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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.11.2024

»Der Anfang von allem Konsumverzicht ist der Verzicht auf Anpassung.«

Ich möchte lieber nichts
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»Der Anfang von allem Konsumverzicht ist der Verzicht auf Anpassung.«

Ich hatte erst wenige Seiten gelesen, doch war ich bereits von dem bewussten und schönen Schreibstil begeistert. Nicht anders ging ...

»Der Anfang von allem Konsumverzicht ist der Verzicht auf Anpassung.«

Ich hatte erst wenige Seiten gelesen, doch war ich bereits von dem bewussten und schönen Schreibstil begeistert. Nicht anders ging es mir mit dem Inhalt, der zwar banal klingen mag, aber die Lesenden abholt und daran teilhaben lässt, indem man sich über die erwähnten Fragestellungen selbstständig Gedanken macht und diese auf das eigene Leben projiziert.

Der Autor reist für zwei Tage nach Edinburgh um sich mit Fiona, einer Kommilitonin aus seinen Studientagen, zu treffen. Dabei hatten die beiden während ihres Philosophie-Studiums keine besondere Beziehung zueinander, vielmehr drehten sich ihre Gespräche um die Alltäglichkeit des Seins.
Nun vergingen 35 Jahre ohne Kontakt, bis er sie ausfindig machte und ein Treffen vorschlug. Sein Ziel war es, die damaligen Wortwechsel weiterzuführen sowie aus Distanz auf die damalige Zeit zu blicken.

Neben dem Treffen in Edinburgh umfasst das Buch noch zwei weitere, wenn auch deutlich kürzere Kapitel. Einerseits ein kurzer – hauptsächlich von ihm ausgehender – zutiefst philosophischer Briefwechsel nach dem Wiedersehen sowie andererseits ein Treffen mit Fionas Tochter, welches einiges enthüllt.

Gespräche über den Kapitalismus bis hin zum Individualismus entspinnen sich zwischen den beiden. Sie merken, dass andere Menschen aus ihnen geworden sind und sie doch gewissermaßen noch die gleichen sind, die sie waren – verschieden in deren Persönlichkeit. Ebenso beschäftigen sie sich mit der Frage, wie man der Angst vor Veränderung begegnen kann, ob diese nicht vielmehr als Chance gesehen werden sollte und Stagnation dagegen als der schlimmere Zustand?
Die Hierarchie und die Abhängigkeit von Konsum, stehen dabei unablässig in einer Relation zur Anpassung. Die Suche nach Anerkennung und besonders das Reden über Einsamkeit, dürfte keinen leicht fallen, umso überraschender auf welche intime, ehrliche und bewundernswerte Weise John von Düffel seine eigenen Gefühle und Seelenzustände offenbart.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

»Nie stand der Menschheit das Tor zur Zukunft so weit auf wie heute.«

Herrliche Zeiten - Die Himmelsstürmer
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»Nie stand der Menschheit das Tor zur Zukunft so weit auf wie heute.«

Peter Prange entführt die Lesenden in diesem ersten Teil seiner Duologie mitten ins deutsche Kaiserreich.
Schon während des Prologs ...

»Nie stand der Menschheit das Tor zur Zukunft so weit auf wie heute.«

Peter Prange entführt die Lesenden in diesem ersten Teil seiner Duologie mitten ins deutsche Kaiserreich.
Schon während des Prologs – 1871 in Karlsbad – treffen die drei Protagonisten das erste Mal aufeinander.
Vicky Paxton-Stokes, eine englische Industriellen-Erbin, befindet sich auf dem Weg zum Frühstücksaal des Hotels, jedoch wird sie von einer lautstarken Auseinandersetzung aufgehalten, welche sie kurz darauf, um eine Eskalation zu vermeiden, unterbindet. Bei den zwei Streithähnen handelt es sich um Paul Biermann, einen Ingenieur aus Deutschland und um den französischen Koch Auguste Escoffier. Auf frischer Tat ertappt, bereuen beide ihren Zwist augenblicklich.

Schon auf diesen ersten Seiten bahnt sich eine große Liebesgeschichte an, welche den ganzen Roman sowie die Lebensläufe der drei Protagonisten überschattet. Dabei werden stets einzelne Figuren mit den gesellschaftlichen Problemen der Zeit konfrontiert. Insbesondere Paul Biermann, der für den Bau des Kurfürstendamms zuständig ist, aber sich zugleich, um seinem politischen Amt gerecht zu werden, mit dem stetig wechselnden Kurs der Kolonialpolitik unter Bismarck auseinandersetzen muss.
Der immer währende Kampf zwischen Fortschritt und länderübergreifender Verständigung oder Stagnation und blühendem Patriotismus betrifft dagegen alle Länder gleichermaßen.
Pranges kurze Kapitel und die wechselnden Perspektiven, lassen die Lesenden an den zeitlichen Geschehnissen bis zur Jahrhundertwende 1900 in Großbritannien, Frankreich und Deutschland wahrhaftig teilhaben.
Obwohl dieser Roman großteils auf erfundenen Fiktionen beruht, werden einige reale Ereignisse und Persönlichkeiten geschildert. Darunter der Koch Auguste Escoffier, welcher später mit dem Schweizer Hotelier und Unternehmer César Ritz gemeinsame Sache macht und beide durch das Hotel Savoy in London oder das Ritz in Paris Weltruhm erlangen.

Ein Roman, in dem man sich regelrecht verliert. Schade nur, dass man nicht sogleich weiterlesen kann.

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Veröffentlicht am 29.10.2024

Leider nicht ganz wie erwartet

Das Land der Bayern
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Denkt man an Bayern, kommen einem schöne Landschaften, Menschen in Tracht, der Fußballverein oder natürlich die berühmt-berüchtigte sture, konservative Bierzelt-Politik der CSU in den Sinn – das Bier nicht ...

Denkt man an Bayern, kommen einem schöne Landschaften, Menschen in Tracht, der Fußballverein oder natürlich die berühmt-berüchtigte sture, konservative Bierzelt-Politik der CSU in den Sinn – das Bier nicht zu vergessen!
All diese Aspekte prägen Bayern und doch wäre es ungerecht diese unvollständige Auflistung als gänzlich anzusehen.
Dieses Buch bricht mit Klischees und bietet einen historischen, politischen und gesellschaftlichen Streifzug durch das Bayern der vergangenen 200 Jahre, indem es viele bedeutende Ereignisse beleuchtet. Es geht um Regionen, Identitäten, aber auch um Natur(schutz), den aufkommenden Tourismus und die Wahrnehmung sowie das Ansehen Bayerns. Ebenfalls spielt die Religion in diesem doch äußerst konservativ geprägten Bundesland eine einnehmende Rolle. Dem gegenübergestellt sind wunderschöne Naturgebiete, bergige Landschaften mit klaren Seen sowie traditionsbewusste Menschen in Tracht.
Aber auch im negativen Sinn geschichtsträchtige, von Hitler inszenierte Orte wie den Obersalzberg, Nürnberg – als Stadt der Reichsparteitage – und die beiden KZ’s Dachau und Flossenbürg, sind Teil bayrischer Vergangenheit. Damals übliche Völkerschauen werden ebenso erwähnt.
Weiterhin widmet sich Löfflers Abhandlung dem problematischen Heimatbegriff, welcher von manchen Parteien immer noch oder wieder propagiert wird. Selbstverständlich werden auch Wahrzeichen, z.B. das Schloss Neuschwanstein oder Sehnsuchtsorte wie die Fränkische Schweiz, erwähnt.
Dieses Buch zeigt deutlich: Bayern ist zweifelsfrei in jeglicher Hinsicht ein interessantes Bundesland, über das sich viel diskutieren lässt!

Obwohl ich selbst mit der bayerischen Kultur noch nie etwas anfangen konnte, habe ich mich sehr auf das Buch gefreut, um mein Wissen zu erweitern. Leider entsprach dieses jedoch schlichtweg nicht ganz meinen Erwartungen. Großteils war es mir zu spezifisch und zu wenig allgemein. Anstelle einiger Anekdoten, die ich erwartet hatte, folgten stattdessen teils geografische Abhandlungen, die mir persönlich zu sehr ins Detail gingen.

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Veröffentlicht am 29.10.2024

Ein empfehlenswerter Thriller

Das Kalendermädchen
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Olivias Tochter Alma ist schwer krank und benötigt dringend eine Knochenmarkspende. Das Problem dabei ist: Sie wurde adoptiert und ihre Adoptiveltern wissen nicht, wer ihre leiblichen Eltern waren. Als ...

Olivias Tochter Alma ist schwer krank und benötigt dringend eine Knochenmarkspende. Das Problem dabei ist: Sie wurde adoptiert und ihre Adoptiveltern wissen nicht, wer ihre leiblichen Eltern waren. Als sich Olivia jedoch auf die Suche nach ihnen macht, verzweifelt sie, trifft auf das mysteriöse Schauermärchen des Kalendermädchens und stößt eine Reihe unerwarteter Geschehnisse an.
Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von Valentina Rogall, die sich zum Lernen in das entlegene Haus Waldpfad im Frankenwald zurückzieht und dort, um weihnachtliche Stimmung heraufzubeschwören, eine schwarze Kerze im Fenster entzündet. Was sie jedoch nicht weiß, an diesem Ort wird die Tradition des sog. lebendigen Adventskalenders gepflegt und eine solche Kerze gleicht einer Einladung…
Wie von Fitzek gewohnt, gibt es neben diesen zwei Handlungssträngen weitere Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten und an immer anderen Schauplätzen. Darauf näher einzugehen, würde jedoch bereits zu viel verraten.

Nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte, fühlte ich mich irritiert und ratlos, doch nach und nach fügen sich die einzelnen Teile vermehrt zu einem Gesamtbild.
Über Fitzeks Stil – überwiegend kürzere, simple, doch prägnante Sätze – lässt sich streiten, trotz allem ist er flüssig zu lesen. Was den Stil aber allemal wettmacht sind die meisterhaften Cliffhanger am Ende vieler Kapitel. Diese führten dazu, dass ich besonders in den letzten knapp hundert Seiten dieses Buches so gefangen war, es kaum mehr aus der Hand legen konnte und wieder und wieder „nur noch ein Kapitel“ lesen musste, bis keines mehr folgte.
Jedoch gab es zwischendurch einige Stellen, denen mehr Spannung gut getan hätte. Zudem war das Ende schon ab einem gewissen Zeitpunkt vorhersehbar und kam nur teils überraschend.

Obwohl am Ende des Buchs noch einige Fragen unbeantwortet geblieben sind und es einige Kritikpunkte gab, steht außer Frage, dass es ein guter und auf jeden Fall empfehlenswerter Thriller ist – wenn auch meines Erachtens nicht der beste von Fitzek.

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Veröffentlicht am 25.10.2024

»[D]ie grausame Unmöglichkeit der hiesigen Situation frisst uns täglich ein bisschen Leben weg.«

Allianz der Heimatlosen
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»[D]ie grausame Unmöglichkeit der hiesigen Situation frisst uns täglich ein bisschen Leben weg.«

Erika Mann, Klaus Mann und Annemarie Schwarzenbach. Ein Trio mit vielen Gemeinsamkeiten und doch waren ...

»[D]ie grausame Unmöglichkeit der hiesigen Situation frisst uns täglich ein bisschen Leben weg.«

Erika Mann, Klaus Mann und Annemarie Schwarzenbach. Ein Trio mit vielen Gemeinsamkeiten und doch waren sie so verschieden.
Als die drei im Herbst 1930 aufeinandertrafen, war Annemarie sofort von den beiden Geschwistern fasziniert und verliebte sich augenblicklich in Erika. In den nächsten Jahren folgten unendlich viele bewundernde Briefe, mit dem Wunsch nach Erikas Anerkennung.

Alle drei schrieben beruflich, strebten einer erfolgreichen Karriere entgegen und engagierten sich gemäß ihrer antifaschistischen Haltung. Während sich Erika zu einer gefragte Schriftstellerin, Kabarettistin und Vortragsrednerin entwickelte, Klaus Herausgeber mehrerer Zeitungen und selbstverständlich Schriftsteller wurde, überholte beide der Ruhm und Annemarie blieb zurück. Zwar veröffentlichte sie einige Werke, aber weder ein beruflicher, noch privater Erfolg mochte sich bei ihr einstellen. Ebenfalls entwickelten alle drei eine große Liebe zu immer stärkeren Drogen, doch keiner fiel diesen, gleichfalls dem Alkohol, so gravierend zum Opfer wie Annemarie.
Zeitlebens hatte sie eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter, welche – selbst eine gleichgeschlechtliche Affäre unterhaltend – die Homosexualität, Emanzipation und das politische Engagement ihrer Tochter verabscheute und selbst eng mit der „Schweizer Front“ verbunden war, welche einen Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland anstrebte.
Nach Annemaries frühen Tod, infolge eines Fahrradsturzes sowie schwerer Hirnschäden, sollte dieser Zwist – an Dreistigkeit kaum zu überbieten – jedoch seinen Höhepunkt erreichen. Gemäß ihrem Testament sollte ihr Nachlass, insbesondere die Briefe, Tagebücher und Manuskripte, ihrer Freundin Anita Forrer vermacht werden. Doch ihre Mutter Renée und Oma Clara Wille verbrennen zwei Kisten ihrer Korrespondenz, darunter die Briefe von Erika und Klaus Mann.

Was für eine turbulente Reise!

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