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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2024

Tiefe Gedanken und eindrucksvolle Schilderungen

Am Himmel die Flüsse
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Der Roman "Am Himmel die Flüsse" von Elif Shafak ist kaum mit wenigen Sätzen zu beschreiben. Es stecken so viele interessante Gedankengänge, geschichtliche Hintergründe, naturwissenschaftliche Erkenntnisse ...

Der Roman "Am Himmel die Flüsse" von Elif Shafak ist kaum mit wenigen Sätzen zu beschreiben. Es stecken so viele interessante Gedankengänge, geschichtliche Hintergründe, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und spirituelle Weisheiten darin. Der Roman ist verwebt mit der Geschichte des Altertums - beginnend bei König Assurbanipal in Ninive, dem Gilgamesch Epos, das 19. Jahrhundert zu Zeiten der beginnenden Industrialisierung, die Verfolgung der Jeziden bis in die heutige Zeit. Durch allem zieht sich das Element Wasser als roter Faden und die Verflechtungen der Menschen, die entweder durch Hass oder durch Liebe eine Spur durch die Jahrhunderte legen. Vieles ist schockierend, weil die Autorin die dunkle Seiten des Menschen schonungslos präsentiert. Die Erschütterung, die die Autorin im Leser hervorruft, soll zum Aufrütteln dienen und uns daran erinnern, dass jede unserer Handlungen eine Wirkung hat. So wie das Wasser im ewigen Kreislauf gebunden ist, so dient auch unser Handeln als Fundament für die weitere Zukunft.

Ein Buch, für das man sich Zeit nimmt und was nachdenklich stimmt. Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Rückblick auf ein besonderes Lebenswerk

Lernen, den Tiger zu reiten
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Der körperorientierte Heilungsansatz "Somatic Experiencing" hat sich inzwischen weltweit als angesehene Methode etabliert. Die zahlreichen Bücher zu diesem Thema hat sicher schon jeder mal in der Hand ...

Der körperorientierte Heilungsansatz "Somatic Experiencing" hat sich inzwischen weltweit als angesehene Methode etabliert. Die zahlreichen Bücher zu diesem Thema hat sicher schon jeder mal in der Hand gehabt, der sich mit Traumabewältigung beschäftigt. Das jetzige Buch zeigt nun auch den Begründer dieser Methode, Peter A. Levine, von einer ganz neuen Seite: Der Leser wird zurück in die Kindheit des Autors geführt und begleitet diesen bei den zum Teil schockierenden Erlebnissen. Dem folgt die stückweise Bewältigung, die fast sein gesamtes Leben in Anspruch nimmt. Der "Tiger" - als Sinnbild für die erfahrene Bedrohungssituation - ist als Angstmuster abgespeichert. Durch spirituelle Erfahrungen, Unterstützung von anderen Menschen und seiner unermüdlichen Wissbegier, lernt der Autor, die Energie des Tigers als eigene Kraft zu nutzen. Er wird angetrieben von einer Sehnsucht, eine Heilmethode zu entwickeln, die eine Brücke zwischen schamanischen Wissen und moderner Medizin schlägt. Der beschriebene Lebensweg wird schonungslos offen und mit intimen Einblicken geschildert. Bemerkenswert ist die ehrliche und - trotz seiner Errungenschaften - sehr demütige Darstellung seines Lebens mit all seinen Schwächen und Defiziten. Fazit: Absolut empfehlenswert für alle, die sich ansatzweise für Psychologie, alternative Heilmethoden oder Traumabewältigung interessieren.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Vom Annehmen & Liebe schenken

Gemeinsam, anders, glücklich
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Uli Hauser hat mit „Gemeinsam, anders, glücklich“ ein beeindruckendes und berührendes Buch geschrieben, das einen tiefen Einblick in das Leben seines Bruders Johannes und die Herausforderungen des Alltags ...

Uli Hauser hat mit „Gemeinsam, anders, glücklich“ ein beeindruckendes und berührendes Buch geschrieben, das einen tiefen Einblick in das Leben seines Bruders Johannes und die Herausforderungen des Alltags einer Familie mit einem behinderten Kind gibt. Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen, die weit über das übliche Verständnis von Geschwisterbeziehungen hinausgeht. Der Autor, der sieben Jahre alt war, als sein Bruder Johannes mit einer Behinderung geboren wurde, schildert auf sehr persönliche Weise, wie es ist, mit einem Bruder aufzuwachsen, der „anders“ ist. Johannes, der mit Spastiken und Skoliose lebt, kann nicht so spielen wie andere Kinder und benötigt häufig Unterstützung. Diese Szenen des Alltags, die detailliert beschrieben werden, geben dem Leser einen intimen Einblick in das Leben der Familie Hauser.

Ein zentrales Motiv im Buch ist das Fahrradfahren, das eine besondere Bedeutung für die Beziehung der beiden Brüder hat. Das Paralleltandem wird zu einem Symbol für Freiheit und die enge Bindung zwischen Uli und Johannes, es schweißt die beiden noch stärker zusammen und schenkt ihnen unvergessliche Momente der Unbeschwertheit.

Hauser gelingt es, den Leser dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Zusammenleben auf Augenhöhe ist und welchen Wert Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft haben. Gleichzeitig ist das Buch auch ein Appell dafür, dass der liebevolle und selbstverständliche Umgang mit Menschen mit Handicap noch lange nicht so selbstverständlich ist, wie er sein sollte.

Hauser beschreibt nicht nur die Träume, Wünsche und Ängste seines Bruders Johannes, sondern zeigt auch auf, wie wichtig es ist, jeden Menschen mit Respekt und Liebe zu behandeln, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder Einschränkungen. Dieses Buch rüttelt auf, bewegt und inspiriert zugleich.

„Gemeinsam, anders, glücklich“ ist eine kraftvolle und bewegende Lektüre, die zeigt, dass man auch dann viel im Leben erreichen kann, wenn man nicht so ist wie alle anderen. Es ist ein Buch, das Mut macht, die Welt mit anderen Augen zu sehen, und das dazu aufruft, als Gesellschaft zusammenzuwachsen.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Im Spannungsfeld von Politik, Tradition und Liebe

Schwestern im Geiste
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"Schwestern im Geiste" von Marie Pierre ist der zweite Band der Trilogie „Das Pensionat an der Mosel“ und überzeugt mit einer fesselnden Fortsetzung der Geschichte rund um Pauline Martin und ihr Internat ...

"Schwestern im Geiste" von Marie Pierre ist der zweite Band der Trilogie „Das Pensionat an der Mosel“ und überzeugt mit einer fesselnden Fortsetzung der Geschichte rund um Pauline Martin und ihr Internat für höhere Töchter. Obwohl der Roman auch eigenständig lesbar ist, empfiehlt es sich, zunächst den ersten Band „Töchter des Aufbruchs“ zu lesen, um die Charakterentwicklung von Anfang an zu verfolgen.

Die Handlung spielt im Februar 1911 im Reichsland Elsaß-Lothringen, einer Region, die zu dieser Zeit durch kulturelle und politische Spannungen geprägt war. Pauline Martin führt weiterhin das Pensionat, unterstützt von der neuen Lehrkraft Rhona O’Meally, einer ambitionierten Irin. Die vielfältige Herkunft der Internatsmädchen führt zu Konflikten und Unruhen, und die Lage wird durch Diebstähle und politische Spannungen außerhalb des Internats weiter verschärft. Als der Ruf des Pensionats bedroht wird, tritt erneut der preußische Hauptmann Erich von Pliesnitz in Erscheinung, um zu helfen.

Marie Pierre versteht es meisterhaft, die LeserInnen durch ihren leichten und angenehmen Schreibstil in die Geschichte hineinzuziehen. Schon nach wenigen Seiten ist man tief in die Handlung und das Leben der Protagonisten eingetaucht. Die Wahl von Ort und Zeit – das historische Lothringen zur Zeit des deutschen Kaiserreichs – ist nicht nur gut recherchiert, sondern wird auch authentisch und detailreich dargestellt. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Autorin das Alltagsleben, die Sitten und Bräuche sowie die Gedankenwelt der Menschen jener Zeit schildert. Dadurch gelingt es ihr, die inneren Zerrissenheiten und Herausforderungen der Charaktere glaubhaft und nachvollziehbar zu machen.
Ein zusätzlicher Pluspunkt ist die Thematisierung der politischen und gesellschaftlichen Situation in Irland, die dem Roman eine weitere Tiefe verleiht und den LeserInnen neue Einblicke in ein weniger bekanntes Kapitel der europäischen Geschichte bietet.

Das Nachwort, in dem zusätzliche Informationen zu Geschichte und Kultur der Zeit gegeben werden, rundet das Buch gelungen ab. Auch wenn der Roman für sich alleine stehen kann und die meisten Handlungsstränge zum Ende hin abgeschlossen sind, weckt er dennoch große Neugier auf den abschließenden dritten Band der Trilogie.

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Über Freiheit und Schicksal

Die Löwin von Jerusalem
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„Bathseba – Die Löwin von Jerusalem“ von Ruben Laurin ist ein historischer Roman, der eine der berühmtesten, aber wenig detaillierten biblischen Geschichten mit Leben füllt. Der Autor schafft es, die wenigen ...

„Bathseba – Die Löwin von Jerusalem“ von Ruben Laurin ist ein historischer Roman, der eine der berühmtesten, aber wenig detaillierten biblischen Geschichten mit Leben füllt. Der Autor schafft es, die wenigen Zeilen, die über Bathseba, die Frau König Davids, in der Bibel existieren, in ein lebendiges und spannendes Erzählwerk zu verwandeln. Laurin beginnt die Geschichte lange vor den biblischen Ereignissen und lässt Bathseba und David als Jugendliche aufeinandertreffen, was eine neue Dimension in ihre Beziehung einführt.

Die Darstellung Bathsebas als selbstbewusste, junge Frau, die trotz vieler Enttäuschungen ihren Weg geht, verleiht der Figur eine Tiefe, die über die biblische Erzählung hinausgeht. Laurin zeigt sie in einem ständigen Wandel: Zuerst erscheint sie als stark und entschlossen, dann aber auch als selbstsüchtig und berechnend. Ebenso ist David nicht nur als glorreicher König und Mann Gottes dargestellt, sondern auch mit Fehlern und Schwächen, was ihn realistischer erscheinen lässt. Besonders seine poetischen Lieder, die Laurin geschickt in die Erzählung einfließen lässt, zeigen eine tiefe, spirituelle Seite des Königs.

Ein weiteres bemerkenswertes Element des Romans ist die plastische Darstellung der jüdischen Kultur und Gesellschaft um 1000 v. Chr. Laurin gelingt es, den Alltag und die sozialen Strukturen jener Zeit anschaulich darzustellen, wodurch die historische Kulisse sehr lebendig wirkt. Die Liebesgeschichte zwischen Bathseba und David steht zwar im Mittelpunkt, wirkt jedoch nie kitschig oder aufgesetzt, sondern fügt sich nahtlos in die historischen Gegebenheiten ein.

Für Bibelkenner mag der Ausgang der Geschichte bekannt sein, doch Laurin schafft es, durch seinen lebendigen Schreibstil und die psychologische Tiefe der Charaktere, Spannung zu erzeugen und den Leser zu fesseln. Die narrative Freiheit, die er sich nimmt, insbesondere bei der Darstellung von Bathsebas Ehemann Uriah als brutalen Krieger, trägt dazu bei, die dramatischen Konflikte zu intensivieren.

Zusammenfassend ist „Bathseba – Die Löwin von Jerusalem“ eine gelungene historische Interpretation, die die biblische Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt. Mit lebendig gezeichneten Charakteren, einer detaillierten Schilderung der damaligen Gesellschaft und einer spannenden Erzählweise bietet der Roman ein unterhaltsames und nachdenkliches Leseerlebnis.

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