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Veröffentlicht am 26.03.2024

Schwermütig zum Abschied

Move On - New England School of Ballet
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Jetzt ist die „New England School of Ballet“-Reihe mit Band 4 tatsächlich schon wieder vorbei. Dabei fühlt es sich so an, als wäre es gerade erst losgegangen. Den ersten Band hatte ich einer Leserunde, ...

Jetzt ist die „New England School of Ballet“-Reihe mit Band 4 tatsächlich schon wieder vorbei. Dabei fühlt es sich so an, als wäre es gerade erst losgegangen. Den ersten Band hatte ich einer Leserunde, wo viel diskutiert wurde, war es jetzt genug Ballett, ja nein? Wahrscheinlich ist es mir deswegen noch emotional so präsent und deswegen auch so nah. Insgesamt würde ich sagen, dass ich mir von dieser Reihe von Anna Savas etwas anderes vorgestellt hätte. Aber mit dem dritten Band habe ich glaube ich auch damit abschließen können, nicht mehr so viel Tanzen und so eigene Vorstellungen zu einer Ballettschule zu erwarten und dann war es auch deutlich einfacher, sich mehr auf das zu konzentrieren, was ich angeboten bekommen haben. Und da ist ganz klar der Fall, dass Savas eine gute Erzählerin ist.

Auf den dritten Band hatte ich mich richtig gefreut, weil Lia einfach die Persönlichkeit war, die mich bis dato am meisten fasziniert hat. Bei Skye war das jetzt etwas anders. Ich mochte sie zwar durchgängig, gerade weil sie auch für Jace so eine gute Freundin war, aber sie war dennoch für mich nicht so mysteriös aufgebaut, dass ich ihr unbedingt hinter die Birne gucken wollte. Aber sowas ist so gesehen nicht schlimm, denn Reihen lese ich eigentlich eh konsequent und da wird man oft von Figuren überrascht, die man vorher gar nicht so vielversprechend auf dem Schirm hatte. Skye gehörte eindeutig zu. Sie ist wirklich einfach eine liebe Persönlichkeit, die mir wahrscheinlich aus der Reihe von der Persönlichkeit her auch am ähnlichsten ist. Das waren dann vor allem Eigenschaften, sich so sehr um andere zu sorgen, dass man sich selbst dabei verliert. Aber es war auch das Teilen von eigener Kunst, ohne dass aber konkret die Person dahinter im Vordergrund stehen muss, sondern vielmehr die Botschaft des Ganzen. Das hat mich mit Skye sehr verbunden. Dementsprechend habe ich mich bei ihr schnell einfinden können. Gabriel war nun ein Neuzugang und er hat es am Anfang nicht leicht bei mir gehabt.

Das liegt aber auch daran, dass die anfängliche Atmosphäre des Buchs schon recht düster ist. Es war ein wenig wie im ersten Band bei Zoe und Jace, aber da war ohnehin noch alles neu zu entdecken, weswegen es mich da nicht so gestört hat, aber so Enemies-to-Lovers-Geschichten haben immer einen schmalen Grat. Ich mag es normalerweise gerne, wenn da am Anfang in das feindliche Miteinander Humor eingewoben wird. Das war hier nicht möglich. Gabriel und Skye haben eine gemeinsame Geschichte mit vielen verletzten Gefühlen, bei der auch wirklich böse Worte gefallen sind. Natürlich kann da nicht mit Humor gearbeitet werden. Aber dadurch war die Geschichte anfangs so schwer. Egal, wann die beiden Figuren sich begegneten, immer Hass, Hass, Hass. Ich weiß nicht, ob in einem Buch schon mal so oft „Ich hasse dich“ gefallen ist. Das hat mit mir als Leserin schon etwas gemacht. Dazu kam auch das Ungleichgewicht der Perspektiven und damit meine ich nicht, wer hat wie viele Kapitel bekommen, sondern mehr, dass ich aus Skyes Perspektive ein besseres Verständnis für die Gesamtsituation hatte, während Gabriel da zurückhaltender gestaltet wurde, weswegen ich die ganze Zeit dachte, warum hat er denn nun so überreagiert?

Den Verlauf der gemeinsamen Geschichte, sowohl in den Rückblenden erzählt, aber dann auch in der Gegenwart, das war für mich vollkommen okay. Die Anziehung zwischen den beiden war evident und hat durch das Eifersuchtsdrama auch angemessenes Futter bekommen. So war es gut nachvollziehbar, warum die beiden ein Arrangement getroffen haben, wo dann schnell alles aufgesprungen ist, weil da nun mal mehr loderte. Also von der Chemie, der Intensität zwischen ihnen, da hat Savas nochmal einen richtig guten Job angeboten. Dennoch würde ich in einer Nachbetrachtung sagen, dass die Trennung arg überzogen war. Auch wenn letztlich noch rausgekommen ist, dass beide nicht ehrlich waren, aber Gabriels Empfindungen erschienen mir dennoch zu intensiv, zumal ich aufgrund der Andeutungen aus seiner Perspektive viel Schlimmeres erwartet hätte. So entstand mehr der Eindruck, wie viel Zeit die beiden zusammen verplempert haben. Also insgesamt ein reizvolles Paar, aber drum herum eine Geschichte, die mehr Leichtigkeit verdient gehabt hätte. Aber der Abschlussband rettet sich von der Atmosphäre her auch, weil es wunderbar gelungen ist, die übrigen Paare noch einmal einzubinden. Auch die Idee mit der Dokumentation war da sehr passend, weil so während der Produktion schon viel rekapituliert werden konnte, aber besonders der Zeitsprung war noch einmal richtig schön und hat mir auch nochmal bewiesen, dass ich die Reihe trotz der generellen Kritik rund um Ballett dennoch gerne gelesen habe.

Fazit: Mit „Move On“ verabschieden wir uns von der Ballettschule in Boston und es war noch einmal eine sehr schwermütige Geschichte, die zwar ein Paar hat, wo von der Chemie her alles da war, so dass ich mitfühlen konnte, aber ein bisschen mehr Spaß und Laune wäre nicht schlecht gewesen. Dazu ist der generelle Abschiedsgedanke wunderbar gelungen und hat belegt, Abschied nehmen ist hier nicht leicht, aber ich freue mich auf neue Abenteuer mit Anna Savas.

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Veröffentlicht am 25.03.2024

Fehlende Perspektive verhindert bessere Liebesgeschichte

The Love Code. Wenn die widersprüchlichste Theorie zur großen Liebe führt
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Die Autorin Susannah Nix sagte mir bis zu „The Love Code“ gar nichts, was aber auch wenig verwunderlich ist, da das Buch ihren Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt bedeutet. Für mich war reizvoll, dass ...

Die Autorin Susannah Nix sagte mir bis zu „The Love Code“ gar nichts, was aber auch wenig verwunderlich ist, da das Buch ihren Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt bedeutet. Für mich war reizvoll, dass ich zuletzt einige Liebesromane gelesen habe, die eine humorvolle Unternote haben und vor allem mit dem etwas sperrigen Untertitel „Wenn die widersprüchlichste Theorie zur großen Liebe führt“ habe ich mich bestätigt gesehen, dass es in die Richtung geht. Weiterhin war für mich auch ein Argument, dass der Klappentext sowie dann auch der ‚Code‘ im Titel auf eine etwas nerdige Geschichte hindeuten, wo die Protagonistin aus der Liebe vielleicht ein wissenschaftliches Experiment macht. Ich war also aus mehreren Gründen neugierig.

Von dieser beschriebenen Ausgangssituation her muss ich sagen, dass ich nicht wirklich das bekommen habe, was ich erwartet habe. Zunächst würde ich sagen, dass mir der Stil als nicht besonders humorvoll erschienen ist. Natürlich gab es auch mal peinliche Situationen zum Lachen, aber Susannah Nix hat ihrer Protagonistin Melody keinen speziellen Ton mitgegeben, wo ich mich schon alleine an der Wortwahl hätte erheitern lassen können. Dennoch würde ich den Schreibstil deswegen nicht kritisieren wollen, denn ich bin gut durch die Geschichte geglitten. Ich hatte die Hörbuch-Version, die von Vanessa Stoll gelesen wird. Ich fand ihre Stimme angenehm. Es war nur etwas seltsam angesichts der Geschichte, dass es keine Ich-Erzählung war. Da wir die ganze Geschichte nur durch Melodys Perspektive erleben, hätte sich vielleicht ein Ich-Erzähler besser angeboten. Im Hörbuch war ich nämlich manchmal auch irritiert, wer nun ‚sie‘ ist, weil das Melody oder eine der anderen Frauenfiguren hätte sein können. Ich weiß aber nicht, ob mich das in der Buchausgabe auch gestört hätte. Durch das Vorlesen war es aber so, dass ich immer erst mehr Kontext brauchte, um zu wissen, von wem nun die Rede ist.

Neben dem Humor hat aber auch das nerdige für mich gefehlt. Ja, Melody ist weniger die, die jedes Wochenende Halli Galli macht und sich daher in vielen Fandoms bestens auskennt, ja, sie ist auch die ITlerin, aber ansonsten ist sie wirklich sehr durchschnittlich als Figur. Vielleicht ist sie nicht per se die romantischste, aber sie ist keinesfalls verkopft, sie ist für mich also eher gefühlsgesteuert. Also noch etwas, was ich mir anders vorgestellt hätte und dennoch fand ich das Buch deswegen nicht schlecht. Es war halt völlig anders, aber ich empfand Melody als sympathische Protagonistin, die auch einige mir bekannte Prinzipien hat. Ich fand auch viele Nebenfiguren sehr sympathisch und war positiv überrascht, wie sich manche Dinge gewendet haben, die zunächst klischeehaft in die eine Richtung gingen, dann aber doch ganz anders auskamen. Unterhaltsam war die Geschichte daher also definitiv von vorne bis hinten.

Dennoch würde ich die Liebesgeschichte noch etwas in Klammern nehmen wollen. Ich mochte auch Jeremy als Figur eigentlich ganz gerne. Schon sein erster Auftritt ist eigentlich etwas gewesen, wo er sofort bei mir einen Stein im Brett hatte. Dennoch hat ihm etwas geschadet, dass wir seine Perspektive nicht bekommen. Denn nach dem Zeitsprung kommt gleich die Info, Melody war ein Seitensprung. Das war mal eine Hausnummer. Ich finde es eigentlich positiv, wenn Figuren auch so andere Seiten bekommen, mit denen man sich aktiv etwas näher beschäftigen möchte, um es zu verstehen. Doch das hat „The Love Code“ nicht so recht hinbekommen. Auch wenn ich Jeremy nie als Red Flag-Figur wahrgenommen habe, aber sie war auch nicht so bedingungslos, wie ich es mir gewünscht hätte. Denn Jeremy hat extrem starke Momente, doch die Erzählweise reißt zwischendurch immer Lücken und ich hätte mir so viel mehr zu ihm gewünscht. Dadurch hatte ich stellenweise auch das Gefühl, das geht niemals mit einem Happyend aus, weil Jeremy nicht die entsprechenden Vibes hatte. Im letzten Viertel reißt die Geschichte das Ruder nochmal um. Das hat mich auch gut versöhnt.

Fazit: „The Love Code“ war weniger das, was ich mir im Vorfeld erwartet hätte, so dass auch die Werbung für die MINT-Frauen für mich eher unpassend erscheint. Dennoch habe ich insgesamt eine gut zu hörende Liebesgeschichte angeboten bekommen. Sie hatte ihre Schwächen, was für mich vor allem an Jeremys fehlender Perspektive liegt. Aber ich habe es insgesamt nicht bereut, zugegriffen zu haben.

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Mitreißende Liebesgeschichte mit anstrengenden Missverständnissen

Yours Truly
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Von Abby Jimenez habe ich vor wenigen Jahren schon „Wenn aus Funken Flammen werden“ gelesen und aus irgendeinem Grund habe ich den zweiten Band nicht gelesen. Es lag aber eindeutig nicht daran, dass ich ...

Von Abby Jimenez habe ich vor wenigen Jahren schon „Wenn aus Funken Flammen werden“ gelesen und aus irgendeinem Grund habe ich den zweiten Band nicht gelesen. Es lag aber eindeutig nicht daran, dass ich von ihr als Autorin enttäuscht gewesen wäre. Ich habe die Geschichte noch als sehr dramatisch in Erinnerung, aber auch als sehr gefühlvoll und vom Gefühlsleben her auch sehr nahbar. Dementsprechend ist mir der Name mir auch sofort wieder bekannt vorgekommen, als ich die Ankündigung zu „Yours Truly“ entdeckte. Das Cover war natürlich auch sehr bunt und sprang sofort ins Auge. Aber ich fand auch interessant, dass es medizinische Aspekte haben sollte. Da habe ich von Ava Reed schon die „Whitestone Hospital“-Reihe gelesen, wo die Balance aus Krankenhaus und Liebesgeschichte für mich nicht getroffen wurde. Deswegen gab es hier genug Aspekte, um nochmal was von Jimenez zu lesen.

Haken wir die Balance aus Krankenhaus und Liebesgeschichte gleich mal Erstes ab, denn ich würde es als übertrieben sehen, dass das Medizinische eine wirklich große Rolle spielt. Zwischendurch habe ich ehrlich gesagt fast vergessen, dass beide Hauptfiguren Ärzte sind, weil es für die Geschichte völlig unwichtig fand. Ist das nun zu kritisieren? Vielleicht etwas. Da auf dem Cover beispielsweise auch ein Stethoskop zu sehen ist, werden natürlich gewisse Erwartungen erzeugt und ich hatte mir im Ergebnis etwas anderes erwartet. Dennoch war es gleichzeitig auch so wenig, dass ich umgekehrt die Erwartung schnell abbauen konnte und deswegen beim Lesen auch nicht wirklich etwas vermisst habe. Insgesamt hätte „Yours Truly“ ganz anders werden können und aufgrund des eigenen Gesundheitsschrecks der Autorin hätte ich gut nachvollziehen können, wenn sie einen größeren Fokus auf das Medizinische gewollt hätte.

Stattdessen steht eindeutig die Liebesgeschichte von Briana und Jacob im Fokus und ich fand vor allem sehr positiv, wie individuell beide Figuren bis in kleine Details ausgearbeitet waren. Bei Briana haben wir ihre Vergangenheit, vom Vater verlassen, am Minimum von der Mutter alleine groß gezogen, dazu eine gescheiterte Ehe mit schwerem Betrug. Bei Jacob haben wir eine glückliche Kindheit, aber durchaus immer schon ein Außenseiter-Dasein aufgrund seiner Sozialphobie, die sich bei ihm viel durch zwanghaftes Verhalten auslebt. Ich fand gerade Jacob sehr spannend. Auch wenn natürlich auch seine äußerliche Attraktivität betont wird, aber gleichzeitig ist sein unbeholfenes Wesen und ein Einblick darin, was alles in seinem Kopf vorgeht, für mich doch sehr ungewöhnlich. Da ich selbst gewisse Züge davon habe, weiß ich, wie anstrengend das von anderen empfunden werden kann. Das hat mich natürlich sehr mitfühlend mit Jacob gemacht und ich habe mich über all seine Erfolge im Kampf gegen sich selbst wirklich sehr gefreut. Aber bei Briana bleibe ich auch dabei, dass sie eine tolle Figur ist. Wie sie mit Jacob umgegangen ist, weil es ihrem Bruder auch ähnlich ergangen ist, sehr berührend und sehr einnehmend.

Dennoch ist die Liebesgeschichte für mich trotz dieser Ausgangslage nicht rein rosarot. Es gibt unheimlich viele tolle Momente. Für die beiden als Paar zusammen, mit den jeweiligen Familienmitgliedern, wo auch etwas sehr Heimeliges erzeugt wurde, aber über all dem schwebt schon recht früh ein kaum wegzudenkendes Missverständnis. Es war schon wie eine Art Schleier, den man nie gänzlich lupfen konnte. Ich wäre oft gerne in die Seiten gekrochen und hätte gerne mal Tacheles geredet, weil es schon auch anstrengend war. Am Ende wird dann auch noch eine Dramatik erzeugt, die ich zwar nicht unrealistisch finde, aber es war dennoch auch eine Entscheidung der Autorin, die mich emotional manches Mal zu sehr von der Geschichte entfernt hat. Man muss es Jimenez aber lassen, sie fängt einen auch immer wieder ein. Denn sie hat ein beeindruckendes Händchen von romantischen Momenten, von sehr menschlichem Miteinander. Sie hat einen großen Haufen an sonderbaren und dabei doch so sympathischen Figuren geschaffen. Deswegen war es insgesamt auch sehr unterhaltsam, nur manche Entscheidungen waren für mein persönliches Leseempfinden nicht clever genug.

Fazit: „Yours Truly“ ist eine Lektüre mit sehr liebevoll ausgestalteten Figuren, die mich sehr berührt haben und die wie geschaffen füreinander waren. Es gab auch sensible Themen, die berührend umgesetzt wurde. Doch die volle Sternenanzahl-Lektüre ist es dennoch nicht, weil die Missverständnisse und die Traumata auch schon mal anstrengend wurden. Die Balance war demnach nicht ideal. Dennoch eine sehr empfehlenswerte Autorin.

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Veröffentlicht am 14.03.2024

Frische und spannende Unterhaltung

Wer zuerst lügt
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Als ich das Cover von „Wer zuerst lügt“ bzw. den Klappentext entdeckt habe, musste ich zuerst ein wenig an „The Wife Between Us“ von Greer Hendricks & Sarah Pekkanen denken, was ich vor einigen Jahren ...

Als ich das Cover von „Wer zuerst lügt“ bzw. den Klappentext entdeckt habe, musste ich zuerst ein wenig an „The Wife Between Us“ von Greer Hendricks & Sarah Pekkanen denken, was ich vor einigen Jahren gelesen habe, da Klappentext und Cover doch gewisse Parallelen aufweisen. Da mich das Buch damals fasziniert hat, war mir gleich klar, dass ich mir die Neuerscheinung von Ashley Elston auch zuführen wollte. Ich muss auch sagen, Kompliment für den Klappentext. Es gibt leider gerade im Spannungsbereich Versuche, die so viel verraten, dass man den eigentlichen Höhepunkt zwischendurch schon gespoilert bekommen hat. Hier wurde auch einiges schon verraten, wie ich aber finde in einem Ausmaß, wo ich sage, es macht Lust, aber innen drin ist noch so viel mehr zu entdecken.

Ich habe „Wer zuerst lügt“ als Hörbuch gehabt und ich habe Michaela Gaertner als sehr angenehme Sprecherin gefunden. Ich hatte am Anfang ein wenig den Eindruck, der Ton klänge etwas verwaschen, was aber daran liegen mag, dass ich von Hörbuch zu Hörbuch gewechselt bin und da vielleicht einfach ein Unterschied festzustellen war. Denn später fiel es mir als Kritikpunkt gar nicht mehr auf und ich habe die Sprecherin als sehr klar wahrgenommen. Sie ist für mich auf jeden Fall hervorragend zu all den Personen geworden, die Evie/Lucca zwischendurch eingenommen hat. Was ich für den Einstieg in das Buch sehr gut fand, das war, dass gleich zu Beginn ein Ton in der Geschichte ist, der belegt, es ist nichts, wie es scheint und wir sind mitten in der Welt der Betrügereien. Ich fand unsere Protagonistin auch sofort anziehend, gerade weil sie eine Figur ist, die man selten so als Heldin der Geschichte erlebt. Sie lügt und betrügt und trotzdem ist man sofort mit ihr verbunden und will alles über sie wissen. Ich fand es immer wieder herrlich, wie sie alles genau analysiert hat, wie sie ihre eigenen Handlungen erklärt hat. Es war spannend, in so einem klugen Kopf live dabei zu sein.

Im Grunde habe ich eine sehr spannende Geschichte geliefert bekommen, wo ich immer nur mehr wissen wollte und auch nie verloren gegangen bin. Einen Kritikpunkt habe ich aber und das ist ein wenig die frühere Lucca. Wir haben ein Kapitel zu ihrem ersten Auftrag, wo ihre Mutter noch lebte, aber ich hätte wirklich gerne mehr von ihr erfahren, wie sie auf diesen Weg kam. Hatte ihre Mutter vielleicht sogar mehr damit zu tun, da sie immer wieder mit Ratschlägen zitiert wurde? Das sind so Fragen, die mir in Bezug auf Lucca kamen und wo gerne noch mehr hätte kommen können, aber alles andere hat mich wirklich unglaublich gut unterhalten und ich habe nun auch schon länger so etwas Inhaltliches nicht mehr gehabt, so dass es so frisch wirkte. Auch wenn wir Lucca/Evie in zig Rollen über den Verlauf erleben, so würde ich dennoch sagen, dass ich sie als Mensch immer zu packen bekommen haben. Sie ist clever, sie ist raffiniert, aber sie ist in allem auch stets ein Mensch, der hinter die Fassade blickt und einen Job auch nicht einfach einen Job sein lassen kann. Die Komplexität wurde ideal eingefangen.

Ich fand auch, dass es gut gelungen ist, die verschiedenen Schichten der Geschichte erst nach und nach aufzudecken. Während ich am Anfang dachte, dass es sicherlich darum gehen wird, ob Evie ihre Identität bis zum Ende ohne Risse wird aufrechterhalten können und was genau sie in Gefahr bringt. Aber das war nur eine Etappe von vielen. Es kam immer noch mehr, hier eine Zusammenarbeit, hier eine Scharade, hier eine Enthüllung. Es ist wirklich schwer, die Genialität in Worte zu fassen, weil es verdammt gut erzählt ist. Das war eindeutig ein Highlight, das ich im Vorfeld so nicht hätte einplanen können, das mir aber wahrhaftig gute Hörbuchstunden beschert hat.

Fazit: „Wer zuerst lügt“ ist für mich eine sehr positive Überraschung. Die Handlung wirkt frisch. Es geht nicht um schwarz-weiß-Charaktere. Die Geschichte verbirgt viele Ebenen, die man am Anfang nicht erahnen kann und sie lässt einen insgesamt nicht los. Großes Kompliment an Ashley Elston für diese gute Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Matcht die Spannung von Band 1 nicht

One Of Six - Vertrauen
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Den ersten Band von „One of Six“ fand ich richtig gut, denn ich war vorher von Kim Nina Ocker nicht unbedingt überzeugt gewesen und mit diesem Suspense-NA war ich doch ziemlich umgehauen, denn die Spannung ...

Den ersten Band von „One of Six“ fand ich richtig gut, denn ich war vorher von Kim Nina Ocker nicht unbedingt überzeugt gewesen und mit diesem Suspense-NA war ich doch ziemlich umgehauen, denn die Spannung war da und am Ende hatte ich noch keine konkrete Idee. Nun war die Wartezeit auf Band 2 auch nicht fürchterlich lang, so dass ich vieles noch im Kopf auch hatte. Gelingt dem Abschluss denn auch das zufriedenstellende Gefühl?

Wir starten mit dem neuen Alltag nach einem traumatischen Erlebnis. Ich fand es sinnig, das hier etwas genauer auszuarbeiten, weil speziell Luca sehr darunter leidet und sich als Reaktion auch abkapselt. Alle anderen gehen anders mit der Tragödie um und es war wichtig das einzufangen, denn ich hätte es seltsam gefunden, im übertriebenen Sinne gleich mit dem nächsten Slasher-Event anzufangen. So ist der Einstieg gemächlich und wie gesagt, das ist okay. Doch danach hat sich die Geschichte schwer getan, aufs Gaspedal zu drücken. Es gibt eine Szene in der Dusche, die ich als Zwischenspiel richtig stark fand, aber ansonsten hat es sich etwas gezogen. Auch wenn Luca und Devan dann zusammengeführt werden, aber ich hatte den Eindruck, dass es zu sehr um die Liebesgeschichte ging als am Mysterium festzuhalten. Es ist auch New Adult, das ist mir bewusst, und genauso ist mir bewusst, dass es ein heikler Spagat ist, aber gerade nach diesem tollen ersten Band hätte man viel früher wieder abholen müssen.

Mit der Verlagerung nach Belville wurde es dann ganz allmählich wieder besser. Die Gruppe wird dann auch wieder zusammengeführt, so dass wir zum einen die Dynamik aller wieder haben, aber es auch sehr an den ersten Band erinnert, nur in einem anderen Setting. Durch das Ende von Band 1 war auch schon klar, dass es ja jemand aus der Gruppe sein muss und sie nun alle auf einem Fleck zu haben, hat natürlich dafür gesorgt, dass ich alles genau abgewägt habe, nach Hinweisen gesucht habe, was passt nun auf wen ideal zusammen. Ich bin froh, dass das noch einige Male hin- und hergesprungen ist, weil in der Hälfte des Buchs schon felsenfest sicher zu sein, das wäre nicht ganz so optimal gewesen. Beim Showdown war es dann klar und das war auch okay, auch weil dieser Teil ja auch wichtig ist, um die Motive zu verstehen. Da sind wir dann beim zweiten großen Knackpunkt angekommen. Ich war von der Auflösung ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Auch weil für mich einige Puzzleteile nicht zusammenpassten. Im zweiten Band wurde nämlich augenscheinlicher, dass Ocker nun die Aufgabe hatte, alles passend zu machen und manchmal hat es da ordentlich geknirscht. An Lucas Rolle wurde mir das am deutlichsten, denn bei den anderen wurde überall noch etwas aufgedeckt, wo ich eindeutig auch sagen würde, das muss man nicht sofort als harmlos abtun, da kann man nochmal hintergucken. Luca war aber bis zum Ende quasi Mutter Teresa und es ging nur um unterschiedliche Wahrnehmung. Insgesamt ist die Brutalität der Taten auch nicht passend zu den ‚Verbrechen‘. Vielleicht wäre hier eine Schippe drauf noch besser gewesen. Dazu ist der eigentliche Täter mir nach der Enthüllung auch zu kurz gekommen.

Dennoch ist es am Ende wegen der verschiedenen Perspektiven durchaus spannend geworden, weil ich auch nicht vorausahnen konnte, auf welchem Niveau es jetzt zu einem Ende führt. Für die Liebesgeschichte ist der Bogen auch rund genommen worden. Zumal die beiden ab einem bestimmten Punkt auch schonungslos ehrlich waren. Das war mir wichtig, weil es auch mögliche Verdächtigungen ausgeräumt hat und weil ich auch den Eindruck hatte, jetzt ist es echt und jetzt kann es wirklich losgehen.

Fazit: Der zweite Band zu „One of Six“ kann die Stärke des ersten Teils leider nicht halten. Knackpunkt Eins ist der Einstieg, weil es dort zu lange braucht, wieder die spannende Atmosphäre zu kreieren. Knackpunkt Zwei ist dann der Grund hinter den Taten und wie alles wirklich ideal zusammenpasst. Es ließ sich gut lesen und ich sehe auch am Ende das riesige Potenzial noch, aber es hatte nicht die Energie des ersten Bands.

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