, der alles andere als linear verlief und gerade deswegen so spannend ist! Dabei stellt er deutschsprachige, angloamerikanische und französische Autorinnen vor, die einerseits ihn selbst zeitlebens begeistert und andererseits die Literaturlandschaft geprägt haben. Zu manchen gibt es ausführlichere Anekdoten, zu anderen eher schlichte Kurzbeschreibungen und Werkempfehlungen.

Dieses Buch berührt einen allein schon, weil mehrere Menschen – Schreibende und Lesende – die gleiche Leidenschaft für großartige Literatur teilen. Was uns Klaus und Daria hinterlassen haben, ist ein Text, der sich seinem Leben, der Literatur und nicht zuletzt der schicksalhaften Begegnung mit Daria beschäftigt und zugleich keinen Lesekanon vorschreibt, sondern vielmehr Anregungen für mögliche zukünftige Lektüren gibt.
Wie gerne hätte ich, besonders von seinen autobiografischen Anekdoten und persönlichen Erlebnissen mit Autor
innen noch mehr gelesen, seinen Gedanken gelauscht und gewünscht, dass er die Veröffentlichung hätte miterleben können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2025

Literarische Orte der Weltliteratur

Schauplätze der Weltliteratur
0

Die Weltliteratur ist umfangreich, nahezu unendlich und doch gibt es einige Werke, dessen Orte man nie wieder vergisst oder selbst früher oder später mal nicht nur gedanklich aufsucht. Diesen Orten, denen ...

Die Weltliteratur ist umfangreich, nahezu unendlich und doch gibt es einige Werke, dessen Orte man nie wieder vergisst oder selbst früher oder später mal nicht nur gedanklich aufsucht. Diesen Orten, denen von verschiedensten Autorinnen zu unterschiedlichster Zeit ein literarisches Denkmal gesetzt wurde, widmet sich dieses von John Sutherland herausgegebene Buch.

Dabei streift es, beginnend mit Jane Austen, den klassischen Kanon rund um Tolstois „Anna Karenina“, Virginia Woolfs „Mrs Dalloway“ oder Thomas Manns „Der Zauberberg“ und nimmt auch Bezug auf aktuellere Titel und noch lebende Autor
innen wie Jenny Erpenbeck oder Elena Ferrante. Berücksichtigt werden auch teils die unbekannteren Texte von bekannten Autorinnen.

Viele der erwähnten Romane – ja die Mehrzahl – kenne ich selbst noch nicht, bzw. nur vom Titel her. Aber umso gewinnbringender ist dieses Buch, da man durch die Kurzbeschreibungen zwar nicht den Stil des jeweiligen Romans kennenlernt, aber bezüglich des Inhalts eine Art Speed-Dating durchläuft und schauen kann, ob diese für einen selbst thematisch ansprechend erscheinen. Außerdem findet man in jeweiligen Seitenspalten zu allen Autor
innen aufs Wesentlichste beschränkte Infos.

Die Aufmachung dieses Buchs ist einfach nur gelungen, wunderschön und ergänzt durch Fotos und Bilder den Text. Somit ist es nicht nur für Liebhaber der Literatur etwas Besonderes oder als Geschenk geeignet, sondern lädt vielmehr einfach alle ein sich auf eine Reise zu literarischen Orten zu begeben.

Von dem Herausgeber John Sutherland gibt es in ähnlicher Gestalt auch noch das ebenfalls empfehlenswerte Buch „In 80 Büchern um die Welt“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2025

»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Blöße
0

»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Am 03. März 2033 beginnt die Protagonistin Sibylle einen Brief an eine Galeristin und ehemalige Unterstützerin, indem ...

»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Am 03. März 2033 beginnt die Protagonistin Sibylle einen Brief an eine Galeristin und ehemalige Unterstützerin, indem sie Rechenschaft über ihr bisheriges Leben als Präparatorin und Künstlerin ablegt. Dieser Brief erstreckt sich passagenweise über das gesamt Buch hinweg und wird durch Tagebucheinträge, insbesondere von Betrachtungen besonderer Exponate, erweitert.
Als Sibylle 1983 beginnt, die Kunst der Tierpräparation zu erlernen, ist sie fasziniert und als Leser*in wird man in den Bann dieses außergewöhnlichen Handwerks zwischen Tod, Kunst, Natur und Faszination gezogen.
Kurze Zeit später begegnet sie Bea, von ihr Moira genannt, die sich als Aktivistin für das Leid der Tiere einsetzt und darauf öffentlich aufmerksam machen will. Auch wenn beide andere Ansichten haben, denkt Sibylle ständig an Moira und beide nähern sich an. Insbesondere ein Erlebnis schweißt beide ganz früh zusammen: Sibylle muss für ihren Unterricht eigenständig ein Tier töten und ausgerechnet Moira ist ihr dabei behilflich…
Eine explosive Kombi, die dennoch harmoniert, bis ein Geheimnis zwischen sie gerät…

Letztlich besteht der Roman aus vielschichtigen Ebenen – lyrisch, erzählend und informierend – und grenzt sich deutlich von populäreren Romanen ab. Allen, die sich darauf einlassen, wird eine ganz besondere, einzigartige Lektüre geschenkt, welche die Grenzen des moralisch-ethischen Umgangs mit Tieren auslotet und zugleich eine denkwürdige Hommage an die Kunst der Tierpräparation, ausgerottete Tierarten sowie sämtliche naturkundlichen Museen darstellt.
Ganz nebenbei streut die Autorin Wissen über dieses Berufsfeld, sodass man nicht nur einen tollen Roman liest, sondern dabei auch einiges mitnimmt.
Dieses Buch ist ganz gleich wie die Tierpräparation ein komplexes und einzigartiges Kunstwerk für sich!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2025

»Es kenne mich die Welt«

Thomas Mann
0

»Es kenne mich die Welt nicht nur in dem, was ich als Literarisches geleistet habe, sondern in meinem Leid und in meinem Kampf.«

Was Hermann Kurzke bereits vor über 25 Jahren angerissen, wird von Tilmann ...

»Es kenne mich die Welt nicht nur in dem, was ich als Literarisches geleistet habe, sondern in meinem Leid und in meinem Kampf.«

Was Hermann Kurzke bereits vor über 25 Jahren angerissen, wird von Tilmann Lahme mehr in den Fokus gerückt, gar zur Hauptthematik des Buchs – Thomas Manns Homosexualität. Doch war er ein Homosexueller, ein bisexueller Mann oder doch heterosexuell mit den in der Forschung sog. beschönigten „homoerotischen Neigungen“?

Laut Tilmann Lahme war er eindeutig homosexuell und das belegt seine Argumentation an bisher unveröffentlichten Briefen mit seinem Schulfreund Otto Grautoff, zensierten Tagebucheinträgen, die bewusst (!) zurückgehalten wurden und deutlichen Hinweisen in seinen Werken. All das lässt kaum Zweifel offen und trotzdem erregt dieses Buch großen Unmut. Warum will man Thomas Mann nicht als Homosexuellen sehen?
Thomas Mann selbst sprach oft von seinen fünf großen Lieben, alles junge Männer, darunter nicht mal seine Frau.

Noch dazu wollte er selbst, dass seine Tagebücher veröffentlicht und er als derjenige erkannt werde, der er wirklich war und nicht nur vorgab zu sein.

Frühe „wissenschaftliche“ Lektüren, wie die „Psychopathia sexualis“ von Richard Krafft-Ebing, die Homosexualität im harmlosesten Fall als Perversion schildert, hat ihn zeitlebens sehr beeinflusst und animiert gegen seine Sexualität vorzugehen, worauf der Autor detailliert eingeht.
Anders wie bei sonstigen Biografien über Mann nehmen seine frühen Jahre bis zur Ehe im Jahr 1905 die Hälfte des Buchumfangs ein.
Zudem ist die Biografie unterhaltend geschrieben und regt zum Nachdenken an.

Nachdem diese Biografie Thomas Mann erstmals als Homosexuellen schildert, der sein Leben grandios als ein heterosexuelles inszeniert hat, wäre als Nächstes ein neuer Blick auf die Ehe mit Katia – mit der er sich selbst eine „Verfassung“ gegeben hat – interessant.

Und was hat überhaupt Susan Sontag mit Thomas Mann zu tun? In diesem Buch erfährt man so viel über Thomas Mann und ich gebe Daniel Kehlmann recht: „Wer nur ein einziges Buch über Thomas Mann lesen möchte, sollte dieses auswählen.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein Klassiker von großer Aktualität

Bartleby, der Schreiber
0

»Ach, wir glauben, dass es in der Welt fröhlich zugeht, weil alles Glück zum Licht drängt; weil das Elend sich aber im Dunkeln verbirgt, glauben wir, dass es kein Elend gibt.«

Geschildert wird eine Amtsstube ...

»Ach, wir glauben, dass es in der Welt fröhlich zugeht, weil alles Glück zum Licht drängt; weil das Elend sich aber im Dunkeln verbirgt, glauben wir, dass es kein Elend gibt.«

Geschildert wird eine Amtsstube eines Notars an der Wall Street und dessen Schreibern, die alle als Figuren mit Eigenarten geschildert werden. Doch keiner, nicht der nur vormittags leistungsfähige Turkey, nicht der ehrgeizige und unter Verdauungsproblemen leidende Nippers und schon gar nicht der minderjährige Ginger Nut sind so interessant wie Bartleby, der Schreiber, der seinem Job tadellos und mit großem Ehrgeiz nachkommt, aber alle anderen Tätigkeiten, wie das Abgleichen seiner Abschriften, mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ vehement ablehnt. Dabei lässt er sich auf keine Diskussion ein, sondern beharrt wiederholend auf seinem Ausspruch. Irgendwann hört er sogar mit seiner eigentlichen Arbeit auf.
Trotz allem bleibt der Notar geduldig und gutmütig, obwohl dieser sich Sachen herausnimmt, die er bei keinem anderen geduldet hätte.

Ist Bartleby‘s Verhalten also eine Revolution im Stillen, eine friedliche Verweigerung?

Im beigefügten Essay „Vom Drang, das Rätsel zu lösen“ des Übersetzers Karl-Heinz Ott werden verschiedene Ansätze zur Deutung dargelegt und die Ähnlichkeit zu Kafkas Werk beleuchtet, was durchaus einleuchtend ist, da die Situation mit Bartleby für den Notar schier ausweglos erscheint. Ganz egal, was er macht, ob er ihm mit Mitgefühl oder Entschlossenheit entgegnet, Bartleby möchte lieber nichts.

Besonders die genaue, nicht selten zum Schmunzeln animierende Zeichnung der Figuren und die stilvolle Sprache haben dazu geführt, dass ich diesen dünnen Klassiker mit Freude gelesen habe.
Umso erstaunter war ich, dass dieser Text – 1853 in einer Zeitschrift veröffentlicht – erstmals 1946 auf Deutsch erschienen ist und noch später überhaupt Anerkennung gefunden hat und trotz ihrer über 150 Jahre, immer noch – oder jetzt erst recht – aktuell ist.
Von mir eine große Empfehlung für diese Erzählung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere