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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2021

Eine interessante Lebensgeschichte

Sturmvögel
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Zum Inhalt:
Emmy wird 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel geboren. Liebevoll wird sie von ihren Eltern aufgezogen und ihr Vater ist damals schon der Meinung, dass ein Mädchen selbstbewusst durchs Leben ...

Zum Inhalt:
Emmy wird 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel geboren. Liebevoll wird sie von ihren Eltern aufgezogen und ihr Vater ist damals schon der Meinung, dass ein Mädchen selbstbewusst durchs Leben gehen muss und Bildung braucht. Aber leider kommt es anders als alle denken, Emmy muss die Schule abbrechen um nach dem Tod ihrer Mutter sich um die Geschwister und den Vater zu kümmern. Als auch dieser kurz darauf stirbt wird Emmy nach Berlin in Stellung gegeben. Doch Emmy lässt sich nicht unterkriegen, liebt das Leben und hat ihren gesunden Menschenverstand. 1995 wird Emmy von ihrer ältesten Tochter Hilde immer mehr betüddelt, was Emmy, die immer noch rüstig und agil ist, nicht so ganz passt. Als Hilde eines Tages im Keller einen Ordner mit Unterlagen findet, forscht sie mit ihrem Bruder Otto heimlich nach und erfährt so, dass ihre Mutter doch so einiges zu vererben hat. Voller Vorfreude planen die beiden schon wie sie das Geld ausgeben können, doch sie haben ihre Rechnung ohne Emmys Pläne gemacht.

Meine Meinung:
Das Cover mit dem Schiff und dem Vogel steht in Zusammenhang mit dem Buchtitel. Emmys Vater war Walfänger und damals wurden sie auch Sturmvögel bezeichnet, die oft lange von zu Hause weg waren. Der Schreibstil ist flüssig und geprägt von einer gewissen Spannung mit der ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Zu sehr wollte ich wissen wie Emmy ihr Leben meistert, gewachsen an zwei Kriege, was es mit dem gefundenen Ordner auf sich hat und was Emmy für Pläne mit dem Inhalt des Ordners hat. Erleben dürfen wir also Emmy um 1995 in ihrem betagten Alter aber auch ihr gesamtes Leben ab ihrer Geburt, diese Zeiten wechseln sich in dem Buch mit der sogenannten Jetzt-Zeit und der Vergangenheit ab. Emmy und ihr Leben hat mich von Anfang an fasziniert, sie ist wissensdurstig und manchmal Vorlaut sie suhlt sich nicht in Mitleid sondern packt an und weiß sich in den richtigen Momenten zu behaupten. Sie ist eben ganz, wie schon der Satz am Anfang den die Autorin ihrer Großmutter widmete: „Eine kleine Frau ganz groß“. Die Charaktere sowie die Umstände in den jeweiligen Zeiten wurden realistisch beschrieben und ich konnte mich gut hinein versetzen. Gerade jetzt, wo wir das letzte Jahr alle etwas zurückstecken mussten, sollten wir uns ein Beispiel nehmen an Frauen wie Emmy, die es nicht leicht hatten und trotzdem nie gejammert haben.

Fazit:
Eine Lebensgeschichte die für interessante Lesestunden garantiert über eine starke Frau, die sich zu behaupten weiß und selbst in schwierigen Lebenslagen ihren Humor nicht verliert.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Lieber Edward, lebe dein Leben

Der Morgen davor und das Leben danach
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Zum Inhalt:
Ein Umzug steht der Familie Adler bevor. Während die Umzugswagen bereits unterwegs sind, betritt die Familie das Flugzeug in New York, das sie zu ihrem neuen Domizil nach Los Angeles bringen ...

Zum Inhalt:
Ein Umzug steht der Familie Adler bevor. Während die Umzugswagen bereits unterwegs sind, betritt die Familie das Flugzeug in New York, das sie zu ihrem neuen Domizil nach Los Angeles bringen soll. Edward, sitzt mit seinem Bruder Jordan und seinem Vater in der 2. Klasse, während ihre Mutter einen Platz in der 1. Klasse hat da sie noch an einem Drehbuch arbeiten muss. Doch das Flugzeug kommt nie an seinem Bestimmungsort an. 192 Passagiere verlieren ihr Leben, einziger Überlebender ist der 12-jährige Eddie, der nach dem Absturz nur noch Edward genannt wird. Seine Tante Lacey und sein Onkel John nehmen Edward auf. Doch wie soll Edward nach diesem schweren Unglück weiter leben? Wie gut das er in Shay, dem Nachbarsmädchen eine sehr gute Freundin findet.

Meine Meinung:
Ann Napolitano beschreibt in diesem Buch was an diesen ganz normalen Morgen bis zu dem Absturz der Maschine passiert ist. So lernen wir einige Passagiere etwas näher kennen, unter ihnen die junge Linda, die auf den Weg zu ihren Verlobten ist. Florida, eine Frau die meint sie habe schon mehrere Leben hinter sich, Benjamin der Soldat mit seiner Verletzung und noch einige mehr. Der Roman ist abwechselnd im Morgen davor und dem Leben von Edward danach geschrieben so erfährt der Leser erst recht spät was zu dem Absturz der Maschine geführt hat. Edwards Leben danach ist so realistisch beschrieben, der stumme Schmerz, seine Gedanken ja auch der Druck auf ihn, den er verspürt als die Angehörigen Forderungen an sein Leben stellen, das alles konnte ich sehr gut nachvollziehen. Die Autorin gibt aber nicht nur Edward eine Stimme sondern denkt auch an die anderen Passagiere und deren Angehörige. Sie zeigt wie schwer so ein Verlust ist und wie langwierig die Trauerarbeit, vor allem bei so einem Verlust bei dem man selbst als einziger überlebt, sein kann. Authentisch begleitet der Leser das Leben von Edward nach dem Absturz, erfährt wie er verzweifelt aber durch die tiefe Freundschaft mit Shay und die Liebe von Lacey und John langsam wieder zum wirklichen Leben zurück findet.

Fazit:
Kein Roman mit großer, rührseliger, actionreicher Dramatik, sondern eine leise, glaubwürdige Erzählung eines furchtbaren Schicksals.

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Veröffentlicht am 29.04.2021

Gottes Wille?

Dein ist das Reich
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Zum Inhalt:
Die evangelische Diakonissenanstalt Neuendettelsau bildet Missionare aus und entsendet diese ins „Kaiser-Wilhelm-Reich“ nach Papua-Neuguinea unter Ihnen Heiner Mohr, das elfte Kind einer Bauernfamilie, ...

Zum Inhalt:
Die evangelische Diakonissenanstalt Neuendettelsau bildet Missionare aus und entsendet diese ins „Kaiser-Wilhelm-Reich“ nach Papua-Neuguinea unter Ihnen Heiner Mohr, das elfte Kind einer Bauernfamilie, der dort eine Kokosplantage für die Mission verwaltet, sowie den abenteuerlichen Missionar Johann Hensolt. Während Heiner nach 9 Jahren seine Verlobte Marie, die einst davon träumte Ärztin zu werden bevor man sie Heiner versprach, nachholt macht Johann bei einem Heimaturlaub die Bekanntschaft mit Nette, die eigentlich zurück nach Amerika wollte. In diesem neuen unbekannten Land kreuzen sich kurz die Wege dieser vier Menschen, jenseits der Zivilisation in der sie als Weiße die Macht haben und versuchen ihren Auftrag in gutem Glauben zu erfüllen. Eine schwierige Aufgabe in Zeiten von zwei Weltkriegen und einem unsicheren Frieden in denen es neue Aufbrüche und Abschiede gibt und sich politische und emotionale Verstrickungen entwickeln.

Meine Meinung:
Cover und Titel haben mich nicht sofort angesprochen, aber der Klapptext weckte meine Neugier. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da es Zeitsprünge mitten im Abschnitt gibt, die wörtliche Rede nicht sofort klar erkennbar ist und auch bei den Protagonisten sprunghaft gewechselt wird, dies hat mich aber nicht in meinem Lesefluss beeinträchtigt. Die Erzählerin ist eine Nachfahrin der beiden Missionarsehepaare, die zuerst nichts von den Geschichten hören will, im Erwachsenenalter aber umso mehr nachfragt, konstruiert und dabei das Ganze mit kritischen Auge betrachtet.
Der Autorin Katharina Döbler gelingt es anhand dieses ungewöhnlichen Familienromans von 1913 bis 1948 interessant zu erzählen wie die Missionare in ihrem christlichen Sendungsbewusstseins gehandelt haben und welchen Einfluss die politischen Strömungen und Rassismus auf ihr Leben nahm. Es war kein einfaches Leben und hatte auch Auswirkungen auf ihre Kinder, die zum Schulbesuch zurück nach Deutschland geschickt wurden und dadurch in eine Identitätskrise gerieten. Heiner zeichnet sich durch seinen Fleiß aus, während Marie nach immer höheren strebt. Johannes ist neugierig, träumt von einer landvölkischen Kirche, er versucht die christliche Botschaft in der Sprache und den Denk- und Lebensformen der Papua anzupassen (hier musste ich an den Missionar Christian Keyßer denken, dessen Lied auch in dem Buch erwähnt wird). Nette ist aufgeschlossen und beobachtet vieles kritisch. Ein durchweg bewegendes, interessantes und faszinierendes Buch das sich mit einem verschwiegenen Kapitel deutscher Geschichte befasst und mich dazu anregt mehr darüber zu lesen.

Fazit:
Ein interessantes nicht oft erwähntes Stück Geschichte in einem ungewöhnlichen Familienroman.

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Veröffentlicht am 09.04.2021

Mutterliebe

Der Verdacht
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Zum Inhalt:
Blythe ist glücklich mit ihrem Mann Fox, als endlich das ersehnte Baby auf die Welt kommt ist Fox ganz verzaubert von seiner Tochter Violet. Blythe jedoch kann keine großen Gefühle für ihre ...

Zum Inhalt:
Blythe ist glücklich mit ihrem Mann Fox, als endlich das ersehnte Baby auf die Welt kommt ist Fox ganz verzaubert von seiner Tochter Violet. Blythe jedoch kann keine großen Gefühle für ihre Tochter empfinden, denn Violet verhält sich ihr gegenüber immer ablehnend und macht ihr das Leben schwer sobald Fox das Haus verlässt. So kommt es, dass der Alltag für Blythe und Violet wie ein Kampf ums Überleben wird. Liegt das nun an Violet oder an Blythe, die selbst keine glückliche Kindheit hatte? Als Blythe ihren Sohn Sam zur Welt bringt erfährt sie die tiefen Muttergefühle, die sie sich bei Violet so sehr gewünscht hat. Auch der Alltag mit Violet bessert sich nun, bis eines Tages ein tragischer Unfall das Leben der Familie zerstört und Blythe sich mit einen schrecklichen Verdacht quält.

Meine Meinung:
Ein Plot, der ohne viele Protagonisten auskommt. Durch Rückblenden zu Etta, Blythes Großmutter und Cecilia, ihrer Mutter erfährt man was Blythes Mutter meinte mit dem Satz: „ Wir Frauen in der Familie sind anders“. Geschrieben ist die Story in der Vergangenheitsform, in der Blythe ihrem Mann Fox ihre Sicht der Dinge rückblickend erzählt. Die Autorin Ashley Audrain greift in diesem Buch ein Tabuthema auf, denn niemand erzählt einer schwangeren Frau, dass nicht immer sofort die tiefen Muttergefühle nach der Geburt entstehen. Man merkt hier auch Blythes verzweifelte Suche nach Müttern, denen es ähnlich wie ihr geht. Hatte ich zuerst das Gefühl, dass Violets Verhalten ihrer Mutter gegenüber daher rührt das Blythe sie irgendwie ablehnt, so sah ich mich jedoch im Laufe des Buches immer öfters mit der Frage konfrontiert ob es auch die Möglichkeit gibt das ein Kind von Anfang an manipulativ und böse sein kann. Der innere Zwiespalt in dem sich Blythe befindet ist authentisch dargestellt, sie liebt ihre Tochter auf ihre Weise, empfindet aber gleichzeitig wenig für sie da sie mit ihr nicht klar kommt. Dass sie aber zur Mutterliebe fähig ist, beweist sie bei ihrem Sohn Sam. Aber wie sieht es bei Violet aus? Hasst sie ihre Mutter oder ist sie psychopathisch veranlagt?

Mit Situationen die man unterschiedlich interpretieren kann und kleine Andeutungen in gewisse Richtungen, damit spielt die Autorin gekonnt in ihrem Debütroman.
Ein Buch das gleichzeitig berührt und schockiert und den Leser gleichermaßen in einen Zwiespalt seiner Gefühle stürzt. Düster und spannend geschrieben, fasst schon einem Psychothriller gleich wollte ich stets wissen wie es weiter geht und konnte deshalb das Buch nicht aus der Hand legen.

Fazit:
Debütroman mit einem Tabuthema das spannend und überzeugend umgesetzt wurde. Fesselnde Lesestunden garantiert.

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Veröffentlicht am 29.03.2021

Die Liebe zur Cousine

Wir bleiben noch
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Zum Inhalt:
Victor Jarno beendet seine kinderlose Ehe mit Iris. Seine Arbeit hat er gekündigt und will nur noch von seinem Ersparten leben. Liebevoll bereitet er den 99. Geburtstag seiner geliebten Großmutter ...

Zum Inhalt:
Victor Jarno beendet seine kinderlose Ehe mit Iris. Seine Arbeit hat er gekündigt und will nur noch von seinem Ersparten leben. Liebevoll bereitet er den 99. Geburtstag seiner geliebten Großmutter „Urli“ vor. Ein Familienfest bei dem auch seine Cousine Karoline, die erst kurzem aus Norwegen zurückgekehrt ist, ebenfalls teilnimmt. Vor der Feier verrät die Urli ihm noch wem sie ihr Haus vererbt und warum. Als gestandene Sozialdemokratin ärgert es sie genauso wie Victor das seine Mutter Irmgard und seine Tante Margarete immer mehr an dem Rechtsruck anlehnen. Schließlich waren alle in der Familie, schon seit dem Kaiserreich, Sozialdemokraten. Zwischen Victor und seiner Cousine Karoline entflammt eine Liebe, die die Familie nicht akzeptiert und als Victor nach dem Tod der Urli das Haus erbt zerbricht die Familie komplett.

Meine Meinung:
Das Cover mit dem Nilpferd, dem Titel und dem Farbspiel machte mich, genauso wie der Klapptext, neugierig. Der Schreibstil ist knapp gehalten oft mit wörtlicher Rede und auch mit dem Socialmedia der Nachrichtendienste gespickt. Weder zu Victor noch zu Karoline fand ich einen Zugang, beide blieben mir irgendwie unnahbar. Zu düster und bedrückend fand ich Victor, der allem Modernen entsagt und sich in dem Haus der Urli mit Karoline einigelt. Er blickt immer wieder in die Vergangenheit und ich hatte das Gefühl das eine Zukunft mit ihm nicht vorangeht. Karoline indes findet sich in dem Ort schnell zurecht und will auch die Zukunft des Ortes gestalten. Liebevoll nennt sie Victor, den letzten Sozialdemokraten. Was mich aber aufregt ist, das Victor nur jammert aber selbst nichts unternimmt. Gefallen hat mir das Zitat der Urli, die über ihre Töchter und die Menschen im Allgemeinen sagt: „Man kann doch in zwei, drei Jahren nicht einfach alles vergessen, was die Partei in hundertdreißig Jahren getan hat für die Menschen.“ Hier kann ich nur antworten: „ Im Vergessen sind wir Menschen sehr schnell“. Der Autor Daniel Wisser knüpft gekonnt das zeitpolitische Geschehen in Österreich in die Familiengeschichte ein. Nach und nach erfährt man Geheimnisse aus der Tiefe der Familie. Was mich aber ständig beschäftigt hat war die Frage, was der Autor mir mit dieser Geschichte mitteilen will? Das eine Liebe zwischen Cousin und Cousine im Rahmen der Gesetze erlaubt ist? Nun das kenne ich bereits aus meinem Umfeld. Dass die Menschen immer weiter nach Rechts rücken? Das können wir leider in allen Ländern beobachten. Bedauerlicherweise konnte mich das Buch nicht fesseln und ich hatte manchmal das Gefühl ich quäle mich durch die Seiten, zu langsam geht es vorwärts mit Victor und ich glaubte oft das er in tiefe Depressionen abstürzt.

Fazit:
Tiefgründige Familiengeschichte mit politischem Zeitgeschehen, die mich aber bedauerlicherweise nicht fesseln konnte.

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