Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
offline

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2025

Spannend bis zur letzten Seite

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
0

Elijah Leith kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurück, er hatte die kleine Küstenstadt Point Orchards vor langer Zeit verlassen, um sich seinen Traum, ein Schriftsteller und berühmt zu ...

Elijah Leith kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurück, er hatte die kleine Küstenstadt Point Orchards vor langer Zeit verlassen, um sich seinen Traum, ein Schriftsteller und berühmt zu werden, zu erfüllen. Gescheitert und desillusioniert renoviert er sein Elternhaus, eine verfallene Hütte mitten im Wald. Als er seinen Vater verließ, tat er dies auch mit seiner Jugendliebe, nun möchte er Nakita zurückerobern, das Vertrauen aber kehrt nicht so schnell zurück. Als es endlich einen Lichtblick gibt, passiert etwas, dass alle seine Pläne zum Platzen bringt.

»Was er während der letzten Jahre gelernt hatte, war, dass immer wieder gute Zeiten kommen würden, egal, wie hoffnungslos das Leben sich gerade anfühlte. Und egal, wie zufrieden er gerade war, weil es gut lief, es würden auch wieder härtere Zeiten kommen. Alles drehte sich ständig im Kreis.« (Seite 188)

Ich gebe zu, dass ich ausgehend vom Klappentext nicht zum Buch gegriffen hätte, allerdings hätte ich dann eine tolle Geschichte verpasst, die mich ein wenig an die Romane von Chris Whitaker erinnert, die ich liebe. Dabei fing alles ganz unschuldig an, es gab zwar eine grausige Entdeckung ganz zu Beginn, dann aber fingen die Zeitsprünge an, die mich Jahrzehnte zurückkatapultierten, um zu erklären, wie es dazu kam. Erst allmählich kristallisierte sich heraus, wie alles zusammenhing, wer mit wem und warum, wo alles begann und das Unglück seinen Lauf nahm. Als ich realisierte, was passiert war, konnte ich kaum fassen, wie das sein konnte, ich war gespannt, ob meine Vermutung wirklich richtig war. Das letzte Drittel war so spannend, dass ich mehrmals versucht war, vorzublättern, einfach um zu erfahren, in welche Richtung sich die Erzählung entwickeln würde. Das Finale war unglaublich, die Auflösung großartig und ich dankbar darüber, dass ich dabei gewesen war. Dieses Debüt ist phantastisch und ich freue mich sehr auf weitere Bücher der Autorin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2025

Schwache Fortsetzung

Die gute Tat
0

Die Leiche einer Frau wird aus der Elbe geborgen, es handelt sich nicht um einen natürlichen Todesfall. Die Ermittlungen zeigen, dass es weitere vermisste Personen gibt, die eines gemeinsam haben: sie ...

Die Leiche einer Frau wird aus der Elbe geborgen, es handelt sich nicht um einen natürlichen Todesfall. Die Ermittlungen zeigen, dass es weitere vermisste Personen gibt, die eines gemeinsam haben: sie engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Bald taucht eine weitere Tote auf, die Polizei ermittelt fieberhaft, da gesteht ein Mann im Beichtstuhl einer Kirche die Morde und kündigt weitere an.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich bereits um den vierten Teil der Reihe mit Franka Erdmann und Alpay Eloğlu. Der erste Band mit dem Titel »Das Profil« erschien im Oktober 2022 und seitdem versorgt uns Hubertus Borck regelmäßig mit weiteren Büchern rund um das nicht nur altersbedingt unterschiedliche Ermittlerduo. Alle Thriller können unabhängig voneinander gelesen werden, weil das Privatleben der Polizisten zwar durchaus eine Rolle spielt, allerdings eine eher untergeordnete. Die Fälle selbst sind in sich abgeschlossen.

Das Buch ließ sich sehr gut lesen, der Schreibstil war nicht fordernd, die Perspektivwechsel toll. Obwohl ich das Thema eigentlich interessant fand, bekam ich diesmal trotzdem kaum Zugang zum Buch, denn vielleicht habe ich über die Thematik, die sich irgendwann entfaltete, viel zu oft gelesen, um überrascht und gefesselt zu sein. Stellenweise empfand ich das Tempo zu langsam, um einem Thriller gerecht zu werden, das war dann eher ein Spannungsroman. Die Auflösung war schlüssig und das Ende lässt offen, ob es eine Fortsetzung geben wird. Freuen würde ich mich schon sehr, wenn es weitergeht, auch wenn ich hier eher zufrieden bin, als begeistert zu sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2025

Ungewöhnlich außergewöhnlich und meisterhaft

Oben in den Wäldern
0

Ein Haus in den Wäldern von Massachusetts, das über Jahrzehnte hinweg von den unterschiedlichsten Personen bewohnt wird. Menschen und Lebenswege, die sich kreuzen, stumm wird das Haus Zeuge von Dramen, ...

Ein Haus in den Wäldern von Massachusetts, das über Jahrzehnte hinweg von den unterschiedlichsten Personen bewohnt wird. Menschen und Lebenswege, die sich kreuzen, stumm wird das Haus Zeuge von Dramen, Tragödien und Schicksalsschlägen, die Natur aber überlebt sie alle.

»Der Westen von Massachusetts ist eine Gegend mit reichen Landhäusern und verarmten Bauernhöfen. Mit prunkvollen Ballsälen und heruntergekommenen Bretterbuden. Künstler, Dichter, Industriemagnaten genießen ihre Sommerfrische, während nebenan im dunklen Wald der Jäger auf der Lauer liegt. Wäre dies die Geschichte eines einzigen Mordes, so würde das schon reichen. Aber machen Sie sich auf einiges gefasst!« (Seite 299)

Mit dem Todesengel fängt es an: Ein Überfall findet statt, ein Unrecht geschieht, Zugeständnisse werden gemacht, Fremde kehren ein und das Unheil nimmt seinen Lauf. Vier Gräber werden es sein. So steht es geschrieben. Der Anfang ist gemacht.

Dieses Buch hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, ich glaube nicht, dass ich etwas vergleichbares in den letzten Jahren gelesen hätte, zumindest erinnere ich mich daran nicht. Es besteht aus vielen Einzelteilen, Briefen, Berichten, Artikeln, sogar Gedichte und Liedertexte finden Platz darin. Kleine schwarzweiße Zeichnungen dienen als Trennhalter, zeigen an, wo ein neues Kapitel aufgeschlagen wird und Neues entsteht, wo das Alte vergangen ist.

Ein roter Faden zieht sich durchs Buch, lässt mich kleine Seufzer ausstoßen oder die Brauen hochziehen, den Mund vor Staunen öffnen, aber auch das ein oder andere Mal weinen, nachdem etwas unwiederbringlich zerbrochen oder zerstört wird, das vorher jahrzehntelang heil geblieben war. Verlorengegangenes taucht auf, Geister spuken, an vor langer Zeit Verstorbene wird erinnert und ein verschollenes Buch erwähnt, das ein Geheimnis offenbart, welches eine Überraschung bringt, obwohl es den Lesenden bekannt war. Was leicht und einfach klingt, ist für mich ein grandioses Werk, das auch ohne Zeitangaben einfach zuzuordnen war: da eine Person der Geschichte, dort eine Erfindung, hier ein Hinweis auf das Jahrhundert, so war mir eine ungefähre Zuordnung immer möglich; nicht dass diese wirklich wichtig war. Die angepasste Ausdrucksweise und die sprachlichen Eigenheiten der Epochen vervollständigen den Eindruck, dass dies ein Meisterwerk ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2025

Eher enttäuschend…

Tage im August
0

Im Sommer 1943 holt der Vater die vierzehnjährige Anna und ihren jüngeren Bruder Giovanni aus dem Nonneninternat ab, um mit ihnen und seiner Frau in der Nähe von Rom Ferien am Meer zu verbringen. Während ...

Im Sommer 1943 holt der Vater die vierzehnjährige Anna und ihren jüngeren Bruder Giovanni aus dem Nonneninternat ab, um mit ihnen und seiner Frau in der Nähe von Rom Ferien am Meer zu verbringen. Während die Jagdbomber über sie hinwegfliegen, erlebt Anna einen Sommer, in dem sie auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, bald ist sie kein Kind mehr, sondern eine Frau.

Von der Autorin, die laut Buchklappe eine der wichtigsten Stimmen Italiens sowie feministische Pionierin sein soll, habe ich bis zur Lektüre noch nie etwas gehört. Gemäß dem nachträglich geschriebenen Vorwort hat sie das vorliegende Buch mit siebzehn Jahren geschrieben, erschienen ist dieses erstmalig 1961, beide Tatsachen merkt man dem Werk eindeutig an. Ich persönlich hätte das Alter der erzählenden Person sogar auf zwölf Jahre herabgesetzt, wobei ich nicht weiß, ob dies am italienischen Original liegt, oder an der Übersetzung, allerdings nicht was deren Verhalten angeht, denn dies ging weit über die Pubertät hinaus, sondern den Schreibstil und die transportierten Gefühle beziehungsweise das vollständige Fehlen letzterer.

Die Erzählung kam mir wie ein Jugendbuch vor, allerdings ab 16, das aber nur mit genügend Phantasie. Ich könnte bereits jetzt nicht mehr sagen, um was es eigentlich ging, so banal empfand ich diese. Die Gespräche verwirrend, ohne echten Gehalt. Insgesamt eine tolle Verpackung, aber leider ohne lesenswerten Inhalt. Dies geht besser. Sehr leichte Unterhaltung, die mir nicht im Gedächtnis bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2025

Fulminante Fortsetzung

Der König
0

In der Kleinstadt Os im Norden Norwegens könnte alles nicht besser laufen, als der Bau eines neuen Tunnels droht, den Ort von den Touristenströmen abzuschneiden, was nicht nur Auswirkungen auf das Wellnesshotel ...

In der Kleinstadt Os im Norden Norwegens könnte alles nicht besser laufen, als der Bau eines neuen Tunnels droht, den Ort von den Touristenströmen abzuschneiden, was nicht nur Auswirkungen auf das Wellnesshotel der Brüder Carl und Roy Opgard hätte, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft der Stadt. Natürlich lassen sich die Brüder etwas einfallen, um den Niedergang abzuwenden. Währenddessen arbeitet der Polizeichef Kurt Olsen weiterhin daran, Roy mehrere Morde nachzuweisen. Da zwischenzeitlich neue Beweise vorliegen, könnte es für ihn eng werden. Die Vergangenheit holt die Brüder ein und plötzlich geht es auch um die Frage, wer der König von Os ist, denn es kann nur einen geben.

»Ich hatte an diesem Ort alles verloren. Vermutlich aber auch alles gewonnen, was ich jemals hatte. Ich hasste Os, und ich liebte es. Kann man mehr von einem Heimatort verlangen?« (Seite 16)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Band mit den Opgard-Brüdern. Die Bücher können, sollten meiner Meinung nach aber nicht unabhängig voneinander gelesen werden. Es werden im aktuellen Teil zwar alle wichtigen Informationen wiederholt, das Verhältnis der Brüder zueinander und insbesondere auch die Beziehungen zu sowie unter den Stadtbewohnern selbst können nicht nebenbei erklärt und verstanden werden. Dazu sollte auch berücksichtigt werden, dass nach dem Lesen dieses Buches es sinnlos ist, den Vorgänger lesen zu wollen, da hier die Lösung aller Verbrechen präsentiert und verraten wird. In dieser Rezension wird natürlich nichts verraten, was vergangene Ereignisse angeht. Der wichtigste Punkt jedoch ist, dass der erste Teil einfach grandios war!

»Wir sind eine Familie. Wir haben einander und sonst niemanden. Freunde, Geliebte, Nachbarn, die Dorfbewohner und Landsleute, alles Illusion. Wenn es eines Tages wirklich darauf ankommt, sind sie nichts wert. Dann heißt es, wir gegen sie, Roy. Wir gegen alle anderen. Absolut alle.« (Seite 220)

Als ich im Programm des Verlages das neue Buch von Jo Nesbø entdeckt hatte, hätte meine Freude nicht größer sein können, war der erste Teil seinerzeit als Standalone angekündigt worden. Anscheinend war die Geschichte der zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, noch nicht auserzählt, ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich noch einmal nach Os zurückkehren durfte, um zu erfahren, wie es weitergeht. Wie im Vorband fungiert einer der Brüder als Ich-Erzähler und schildert die Geschehnisse aus seiner Sicht. Hierbei lässt er der Dramatik wegen manche Dinge weg, verschweigt bestimmte Handlungen und steigert so die Spannung ins Unermessliche, sodass ich mich mehrmals davon abhalten musste, vorzublättern, um zu erfahren, was danach passiert ist. Wie böse das war, mich dermaßen auf die Folter zu spannen!

Unerwartete Wendungen, emotionale Momente, komplizierte Beziehungen, ganze Kapitel voller Liebe, Schmerz und Wut; da waren Hass, Neid und Trauer nicht weit. Dieses Buch steht dem ersten in nichts nach und war doch ein bisschen anders. Für mich ein grandioser Abschluss der Geschichte, deren Ende überraschend, jedoch ganz in meinem Sinne war. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen in Os. Aber auch wenn nicht, so könnte ich damit leben, denn dieses Leseerlebnis bleibt unvergesslich für mich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere