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Veröffentlicht am 03.09.2024

Fleißiges falsche Fährten Legen

Schwarzer See
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Ich habe vergangenes Jahr mit „Hope’s End“ erstmals ein Thriller von Riley Sager gelesen und es hat mir sofort gefallen. Als nun „Schwarzer See“ als Hörbuch neu aufgelegt wurde (das Buch ist bereits 2019 ...

Ich habe vergangenes Jahr mit „Hope’s End“ erstmals ein Thriller von Riley Sager gelesen und es hat mir sofort gefallen. Als nun „Schwarzer See“ als Hörbuch neu aufgelegt wurde (das Buch ist bereits 2019 erschienen), habe ich doch da gleich mal zugeschlagen, um ein wenig mehr Vergleichsmaterial für Sager als Autor zu haben.

Grundsätzlich würde ich schon sagen, dass ich Sager stilistisch wiedererkannt habe, aber in jedem Fall war positiv, dass das ganze Setting völlig anders gestaltet wurde. Während es in „Hope’s End“ auf einem Grundstück abgelegen an den Klippen war und dort generell auch die ganze Stimmung düster, fast schon geisterhaft war, so ist es hier im Sommer, mitten in einem Sommercamp, dann doch völlig anders. Dennoch ist natürlich auch bei dem Camp eine spezielle Stimmung entstanden. Zum einen durch die frühen Andeutungen, dass Schlimmes passiert ist, und zum anderen auch durch das Mobbing untereinander und dass die ganzen Figuren alle ihre eigenen Motive haben und es Sager geschickt gelingt, dass man alle irgendwie verdächtigt, irgendeine Leiche im Keller zu haben. Am besten war das natürlich bei Hauptfigur Emma, denn durch ihre Augen erleben wir die vergangenen und die aktuellen Geschehnisse und sie als zweifelhafte Erzählstimme zu haben, das ist immer genial, um generell Skepsis gegenüber allen zu haben.

Auch wenn ich schon sagen würde, dass der Spannungsbogen durchgängig steigt und weniger mit ständigen Höhepunkten gearbeitet wird, so war dennoch von Anfang an ein gewisses Interesse da. Christiane Marx als Erzählstimme war in jedem Fall auch ideal, weil sie Emmas verschiedenen Seiten als Jugendliche und als junge Frau gut Profil verleiht. Mir ist es jedenfalls schnell gelungen, mich in ihr Gefühlsleben einzudenken und das auch an Stellen, an denen ich dann an ihr gezweifelt haben. Dass sie immer wieder die Mädchen in ihre Bilder gemalt und dann versteckt hat, war für mich da von Anfang eine Faszination, weil ich mich natürlich gefragt habe, ob sie das aus Schuld macht oder weil sie wirklich den inneren Antrieb hat, Antworten zu finden. Dennoch ist es erstmal ein Einfinden in die Begebenheiten. Wie war Emma als Jugendliche, wie ist es heute, wer ist sie, wer will sie sein? Aber spätestens mit dem wiederholten Einzug ins Camp kommt dann vieles ideal zusammen, was nach und nach die Spannung fördert. Gegenwart und Rückblenden bedingen sich dabei sehr oft exakt, so dass sich immer mehr ein Bild zusammensetzt.

Natürlich war ich durch den anderen Thriller von Sager schon vorbereitet, dass er ein Händchen dafür hat, am Ende noch einige Umdrehungen hinzulegen. Dementsprechend habe ich natürlich auch wild mitgerätselt und dabei mir auch in Erinnerung gerufen, dass es definitiv nicht nur eine Lösung sein wird, sondern wieder mindestens zwei unabhängige Aspekte ineinander spielen. Aber selbst mit der Ausgangslage habe ich das Buch nicht vorhersehen können, zumindest keinesfalls zu 100%. Die Erzählung war dann aber auch so, dass auch ständig neue Verdächtige benannt und genauer untersucht wurden. All das vor dem Hintergrund, dass Emma dadurch selbst immer weiter unverlässlicher wirkte. Letztlich war dann auch ein Punkt erreicht, an dem es mir etwas zu viel wurde, weil sie im Grunde nur noch Schuldige überall gesehen hat und keinen ruhigen Gedanken mehr für irgendetwas hatte. Ihre Fluchtversuche waren also etwas zu lang gezogen, aber dennoch kommt am Ende alles an einem Punkt aus, an dem es zum einen logisch ist und an dem es zum anderen auch immer noch voller Überraschungen ist. Durchgängige Unterhaltung war hier also mal wieder geboten.

Fazit: „Schwarzer See“ hat mich nach „Hope’s End“ überzeugt, dass Riley Sager ein Thrillerautor ganz nach meinem Geschmack ist. Auch wenn ich dieses Buch etwas schwächer fand, weil es am Anfang etwas Gaspedal brauchte und am Ende aber zu lange im Leerlauf durchgedrückt wurde, so ist es dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, denn es ist einfach kaum etwas, wie es scheint und daher voller Überrschungen.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Stimmte in der Mischung nicht

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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Nachdem ich dieses Jahr doch schon einiges an Fantasy auf meinem Bücherstapel hatte, mal mehr, mal weniger überzeugend, hat mich das Cover von „Empire of Sins and Souls“ und Band 1 schon sehr angezogen. ...

Nachdem ich dieses Jahr doch schon einiges an Fantasy auf meinem Bücherstapel hatte, mal mehr, mal weniger überzeugend, hat mich das Cover von „Empire of Sins and Souls“ und Band 1 schon sehr angezogen. Dazu hat dann auch der Klappentext mit dem sehr düsteren Setting zu tun gehabt, weil Fantasy meist da am besten klappt, wo es etwas düsterer zugeht. Beril Kehribar kannte ich als Autorin bislang nicht und auch ihre „Schattenthron“-Reihe ist rein optisch völlig an mir vorbeigegangen. Also rein in das neue Abenteuer.

Ich habe den ersten Band als Hörbuch zwischen gehabt. Während Rebecca Veil mir nun auch schon öfters als Hörbuchsprecherin begegnet ist und sich weiter als sehr schöne Stimme entpuppt, die auch den verschiedenen Seiten von Zoé gut Ausdruck verliehen hat, hat Elias Emken genau ein Kapitel, weswegen er für mich auf dieses Hörbuch keinen großen Einfluss hatte. Er eignet sich damit aber ideal als Bezugspunkt für den ersten Kritikpunkt. Der Eindruck zu Emkens Rolle bleibt knapp, was natürlich im Gesamtzusammenhang wie eine hingeworfene Brotkrume wirkt, nur um dann erstmal die Nahrungszufuhr zuzusperren. Auch wenn es völlig übertrieben wäre zu behaupten, dass im ersten Band von „Empire of Sins and Souls“ nicht passiert, so passt es doch dazu, dass es viel Lust machen auf etwas Größeres ist, während aber selbst die eigenen Highlights leider etwas fehlen. Das lässt sich dann auch mit dem Klappentext gut verbinden. Der hat mich wie gesagt angezogen, aber er macht mit einem Teil auch Lust auf etwas, was eigentlich scheinbar mehr Band 2 ist. Da die nächsten beiden Bände auch schon so offensiv beworben werden, scheint das Marketing da eine ganz eigene Strategie zu verfolgen, aber ich werde nicht gerne in die Irre geführt und Prinz Kaspar spielt eine wirklich kleine Rolle in diesem ersten Band, weswegen es etwas seltsam erscheint, ihn so prominent gegenüber Alexei zu positionieren.

Aber es ist nicht nur der irreführende Klappentext und dass der erste Band in vielem wie ein Prolog wirkt, was mich nicht so begeistert zurücklässt. Ein weiterer Punkt wäre, dass Xanthia als Zwischenwelt nicht so spannend rübergekommen ist, wie ich mir das gewünscht hätte. Es ist alles was düster, es ist alles mysteriös, das kommt schon rüber, aber dennoch fand ich es schwer, einen Bezug herzustellen. Vielleicht ist hier auch das Hörbuch nicht das ideale Medium, wenn ich beispielsweise auch nicht die ideale Vorstellungskraft habe, aber es war im ganzen Aufbau nicht beeindruckend und auch vielschichtig, sondern auch eher plump. Vielleicht hatten dann auch die Figuren und ihre Handlungsweisen ihren Anteil daran, aber wenn Zoé trotz Warnungen da immer über das Gelände streifen darf und wirklich jedes Mal in eine Gefahr läuft, das war schon seltsam. Sollte das provoziert werden oder was sollte das ständig? Gerade, da wir nur Zoés Perspektive kennen, wirkte es sehr einfältig. Überraschungseffekte gab es so eher nicht, ich hatte immer das Gefühl, dass man als Leser spürte, ach, jetzt kommt was.

Dann der letzte große Punkt, der mich gestört hat, betrifft eindeutig die Liebesgeschichte. Es erinnert mich alles etwas an „Die Artefakte von Ouranos“ von Nisha J. Tuli. Zwar fand ich nicht, dass der Anteil von erotischen Szenen zu viel war, aber es sind dennoch intime Szenen, die ich mit innerer Anspannung wahrgenommen habe. Bei Tuli wurde im ersten Band auch schon damit gespielt, dass die Protagonistin dem Antagonisten verfällt, was ich als Spannungselement auch nicht verurteile, aber ich brauche bei intensiver Beschreibung der Szene dann doch ein entspannteres Gefühl. Hier fand ich es konkret etwas seltsam, weil ich auch das Gefühl nicht loswurde, dass vielleicht Kaspar Endgame ist. Dazu hat Zoé als Claire eine Vergangenheit, bei der es sehr um das Ausnutzen des weiblichen Geschlechts geht. Man merkt bei ihr auch, dass er ihr um Selbstermächtigung geht und sich zu ihren Bedingungen hinzugeben. Aber spätestens mit der Erkenntnis, wie Alexei Zoé beeinflussen kann, war dieses Gefühl dahin und ich hatte zu viele Alarmglocken.

Fazit: „Empire of Sins and Souls“ hat mich aus vielfältigen Gründen nicht überzeugen können. Das World Building war mir zu plump, inhaltlich ist mir auch zu wenig passiert und die Figuren habe ich alle eher mit Skepsis betrachtet. Im Endeffekt komme ich dann dabei aus, dass diese Reihe für mich nichts ist.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Mitreißender logischer Aufbau

Heartless
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Nach „Flawless“, dem ersten Buch, was ich von Elsie Silver gelesen habe, war ich noch etwas unentschlossen, ob ich die Reihe von ihr fortsetzen würde. Angesichts der Cover war ich nämlich etwas davon überrascht ...

Nach „Flawless“, dem ersten Buch, was ich von Elsie Silver gelesen habe, war ich noch etwas unentschlossen, ob ich die Reihe von ihr fortsetzen würde. Angesichts der Cover war ich nämlich etwas davon überrascht worden, wie spicy die Liebesgeschichte war. Da entdeckt man ja doch oft den halbnackten Mann auf dem Cover. Dennoch habe ich Tiefgründigkeit in der Geschichte entdeckt und auch das Setting hat mich gereizt, weswegen „Heartless“ nun also doch gelesen wurde.

Ich finde „Heartless“ auch tatsächlich etwas besser als „Flawless“. Zwar bleibt es bei meinem Empfinden, dass mir der Spice von Silver etwas zu intensiv ist, denn nachdem es einmal losging, da ging es wirklich los. Oben, unten, seitwärts ran, so ungefähr, aber es kommt zu diesem Punkt erst relativ spät in der Geschichte, was mir gezeigt hat, dass die Autorin auch selbst weiß, dass es ihren Lesern sicherlich nicht nur um diese Szenen geht und sie kann auch mehr. Aber die Punkte, die mich überzeugt haben, das war erneut das Setting und wie Kleinstadt, Farmleben, Rodeo etc. eingebunden wurde, aber es waren auch die Figuren und das Trope mit Kindermädchen. Ich musste bei der Lektüre öfters an „There With You“ von Samantha Young denken, was ich Anfang des Jahres gelesen habe, so dass die Verbindungen für mich leicht greifbar waren. Auch dort geht es um mehrere Brüder, die nach und nach ihre Frauen finden, aber dort funktionierte „Beste Freundin einer Ehefrau wird Nanny des Schwagers“ gar nicht gut und ich fand es fast toxisch. Das hat hier viel besser geklappt.

Man hat bei Willa und Cade schon deutlich herausgearbeitet, was ihre Persönlichkeiten sind. Willa hat deutlich weniger Ballast, weil sie privilegiert aufgewachsen ist, aber bei ihr schimmert durch, dass sie ihren zentralen Weg noch nicht gefunden hat und sich deswegen immer verurteilt empfindet, weil sie scheinbar mit Mitte 20 durchs Leben geleitet. Cade ist da nicht nur wegen des Alters einfach schon weiter, sondern er hatte nie die Möglichkeit, sich seinen Weg zu suchen, der war mit dem Tod der Mutter vorbestimmt. Dann einmal Spaß mit einer Frau und auch wenn er seinen Sohn Luke über alles liebt, sich von der Frau an seiner Seite so ausgenutzt zu fühlen, das hat vieles zerstört. Dementsprechend war Cade in der idealen Position, Willa nicht zu vertrauen, ihr Verhaltensweisen zu unterstellen etc. In einer gewissen Form war das auch gegeben, aber absolut harmlos. Geholfen hat sicherlich auch, dass Cade zunächst so schlecht gelaunt und launisch eingeführt wurde. Er hatte das Schild von Anfang an hoch und es war klar, dass nicht Willa konkret das Problem ist. Deswegen waren auch seine späteren Versuche, immer etwas Abstand zwischen sich und sie zu bringen, für mich dennoch respektvoll. Auch wenn ihn der Altersunterschied als Gedanke manchmal belastet hat, so war es für mich umgekehrt aber genau richtig, dass es für sonst keinen ein Thema war. Zumal sich Willa auch durchgängig als reif bewiesen hat. Sie hatte für mich viele Highlight-Szenen. Sie konnte mit Luke selbst wie ein Kleinkind sein, aber sie war auch quasi direkt eine Löwenmutter, so hat mir die Szene bei der Kindergeburtstagsparty am besten gefallen. Und das passt dann auch auf die sich entwickelnde Beziehung zu Cade. Er hat gesehen, wer sie als Mensch ist, aber er hat natürlich vor allem auch durch ihren Umgang mit Luke viel über sie gelernt.

Generell haben mir viele Dynamiken gefallen. Ich mochte die ganze Darstellung von Luke, die ich als sehr angemessen für sein Alter empfunden haben. Ich mochte die Einbindung von Großvater, Rhett und Summer, die wir schon aus dem ersten Band kennen, aber auch wieder Jasper, auf dessen Band ich mich tatsächlich auch schon freue. Man sieht also, es gibt für mich genug, was mich an die Geschichte bindet. Auch der Handlungsverlauf stimmte für mich. Letztlich auch der letzte Konflikt zwischen Willa und Cade, denn es war alles in der Geschichte gut ausgearbeitet und hat auch nochmal genau das Spannungsfeld aufgerufen, was Willa und Cade zuvor in ihren Eigenarten gekennzeichnet hat. Bis auf gewisse Szenen, die für mich in der Ausführlichkeit und welche Sprache gewählt wird, zu viel sind, ist es schon eine ideale Liebesgeschichte in toller Atmosphäre.

Fazit: „Heartless“ hat mich weiter überzeugt, dass Elsie Silver als Autorin große Vorzüge hat. Nein, ich werde kein Fan mehr ihrer spicy Szenen, aber sie sind eben nicht alles bei ihr, was der große Pluspunkt ist. Drum herum schafft sie nahbare Figuren, die alle auf eine Reise geschickt werden und es entstehen tolle Beziehungen, sowohl zwischen dem Protagonistenpaar, aber auch mit Nebenfiguren. Das lese ich dann gerne.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Mehr Selbstfindung als Liebegeschichte

Zwei in einem Leben
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Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich ...

Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich nach seinem riesigen Erfolg etwas aus den Augen verloren, aber die Serienadaption hat mich eindeutig noch einmal darin bestätigt, dass „Zwei an einem Tag“ damals wirklich etwas Besonderes war. Nun ist „Zwei in einem Leben“ mit dem Titel ganz eindeutig auch von Marketing her eine Verbindung dazu und deswegen war es für mich jetzt an der Zeit, noch einmal bei Nicholls zuzuschlagen.

Auch wenn „Zwei an einem Tag“ schon sehr lange her ist, dass ich das Buch gelesen habe, so habe ich doch gleich einiges in „Zwei in einem Leben“ wiederentdecken können. Das sind eindeutig eckige und kantige Figuren, die viele ungewöhnliche Details mitbekommen und damit nicht sofort nahbar sind, die aber dadurch gleich im Kopf bleiben und sich langsam entfalten können. Aber es ist sicherlich auch der Humor, der Hang zu Monologen bei der Frauenfigur. Also es war definitiv so, dass ich für mich sagen konnte, ja, wo Nicholls drauf steht, da ist er auch drin. Ansonsten sind es aber dennoch zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Während „Zwei an einem Tag“ einfach diesen besonderen Kniff hatte, dass eine Geschichte über einen speziellen Juli-Tag hinweg erzählt wurde, hat „Zwei in einem Leben“ diesen speziellen Faktor nicht. Dennoch ist sich mit der Aufmachung Mühe gegeben worden, weil die Karten, die den Wanderweg für den jeweiligen Tag zeigen, eine nette Idee ist, um sich bei entsprechendem Interesse selbst kundig zu machen, sich einen Atlas hinzuziehen etc. oder wenn man selbst schon in der Gegend war, sich zu orientieren. Abseits davon ist es aber eine gewöhnliche Liebesgeschichte.

Wobei Liebesgeschichte auch ein Begriff ist, den ich für „Zwei in einem Leben“ erst auf zweiter Ebene sehen würde. Denn für Marnie und Michael ist es jeweils keine Liebe auf den ersten Blick, dafür sind beide auch noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, weil sie ein großes Kapitel aus der Vergangenheit noch nicht beschlossen haben. Deswegen sind die ersten Begegnungen und Kontakte auch eher von Skepsis und Vorurteilen geprägt. Dann kommt hinzu, dass Marnie und Michael eben sehr speziell mit einigen Eigenschaften sind, so dass es auch wenig zu einer romantischen Stimmung beiträgt. Deswegen habe ich es lange so empfunden, dass der Wanderweg in erster Linie wirklich eine Selbstfindung war und die Liebe dann eher zufällig noch aufgesprungen ist. Dass zwischen Marnie und Michael nicht sofort eine Chemie war, hat das Buch an einigen Stellen für mich etwas zäh gemacht, was ich schade fand. Teilweise waren die inneren Monologe auch sehr lang. Ich musste mich also wirklich erst bewusst davon verabschieden, nicht in erster Linie eine Liebesgeschichte zu haben.

Mit einer etwas anderen Einstellung war es eindeutig auch leichter, Marnie und Michael für sich schätzen zu lernen. Marnies missbräuchliche Beziehung, die sie in einem sehr langen Gespräch mit Michael aufarbeitet, hat mich durchaus berührt, weil viele Menschen in solchen Beziehungen feststecken bleiben, auch weil sie glauben, dass sie es verdient haben und es da draußen nichts anderes gibt. Bei Michael wiederum ist es eine schleichend zu Ende gegangene Beziehung, bei der im Urkern aber vieles stimmte, so dass es ihm dementsprechend schwer gefallen ist, loszulassen. Es war auf jeden Fall gut, dass sie sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und dennoch Verständnis füreinander zeigen konnten, auch weil sie letztlich der Wunsch nach Zweisamkeit geeint hat. Auch wenn die irgendwann sich im Spiel befindenden Gefühle für mich etwas zu abrupt kamen, aber ich fand das letzte Viertel noch einmal mit am stärksten. Da war dann doch das Hinfiebern, dass es diese beiden packen.

Fazit: „Zwei in einem Leben“ ist einerseits mit „Zwei in einem Tag“ auf stilistischer Ebene zu vergleichen, andererseits dann auch wieder nicht. Aber letztlich ist „Zwei in einem Leben“ vor allem mehr individuelle Selbstfindung und dann Liebesgeschichte. Neben zähen Passagen gibt es auch noch andere Aspekte zum Durchkämpfen, aber letztlich habe ich sehr gut Frieden mit diesem Buch schließen können.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Etwas zu viel von allem

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische ...

Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische Romane diesen Stil pflegten und es ist ein Genre, in dem ich wirklich sehr selten etwas lese. Vielleicht sind die Diviners deswegen 2015 etc. nicht bei mir rübergekommen. Nun von dtv eine Neuauflage, das Cover geändert und schwupps, da hatte es meine Aufmerksamkeit. Auch wenn für mich nun nicht zu erkennen ist, was die Neuauflage bewogen hat, vielleicht auch der Erfolg von „Only Murders in the Building“? Aber mich hatte man ja jetzt auf jeden Fall am Haken.

Der erste Band hat sehr viele Seiten, was mir schon aufgefallen ist, da doch viele Bücher eines Genres sich inzwischen auf einen Durchschnittswert eingependelt haben, auch wenn es natürlich immer Ausreißer nach oben geht. Solche Seitenzahlen reizen natürlich vor allem dann, wenn man sich schon in eine Reihe verliebt hat und einfach nicht genug bekommen kann. Hier ist es aber der Einstieg und ich habe mir tatsächlich zwischendurch gewünscht, dass es ruhig etwas weniger Seiten sein könnten. Gleichzeitig könnte ich im Rückblick auf das Geschehen aber auch nicht sagen, was man hätte streichen können, was mich dann eher zu dem Gesamteindruck führt, dass das Buch einfach an sich sehr voll war. Es war voll an Genres, voll an Ansätzen, voll von Charakteren, einfach ein extrem inhaltsschwerer Eintopf. Das ist einerseits ein Lob an Bray und ihre offenbar sprudelnde Fantasie, aber es ist auch zum Einstieg wirklich viel. Fangen wir daher erstmal bei den Genres an. Damals der Stil der historischen Cover war sicherlich nicht verkehrt, denn das Geschehen spielt im New York der 1920er Jahre. Ich fand es von der ganzen Atmosphäre her auch gut getroffen, gerade auch im Spannungsfeld verschiedener gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. Dann wiederum wirkte manches auch sehr modern, das war dann eher irritierend, aber alles in allem kam schon gut rüber, in welcher Epoche das Geschehen sich ereignet.

Dann haben wir auch ein Whodunit-Muster, denn Evie und die Männer an ihrer Seite jagen einen Serienmörder. Ich hatte oben in der Einleitung schon „Only Murders in the Building“ angesprochen und ich musste da wirklich mehrfach dran denken. Evie war zwar durch Jericho und Sam mehr mit Gleichaltrigen unterwegs, aber die etwas unkonventionelle Art der Ermittlung und der Umgang miteinander passte durchaus gut. Die Suche nach dem Serienmörder ist auch wirklich das Herzstück des ersten Bandes und wird immer wieder konstant vorangetrieben. Zum einen durch die sehr kurzen Abstände, in denen der Täter zuschlägt, aber auch durch die Opferperspektiven. Letztlich haben wir dann noch Fantasy, durch die Diviner, die übernatürliche Fähigkeiten haben. Das sind schon relativ große Blöcke, die selbstredend ineinander übergehen. Für mich am stärksten war eindeutig der Fall. Denn an diesem Ende wurde konsequent erzählt. Auch wenn es manchmal etwas seltsam war, wenn die Erzählung andere Schwerpunkte suchte, vor allem bei Evie, die ja mittendrin steckte und dennoch dann unverständliche Unbeschwertheit gezeigt hat, so war es der intensivste rote Faden.

Das Historische ist ohnehin der Deckel, aber was für mich noch sehr holprig war, das war das Fantasy-Anteil. Auch wenn es schon früh mit Evies Demonstration auf der Party losging, aber teilweise ging fast verloren, dass sie eine Gabe hat. Auch bei Sam war es oft der Gedanke „ach, da war noch was“. Dann haben wir auch noch Memphis, seinen Bruder und andere, die ebenfalls Diviners sind, aber es ist ein Bereich, der mit vielen Vorurteilen und auch Abscheu verbunden ist, weswegen niemand aktiv Antworten sucht. Auch Onkel Will wirkte teilweise sehr zurückhaltend, obwohl ich mir von ihm mehr Initiative gewünscht hätte. Insgesamt hatte ich stark den Eindruck, dass bei den Diviners nur wenig aufgebaut wird, um das Mysterium für den nächsten Band zu haben. Das erzeugt insgesamt natürlich den Eindruck, dass die Diviners ein größeres Mysterium sind, aber nicht der eigentliche Hauptfokus. Als sei so ein Fall pro Buch die Struktur, was nochmal eine besondere Form durch die Diviner bekommt. Das hätte ich so im Vorfeld eher nicht erwartet. Ich hätte die Diviner wahrscheinlich viel konkreter in den Fokus gepackt, auch um die verschiedenen Formen zu verstehen und so Lust zu machen. Die Wahl durch Bray hier war keinesfalls falsch, aber zwischendurch konnte ich auch mal vergessen, dass es auch um die Diviners geht.

Auch etwas ungünstig fand ich den Klappentext. Das fällt mir in letzter Zeit häufig auf. Um eine gewisse Lesergruppe anzuziehen, werden Liebesdreiecke angedeutet, die dann aber in der eigentlichen Erzählung gar nicht so dominant sind. Das ist hier auch so. Ich habe „Diviners“ sehr lange nicht als Liebesgeschichte empfunden und habe es auch nicht vermisst. Sowohl mit Jericho als auch mit Sam kann noch Spannendes passieren, aber es ist noch nicht wirklich aufgebaut worden. Der Unterschied zwischen den beiden ist aber auf jeden Fall eine gute Voraussetzung. Da wir schon bei den Charakteren sind. Jericho und Sam gefallen mir beide und ich sehe auch Potenzial, aber sie sind angesichts von Evies Persönlichkeit doch eher im Schatten. Evie dominiert alles. Auch wenn es so viele Perspektiven gibt, aber sie in einer Szene und irgendwie sind alle sprachlos. Evie war unfassbar anstrengend. Bei ihr musste ich auch ständig denken, dass sie sich eigentlich wie eine Protagonistin der Generation Alpha verhält. Alles drehte sich nur um sie selbst, ich fand sie sehr, sehr unsensibel und es fiel mir doch schwer, zu ihr einen Draht aufzubauen. Auf die Menschen um sie herum schaut sie herab, dabei ist sie erst 17! Will hat sie immerhin ab und zu in die Schranken weisen können, aber ansonsten puh. Sie muss auf jeden Fall etwas runtergeschraubt werden. Auch ein Memphis ist sehr faszinierend, dazu auch Theta und Henry. Da ist noch einiges, mit dem man arbeiten kann, wenn Bray nicht für Band 2 schon die Leser verloren hat.

Fazit: Es ist sicherlich einen zweiten Versuch wert, „Diviners“ an die Leserschaft zu bringen, weil viel Modernes drinsteckt. Doch es sind schon viele Seiten und auf diesen auch unfassbar Inhalt. Die Ermittlungen gegen den Täter sind der rote Faden, der Rest ist noch etwas chaotisch und groß aufgezogen, ohne aber mehr Highlights anzubieten. Dazu die anstrengende Evie… Mir war alles etwas zu viel, aber ich habe dennoch unter all dem die Ansätze gesehen, die sehr gut funktioniert haben.

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