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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2025

Herzschmerz in seiner realistischsten Form

Heartsick
1

„Heartsick“ von Jessie Stephens ist ein bemerkenswertes Buch, das die Realität von Liebe, Trennung und Schmerz auf eine besonders eindrucksvolle Weise vermittelt. Die Autorin stellt drei völlig unterschiedliche ...

„Heartsick“ von Jessie Stephens ist ein bemerkenswertes Buch, das die Realität von Liebe, Trennung und Schmerz auf eine besonders eindrucksvolle Weise vermittelt. Die Autorin stellt drei völlig unterschiedliche Geschichten vor, die sich jedoch alle mit der Thematik des Herzschmerzes auseinandersetzen. Wir begleiten Ana, die in einer scheinbar glücklichen Ehe steckt, Patrick, der die erste große Liebe erlebt, und Claire, die nach London zieht, um sich selbst zu finden, aber unversehens in eine Beziehung gerät. Was diese Erzählungen miteinander verbindet, ist die Erfahrung des Verlusts – und die Herausforderung, sich von der Idee der "großen Liebe" zu befreien.

Der Einstieg fiel mir zunächst schwer. Die Vielzahl der Charaktere und die Komplexität ihrer Geschichten machten es nicht leicht, sofort eine Verbindung aufzubauen. Doch mit fortschreitendem Verlauf wurde ich von der Tiefe und Authentizität der Emotionen, die Stephens vermittelt, völlig gefesselt. Besonders Claires Erlebnisse berührten mich sehr. Ihre innere Zerrissenheit und die Darstellung ihrer Gefühle waren so eindringlich, dass ich mich tief in ihre Welt versetzen konnte – ein Thema, das nicht nur besonders sensibel behandelt wird, sondern auch eine sehr persönliche Relevanz hat.

Die Art und Weise, wie die Autorin ihre Charaktere darstellt, ist das, was „Heartsick“ wirklich herausstechen lässt. Die Geschichten sind nicht einfach erfunden – sie basieren auf wahren Begebenheiten, die mit feinfühliger Hand erzählt werden. Durch die echte Verankerung der Erlebnisse wird der Schmerz der Charaktere umso greifbarer. Jeder Moment, sei es Trauer, Wut oder Hoffnung, wird in seiner Echtheit und Intensität spürbar.

Die Struktur des Buches, das zwischen den Geschichten wechselt, hat bei mir anfangs Unruhe ausgelöst, da ich mich in einem Abschnitt gerade erst mit einem Charakter identifizieren konnte, nur um dann abrupt zu einem anderen zu wechseln. Dennoch hat diese Herangehensweise ihren eigenen Reiz – sie spiegelt das zerrissene Gefühl wider, das mit Liebeskummer einhergeht.

Die Autorin schafft es meisterhaft, eine tiefgründige und bewegende Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der Liebe zu liefern, ohne zu urteilen oder zu verurteilen. Sie stellt Fragen über Selbstwert, Abhängigkeit und den Idealismus, den viele in Beziehungen suchen, und lässt uns erkennen, wie wichtig es ist, auch den Schmerz zuzulassen, um heilen zu können.

„Heartsick“ ist ein Buch, das auf emotionaler Ebene tief geht und sich mit den Realitäten des Lebens und der Liebe auseinandersetzt. Es fordert die Leser dazu auf, sich mit den eigenen Erfahrungen von Verlust und Schmerz auseinanderzusetzen und zeigt dabei auf, wie wir aus diesen Erfahrungen wachsen können. Ein echtes und authentisches Werk, das ich jedem empfehlen kann, der sich mit den komplizierten Facetten der Liebe und des Lebens beschäftigen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 17.03.2025

Ludwig der Fromme: Ein historischer Roman mit Potenzial, das nicht ganz entfaltet wird

Das Erbe der Karolinger
2

Claudius Crönert bringt die Zeit des Ludwig des Frommen zwischen 817 und 840 auf spannende Weise zum Leben. Der Roman vereint historische Fakten und fiktive Elemente, was den Leser sowohl unterhält als ...

Claudius Crönert bringt die Zeit des Ludwig des Frommen zwischen 817 und 840 auf spannende Weise zum Leben. Der Roman vereint historische Fakten und fiktive Elemente, was den Leser sowohl unterhält als auch lehrreich ist. Durch die geschickt eingearbeiteten Kürzungen und Anpassungen an fehlende historische Belege entsteht ein lebendiges Bild dieser Epoche, das dennoch authentisch wirkt.

Die Handlung führt durch die politischen und familiären Konflikte des Mittelalters und zeigt Ludwig des Frommen, der vor der Herausforderung steht, das riesige Reich seines Vaters Karl des Großen zu regieren. Ludwig muss nicht nur Feinde von außen abwehren, sondern sich auch mit inneren Machtkämpfen und Verrat auseinandersetzen. Ludwig wird als fast zu gütiger, friedlicher Herrscher dargestellt, was besonders mit dem Machtkampf und den Schwierigkeiten seiner Herrschaft schwierig ist.
Besonders die Rolle seiner Söhne, die um die Macht kämpfen, werden detaillierter beschrieben. Lothar, der älteste Sohn, strebt nach mehr Einfluss, während die jüngeren Söhne – Pippin und Ludwig der Jüngere – weniger entschlossen sind. Die Söhne sind weniger differenziert und wirken teilweise eindimensional. Lothar, der ehrgeizige älteste Sohn, wird als selbstherrlicher Machtmensch dargestellt, doch seine Motive und Handlungen sind nicht tiefgründig genug, um ihn wirklich nachvollziehbar oder interessant zu machen. Pippin und Ludwig der Jüngere kommen teilweise erst spät zur Geltung und wirken wie blasse Nebenfiguren, deren Handlungsmotive nur wenig Raum zur Entfaltung bekommen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren, die eigentlich das Herzstück der Geschichte ausmachen sollten, wirken etwas platt. Ebenso wird zum Ende hin die Sicht von Karl beschrieben, der aber wenig zur Handlung beiträgt.
Auch die zweite Ehe Ludwigs mit Judith wird im Buch dargestellt, wobei sie hier als liebevolle und besorgte Frau gezeigt wird, was von anderen historischen Darstellungen abweicht. Der Grund, im Sinne von "Die Sieger schreiben die Geschichte", wurde in der Leserunde von Claudius Crönert erklärt.

Zwar gibt es immer wieder spannende Momente und interessante historische Einblicke, doch die Charaktere können nicht mit der Tiefe und Komplexität anderer historischer Romane mithalten. Der Schreibstil ist zwar flüssig, jedoch fehlt es der Erzählung an emotionaler Tiefe und Charakterentwicklung. Die 800 Seiten wirken manchmal langatmig, da die Figuren und ihre Konflikte nicht genug fesseln. Insgesamt bleibt das Buch ein bisschen hinter den Erwartungen zurück und manche Figuren oder Konflikte werden nicht mehr aufgearbeitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 17.02.2025

Missverstanden und einsam

Unter Grund
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In Annegret Liepolds Debütroman "Unter Grund" kehrt die Protagonistin Franka nach einer Konfrontation mit ihrer Vergangenheit in die fränkische Provinz zurück, wo sie sich mit ihrer schwierigen Familiengeschichte ...

In Annegret Liepolds Debütroman "Unter Grund" kehrt die Protagonistin Franka nach einer Konfrontation mit ihrer Vergangenheit in die fränkische Provinz zurück, wo sie sich mit ihrer schwierigen Familiengeschichte und ihrer Jugend in der rechten Szene auseinandersetzen muss. Ihr Verhältnis zu den Familienmitgliedern ist zerrüttet, und im Fuchsbau, dem Haus ihrer Großmutter, wird sie mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Die Geschichte thematisiert, wie Unsicherheit und Frustration zu falschen Entscheidungen und Gruppenzwang führen können, was Frankas inneren Konflikt verdeutlicht.

Die Autorin schafft es, die emotionale Zerrissenheit und das Streben nach Anerkennung authentisch darzustellen, während die bildhafte Sprache die ländliche Kulisse lebendig werden lässt. Besonders eindrucksvoll ist die Auseinandersetzung mit der historischen Kontinuität rechten Gedankenguts und den damit verbundenen Fragen nach Schuld und Verantwortung.

Trotz einiger blasser Nebenfiguren und ausufernder Beschreibungen hat das Buch einen starken Eindruck hinterlassen und regt zum Nachdenken an. Es bietet einen tiefen Einblick in die Herausforderungen einer Jugend auf dem Land und ist eine klare Leseempfehlung für alle, die sich mit Identität, familiären Geheimnissen und den Gefahren extremistischer Ideologien beschäftigen möchten.

Erwähnen möchte ich noch das Glossar und die Verweise durch die man sieht dass z.B. Liedtexte nicht frei erfunden sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2025

Auf der Jagd nach Geheimnissen

Jasper Field
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In Simon Jarrs Roman "Jasper Field" erwartet den Leser ein umfangreiches und sprachlich präzises Werk, das mit den Gesichtern der Hauptfiguren ein passendes Cover bekommen hat. Die Geschichte dreht sich ...

In Simon Jarrs Roman "Jasper Field" erwartet den Leser ein umfangreiches und sprachlich präzises Werk, das mit den Gesichtern der Hauptfiguren ein passendes Cover bekommen hat. Die Geschichte dreht sich um Max Sandberg, dessen Leben nach dem Tod seiner Eltern und dem Einfluss seines Anwalts Paul von Rückblicken in seine Vergangenheit geprägt ist. Die Begegnung mit dem geheimnisvollen Jasper Field während einer Zugfahrt bringt frischen Wind in Max' Leben und führt ihn auf die Spur der Wahrheit über den Tod seiner Eltern.

Der Schreibstil des Autors ist detailverliebt, was an manchen Stellen etwas überladen wirken kann. Dennoch bleibt die Handlung spannend und bietet zahlreiche unerwartete Wendungen, die den Leser bis zum Ende fesseln. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch, was das Interesse an ihrer Entwicklung weckt. Besonders positiv hervorzuheben ist die Ich-Perspektive, die tiefere Einblicke in Max' Gedanken- und Gefühlswelt ermöglicht.

Allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte: Die ausführlichen Beschreibungen von Szenen und Dialogen können auf Dauer ermüdend sein, und grammatikalische Fehler sind leider auffällig. Mit über 800 Seiten könnte das Buch für einige Leser etwas zu langatmig sein, eine etwas kürzere Fassung würde auch reichen. Max ist etwas anstrengend, da er von sich aus wenig handelt sondern von Jasper mitgezogen wird und schnell klein beigibt. Doch die spannende Geschichte und die fortlaufende Enthüllung von Geheimnissen machen es insgesamt empfehlenswert. Trotz kleinerer Schwächen ist "Jasper Field" ein fesselndes Werk, das neugierig macht und zum Weiterlesen anregt.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2025

Spannende handlung, die vieles offen lässt.

Der Familienvater
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Vor 5 Jahren:

Eine Mutter und ihre Kinder werden am Esstisch tot aufgefunden, der Familienvater fehlt. Die Kripo steht vor einem Rätsel und das zweimal. Denn es wird eine zweite Familie tot aufgefunden ...

Vor 5 Jahren:

Eine Mutter und ihre Kinder werden am Esstisch tot aufgefunden, der Familienvater fehlt. Die Kripo steht vor einem Rätsel und das zweimal. Denn es wird eine zweite Familie tot aufgefunden und auch hier fehlt vom Familienvater jede Spur.

Heute:

Ist der Serientäter zurück? Denn erneut wird eine Familie tot am Esstisch aufgefunden, ohne eine Spur von dem Familienvater.


Mit dem Cover und dem Klappentext freut man sich auf eine spannende Geschichte, die leider nicht erreicht wird.

Schlag auf Schlag werden Ereignisse, Spurensuche und Hintergründe ermittelt. Vieles wird sehr schnell zur Verfügung gestellt und aufgelöst und ein wenig zu oft hilft der Zufall.
Dabei erfährt man auch die ein oder andere nebensächliche Hintergrundinformation aus dem Privatleben der Ermitterlduos, diese werden aber genau wie die eigentliche Handlung nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Bei vielem bleiben Fragen zurück.
Bei dem Privatleben mag das daran liegen, dass dies nicht das erste Buch mit diesem Kripo-Duo ist, für die eigentliche Ermittlung hätte man sich aber doch mehr Aufklärung gewünscht.

Insgesamt fehlt etwas Tiefe bei den Charakteren und Handlung, ebenso wie die emotionslosen Nebenfiguren. Man kann sich weder die Personen vorstellen noch glaubt man der Geschichte. Durch die Polizeipsychologin wär das leicht (und glaubhaft) zu erreichen gewesen.


Das Buch ist insgesamt okay, die Geschichte an sich spannend, aber es hätte eindeutig mehr daraus gemacht werden können.

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