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Veröffentlicht am 29.10.2025

Seelenheilen in den Schären

A Dancer's Kiss (Broken Artists, Band 2)
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Rebekka Weiler habe ich mit der „Broken Artists“-Reihe für mich entdeckt, deswegen war klar, dass ich bei „A Dancer’s Kiss“ natürlich gerne wieder dabei war. Die gemeinsame Geschichte von Mats und Nele ...

Rebekka Weiler habe ich mit der „Broken Artists“-Reihe für mich entdeckt, deswegen war klar, dass ich bei „A Dancer’s Kiss“ natürlich gerne wieder dabei war. Die gemeinsame Geschichte von Mats und Nele ist im ersten Band schon ordentlich angedeutet worden, sodass ich sehr gespannt war, was wir da alles erfahren und miterleben.

Dass Mats Nele in einer schicksalsträchtigen Nacht begegnet ist, das wussten wir bereits, dementsprechend war es von Weiler wichtig, dass sie genau diese Begegnung uns aus beiden Perspektiven erzählt. Es war eine höchst ungewöhnliche Entwicklung, die aber schon unheimlich viel über beide Figuren verraten hat, was ich als sehr positiv wahrgenommen habe. Mats ist echt eine ganz wunderbare Figur. Weil er von Anfang an Empathie bewiesen hat und sich eben nicht auf das fokussiert hat, was seltsam war, sondern auf das, was er intuitiv gefühlt hat. Bei Nele war wiederum offensichtlich, was ihr passiert sein muss und trotzdem wollte man natürlich wissen, wie alles zusammenhängt und wie sich der emotionale Kampf von ihr darstellt. Dieser Schwerpunkt des Buchs ist in dieser Art auch sehr ungewöhnlich, wie ich finde und spätestens mit dem Nachwort von Weiler ist auch klar, warum das Thema sich regelrecht aufgedrängt hat. Es trägt zur Authentizität bei und es hat schließlich eine Aufgabe, die der Autorin am Herzen liegt und das weiß ich sehr zu schätzen.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch erstmal ein paar Kritikpunkte einwerfen. Auch Selina Mae hat zuletzt in einer Reihe ihre beiden Protagonisten aus allem rausgebrochen und in den Urlaub verfrachtet. Das schafft natürlich Intimität, das schafft ohne Ende gemeinsame Momente und hat definitiv etwas für sich. Bei einem Einzelband würde ich auch gar nichts sagen, denn dann kennt man das ‚mehr‘ dahinter nicht und ist zufrieden mit dem, was man angeboten bekommt. Aber hier haben wir durch das WG-Leben im ersten Band schon einen Eindruck bekommen, wie es funktioniert, wenn die ganzen Figuren aufeinandertreffen und was das auslöst. Das ist durch das Ferienhaus von Mats Familie natürlich völlig weggenommen. Yva ist zwar durch Gespräche dabei und auch Mats ist bemüht, den Kontakt zu Linus zu halten, sodass wir schon Andeutungen zu seinem Gemütszustand für Band 3 bekommen. Aber dieses Miteinander, was auch die Liebesgeschichte in Band 1 ausgemacht hat, fehlt hier deutlich. Bei Nele habe ich speziell auch darüber nachgedacht, dass gerade ihre familiären Verbindungen so lange etwas nur aus Erzählungen bleibt. Man erlebt da wenig. Hier sieht man also deutlich ein Für und Wider für die Urlaubsidee.

Denn natürlich war es positiv, dass wir nach dem Innenstadtleben in Stockholm nun eine andere Welt in den Schären bekommen. Wenn ich an Schweden denke und von einem möglichen Urlaub dort träume, da will ich auch diese Gegensätze kennenlernen. Es war auch eine wirklich unglaubliche Ruhe, die das Ferienhaus mitsamt Umgebung ausgestrahlt hat. Dazu fand ich es echt fürs Herz, wie viel aus Mats Kindheit wieder aufgelebt wurde. Wenn man die unbeschwerte Kindheit auch mal so sehr vermisst wie ich, da ist es schon wunderbar zu sehen, wie man sowas immer wieder rekreieren kann.

Die gemeinsame Zeit im Ferienhaus wird dann effektiv genutzt, um sich Neles Trauma zu widmen. Ich war in ihrer Haut noch nicht, deswegen kann ich nicht beurteilen, wie realistisch das in Hinblick auf Zwischenschritte und Tempo ist, aber es fühlte sich einfach sehr real an. Ich war gerne dabei, auch wenn es fast die falschen Begriffe dafür sind, weil es natürlich auch hart ist, aber das Miteinander von Mats und Nele macht es intensiv. Diese beiden Figuren sind sich einfach genau richtig begegnet und konnten sich so helfen. Zum Abschluss habe ich nochmal kleinere Kritikpunkte. Die Geschichte von Nele ist auf jeden Fall dominanter, aber Mats hatte eine Reise vor sich. Das war immer wieder zwischendurch zu erkennen, aber leider fiel das am Ende immer mehr raus. Genauso hat mir aber gefehlt, dass wir nach Neles Durchbruch nicht noch mehr Zwischenschritte bekommen haben. So gesehen hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte nochmal 50 Seiten gut vertragen hätte. Auch wenn es einen dritten Band noch gibt, in dem Nele und Mats sicherlich nochmal einen Auftritt haben werden, aber es wird nicht mehr ihre Geschichte sein, dementsprechend bleiben die entstandenen Fragen wohl leider offen.

Fazit: „A Dancer’s Kiss“ hat für mich bewiesen, dass ich Rebekka Weiler weiterhin im Auge behalten werden. Sie hat sich nämlich erneut einem sehr sensiblen Thema gewidmet und es einnehmend und berührend verarbeitet. Die Charakterarbeit ist die große Stärke. Es war etwas schade, dass alles so isoliert von anderen Figuren stattfindet und es gab angedeutete Themenfelder, die dann fallen gelassen wurden, aber unterm Strich werde ich mir Band 3 keinesfalls entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Persönlich und etwas überhastet

Falling Like Stars
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Der persönliche Schicksalsschlag von Emma Scott, der ist mir sehr ans Herz gegangen und wenn ich seitdem ein neues Buch von ihr lese, dann geht das irgendwie wo ganz anders hin. Denn schon vor dem Nachwort ...

Der persönliche Schicksalsschlag von Emma Scott, der ist mir sehr ans Herz gegangen und wenn ich seitdem ein neues Buch von ihr lese, dann geht das irgendwie wo ganz anders hin. Denn schon vor dem Nachwort war einfach zu spüren, wie viel Persönliches in „Falling Like Stars“ eingewoben waren. Ich bewundere sie einfach sehr für ihren Mut und ihre wiedergefundene Stärke und hoffe, dass sie uns als begeisterte Leser noch lange mit ihren Liebesgeschichten berührt.

Fantasy von Emma Scott, das war nicht so meins, aber mit „Falling Like Stars“ ist sie genau wieder da, wo ich sie lieben gelernt habe: eine Liebesgeschichte. Da es das erste Buch ist, das sie nach ihrem persönlichen Verlust geschrieben hat, kann ich auch verstehen, dass es ein Standalone ist, weil es inhaltlich ganz deutlich eine Aufgabe hatte. Das ist vor allem mit Hauptfigur Rowan verbunden, die ebenfalls einen schweren Verlust erlebt. Es ist gleich für den Einstieg in die Geschichte eine echte emotionale Hausnummer, die aber zeigt, so ist das Leben. Alles scheint gut oder zumindest zu bewältigen und dann schlägt das Schicksal zu. Danach haben wir einen Zeitsprung und wir erleben Rowan als junge Frau, die sich alles verbietet, was sie sich einst erträumt hat, weil sie Schuldgefühle der Überlebenden hat. Scott hat im Nachhinein zugegeben, dass in diesem Teil viel ihrer eigenen Gedankenwelt drinsteckt und das habe ich mir beim Lesen schon gedacht. Man merkt einfach, wenn sich etwas echt anfühlt, entweder weil man das Gefühl selbst kennt oder weil es so intensiv ist, dass es auf mich als Leserin selbst übergeht, dass es nicht aus der Luft gegriffen sein kann.

Ich fand angesichts von Rowans Lebensgeschichte gut, dass sie nicht als verletzliches Püppchen erzählt wurde, das im Leben angeleitet werden muss. Nein, sie hat sich tough und mit Durchhaltevermögen entwickelt. Sie hat aufgrund ihres Traumas eine verdrehte Gedankenwelt, aber sie ist absolut überlebensfähig. Genau deswegen hat für mich dann die Liebesgeschichte auch gut funktioniert. Natürlich ist Zach als Protagonist auch ein echtes Goldstück, aber trotz seines Berufs war es von Anfang eine Begegnung auf Augenhöhe. Er musste sie nicht retten und das habe ich erleichtert zur Kenntnis genommen. Das hätte man nämlich leicht anders erzählen können. Ich muss an dieser Stelle einwenden, dass ich nicht auf so eine emotionale Ebene gekommen bin, wie ich das bei Scott-Büchern schnell erreichen kann, aber das liegt einfach daran, dass ein sehr stetiges Erzähltempo da ist und manchmal wäre Luft holen besser gewesen. Es passiert zwar nicht alles innerhalb weniger Tage oder Wochen, nein, wir haben einen größeren Zeitrahmen, aber es fühlt sich anders an. Und wenn ich weiß, was Scott kann, dann weiß ich auch, dass sie diese Tiefe und das Luft holen kann. Der letzte Funke fehlte so unterm Strich.

Kommen wir aber zurück zum Pärchen. Rowans Weg, wie sie sich Hilfe sucht, auch hier ist mit viel Authentizität gearbeitet worden (auch hier Stichwort Nachwort). Genauso fand ich es aber bewegend, welchen Knackpunkt sich Scott für Zach ausgedacht hat. Er hat eine so tolle Familie, die es als Anker brauchte und deswegen musste etwas anders her. Das Thema ist allgemein so wichtig, aber es ist genauso wichtig, dass es auch Männer betrifft. Hier war dann clever, dass Zach berühmt ist, weil es dieses ‚wem glaubt man‘ auf die Spitze getrieben hat. Auch wenn es schwer zu lesen war, aber Hut ab für die Darstellung. Ich fand auch das ganze Filmbusiness sehr gut dargestellt. Alles rund um die Preisverleihungen war leicht übertrieben, aber alles andere hat die Welt überhaupt nicht rosarot gezeichnet, sondern sehr realitätsnah. Sowohl der Einfluss von Social Media, aber auch der Druck durch ein Team aus Agenten, Manager etc. Die Welt lässt sich gerne als wunderschön gestalten, aber so war es genau so, wie die ganzen Skandalen in der realen Welt es uns immer wieder beweisen.

Fazit: „Falling Like Stars“ ist eine sehr persönliche Geschichte von Emma Scott, weswegen vor allem die Entwicklungen der beiden Hauptfiguren individuell sehr berührend waren. Als Paar zusammen habe ich schon was ganz anderes der Autorin geboten bekommen. Da wäre Luft holen mal nötig gewesen, aber einzelne Momente waren dennoch sehr fürs Herz.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Zunehmend spannend, ansonsten schwächelnd

Falling in too deep
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„Falling in to deep“ hat mich angesichts der aufkommenden Herbststimmung gereizt. Auf der einen Seite kann ich da gut mehr gemütliche Bücher vertragen, auf der anderen Seite aber dann auch mehr Thrill. ...

„Falling in to deep“ hat mich angesichts der aufkommenden Herbststimmung gereizt. Auf der einen Seite kann ich da gut mehr gemütliche Bücher vertragen, auf der anderen Seite aber dann auch mehr Thrill. Dementsprechend schien Romantic Suspense die perfekte Mischung zu sein. Inmitten eines Campos mit einem Mysterium auch eine schöne Liebesgeschichte erzählt bekommen.

Gerne einführend möchte ich schon erwähnen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Das lag zunächst vor allem am Einstieg. Der war gleich doppelt schwierig. Zum einen mochte ich das Layout einfach nicht. Es war zu viel Text und auch wenn das beim Lesen unvermeidlich ist, Text zu haben, so erschlägt es mich optisch schnell, wenn es nicht genug Absatzschaltungen etc. gibt. So fühlt es sich dann rein vom Gucken her schon zäh an. Aber auch der Inhalt wollte nicht so recht in Gang kommen. Wir haben zwar die ersten Posts, die sich damit beschäftigen, wo unsere zentrale Protagonistin ist; die sollten also schon Lust auf mehr machen. Aber die Einführung in das Camp, Ivas naive Art, die sich sofort auf Ishaans Aussehen fixiert. Ich fand die Mischung hier nicht ideal. Gerade am Anfang hätte schon mehr in die Stimmung investiert werden müssen. Vielleicht war das durch Ivas Perspektive an der Stelle echt schwierig, weil sie offensichtlich rosarot unterwegs ist, aber vielleicht hätte es andere stilistische Momente gegeben.

Die gute Nachricht ist, dass ich mich zum einen an Isabell Linns Schreibstil gewöhnt habe. Alleine optisch vom Text erschlagen zu werden, störte mich nicht mehr so, und es kam auch zunehmend Spannung auf. Es ist keinesfalls mit einem klassischen Thriller zu vergleichen, aber es gab interessante Fragen, es gab auch zwischendurch immer wieder Enthüllungen, sodass ich immer lieber bei der Stange geblieben bin, um nun zu erfahren, wie es denn ausgeht. Das hat Linn also clever hinbekommen. Auf der inhaltlichen Ebene war es aber durchgängig schwierig. Ein Aspekt, der mir zu wenig war, war die Beleuchtung von Social Media. Das gesamte Camp in Portugal lebt von diesem Einfluss und es ist klar, dass die Autorin das genutzt hat, um einen kritischen Blick darauf zu werfen. Aber wie kritisch war es wirklich? Über die Charaktere, die alle eine große Follower-Schar haben, aber null so sind wie ihre realen Ichs, ja, das ja, aber Iva war lange so verliebt in alles, was damit verbunden ist, nur um am Ende dann 180° Wende zu machen. Ich hätte mir eine kritische Betrachtung intensiver gewünscht, vor allem auch nicht so einseitig, dass es entweder nur toll oder nur schlecht ist.

Iva leitet uns durch die Geschichte und sie ist damit die wichtige Figur. Es passiert gar nicht so selten, dass ich mich schon mal schwer tue mit diesen Rollen, aber ist ja auch klar, man ist so mit ihnen drin, dass man ihre Ecken und Kanten deutlicher sieht. Hier war für mich aber das Problem, dass Iva so dominiert war durch ihre Schwärmereien für Jungs. Erst Ishaan, dann Luan. Beide sind keine Green Flag-Bookboyfriends. Das ist gar kein Kritikpunkt, aber gerade wenn es viele graue Seiten gibt, dann brauche ich bei der Protagonistin auch einen reiferen Umgang damit. Ich fand sie wirklich unfassbar naiv und das hat dann dafür gesorgt, dass ich von den Liebesgeschichten großen Abstand genommen. Das war nicht meins, da kann ich dann nicht mitfiebern, egal, wie groß das Potenzial vielleicht gewesen wäre. Iva hatte auch sehr mutige Stellen, in denen sie wichtige Infos gesammelt hat, aber an anderen Stellen war sie sich null dessen bewusst, was die Konsequenzen sind. Das ist wohl real, aber ich wollte das hier so einfach nicht lesen.

Ansonsten war schon damit zu rechnen, dass in so einer Buchreihe viele suspekte Figuren dabei sein müssen, damit man sie alle mal verdächtigt. Da gab es dann schon einige Überraschungen, aber auch hier hat man einfach gemerkt, dass der Ausbau der Figuren irgendwann eingestellt wurde. Luan und Iva nehme ich mal aus, das war sehr intensiv, aber alle anderen, da hat sich Iva damit zufrieden gegeben, dass sie ihr Leben schon von Social Media kannte. Richtig geredet hat sie aber kaum mal mit wem. Dementsprechend war am Ende dann enorm viel auch übereilt. Die Zeit, die man am Anfang hätte rausnehmen können, hätte man hier investieren müssen. Ich bin mit der Auflösung zufrieden. Alle Fragen wurden beantwortet, aber es gab keinen idealen Weg dorthin.

Fazit: „Falling in too deep” von Isabell Linn hat mich leider nicht überzeugen können. Die ganze Idee war gut und hat mich hoffnungsvoll gemacht, aber unterm Strich war es in vielen Bereichen zu wenig. In der Figurengestaltung, wie war die Liebesgeschichte und wie baut man alles auf. Gut war die zunehmende Spannung, die lässt einen durchlesen.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Als Hörbuch ein echtes Erlebnis

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1)
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Ich kann mich noch an die Anfangszeiten mit Kyra Groh erinnern. Da war sie bei Forever noch eine kleine Nummer, aber ich fand die Titel immer schon super lustig und genauso ließen sich dann auch die Bücher ...

Ich kann mich noch an die Anfangszeiten mit Kyra Groh erinnern. Da war sie bei Forever noch eine kleine Nummer, aber ich fand die Titel immer schon super lustig und genauso ließen sich dann auch die Bücher sowie ihre Social Media-Beiträgen lesen. Einfach eine Autorin, mit der man sofort gerne befreundet wäre, weil kein Auge trocken bleibt vor Lachen. Deswegen ist es auch so genial, dass sie inzwischen richtig durch die Decke gegangen ist. Auch wenn ich nicht alles von ihr lesen konnte, zumal sie schreibt wie am Fließband, aber bei dem Auftakt ihrer neuesten Reihe, „The Pumpkin Spice Latte Disaster“, war ich jetzt gerne dabei.

Ich habe den Auftakt als Hörbuch gehabt und ich muss einfach sagen, wer gerne auch mal hört, dem kann ich nur allerwärmstens ans Herz legen, es hier auch mit der Hörbuch-Version zu probieren, denn diese ist ein echtes Erlebnis! Sarah Dorsel und Leonard Hohm habe ich beide das erste Mal gehört und ich kann nur sagen, immer gerne wieder. Dorsel war auf die ganze Art von Jude herrlich besetzt, weil sie das Schlagfertige, das Sprüchefeuerwerk und alles damit Verbundene spritzig-locker rübergebracht. Für mich die aber noch größere Entdeckung war Hohm als James. Da gab es so viele Szenen, in denen man regelrecht dachte, da spricht nicht nur jemand, da schauspielert jemand. Die ganzen witzigen Szenen wurden dadurch nochmal intensiviert und ich musste doch da sehr lachen.

Kommen wir jetzt aber zum eigentlichen Buch. Man merkt schon, dass sich Grohs Stil etwas geändert hat. Ihre ersten Forever-Titel habe ich immer abseits des Mainstreams empfunden. Während andere unbedingt alles ins Ausland als Setting verlegen mussten, waren Grohs Geschichten einfach herrlich deutsch. Ich fand sie sehr unangepasst und genau deswegen fiel sie auf. Mit größerem Marketing, aber natürlich auch mehr Schreiberfahrung kann sich vieles ändern und ich finde, dass man es der Reihe anmerkt. Aber kritisch sehe ich das keinesfalls. Kleinstadtfeeling in England, mehr konkret zu konstatierende Tropes, Titel, die ein Muster ergeben, das ist einfach heute Standard und es zieht an. Wem könnte ich das also vorwerfen, zumal mir eins ja auch am wichtigsten ist: Ich wollte immer noch Grohs unverkennbare Erzählstimme haben und die ist da. Ihre ganzen Geschichten, die schrulligen Figuren, die Dialoge, der ganze Humor, das fühlt sich wirklich herbstlich-gemütlich an.

Durch die Buchreihen bei Loewe Intensiv wurde auch schon deutlich, dass Groh Humor nicht mehr als einziges Markenzeichen sieht, sondern sich auch gerne mit tiefgründigeren Themen auseinandersetzt. Ich finde zwar, dass „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ das übertrieben bedient, aber es ist Tiefgang drin und das macht daraus insgesamt eine so reiche Geschichte. Jude ist als Charakter extrem weit weg von mir. Ihre Rastlosigkeit, ihre Unbeständigkeit, wie sie Beziehungen führt, und dennoch habe ich sie als Mensch so gut verstehen können. Spätestens die Erklärung, was einst in Lower Whilby passiert ist, rundet das Bild dann ab. Genauso ist aber auch James‘ wilde Familiengeschichte unterhaltsam und voller Entdeckungen. Und bei Paaren, die sich solche Wortgefechte liefern, da bin ich immer schnell am Haken. Zudem werden die nächsten Bände auch schon gut vorbereitet. Da habe ich richtig Brock drauf, wenn ich an das Potenzial schon denke.

Fazit: Kyra Groh ist in vielen Aspekten mehr Mainstream geworden, aber was für andere ein Nachteil ist, ändert bei ihr nicht ans der Qualität ihrer Bücher. „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ war als Hörbuch ein echtes Erlebnis und ich habe Grohs Stimme darin auch wunderbar wiedererkannt. Verrückte Geschichten mit viel Humor, aber auch Tiefgang, das habe ich erhofft und auch bekommen. Daher geht eine dicke Empfehlung raus!

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Die Mischung macht's

Lügennebel
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Ich fand es gut, als Viveca Sten eine neue Reihe angefangen hat. Langlebige Krimireihen müssen nicht ausgelutscht wirken, aber das Risiko ist da und mit der neuen Are-Reihe hat die Autorin einfach neue ...

Ich fand es gut, als Viveca Sten eine neue Reihe angefangen hat. Langlebige Krimireihen müssen nicht ausgelutscht wirken, aber das Risiko ist da und mit der neuen Are-Reihe hat die Autorin einfach neue Impulse gesetzt. Dennoch war schon bei Band 3 ein etwas genervtes Gefühl da, weswegen „Lügennebel“ als Band 4 jetzt schon sehr wichtig für mich war. Ist die neue Reihe schneller auf meinem roten Radar als mir lieb ist?

Ein großer Kritikpunkt im letzten Band war die sich anbahnenden Gefühle zwischen Daniel und Hanna. Ich habe nicht grundsätzlich ein Problem damit, wenn aus beruflichen Partnerschaften mehr wird, aber es ist für mich keinesfalls ein Zwang, der storytechnisch angeboten werden muss und es ist keinesfalls etwas, das erzeugt werden kann, wenn die Chemie nicht stimmt. Da die Bände immer viel Zeit überbrücken, ist es wirklich schwierig, die Alltags-Zusammenarbeit zwischen Daniel und Hanna einschätzen zu können. Mir auf jeden Fall schnell klar, dass die Schwärmerei eher aus dem Nichts kam. Zumal dann auch Ida als Daniels Partnerin sehr viel Raum eingenommen hat und immer wieder denselben Konflikt zu erleben, das war irgendwann anstrengend. Jetzt sind wir mit „Lügennebel“ aber wieder auf Null und es gab neue Impulse sowie Entwicklungen, die ich sehr positiv einschätze. Das Privatleben spielt wieder eine große Rolle, aber es ist diesmal alles besser austariert.

Hanna in ihrer neuen Beziehung war auf jeden Fall etwas überraschend. Auch wenn es sich mit ihr und Henry angedeutet hatte, aber diese langanhaltende Beziehung war jetzt so für mich nicht zu erwarten. Aber es ist einfach völlig neu, es beleuchtet die Mutter-Tochter-Beziehung von Hanna anders und es macht sie zu derjenigen im Zwiespalt. Bei Daniel verlieren wir Ida als ständig nervige Stimme im Ohr, das war eine große Erleichterung. Als die Mutter des gemeinsamen Kinders gehört sie weiterhin dazu, aber sie ist nicht mehr so entscheidend. Auch Anton bekommt wieder viel Zeit eingeräumt und bei ihm gibt es den nächsten großen Schritt zu erzählen. Auch hier viel Konsequenz und ein nachvollziehbarer Aufbau. Das Thema der möglichen Liebesgeschichte bleibt weiter präsent, aber ich bin schon froh, dass es hier noch ein Zwischenintermezzo gibt und nicht alles völlig überstürzt angegangen wird.

Kommen wir jetzt zum Fall, bei dem ich auch mit wenigen Tagen Abstand zum Lesen noch nicht völlig sicher bin, was ich denken soll. Zunächst finde ich, dass der sehr eng gewählte Personenkreis, der überhaupt mit dem möglichen Verbrechen zu tun haben kann, risikoreich ist. Je weniger Verdächtige zur Auswahl, desto leichter könnte es fallen, den Ausgang der Ermittlung richtig zu ahnen. Sten hat es aber insofern geschickt abgeschwächt, dass sie einfach mehrere verschiedene Arten von Verbrechen eingeflochten hat. So gab es mehrere Ermittlungen und die Frage, gibt es einen Täter für alles oder verschiedene, wovon einzelnes sogar nicht mal zusammenhängen muss?! Trotz dieses Kniffs im Erzählen war der Fall für mich nicht so spannend aufgebaut, wie ich es auch anderen Büchern von Sten kenne. Sie ist nie die absolute Spannungsqueen, weil es bei ihr auch schon mal gemütlicher zugeht, aber es gibt einfach Fälle, die durchgehend mitziehen. Hier war etwas wenig Zug dabei und trotzdem ließ es sich echt flott lesen.

Wir haben auch viele Perspektiven, dass wir einmal die Dynamik der Clique haben, wir haben aber auch die Nachbarn und wir haben dazu das Ermittlungsteam. Insgesamt wurde also die etwas fehlende Spannung beim Fall durch den großen Mischmasch aufgefangen. Es gab ständig was Neues zu erleben, das war wichtig. Am Ende bleibt für mich aber die große Frage, haben wir den Fall überhaupt richtig aufgeklärt? Die Ermittlungsakte wurde am Ende geschlossen. Aber es gab noch genug Zweifel, was nicht alles passiert sein könnte. Es ist ungewöhnlich, ein doch so offenes Ende zu haben. Aber es ist wohl realistisch, denn woher wissen wir immer, dass Verbrechen bis in alle Details aufgeklärt wurden? Als Leserin habe ich gerne alles bis in letzte Fitzelchen erklärt, aber ich kann mir vorstellen, dass man im Beruf bei der Polizei immer weiß, dass Fragezeichen bleiben werden.

Fazit: „Lügennebel“ ist zum Glück wieder stärker als der unmittelbare Vorgänger. Zwar hat das Privatleben wieder viel Raum eingenommen, aber es gab neue Impulse, es gab logische nächste Schritte und das hat mich unterhalten. Der Kriminalfall hat mich nicht völlig mitreißen können, aber im Gesamten habe ich einen guten Krimi mit vielen inhaltlichen Aspekten bekommen.

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