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Veröffentlicht am 24.02.2025

Reich an faszinierenden Ideen

Niemannswelt – Als ich mich verlor, habe ich dich gefunden
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Carina Bartsch ist ein Name, den ich mit sehr vielen tollen Erinnerungen verbinde. Die Reihe zu Emely und Elias hat mich damals mitten ins Herz getroffen und danach war es immer Mitfiebern, was sie als ...

Carina Bartsch ist ein Name, den ich mit sehr vielen tollen Erinnerungen verbinde. Die Reihe zu Emely und Elias hat mich damals mitten ins Herz getroffen und danach war es immer Mitfiebern, was sie als Autorin neues auf die Beine stellt. Bartsch gehört zwar nicht zu denen, die zuverlässig jedes Jahr eine Neuveröffentlichung hat, aber mit ihrem Schandtaten-Verlag hat sie auch noch ein anderes Standbein. Umso überraschter war ich nun, als gleich eine ganze Buchreihe mit auch relativ nah aneinander liegenden Veröffentlichungsdaten angekündigt wurde. Oh wow, da hatte aber jemand einen Plan und ich war extrem gespannt, bei „Niemannswelt“ einzutauchen.

Ich habe den ersten Band, „Als ich mich verlor, habe ich dich gefunden“, als Hörbuch gehabt und ich muss sagen, große Verbeugung vor Martha Kindermann. Die ganze Geschichte ist so auf Zoe fokussiert, dass wir wirklich viel Zeit mit dieser Figur im Ohr verbringen und sie war fast schon in Bruchteilen von Sekunden schon die ideale Verkörperung. Ich habe Zoe durch sie echt gespürt. Hut ab davor! Bleiben wir zunächst bei den äußeren Umständen. Auch wenn der Titel der Reihe sehr aussagekräftig ist, so muss ich umgekehrt sagen, dass das Cover plus die Untertitel sofort den Eindruck einer sehr romantischen Geschichte erzeugt haben. Nicht, dass das eine nicht mit dem anderen zusammenpassen würde, aber wenn ich den inhaltlichen Verlauf des ersten Bandes bedenke, dann ist es ein kleiner Teil. Mich persönlich hat es gar nicht gestört, aber ich kann mir schon vorstellen, dass Leser, die Bartsch neu für sich entdecken und dann diese Cover und Untertitel sehen und lesen, deutlich andere Assoziationen haben. Aber es ist immer ein schmaler Grat und die Cover sind wunderschön und der Markt hat auch seine Gesetze, um sich da irgendwie durchzusetzen, deswegen habe ich da großes Verständnis für.

Kommen wir aber nun zum Inhalt, denn der ist für mich echt ein Highlight. Ich bin Feministin, aber ich blicke auch immer wieder auf Tendenzen, die mich etwas besorgt machen, denn ich denke nicht, dass die Idee dahinter ist, die Frau zum stärkeren Geschlecht zu machen und mit Männern im Allgemeinen abzurechnen. Dementsprechend kam mir die Idee von Bartsch total entgegen, denn es ist eine zugespitzte Version davon, die in einer weiten Zukunft liegt und die mich extrem zum Denken angeregt hat. Der erste Band hat vor allem die Aufgabe, uns in diese neue Welt einzuführen und es gab so viel zu entdecken. Es gab immer wieder neue Ideen, eine Mischung aus rückwärtsgedachten Prinzipien und sehr modernen Entwicklungen und es ist der Autorin echt großartig gelungen, dass nicht lehrerhaft einzuflechten, sondern es ist in Zoes Erlebnisse eingebunden worden und durch ihren Job war es natürlich auch möglich, vieles etwas wissenschaftlich zu beleuchten. Ich mochte diese Mischung echt extrem. Wenn man selbst aus der Wissenschaft kommt, dann wurde ich hier echt gut aufgefangen und meine Gedanken sind immer sehr wild gewesen, um in alle angedeuteten Richtungen mitzudenken und mich zu fragen, wie es für mich wäre, in dieser Niemannswelt zu leben. Es war auch echt krass, auf diese fiktiven historischen Ereignisse zu schauen, die aber auf einer Realität fußen, die uns allen bekannt ist. Schon verrückt, dass es so passieren könnte, wer weiß das schon.

Einen Kritikpunkt will ich an dieser Stelle einbinden. Es ist eine lange Reihe geplant, das bedeutet natürlich jede Menge Seiten für Bartsch. Das ist sicherlich Luxus, aber es ist natürlich trotzdem die Aufgabe, eine Balance zu finden. Während ich finde, dass Band 1 es extrem großartig im World Building macht, weil ich echt alles genau vor meinem Auge sehe, so habe ich manches Mal so kleine inhaltliche Highlights vermisst. Das ist vor allem an das Argument der Spannung gebunden, denn es entstehen viele Fragezeichen und ein paar klarere Ausrufezeichen hätten der Geschichte ein echtes Plus noch gegeben. Beispielsweise das Geheimnis rund um Zoes Mutter im Nationalpark. Da habe ich oft drüber nachgedacht und es ist aber immer auf der Ersatzbank verharrt geblieben. Ähnliches gilt auch für die Beziehungsentwicklung von Zoe und Flynn. Natürlich konnte das nicht von heute auf morgen gehen, aber man hat auch gemerkt, dass es fast zu schon zu viel Zeit war oder man hätte sich umgekehrt die Zeit genommen und hätte trotzdem manches Mal schon was rausgehauen, beispielsweise die Enthüllung von Flynn über seine Mutter. Da wäre noch etwas mehr drin gewesen.

Abgesehen davon aber war alles so unheimlich faszinierend. Ich fand es extrem spannend, durch Zoe und die anderen Frauen die verschiedenen Extreme zu erleben, wie man über Männer denkt. Zoe ist wirklich auf eine Skala sehr liberal, wahrscheinlich gerade wegen ihres Hintergrunds als Wissenschaftlerin. Sie kennt im Gegensatz zu vielen anderen die schlimmsten Beispiele der Vergangenheit, aber sie hat immer die Neugier und auch den Raum für etwas, was sie noch nicht kennt und deswegen ergründet. Deswegen ist sie die ideale Protagonistin, weil wir erleben, wie sehr sie in dieser Welt verankert ist und trotzdem gibt es Brüche, mit denen sie gewisse Entscheidungen und Begebenheiten hinterfragt. Flynn erfüllt seine Aufgabe auch ideal, denn man merkt einfach genau das, womit ich immer eine Lanze für das Geschlecht Mann brechen würde. Er ist genauso wenig perfekt wie jede einzelne Frau, aber er ist der Gegenpart zu Zoe, denn er hat so Schlimmes erlebt und trotzdem ist er offen, Zoe kennenzulernen und ihr vieles zu spiegeln, aber umgekehrt auch umzudenken angesichts dessen, was er erlebt und erfährt.

Fazit: „Niemannswelt“ ist eine so faszinierende Idee, die ich einfach feiern möchte. Auch wenn man gemerkt hat, dass die ganzen angekündigten Bände Carin Bartsch vielleicht etwas bummeln lassen, aber insgesamt ist das Lese- bzw. Hörerlebnis doch echt großartig. So viele Ideen, so viel zum Nachdenken und so viel Potenzial für mehr.

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Überraschend das Herz erobert

Fearless
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Wenn man Reihen mit verschiedenen Liebespaaren verfolgt (den ersten Band mal ausgeschlossen), dann gibt es immer die, auf die man sich schon weit im Vorfeld freut und die, die zwar durchaus neugierig machen, ...

Wenn man Reihen mit verschiedenen Liebespaaren verfolgt (den ersten Band mal ausgeschlossen), dann gibt es immer die, auf die man sich schon weit im Vorfeld freut und die, die zwar durchaus neugierig machen, aber die durchaus auch Vorbehalte auslösen. In letzte Kategorie gehören für mich Winter und Theo aus „Fearless“ nach Elsie Silver.

Winter ist seit dem ersten Band immer im Hintergrund da gewesen und das tendenziell als Antagonistin. Auch wenn bei solchen Figuren sofort klar ist, dass sich mehr hinter ihnen verbirgt, als man denken mag, so ist es dennoch schwer, sich sofort von ihnen einwickeln zu lassen. An Winter ist im dritten Band durch die beginnende Freundschaft zu Sloane schon etwas geschraubt worden, aber dennoch hat sie dadurch für mich keinen Status erreicht, bei dem ich richtig gespannt auf ihre Liebesgeschichte mit Theo war. Denn er ist ja auch noch da. Er ist eher so langsam von Bedeutung geworden und für mich auch so eine Figur gewesen, die viele Reihen in petto haben. Da sind dann die jungen, wilden Draufgänger. Auch die haben ihren Reiz, klar, aber es war schon etwas verrückt, sich ihn ausgerechnet mit Winter vorzustellen. Umso cooler ist es dann, dass ich sagen muss, Silver mit den beiden für mich eine echte Überraschung gelungen ist.

Es ist schwer, das Positive jetzt richtig zu sortieren, weil eigentlich alles ineinander gelaufen ist. Ich war zwar von der ersten Begegnung nicht der größte Fan, weil mir das etwas zu abgedroschen war. Später in der Bar wurde es besser, aber ich war am Haken, als Silver inhaltlich eigentlich etwas am Anfang setzt, was andere an den Schluss setzen. Ich habe das zwar schon auch bei anderen zu lesen bekommen, aber es ist immer wieder risikobehaftet, weil es einer Liebesgeschichte immer den Hauch eines Eindrucks von Verpflichtung gibt und das ist wenig romantisch. Dementsprechend hat „Fearless“ für mich so großartig funktioniert, weil Theo ein echter Held ist, als er die Wahrheit herausfindet. Ich fand es auch passend, dass indirekt ein Thema war, dass auch Männer unter dem Ruf leiden können, jede haben zu können und zu wollen. Es ist ein Ruf, der ihm sicherlich auch gefallen hat, aber letztlich nicht restlos, weil es auch einschränkt. Je mehr Schichten wir dann von Theo weggenommen haben, desto mehr hat er mir eigentlich gefallen. Denn er ist sanft, er ist sensibel. Er ist zwar auch in verbale Fettnäpfchen getreten, aber er steht für die ein, die er liebt und wie. Ich habe da einige Konfrontationen von Theo echt gefeiert. Er war damit für mich einer der größten Überraschungen dieser Staffel, weil ich ihn vielleicht sogar an die Spitze meiner Silver-Boyfriend-Liste setzen würde.

Winter hat mich letztlich auch am Haken gehabt. Mir hat sogar fast am meisten gefallen, dass sie nicht einmal durch die Trommel der Waschmaschine gekommen ist. Stattdessen ist sie im Kern die Winter geblieben, die wir schon kennengelernt haben. Sie ist in ihrer Art über so ein paar Jahrzehnte geformt worden, weswegen es verdammt schwer ist, aus diesen Schuhen zu kommen. Aber wir blicken hinter ihre Fassade, wir verstehen einiges aus der Vergangenheit besser und deswegen ist mein Respekt für sie mehr und mehr gestiegen. Während die Schwesternbeziehung zu Summer auch immer schöner aufgearbeitet wird, so war ich eher überrascht, dass Kipp und Marina wenig bis gar keine Rolle spielten. Rob hat genau den Anteil bekommen, der für die Geschichte angemessen war, aber für Winters Entwicklung sind ihre Eltern eigentlich viel zentraler, weswegen das auch mein größter Kritikpunkt an „Fearless“ ist.

Jetzt bin ich schon bei Silvers viertem Buch und wer meine anderen Rezensionen kennt, der weiß, dass ich mit ihren erotischen Szenen so meine Probleme habe. Sie sind mir für die Qualität der restlichen Entwicklungen immer etwas zu explizit und daher manchmal wie ein Bruch. Also auch positiv, dass ich das hier diesmal nicht so dominant fand. Die Art der Gestaltung passte zu Theo und Winter gut. Ich werde nie restlos begeistert sein, aber es war hier echt bislang am harmonischsten.

Fazit: „Fearless“ beweist mir erneut, warum ich gerne bei Elsie Silver noch auf den Zug aufspringe. Sie kann Überraschungen, sie kann in allem viel Gefühl und hat echt ein Packan für ihre Figuren. Winter und Theo haben sich dadurch völlig überraschend in mein Herz gestohlen.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Oberflächlich zusammengeschustert

Love will find you
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Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann ...

Wenn das Jahr schon so chaotisch und teilweise auch beängstigend losgeht, dann braucht man Cozy Romance mehr denn je. Bei Isabell Bennett, die für den deutschen Buchmarkt ein Neuling ist, hat mich dann neben den schönen Farben des Covers auch die Alpakafarm im Klappentext angesprochen. Da ich selbst erst im vergangenen Jahr bei einer Wanderung dabei war, war ich sehr gespannt, wie es fiktional umgesetzt wird.

Ich bin also enthusiastisch in die Geschichte reingegangen, musste aber für meinen Teil irgendwann feststellen, dass mir der gesamte Aufbau sowie Entwicklungen, Stilistik etc. doch insgesamt einfach zu oberflächlich sind. Auch wenn bei Cozy Romance dieser Eindruck immer latent vorhanden ist, so würde ich dennoch sagen, dass es dennoch eine Skala gibt und „Love Will Find You“ war für mich eher am unteren Spektrum, was ich nun auch genauer begründen möchte. Ein Grund ist für mich, dass die Perspektiven für mich nicht annähernd gerecht verteilt waren. Das Buch arbeitet in der Tendenz mit kürzeren Kapiteln, was für mich kein Kritikpunkt ist, weil es gut durch die Handlung treiben lässt. Aber dann kommen teilweise schon mal längere Kapitel (auch für Noah), was es aber umso auffälliger macht, dass Noah recht viel sehr, sehr kurze Kapitel hat. Da hatte ich ein wenig den Eindruck, dass Bennett zu ihm nicht viel eingefallen ist und sie ihn aber immer mit ein paar Gedanken dazwischen geschoben hat, damit wir nicht vergessen, dass er auch noch da ist. Das mag jetzt etwas übertrieben klingen, aber Noah war für mich als Figur leider deutlich unterdurchschnittlich entwickelt und aufgebaut. Seine ganze Geschichte bestand eigentlich nur aus Harper und die Familientragödie wurde dann auch eher über die Brüder transportiert. Leider einfach schade, wenn dann so der Funke zu der Figur nicht überspringen kann, denn so leidet dann auch die gesamte Liebesgeschichte.

Emma war als Figur durchaus ausgearbeiteter, auch weil wir viel mehr Einblicke in ihr Innenleben bekommen hat. Letztlich wirkt aber auch ihr Leben seltsam abgeschnitten. Selbst wenn Teile bewusst für die Spannung zurückgehalten werden, aber auch später ist es schwer, sich Emmas Leben vor Berryfield vorzustellen. Auch ihre Eltern werden mal erwähnt, doch sie an einem anderen Fleck auf der Erde lebend muss ja kein Kontaktabbruch bedeuten. Das sind leider alles so Lücken, die für mich offen geblieben sind. Wenn wir dann aber das Vorleben ausklammern, dann war Emma die Figur, zu der ich leichter Zugang erhalten habe. Ich fand es beachtlich, wie sie sich ein Leben aufgebaut hat, das mit den Alpakas und wie intensiv sie eingebunden wurden, das hat auch Spaß gemacht. Es waren hier also echt die Kleinigkeiten, die mich bei Laune gehalten haben. Ich mochte auch die Wanderungen, weil ich so eine Vorstellung der tollen Landschaft dort bekommen habe und weil es generell zur ganzen Stadt und den Figuren mit der Naturverbundenheit passte.

Kommen wir dann jetzt nochmal zum Handlungsverlauf. Auch wenn Noah an sich schon eine Hürde darstellte, aber ich fand es auch schade, wie schnell alles ging. Erst totaler Gegner, alles kritisieren und dann zack, alles super, ich lasse alles für dich stehen und liegen. Das Tempo passte so einfach nicht. Gerade weil die Geschichte sich Zeit für die intensiven Momente nimmt, ist es schade, wenn das nebenher wie auf der Autobahn wirkt. Gerade zum Ende hin haben sich für mich dann auch die Ereignisse überschlagen und es wurde stellenweise eine Dramatik ausgepackt, die es wieder komisch gemacht hat. Stichwort Lottie und Adrian. Insgesamt war in der Geschichte viel verpackt, was anders ausgearbeitet mich viel besser unterhalten hätte.

Fazit: „Love Will Find You“ hat mich leider nicht so gepackt wie erhofft. Auch wenn die Erwartungshaltung bei Cozy Romance sicherlich sehr eigen ist, aber so oberflächlich hätte es insgesamt nicht sein müssen. Im Hier und Jetzt war vieles völlig okay, oft auch unterhaltend und mitreißend, aber die Figuren schienen keine Vergangenheit zu haben. Bei den zahlreichen Kritikpunkten bin ich mir nicht sicher, ob ich Isabell Bennett für mich so schnell noch auf dem Schirm haben werde.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Einer fehl am Platz

Bookish Belles – Liebe hat tausend Seiten
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Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles ...

Es ist echt schon lange her, dass ich ein Buch von Kelly Moran gelesen habe. Im Grunde muss ich auch gestehen, dass ich kein treuer Fan geworden bin, denn selbst die „Redwood“-Reihe, mit der für mich alles losging, habe ich nicht bis zum Ende verfolgt. „Bookish Belles“ kam jetzt aber dennoch genau richtig, weil ich weiß, dass Moran für wohlige Gefühle steht und die konnte ich gerade gut gebrauchen.

Wie bei jedem guten Weihnachtsfilm haben wir auch hier die Kleinstadt, die ihren Charme versprüht und das mit Mythen, Zusammenhalt und ganz viel Glaube an Zauber. Die Portion Magie hat hier zu dem Südstaatensetting echt gut gepasst, weil ich mir alles bildlich wunderbar vorstellen konnte. Auch die ganzen Andeutungen zu den drei Bookish Belles sowie den zukünftigen Bänden der Reihen hat für mich gut funktioniert, weil diese tiefe Vertrautheit, der Spaß und doch auch der Ernst haben einfach etwas in der Mischung, wo man gerne im Geschehen dabei ist. Jedoch muss ich tatsächlich sagen, dass mich der erste Band „Liebe hat tausend Seiten“ in der Paarung nicht so abholen konnte, was für mich vor allem an Graham lag. Relativ spät am Ende des Buchs gibt Rebecca eine Personenbeschreibung zu ihm ab und es tut mir leid, aber ich habe die mir präsentierte Figur darin nicht wiedererkannt. Ich fand ihn zwar keinesfalls problematisch, kein Bad Boy, keine Red Flags, aber er war für mich einfach langweilig und nichtssagend. Es kam keine Persönlichkeit rüber und dementsprechend war es schon sehr anstrengend, für das Paar richtig mitzufiebern.

Das ist extrem schade, denn Rebecca hat mir als Figur sehr gut gefallen. Gerade angesichts ihres Schicksals habe ich gut nachvollziehen können, warum sie abseits von Vallentine ihr Glück versuchen wollte und warum sie sich trotz schrecklicher Jahre in der Großstadt lange nicht zur Rückkehr entscheiden konnte. Manchmal muss man eben weggehen, um zu erkennen, was man zurückgelassen hat. Zudem hat mir die Darstellung ihrer Krankheit und wie sie als Figur darüber denkt und damit umgeht, sehr gut gefallen. Es war kein übertrieben dominanter Aspekt, sondern es floss angemessen ein, was für mich auch das unterstrichen hat, was Betroffene oft berichten. Sie wollen von ihrer Krankheit nicht bestimmt werden, aber sie wollen auch Verständnis entgegengebracht bekommen. Im beruflichen Kontext war es dann aus Rebeccas Perspektive auch sehr mitreißend mitzusehen, wie sie die Zeitung ruckzuck zum Leben erweckt hat, weil sie alles mit ihrer Leidenschaft umgerissen hat.

Dieser Teil hat mich anfangs auch etwas skeptisch gemacht, weil alles so leicht und flott ging und ich daher auf die Baustellen in der Geschichte gewartet habe. Die kleinen Teile, in denen man hängen bleibt und nicht mehr mit dem Lesen (oder in meinem Fall Hören) aufhören möchte. Aber es baut sich doch immer besser auf, zumindest was die dramaturgische Entwicklung angeht. Denn an Graham hat sich nichts verbessert. Durch Rebecca als Gegenpol in der Zeitung wurde schnell deutlich, dass das alles nicht seine Leidenschaft ist, auch der Besuch seiner Eltern hat eigentlich gezeigt, was er alles nicht ist und spätestens dann die finale Aktion von Graham hat mir dann gereicht. Auch wenn es ein wohlverdientes Happy End gibt, aber es tut mir leid, Moran hat mich mit Graham überhaupt nicht vom Hocker gerissen.

Da ich „Liebe hat tausend Zeilen“ als Hörbuch hatte, habe ich mit Christiane Marx nur eine Stimme im Ohr gehabt. Das hat mich doch etwas überrascht, denn zuletzt hatten eigentlich alle Liebesgeschichten einen Mann und eine Frau, was ich durchaus auch angenehmer finde. Es ist nicht dramatisch, die männliche Perspektive von einer Frau vorgelesen zu bekommen, aber weil es menschlich schon mit Graham haperte, habe ich hier vielleicht noch deutlicher gemerkt, dass auch die männliche Stimme zur Identifikation fehlte. Unterm Strich ist Marx aber eine tolle Hörbuchsprecherin, die für mich Rebecca sicherlich ein Gesicht gegeben hat. Bei Graham war halt so schon viel verloren.

Fazit: Es hat Spaß gemacht, noch einmal Kelly Moran zu entdecken, diesmal mit dem Auftakt zu den „Bookish Belles“. Leider hat mir Graham als männlicher Protagonist gar nicht gefallen, was schade ist, weil Rebecca eigentlich alles im Gepäck hatte, um eine tolle Liebesgeschichte zu erhalten. Also alle Voraussetzungen top, eine Figur passte aber nicht rein.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Süß, aber auch ausbaufähig

Mismatch
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Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren ...

Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren in „Mismatch“ von Rebecca Veil und Max Hoffmann gelesen werden.

Nachdem ich bei Emily Alves und „You Are My Hurricane” zuletzt American Football hatte, geht es bei Willud nun zum Basketball, was ich in diesem Genere doch bislang eher selten zu lesen bekommen habe, dabei ist „One Tree Hill“ als meine erste Lieblingsserie (außerhalb von Kinderformaten) eng mit Basketball verknüpft. Dementsprechend ging es ein wenig zurück zu den Wurzeln. Insgesamt würde ich aber beispielsweise im Vergleich zu Alves sagen, dass der Anteil zum Sport hier nicht so dominant war. Dabei waren die Voraussetzungen durch Austin und Joyce sehr hoch, denn beide leben für den Sport. Er als Spieler, sie als Sportjournalistin. Aber ich habe doch wahrgenommen, dass es eher um eine andere Ebene ging, die für mich auch gut funktioniert haben, weil Austin auf der einen Seite eine sehr sensible und aufmerksame Persönlichkeit ist und weil auf der anderen Seite Joyce als lautere Figur dennoch im Umgang mit ihm so sanft und verständnisvoll ist, sodass die beiden für mich menschlich hervorragend funktioniert haben. Für mich wurde das in der Hörbuch-Version durch Veil und Hoffmann auch echt gut aufgegriffen, weil man die intensiven Gefühle der Figuren füreinander stets greifen konnte.

Da wir mit Joshua, Joyces Bruder, noch eine weitere Figur haben, die Basketball spielt, ist mir im Vergleich doch stark aufgefallen, dass er und Austin sehr unterschiedlich zu dem Sport stehen. Während Joshua alles auf die Spielkarte Sport setzt und dementsprechend fast schon eine krankhafte Besessenheit entstehen lässt, ist Austin angesichts des lange zurück gehaltenen Geheimnisses ganz anders dazu eingestellt. Er hat deutlich gelernt, dass Basketball nicht alles ist und dementsprechend ist seine Ausstrahlung. In dem Sinne ging es zwischen Austin und Joyce auch weniger um Basketball. Wenn sie dann aber auf ihren Bruder traf, da hat man am ehesten die Liebe für den Sport gemerkt, aber es ist eindeutig kein Schwerpunkt, zumal auch bei Joyces Leidenschaft zu merken ist, dass es nicht nur um Basketball geht. Sie hat so eine ausgeprägte Neugier, will immer was Neues lernen und sie hat dann auch eine Art, diese Informationen aufzuarbeiten, indem sie sie niederschreibt. Diese Art würde sie aber zu allen Themensektoren prägen, das war deutlich zu merken.

Mir ist auch klar, dass Joyces Journalisten-Ader rüberkommen sollte, aber ich fand es gerade in der ersten Hälfte doch auch irritierend, wie sie sich in Austins Vergangenheit eingebissen hat. Die ganze Art von Austin hat demonstriert, dass er nicht aus Flirterei sich mit Infos zurückgehalten hat, sondern dass seine Gedanken dazu tiefer und verletzlicher sind. Deswegen fand ich Joyces Art da zunächst deplatziert. Es hat zwar zu lustigen Momenten geführt, wie beispielsweise beim Trinkspiel, aber sie konnte echt kaum locker lassen. Daher war ich fast froh, als Austins Vergangenheit bekannt war, weil dann genau das zum Tragen kam, was ich weiter oben beschrieben habe. Vielleicht war aber auch das Geheimnis etwas zu überdramatisiert. Auch wenn es sicherlich kein schönes Erlebnis für ein Team ist, aber die Folgen wirkten doch etwas unrealistisch. Damit will ich unterm Strich sagen, dass ich Willuds Stärken als Autorin schon sehe, dass ich aber auch die Tendenz sehe, dass sie noch zu sehr auf Klassiker zugreift, um die Handlung am Laufen zu halten. Dabei gibt es genug dramatische Wendungen, die sich viel natürlicher anfühlen können. Aber damit hat sie eindeutig Wachstumspotenzial.

Fazit: Ich habe „Mismatch“ gerne gehört, würde aber insgesamt sagen, dass es noch viel Ausbaupotenzial gibt. Während die Figurenzeichnung an sich sehr sympathisch ist und auch das Miteinander einfach nur süß-ehrlich rüberkommt, so würde die Handlung mehr natürliche Dramatik vertragen. Denn bei so bodenständigen Figuren muss es nicht wie eine Daily Soap wirken.

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