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Veröffentlicht am 28.01.2025

Interessante Themen, denen Spannung als Krönchen fehlten

Dark Cinderella
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Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall ...

Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall mit ihren Büchern sehe, aber es ist doch noch nie zusammengekommen. Anya Omah gehört definitiv auch dazu. Bei ihrem neuen Reihenauftritt, „Dark Cinderella“ war ich angesichts des Titels erst etwas skeptisch, was sich wohl hinter der Geschichte verbirgt, aber ich bin froh, dass ich den Sprung ins Wasser gewagt habe.

Ich habe das Buch als Hörbuch konsumiert. Chantal Busse und Vincent Fallow waren für mich jeweils völlig neue Stimmen, sodass es in jedem Fall Gewöhnungssache war. Mit Busse als Sofia ging es etwas schneller, aber insgesamt muss ich sagen, dass ich mich an beide Stimmen bis zum Ende sehr gut gewöhnt hatte und beide haben durch die Stimmen Gestalt bei mir angenommen und ich hatte auch den Eindruck, dass die Ausstrahlung mit dem übereinstimmt, was ich charakterlich dem Inhalt entnommen habe. Aber es ist nicht nur aus technischer Sicht ein zu empfehlendes Buch, sondern auch inhaltlich. Wie gesagt war ich angesichts des Buchtitels erst etwas verwirrt, was mich wohl erwartet, die Neuinterpretation eines Märchens? Das würde ich mal verneinen, wenn auch der Königshof, wenn auch von einem erfundenen Land, immer märchenhafte Assoziationen haben wird. Aber mein Eindruck war schnell, dass wir eine sehr realistische Geschichte erhalten, die mich angesichts der Themenvielfalt sehr gut unterhalten hat.

Wir haben auf der einen Seite den Blick in das Königshaus Skonien. Wir haben natürlich die Außenperspektive von Sofia darauf, aber für mich war es viel spannender, Maximilians Perspektive zu erleben, weil er das Leben lebt und bei seiner jüngeren Schwester sieht man auch deutlich die Bürde des Lebens. Dementsprechend hat es mir gut gefallen, mit ihm in seine Gefühlslage einzutauchen und dann auch das Verhältnis zu seiner Mutter zu ergründen, die am stolzesten und stoischsten die Monarchie verkörpert. Durch die Tatsache, dass Sofia eine Woman of Color ist, kam natürlich noch eine spezielle Perspektive rein, auf die ich gleich noch komme, aber auch so ist deutlich etwas an der Monarchie gerüttelt worden. Es war keinesfalls eine Abrechnung, weil sonst Omah vermutlich auch nicht dieses Setting gewählt hätte, aber auf jeden Fall eine Anregung Monarchie moderner zu denken. Sofia wiederum hat durch ihre Forschung zum Kolonialismus, die für sie ein sehr persönliches Thema ist, noch einmal einen anderen Aspekt eingebracht und mir hat es gefallen, wie es durch diesen Kontext auch sehr erwachsen wirkte und man dadurch auch bei Maximilian gemerkt hat, wie sehr er die Bürde seines Titels empfindet, aber dass er den Einfluss daraus auch nutzen möchte. Aber auch so musste ich wegen Sofias Hautfarbe auch ein wenig an Meghan und Harry denken. Es ist kein großes Thema gewesen, aber wer weiß, was da nicht noch kommt.

Charakterlich und von den Inhalten her war für mich also wirklich alles sehr, sehr gut, aber was mir für diesen ersten Band gefehlt hat, das war etwas Tempo und vor allem mehr Gas hinter dem Mysterium, was Alva passiert ist. Denn mit der Frage, was ist ihrer Freundin passiert, fangen wir an. Das ist so das erste Häppchen nach der Überdosis was uns reizt, dazu mehr zu erfahren. An einer Stelle wird es auch selbstreflexiv angesprochen, dass Sofia ihre Pläne durch den Job am Hof etwas aus den Augen verliert, aber es erkennen und trotzdem Zeit vertrödeln, macht es nicht rückgängig. Ich denke, dass dieser Suspense-Anteil „Dark Cinderella“ alleine wegen des Titels extrem gut steht, dementsprechend hat mich dieser Punkt etwas enttäuscht, dass das immer mehr verloren gegangen ist, ehe dann für den Cliffhanger nochmal ordentlich etwas ausgepackt wurde. Das war nötig, wirkt aber dann fast schon etwas viel. Wäre die Atmosphäre zwischendurch mehr bedient worden, dann wäre es auch besser verteilt.

Fazit: Damit wären wir dann auch schon beim finalen Gesamteindruck angekommen, denn „Dark Cinderella“ hat für mich viele Stärken entfaltet, aber eine Schwäche preisgegeben. Die Stärken überwiegen die Schwächen deutlich, aber im zweiten Band will ich dann wirklich die Spannung, denn dann haben wir genau die ideale Mischung.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Nach sperrigem Start immer mitreißender

You Are My Hurricane
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„You Are My Hurricane“ ist nicht das Debüt von Emily Aves, aber es ist wohl ihr großer Durchbruch, auch wenn man ihr noch junges Alter bedenkt. Ich hatte mich im Vorfeld gar nicht so sehr mit der Person ...

„You Are My Hurricane“ ist nicht das Debüt von Emily Aves, aber es ist wohl ihr großer Durchbruch, auch wenn man ihr noch junges Alter bedenkt. Ich hatte mich im Vorfeld gar nicht so sehr mit der Person hinter der Geschichte beschäftigt, mir gefiel einfach das Cover und da habe ich einfach mal reingelesen. Im Nachhinein hätte mir eine Vorabbeschäftigung mit Aves sicherlich direkt einiges erklärt, denn bei „You Are My Hurricane“ merkt man sehr deutlich, dass die junge Autorin erst ihren Rhythmus finden musste, aber nachdem dieser einmal da war, haben für mich die Stärken auch noch deutlich gestrahlt.

Wie gesagt, dieses Buch ist auf einem Diagramm als steile Linie nach oben zu sehen. Denn es fing für mich echt zäh an. Auch wenn die erste Szene sehr wichtig ist, aber ich habe zunächst sowohl bei Maeve als auch bei Carter sehr oberflächliche Eindrücke gewonnen. Beide waren stumpf für eine Funktion zuständig, weswegen dieses erzwungene Enemys to Lover am Anfang gar nicht meins war. Ich mag diesen Trope eigentlich gerne, gerade wenn die Dialoge richtig brennen, aber das fehlte hier einfach. Maeve war dann auch eine seltsame Mischung aus draufgängerisch und sehr schüchtern und zurückhaltend, während Carter umgekehrt mir anfangs zu abweisend und ichbezogen wirkte. Ja, man sieht, von beiden Seiten aus nicht unbedingt etwas Verheißungsvolles. Deswegen war ich tatsächlich kurz vor dem Punkt, mich zu hinterfragen, ob ich beende oder es vielleicht mit Überfliegen zu einem Ende bringe.

Aber irgendwann kam dann doch noch der Klick, um in der Geschichte festgehakt zu bleiben. Es muss rund um die Spendenaktion sein und nachdem diese ersten expliziten Fotos veröffentlicht wurden, dann das Spiel gegen jemanden, der zu Maeves Vergangenheit gehört und da brachen für mich quasi die Panzer von beiden Charakteren auf. Zu Maeve hat sich für mich viel erklärt, Carter wiederum wurde zu einer mitfühlenderen Art gezwungen bzw. er konnte sie endlich zeigen und ab da haben mir die Interaktionen der beiden echt gut gefallen. Die gemeinsamen Momente wurde immer bedeutungsvoller und mit dem sehr kleinen Figurenkreis, was ich positiv fand, wurde dann tatsächlich schnell auch das Gefühl einer eingeschworenen Gemeinschaft erzeugt. Auch die intensiven Gespräche von Maeve und Carter waren für mich mit viel Fingerspitzengefühl geführt. Was mir im Nachhinein einzig ganz klar gefehlt hat, das war eine Aufarbeitung bei Maeve mit ihren Eltern. Denn so wie sie gereift ist, hätte ich mir dann noch den klaren Punkt gewünscht, dass sie aufräumen, was Maeve auf sie projiziert hat. Denn ansonsten wurde für mich am Ende alles erfüllt, was sich irgendwann so gestapelt hatte.

Eins muss ich auch noch sehr loben. Sports Romance ist echt nicht selten auf dem New Adult Markt und ich bin immer wieder zu gewinnen. Die Sportart ist mir sogar meistens relativ egal, für mich geht es vielmehr um die Gefühle, die darüber zu transportieren sind. Aber dennoch nutzen es viele auch nur oberflächlich aus. Da muss der Kerl dann am College einen Sport ausüben, aber es ist nur Mittel zum Zweck. Dass Aves aber tatsächlich großer Football-Fan ist, das hat man sehr deutlich gemerkt. Ich kenne mich mit der Sportart echt nur spärlich aus, auch wenn ich schon genug Serien und Filme dazu gesehen habe, aber eine systematische Beschäftigung habe ich bislang noch nie geschafft. In dem Sinne hat „You Are My Hurricane“ da für mich zur Aufklärung beigetragen, denn Aves hat so viele Aspekte des Spiels, aber auch des Prozesses vom College in die NFL beleuchtet, dass ich mir sehr aufgehoben fühlte und echt mitgefiebert habe. Es mögen kleinere Aspekte fiktiv abgewandelt worden sein, das mag ich nicht einzuschätzen, aber man hat gemerkt, dass die Autorin im Thema drin ist und für mich so viel transportieren konnte. Man könnte sogar fast meinen, bald schaue ich auch regelmäßig Football. Als Fußball-Fan habe ich schließlich auch schon genug mitbekommen, dass immer wieder gesagt wird, manche Regelungen vom American Football würden sich für Fußball sehr eignen, daran musste ich nach diesem Buch auch wieder denken.

Fazit: „You Are My Hurricane“ fängt echt sperrig an. Die Geschichte musste erst hochtourig vorangetrieben werden, um dann irgendwann ihren Rhythmus zu haben. Schwupps kamen die Charaktere besser zur Geltung und automatisch auch ihr Miteinander. Dazu noch ein Extralob für die Thematisierung von Football. Habe ich selten so gelesen und erlebt. Ich war voll drin und mein Interesse wurde anders erweckt als bei anderen Büchern mit Football. Auch wenn Aves noch jung ist und als Autorin noch viele Abenteuer vor sich haben wird, aber alleine dieses Buch zeigt, wie krass sie sich auf den Seiten steigern konnte.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Verflucht zufriedenstellend

Hunting Souls (Romantasy-Dilogie, Bd. 2)
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Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken ...

Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken gab. Umgekehrt habe ich aber auch mehrfach gedacht, dass etwas mehr Gas der Geschichte gut getan hätte. Dementsprechend hat mich nahezu genau ein Jahr später die Nachricht, dass es ‚nur‘ eine Dilogie wird, regelrecht euphorisiert. Nicht, dass man die von Tina Köpke erschaffene Welt nicht noch länger begleiten könnte, aber es passiert mir leider zu oft, dass drei Bände das Glück der eigenen Ideen doch arg überspannen. Und da Band 1 auf rein inhaltlicher Ebene kein Feuerwerk war, hat sich für mich sofort der Kreis geschlossen, dass die Autorin so mit zwei Bänden einen guten Abschluss finden wird.

Das hat sich für mich auch bewahrheitet. Nachdem der Cliffhanger aus Band 1 aufgelöst worden ist, merkte man deutlich, dass es einen klaren Plan gibt. Es wird nichts Neues mehr eingeführt, was hier genau richtig, denn es gab in Band 1 wahrlich genug neu zu erkunden und so war es clever und konsequent mit dem selbst gestalteten Baukasten auch etwas Schönes zu zaubern. Dementsprechend hat sich Ziel klar herausgestellt: wer verwandelt wahllos Menschen in Zombies und mit welchem Ziel und wen wird Katrina laut einer Prophezeiung verlieren? Auch wenn wir für uns als Leser und Katrina und Tate überdeutlich ist, dass sich dahinter etwas verbirgt, ist es für die anderen eher lästig und vielleicht etwas überdramatisch. Das hat zwar stellenweise etwas die Stimmung gekillt, aber umgekehrt hat es dann gesichert, dass Katrina und Tate im Kern auch unabhängig agieren können. Denn während im ersten Band es eigentlich ganz gut auf ihr Alter und ihre Fähigkeiten zugeschnitten war, so übersteigt in Band 2 das Ausmaß eigentlich dessen, was zwei Menschen stemmen können. Und dennoch hätte es der Geschichte geschadet, wenn die beiden Protagonisten auf der Strafbank gelandet wären. Dementsprechend geraten sie doch in einige spannende Situationen und es war auch cool, dass Lyn dabei immer wieder eine Rolle gespielt hat, wenn sich Katrina aus ihrem Beschützerinstinkt heraus damit schwer getan hat.

Auch wenn hier der Grat dessen, was für die Erzählung gebraucht wurde, sehr schmal war, so gab es aber eine stilistische Entscheidung, die so nicht hätte sein müssen. Es hat sich eigentlich wie ein Looping wiederholt, dass Köpke ihre Figuren in spannende Situationen schickt, wie im Club oder in der Stadt in dem besonderen Laden zum Gruppentreffen und dann gab es zwar neue Erkenntnisse, aber ich hatte gleich mehrfach den Eindruck, dass nicht alle möglichen Fragen gestellt wurden. Als ob es immer nur ein Häppchen nach dem anderen geben durfte, statt einen Wow-Effekt zu erzeugen, indem einmal richtig was auf den Tisch kommt. Und danach wurden auch immer ruhige Momente zwischen Tate und Katrina zwischengeschoben. Das konnte ich der Autorin zwar gut verzeihen, auch weil das Paar in der Dynamik miteinander sehr gut funktioniert, aber sie hat sich so selbst mit dem eigenen Schwung im Weg gestanden. Umgekehrt will ich positiv nennen, dass Köpke selbstreflexiv über ihre Figuren auch eingebaut hat, dass sie in ihren stillen Momenten zu zweit sich ebenfalls schonmal denken, ob sie überhaupt so ruhig sein dürften, wenn sie doch wissen, was auf sie zukommt. Auch wenn es immer etwas widersprüchlich ist, aber einem apokalyptischen Szenario genau ins Auge blicken zu müssen, das lässt so ruhige Momente vermutlich tatsächlich nochmal ersehnen.

Der Showdown ist für mich dann auch das stärkste gewesen. Da hat man richtig gemerkt, dass Köpke losgelassen und alles rausgehauen hat. Die Perspektiven von Katrina und Tate waren da auch gut gegeneinandergesetzt, weil sie sich in der Spannung ergänzt haben. Hier war es also nicht sich selbst ausgebremst, sondern den Schwung mitgenommen. Ich mochte auch extrem, welche Heldenrolle Lyn erhalten hat und da wären wir dann auch bei meiner Einleitung zu der Rezension. Diese erschaffene Welt will man nun wahrlich nicht verlassen, warum also nicht vielleicht ein Spin-Off mit Lyn? Sie hätte es sich 1000% verdient! Aber auch Katrina und Tate haben ihre Momente erhalten und das Ende war mit der Prophezeiung sehr gut aufgelöst. Es war traurig, es war intensiv, aber es war auch der Liebesgeschichte entsprechend dann genau richtig aufgelöst. So konnte ich tatsächlich sehr zufrieden das Kapitel „Hunting Souls“ für mich abschließen.

Fazit: Ich habe an einigen stilistischen Entscheidungen nochmal gemerkt, dass Köpkes Dilogie „Hunting Souls“ eher für eine jüngere Zielgruppe gestaltet ist, weil ich erstaunt war, wie oft die Handlung sich selbst ausgebremst hat. Aber dennoch habe ich es sehr genossen, zu dem übernatürlichen Klassentreffen zurückzukehren, Katrina und Tate noch einmal zu begleiten, Lyns Entwicklung zu sehen und dann auch so ein zufriedenes Ende zu bekommen.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Pure Perfektion

Pure Promise
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Auch wenn ich „Delicate Dream“ als Auftakt absolut solide fand, so hat mich mehr die Welt der Parfümerie und die damit verbundene Sprache und was Merit Niemeitz als Autorin daraus machen kann, besonders ...

Auch wenn ich „Delicate Dream“ als Auftakt absolut solide fand, so hat mich mehr die Welt der Parfümerie und die damit verbundene Sprache und was Merit Niemeitz als Autorin daraus machen kann, besonders unterhalten. Emmeline und Odell als Paar waren völlig okay, aber für mich absolut kein Wow-Paar. Aber in Reihen, denen man im New Adult-Genre treu bleibt, da gibt es immer diese eine Paarung, da sitzt nahezu alles vom ersten Moment an und es kommt nur noch schöner und schöner. Das ist für mich „Pure Promise“, denn Marigold und Benedict waren ein echtes Highlight.

Fangen wir mit dem einzigen Kritikpunkt an, den ich persönlich gefunden habe, der aber angesichts des sonstigen Zaubers für mich kaum Gewicht hatte. Dass Niemeitz viel zu schreiben und zu sagen hat, das ist für mich nicht neu, aber es gibt dennoch immer ein Gespür dafür, wo ist es zu viel und wo ist auch mit viel genau das Maß erreicht, was es braucht. „Pure Promise“ hat mindestens eine Schleife zu viel. Es gab eigentlich schon einen Punkt in der Geschichte, in der sich alles nahezu nach Perfektion anfühlte. Weil wir hatten schon einen Aufbau, wir hatten schon einen Konflikt. Natürlich hätte man noch ein paar kleinere Schwenker gebraucht, aber es wäre ein Endpunkt gewesen, an dem ich völlig zufrieden gewesen. Niemeitz hat sich aber für weitere 100 Seiten entschieden. In diesen 100 Seiten gab es weitere Highlights, die ich nicht mehr missen möchte, aber es war auch zwischendurch der Gedanke da, dass sich kleinere Elemente wiederholend anfühlten. Aber dennoch unterm Strich, auf „Pure Promise“ lasse ich nichts kommen.

Bevor ich mich in Schwärmereien zu der Paarung verliere, möchte ich erst noch einen anderen Teil ansprechen, den ich im ersten Band noch als Kritik genannt habe. Es war klar, dass die belastete Geschwisterbeziehung der Evergreens im Kern zum Inhalt gehört, aber es war im ersten Band auch manchmal schade, wie wenig Bewegung da war. Wenn ich jetzt „Pure Promise“ lese, dann verstehe ich das, denn hier gehen wir tatsächlich Meilenschritte und die waren alle echt genau ins Herz gehend. Auch wenn die Liebesgeschichte im Fokus stand, aber ich fand es wunderschön, wie Niemeitz ein Händchen dafür hatte, diesen Mittelband auch als Liebesgeschichte der Geschwister zu gestalten. Die ruhigen Momente der drei waren für mich pure Gänsehaut. Vor allem die Szene im Sonntagshaus war unfassbar berührend. Pures Autorinnen-Gold! Vor allem hat man hier auch die Balance perfekt gesehen. Odell, Marigold und Keaton machen Quantensprünge, aber es wird nie mehr so sein, wie es mal war, aber sie müssen etwas Neues bauen und in diesem Neuen hat Keatons Geschichte (die auch schon angedeutet wird und Lust macht) noch ausreichend Platz.

Nun aber zum Paar. Marigold und Benedict sind für sich richtig toll gestaltet worden. Sie sind beide mir eher fern, aber ich konnte sie so gut nachvollziehen. Mari kannten wir ja nun schon ausgiebig und mir war gleich klar, dass hinter ihre Fassade zu blicken, eine spannende Reise wird. Benedict war da noch ein ganz anderes Buch mit sieben Siegeln, aber im Grunde brauchte es nur das eine Kapitel aus seiner Perspektive und alle Mauern waren eingerissen. So faszinierend kann es sein, in die Köpfe von Figuren zu blicken. Und es beweist mir auch wieder, warum bei solchen Liebesgeschichten immer beide Perspektiven wichtig sind, denn nichts schenkt einem so viel, wie beide Figuren in ihrem Kopf kennenzulernen. Das war hier deutlich zu merken, denn beide haben mitreißende Einzelgeschichten, aber funktionieren zusammen noch besser. Ich musste mehrfach an Wes und May aus „No Longer Lost“ denken, denn die beiden haben eine sehr ähnliche Geschichte und die hat schon großartig funktioniert, aber Mari und Ben haben es noch einmal getoppt.

Ich mochte auch, dass Niemeitz ein gewisses Risiko gleich am Anfang eingegangen ist. Es passte auch hervorragend zu Maris selbstbewusster Art, die einen Deal vorschlägt und dann gleich klarmacht, jetzt müssen wir überhaupt erstmal ausprobieren, ob wir auch was Echtes nach außen transportieren können. Spätestens nach der Szene stoben aber sowieso überall Funken durch die Gegend, die nie mehr verschwunden sind. Ich mochte, wie beide gegenseitig füreinander da waren. Mari hat bei Louve vieles aufgegangen, Ben wiederum hat alles in der Geschwisterbeziehung und bei den Lügenmärchen der Vergangenheit aufgefangen. Aber auch beruflich haben sie sich auf Augenhöhe begegnet. Auch wenn wir echt wenig Einblick in Bens Aufgaben bei Melville bekommen haben, aber es hat sich mit der Marketing-Thematik echt gut aufgebaut und alles wurde ausgespielt. Das Spiel, ein Paar zu sein und wie sie dann wirklich eins werden. Und auch wieder großes Lob an Niemeitz, die wieder sprachlich Sätze und Bilder gefunden hat, die sich mir einprägen. Es ist echt schön, wenn Inhalt und Sprache so eine Symbiose eingehen!

Fazit: „Pure Promise“ ist bislang mein absolutes Lieblingsbuch von Merit Niemeitz. Auch wenn ich gesagt habe, es war etwas zu lang, aber es war im Langen immer noch wunderschön, denn die Sprache, das Paar, die Geschwisterbeziehung, so vieles saß, dass ich mir gar nicht die Gedanken gemacht habe, was man noch hätte machen können. Denn genauso war es schon echt perfekt.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

"Seasons"-Reihe bleibt auch mit Band 3 speziell

A Spring to Hope
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Die „Seasons“-Reihe von Morgane Moncomble ist echt etwas für sich. Die Geschichten sind untereinander echt extrem unterschiedlich. Verschiedene Länder, verschiedene Stile, unterschiedliche Atmosphäre. ...

Die „Seasons“-Reihe von Morgane Moncomble ist echt etwas für sich. Die Geschichten sind untereinander echt extrem unterschiedlich. Verschiedene Länder, verschiedene Stile, unterschiedliche Atmosphäre. Das hat durchaus seinen Reiz, weil es auch zeigt, was die junge Französin als Autorin drauf hat, aber es macht umgekehrt auch die Gefahr größer, dass einzelne Bände den individuellen Geschmack nicht treffen mögen. Band 1 gefiel mir zum Beispiel überhaupt nicht, während Band 2 mit dem Eiskunstlaufen gleich etwas anderes zu bieten hatte, was mich am Haken hatte. Wie ist es nun bei Band 3?

Während Band 1 für mich abgedreht war, Band 2 eher süß-romantisch, ist Band 3 in der Konsequenz sicherlich der erwachsenste Band. „A Spring to Hope“ fängt schon ungewöhnlich an, indem das zentrale Pärchen, Cam und Nolia in einem gewaltigen Missverständnis aufeinandertreffen. Es war erst etwas schwer, sich in dem Chaos zu orientieren, auch weil Cams erstes Kapitel erst relativ spät kommt. Aber auch so fand ich die Figuren erst sehr schwer greifbar. Beide haben bis dato auch sehr ungewöhnliche Lebensgeschichten hinter sich, was sie von mir auch eher entfernt haben. Während es bei Cam schnell durchsichtig war, was seine Mutter mal war und wie er aufgewachsen ist, sind Nolias Familienverhältnisse etwas seltsam. Sie hat mit der Geburt ihrer Tochter mit ihnen gebrochen, aber was genau mit den Schwestern ist, wie da was zusammenkommt, alles undurchsichtig und leider auch nicht richtig ausgearbeitet. Man kann sich dazu was denken, wissen tut man es eher nicht.

Irgendwann kommt der zentrale Zug in die Geschichte, indem Cam und Nolia ein Abkommen schließen. Die beiden Charaktere blühen miteinander auf, auch wenn sie das beide so nicht wollen, aber die Verbindung der beiden funktioniert doch sehr gut, so dass ich an ihnen als Paar immer mehr Spaß gefunden habe. Man hat auch schnell gemerkt, dass Cam mit ganz anderen Gefühlen an alles rangegangen ist, während sich Nolia wegen des Vaters ihres Kindes vieles verboten hat. Dennoch war es echt sehr überraschend, als dann ein großes Geheimnis aufgedeckt wird. Während es für mich zu Cam gepasst hat, ist es auf Nolia gemünzt aber doch arg seltsam. Natürlich könnte ich mir jetzt ganz tiefsinnige Gedanken machen, aber ich finde es nicht tiefsinnig, weil es nicht romantisch ist. Ich halte es für sehr logisch, dass Menschen, die genau richtig für sich sind, immer aneinander vorbeilaufen, weil sie noch nicht füreinander bereit ist, aber auf eine gewisse Art kann man bei Nolia und Cam so nicht argumentieren. Dementsprechend hat mir dieser Kniff in der Handlung wieder etwas vom Zauber genommen.

Ein Kritikpunkt bleibt auch erhalten, weil er sich schon durch die ganze Reihe zieht. Die vier Blumenmädchen sind Freundinnen, das war immer gegeben, aber für mich kommt einfach zu wenig rüber, warum es genau die vier sind. Auch wenn die drei anderen in diesem Band auch wieder ihren Auftritt haben, aber es wirkt nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Sie sind Teil vom Leben der anderen, aber irgendwie doch nicht. Umgekehrt hat mir aber gefallen, dass Nolias kulturelles Erbe eine so große Rolle spielen durfte. Das passiert doch viel zu selten, weil man es sich einfach macht, alles weiß zu machen oder die Hautfarbe/Kultur einfach keine Rolle spielt. Aber Nolia kommt aus einer stark hinduistisch geprägten Familie. Sie hat zwar ihren eigenen Weg gefunden, aber man merkt, wie sehr ihr Glaube sie auch zu der macht, die sie ist.

Fazit: „A Spring to Hope“ ist als dritter Band der “Seasons”-Reihe wieder ein wildes Abenteuer, bei dem es schwer ist, einen richtig konstanten Eindruck zu gewinnen. Cam und Nolia haben sich mir als Paar ins Herz geschlichen, aber die große Wendung des Buchs fand ich seltsam, auch weil sie zu meinem Eindruck der beiden nicht gepasst hat. Die „Seasons“-Reihe bleibt so unterm Strich sehr speziell und ist sicherlich nicht Moncombles bestes Werk.

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