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Veröffentlicht am 08.05.2025

Erfrischend anders

Wenn wir lächeln
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Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen und daraus entsteht bald eine Freundschaft, in der Anto die mutigere ist und Jara diejenige mit der überbordenden Fantasie. Sie teilen Erfahrungen ...

Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen und daraus entsteht bald eine Freundschaft, in der Anto die mutigere ist und Jara diejenige mit der überbordenden Fantasie. Sie teilen Erfahrungen miteinander sowie Lipgloss und Klamotten. Wenn da nur nicht die Wut wäre, die rauswill und irgendwann auch rausmuss.

»Sie grinst mich an, und alles, was sie davor gesagt hat, hat auf einmal keine Bedeutung mehr. Es ist die Art, wie sie mich ansieht. Als wäre ich insgeheim für sie das Beste auf der ganzen Welt, und in diesem Moment weiß ich, dass es genau so ist, auch wenn sie das nicht so gut zeigen kann.« (Seite 130)

Dieses Buch war wie ein Experiment für mich, denn zu Beginn war es seltsam und befremdlich, der außergewöhnliche Schreibstil sowie die Art und Weise, wie Mascha Unterlehberg ihre Protagonistin auftreten lässt, war gewöhnungsbedürftig und - das gebe ich unumwunden zu - schon ein bisschen eigenwillig. Es überraschte mich also sehr, dass ich nur wenige Kapitel weiter trotzdem vollkommen gebannt der Erzählung von Jara lauschte, sie begleitete auf ihren Wegen, ob mit Anto oder allein. Es wurde lustig, es wurde traurig, es war dramatisch und es gab Gewalt. Was zuletzt geschah, habe ich dennoch nicht kommen sehen, obwohl es genug Anhaltspunkte gab. Wer auf ungewöhnliche Bücher steht, sich auf ausgefallene Geschichten und einen abgefahrenen Erzählstil einlassen mag, dem empfehle ich dieses Werk, das mich restlos begeistert hat, auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich alles richtig verstanden habe. Der Weg ist das Ziel, ich will mehr davon!

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Was vorher geschah

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Die reiche Familie Snæberg kommt in einem Hotel in Westisland zusammen, um den hundertjährigen Geburtstag des verstorbenen Firmengründers zu feiern. Die Familienmitglieder kommen mit dem jeweiligen Partner, ...

Die reiche Familie Snæberg kommt in einem Hotel in Westisland zusammen, um den hundertjährigen Geburtstag des verstorbenen Firmengründers zu feiern. Die Familienmitglieder kommen mit dem jeweiligen Partner, den Kindern sowie deren Nachwuchs, das gesamte Hotel wurde zu diesem Zweck angemietet. Bald schon bröckelt das makellose Bild der Familie, erste Streitigkeiten kommen auf, dann verschwindet eine Person und an Verdächtigen mangelt es nicht.

»Und gleich kommen sie alle hierher ins Hotel, und ich werde mit eigenen Augen sehen können, ob sie so perfekt sind, wie sie aussehen. Wahrscheinlich freue ich mich vor allem darauf, bei genauem Hinsehen die vielen kleinen Risse in der scheinbar perfekten Fassade zu sehen. Denn natürlich sind sie nicht perfekt.« (Seite 15)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Band der großartigen Island-Krimi-Reihe, der zeitlich allerdings vor den ersten drei Teilen spielt. Man kann diesen Teil also in einer beliebigen Reihenfolge lesen, wozu ich bei den ersten drei Büchern nicht raten würde, um die Beziehungen der Personen zu- und untereinander zu verstehen, außerdem werden in den Folgebänden Dinge zu vergangenen Ereignissen verraten, besonders was die Fälle angeht. Beim neuesten Buch besteht diese Gefahr nicht.

Das Buch begann mit einem tragischen Ereignis, allerdings ließ die Autorin bis kurz vor dem Schluss offen, worum es sich dabei gehandelt hat, wer dabei zu Schaden kam und wie. Dies ermöglichte es mir, bis zur Auflösung mitzuraten, was passiert sein könnte und warum. Dieser Umstand half mir über einige langatmige Passagen hinweg, insgesamt jedoch war die Handlung sehr interessant und hatte viele spannende Momente. Nichts war wie es scheint, viele sprichwörtliche Leichen gab es im Keller und Geheimnisse fast hinter jeder Tür. Ein etwas schwächerer Teil, der mich dennoch voller Vorfreude auf die Fortsetzung warten lässt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Es war alles anders. Vielleicht aber auch nicht

Jenseits aller Zeit
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Der pensionierte Kriminalbeamte Tom Kettle wird von zwei ehemaligen Kollegen aufgesucht, die ihn zu einem weit in der Vergangenheit zurückliegenden Mordfall befragen wollen. Anfangs ist Tom nicht begeistert, ...

Der pensionierte Kriminalbeamte Tom Kettle wird von zwei ehemaligen Kollegen aufgesucht, die ihn zu einem weit in der Vergangenheit zurückliegenden Mordfall befragen wollen. Anfangs ist Tom nicht begeistert, hat er doch die meisten Einzelheiten verdrängt oder zu vergessen versucht. Die Wahrheit aber soll ans Licht.

»Das war für ihn Sinn und Zweck des Ruhestands, des Daseins überhaupt - unbewegt dazusitzen, glücklich und nutzlos zu sein.« (Seite 10)

Das Thema des vorliegenden Buches ist der Missbrauch durch kirchliche Institutionen in Irland, Sebastian Barry holt zusätzlich Tom Kettle hinzu, der durch seine Erinnerungen und Erzählungen aus dem eigenen Leben ein bisschen Leichtigkeit in diese schlimme und schwere Thematik bringt, sein irischer Humor tut das Übrige. Für mich funktionierte dies zu Beginn nur bis zu einem gewissen Grad, denn das Buch ist sehr anspruchsvoll, wobei ich nicht sicher bin, ob dies am Original oder der Übersetzung liegt. Lange Sätze und kaum vorhandene Absätze führten dazu, dass ich mich permanent konzentrieren musste und oft mit dem Finger auf der Zeile geblieben bin. Nach einer Weile gewöhnte ich mich daran und konnte mich ab da voll auf die Geschichte einlassen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte mich das Buch voll in seinen Bann ziehen, die Suche nach der Wahrheit und die Bearbeitung des Falls führten zur Auflösung, bei der ich tatsächlich ganz kurz sprachlos wurde. Insgesamt ein Stück historischer Schande, bei deren Aufarbeitung ich Zeuge geworden bin. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Großartige Fortsetzung

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Es ist das Jahr 1994, nach den dramatischen Ereignissen im Sommer geht’s genauso mörderisch weiter. Schüsse fallen, eine Frau flieht nackt durch die Nacht, ein Toter bleibt zurück, und schon sind wir mittendrin. ...

Es ist das Jahr 1994, nach den dramatischen Ereignissen im Sommer geht’s genauso mörderisch weiter. Schüsse fallen, eine Frau flieht nackt durch die Nacht, ein Toter bleibt zurück, und schon sind wir mittendrin. Der traumatisierte Kommissar Tomas Wolf nimmt die Ermittlungen auf, unterstützt wird er von seinem Kollegen Zingo. Währenddessen findet die Journalistin Vera Berg findet Spuren in einem Vermisstenfall, die zu Tomas Wolf führen, und kann nicht widerstehen, ihnen zu folgen. Bald kreuzen sich ihre Wege erneut und eine Zusammenarbeit scheint unerlässlich, als ein weiterer Mord geschieht.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Reihe mit dem Kommissar Tomas Wolf und der Journalistin Vera Berg. Man könnte die Bücher unabhängig voneinander lesen, was die Fälle angeht, aufgrund der sehr komplexen Verflechtungen der Beteiligten zueinander und der miteinander verknüpften Geschichte rate ich dazu, die richtige Reihenfolge einzuhalten, weil zwar einiges erklärt, letztendlich aber nur am Rande erwähnt wird.

Beim ersten Teil hatte ich einiges zu bemängeln, unter anderem den viel zu langen Vorlauf, bis es endlich losgeht, und dazu den Umstand, dass permanent erklärt wurde, was nicht unklar gewesen ist. Dies war hier überhaupt nicht der Fall, nach einem geheimnisvollen Prolog ging es fast sofort los und so richtig ruhig wurde es dann bis zum Schluss nicht mehr. Die zwei Hauptfiguren, die durch ihre Vergangenheit, aber auch Handlungen, die kürzlich erfolgten, beide ziemlich raffiniert und durchtrieben sind, trugen zur Spannung bei, ich bin sehr neugierig darauf, welche Richtung der sich durch beide Teile ziehende Strang nehmen wird. Die Auflösung war schlüssig, wenn auch thematisch für mich etwas unbefriedigend, weil ich in dieser Zeit aufgewachsen und mit dieser Lösung praktisch permanent konfrontiert worden bin. Aber das ist meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt haben die beiden früheren Journalisten einen großartigen Kriminalroman geschrieben, auf dessen Fortsetzung ich ungeduldig warte. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Lange Vorlaufzeit, dann aber gehts rasant zur Sache

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Als Dawn nicht im Büro auftaucht, macht ihre Kollegin Natalie sich Sorgen, schließlich kam Dawn noch nie zu spät zur Arbeit, geschweige denn gar nicht. Ein verstörender Anruf bestätigt ihr schlechtes Gefühl, ...

Als Dawn nicht im Büro auftaucht, macht ihre Kollegin Natalie sich Sorgen, schließlich kam Dawn noch nie zu spät zur Arbeit, geschweige denn gar nicht. Ein verstörender Anruf bestätigt ihr schlechtes Gefühl, eine Frau bittet mit zitternder Stimme um Hilfe und klingt dabei wie die Vermisste. Natalie fährt zur Dawns Wohnung und was sie da vorfindet, lässt auf ein Verbrechen schließen.

»Ich weiß nicht wie, aber irgendjemand hat mir etwas angehängt und dabei richtig gute Arbeit geleistet. Mein Leben, wie ich es kannte, ist offiziell vorbei.« (Seite 272)

Vor über zwei Jahren landete die Autorin mit ihrem Buch »Wenn sie wüsste« einen riesigen Erfolg, die Geschichte hatte auch mich damals begeistert. Einige Bücher weiter erschien nun ihr neuestes Werk, nämlich das vorliegende Buch mit dem Titel »Die Kollegin«. Groß war meine Vorfreude, aber ebenso groß, wenn nicht noch ein bisschen größer, die Ernüchterung nach den ersten hundert Seiten. Die erste Hälfte über fragte ich mich, wann es endlich losgeht, suchte vergeblich nach den meisterhaften Twists. Plötzlich aber war er endlich da, der ersehnte Nervenkitzel, und dann ging es Schlag auf Schlag!

Nach einem eher gemächlichen Start, der für meine Begriffe definitiv zu lange gemächlich blieb, entfaltete die Geschichte ihren Charme, die Ereignisse überschlugen sich nicht nur, sie machten förmlich einen Purzelbaum nach dem anderen und das gefühlt ohne Pause, bis das Ende kam. Warum nicht gleich so, dachte ich, und klebte am Buch wie die Fliege am Spinnennetz, legte es nicht mehr aus der Hand. Welch ein Einfallsreichtum, wie perfide und böse und dazu äußerst raffiniert! Ein extra Sternchen gibts nicht und auch ein Highlight wurde nicht daraus, aber insgesamt eine lesenswerte, wendungsreiche und wirklich unerwartete Story, die mich großartig unterhalten hat.

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