Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
online

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2024

Eine Freundschaft

Der ehrliche Finder
0

Tristan und Jimmy sind beste Freunde, seit der ältere Tristan vor einem Jahr mit seiner Familie im Dorf angekommen und in Jimmys Klasse gelandet ist. Die albanische Großfamilie ist vor dem Kosovo-Krieg ...

Tristan und Jimmy sind beste Freunde, seit der ältere Tristan vor einem Jahr mit seiner Familie im Dorf angekommen und in Jimmys Klasse gelandet ist. Die albanische Großfamilie ist vor dem Kosovo-Krieg geflohen und sucht in Belgien Asyl. Als ein behördlicher Bescheid erlassen wird, schmieden die Freunde einen Plan, der dafür sorgen soll, dass alles bleibt, wie es ist. Eine verhängnisvolle Entscheidung.

„Die schlimmen Einzelheiten über den Krieg und welche schwierigen Dinge Tristan vor seiner Ankunft in Belgien durchgemacht hatte, kamen erst spät und bruchstückhaft heraus. Jimmy hatte ein kleines Buch angelegt, mit dem Titel Tristans Krieg, in dem er, möglichst chronologisch, aufschrieb, was er darüber erfuhr.“ (Seite 39)

Dieses schmale Buch lässt mich erschüttert zurück, auf wenigen Seiten erzählte die Autorin eine tragische Geschichte, die inspiriert ist von tatsächlichen Ereignissen aus den Jahren 1998 und 1999. Aus der kindlichen Sicht von Jimmy empfand ich die Erzählung umso authentischer und eindringlicher, als geschähe dies aus einer erwachsenen Perspektive. Anfangs konnte ich mit dem Hobby von Jimmy nichts anfangen, er erzählte permanent von seiner Leidenschaft für Flippos, die er sammelt und in Alben klebt. Eine kurze Recherche ergab, dass es sich um Plastik- oder Pappscheiben handelt, die Ende der 1990er Jahre als Gratisprämie einer bestimmten Sorte Chips beigelegt wurden und auf denen Zeichentrickfiguren und Charaktere aus den Looney Tunes-Cartoons abgebildet waren. Das Sammeln und Tauschen dieser Scheiben erfreute sich besonders bei Kindern im Grundschulalter großer Beliebtheit.

Neben seiner Begeisterung von Flippos war Tristan die wichtigste Person für Jimmy, gerne hätte er das Hobby mit dem Freund geteilt, der aber lebte gefühlsmäßig mehr in seiner eigenen Welt, was den Erfahrungen der Familie bei der Flucht vor dem Krieg geschuldet war. Das Ausmaß der Nachwirkungen wäre für Erwachsene kaum zu begreifen, dass ein Kind dies nicht versteht, wurde im Buch glaubwürdig dargestellt. Der weitere Verlauf der Story war herzzerreißend, ich war entsetzt, als ich verstand, was in Planung war. Unfähig einzugreifen, konnte ich nur ohnmächtig zuschauen, was geschah. Das Ende habe ich so nicht erwartet, es berührte mich sehr. Mit Tränen in den Augen klappte ich das Buch zu und ließ das Geschehene auf mich wirken. Glück und Unglück liegen so nah beieinander. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2024

Großartiger Thrill!

Der Mentor
0

Zwei tote Frauen werden im Wald aufgefunden, im Nacken die römischen Zahlen I und III eingeritzt. Von einer Leiche mit der Nummer II fehlt jede Spur, in der Nähe jedoch entdecken die Ermittler eine nackte ...

Zwei tote Frauen werden im Wald aufgefunden, im Nacken die römischen Zahlen I und III eingeritzt. Von einer Leiche mit der Nummer II fehlt jede Spur, in der Nähe jedoch entdecken die Ermittler eine nackte Frau mit dem Kopf Richtung Boden, deren ausgebreitete Hände mit Seilen am Baumstamm befestigt sind, im Nacken eine eingeritzte IV. Es wird eine Sondereinheit gebildet, die Hilfe von der LKA München erhält, denn allen ist klar, dass dies nur der Anfang ist. Mit Hochdruck wird nach der vermissten Frau gesucht, die nummeriert wurde, da tauchen Hinweise auf, dass diese gesehen worden ist.

„Sein Verstand sagte ihm, dass er sich abwenden sollte, aber er konnte nicht. Weit über ihren Köpfen auf mindestens vier Metern Höhe schwebte eine weitere Leiche, eine Frau.“ (Seite 31)

Bereits nach den ersten Sätzen bin ich begeistert von dem Schreibstil, weiß nach wenigen Seiten, dass dieser Thriller gut werden wird. Der ständige Wechsel der Perspektive und die unterschiedlich langen Kapitel führen dazu, dass ich durch das Buch fliege, als gäbe es keinen Morgen mehr. Fast sofort geht die Geschichte fulminant los und es folgen viele Stellen, die blutig und brutal gestaltet sind, dabei gibt es allerdings nicht zu viele reißerische Ausführungen, die Gemetzel stehen nicht im Mittelpunkt. Die Spannung wird nicht weniger, als die Sicht der Täterpersonen geschildert wird, ohne einen Hinweis darauf, wer diese tatsächlich sind. Natürlich gibt es Verdächtige, aber die Autorin versteht es meisterhaft, die Hinweise so zu platzieren, dass ich mit den meisten Spuren nicht nur nichts anfangen kann, sondern im Gegenteil auf falsche Fährten reingefallen bin.

Dies war ein großartiger Thriller, der mir spannende Lesestunden beschert hat, lediglich bei der Auflösung fehlte mir ein wenig der Sinn. Hier hätte ich mir schlüssigere Erklärungen gewünscht, dies ist aber der einzige Kritikpunkt. Ansonsten gibt es nichts zu meckern, gerne empfehle ich das Buch weiter und freue mich auf weitere Werke von Svenja Diel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2024

Hokuspokus in der Uckermark

Nebel über der Uckermark
0

Kriminalhauptkommissarin Carla Stach feiert in der Gaststätte Seeblick ihren sechzigsten Geburtstag, als die Wirtin Maria Lange ihr zur späten Stunde von einem Traum erzählt, in dem sie den Mord an einer ...

Kriminalhauptkommissarin Carla Stach feiert in der Gaststätte Seeblick ihren sechzigsten Geburtstag, als die Wirtin Maria Lange ihr zur späten Stunde von einem Traum erzählt, in dem sie den Mord an einer jungen Frau vorhergesehen haben will. Als kurz darauf eine Frau als vermisst gemeldet wird, auf die diese Beschreibung passt, ist Carla mehr als skeptisch, was sich kurz darauf in Misstrauen wandelt, als die Wirtin behauptet, dass Carla selbst in Gefahr geraten würde, sollte sie den Fall nicht ihren Kollegen überlassen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Reihe mit Carla Stach. Das Privatleben von Carla sowie ihren Kolleginnen und Kollegen spielt zwar eine Rolle, allerdings werden die wichtigsten Einzelheiten im Buch wiederholt, sodass es überhaupt kein Problem sein sollte, jeden Band unabhängig voneinander zu lesen, wenn man nicht von vorne beginnen möchte. Erinnern konnte auch ich mich nicht an alle Details, im folgenden Verlauf jedoch kam die ein oder andere Erinnerung von selbst zurück; ich hatte wirklich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, außen vor zu sein.

Zu Beginn war ich sehr skeptisch, weil die Thematik im Buch eine ist, die mich ein Buch eher zur Seite legen, als es zur Hand nehmen lässt. Hellseherei, Wahrsagerei, Astrologie und Esoterik sind zwar alles Themen, über die man sicherlich diskutieren und auch streiten könnte, ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, dass diese in einen Kriminalroman passen, der sich unter anderem um Bandenkriminalität dreht. So sehr kann man sich irren, denn nicht nur passte alles wunderbar zusammen, sondern der Autor schaffte es ebenfalls, den Fall zu meiner Zufriedenheit zu lösen und alle meine offenen Fragen zu beantworten. Hierbei gab es zwar die ein oder andere Stelle, an der ich die Augen verdrehen musste, aber mein Unglaube soll nicht Gegenstand dieser Rezension sein.

Besonders aufgefallen ist mir übrigens, dass der Autor viele Berufe mit Frauen besetzt hat, und zwar in einem Maße, das zwar wünschenswert, aber für mich leider etwas übertrieben und dadurch unrealistisch wirkte. Hier hätte ich mir ein gesundes Mittelmaß gewünscht. Dies ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn zusammenfassend kann ich sagen, dass ich trotz des für mich ungewohnten Themas sehr gut unterhalten wurde und mich bereits jetzt auf weitere Fälle mit der sympathischen Carla Stach freue!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2024

Ein Herz und eine Seele

Hallo, du Schöne
0

William Waters hatte keine schöne Kindheit, überlebt und hinter sich gebracht hat er diese, weil er auf dem Basketballplatz Freunde gewonnen sowie Gemeinschaft, Zusammenhalt und Zugehörigkeit kennengelernt ...

William Waters hatte keine schöne Kindheit, überlebt und hinter sich gebracht hat er diese, weil er auf dem Basketballplatz Freunde gewonnen sowie Gemeinschaft, Zusammenhalt und Zugehörigkeit kennengelernt hat. Als er Julia Padavano begegnet und sich in sie verliebt, wird er Teil ihrer Familie, besonders Julias drei Schwestern nehmen William mit offenen Armen auf. Die Vergangenheit lässt William aber nicht los, seine Traurigkeit und die düsteren Gefühle beeinflussen seine Ehe und werfen Schatten auf das junge Glück, sodass alle unaufhaltsam auf eine Katastrophe zusteuern, nach der nichts mehr sein wird, wie es vorher war.

„William dachte, dass seine Verlobte mit dem Taktstock eines Dirigenten durch die Welt ging, während Sylvie ein Buch mit sich trug und Cecelia einen Pinsel. Emeline dagegen hatte die Hände frei, um helfen oder das Kind einer Nachbarin nehmen und trösten zu können. Immer wenn sie William seit seiner Verletzung sah, fragte sie, ob sie etwas für ihn tragen oder ihm eine Tür aufhalten könne.“ (Seite 69)

Aus drei Perspektiven wird die Geschichte von William, den vier Schwestern und anderen Familienmitgliedern erzählt. Mir war zunächst nicht klar, warum die Autorin ausgerechnet diese drei Personen ausgewählt hat, aber bereits früh hatte ich einen Verdacht, wie es dazu kommen konnte, der sich dann auch bestätigt hat. Warmherzig und mit einer wunderbaren Sprache hat Ann Napolitano die Jahrzehnte umfassende Lebensgeschichte von William und der Padavano-Familie erzählt, die Jahre flossen nur so dahin, kleine und große Sorgen kamen und gingen, ein schicksalhafter Tag veränderte alles und eine neue Zeitrechnung begann. Ich habe mitgefiebert und mitgelitten, habe gelacht, geschmunzelt und an vielen Stellen geweint. Die Entscheidungen mancher Figur trieben mich auf die Palme, ich war verzweifelt und wütend, fragte mich, was richtig gewesen wäre. Nie hatte ich die Hoffnung aufgegeben, deswegen war ich erschüttert, als plötzlich etwas geschah, das so unglaublich schwer zu ertragen war. So viel Schmerz und Kummer, Trauer und Liebe war fast zu viel für mich und lediglich die Aussicht darauf, dass daraus etwas Gutes entstehen könnte, ließ mich durchhalten.

„Williams Herzschlag verlangsamte sich zu einem Murmeln in seiner Brust, und er musste auf eine seltsame Art atmen, um nicht in Tränen auszubrechen. Es überraschte ihn, wie sehr es ihn traf, etwas schien in ihm zerbrochen zu sein.“ (Seite 64)

So schwer ich es fand, die letzten Seiten zu lesen, so tröstlich war es, dass Ann Napolitano ein Ende schuf, das der Geschichte würdig war. Ein großartiger Roman über Familie, Freunde, Zusammenhalt und Liebe, der mir emotional einiges abverlangt hat, aber auch wunderbar unterhaltsam gewesen ist. Mit einem guten Gefühl klappte ich das Buch zu und träume davon, wie es weitergehen könnte, denn die Geschichte von William und den Padavano-Schwestern ist für mich noch lange nicht auserzählt. Manchmal werden Träume wahr.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2024

Traurig und schön

Wir sitzen im Dickicht und weinen
1

Valerie und ihre Mutter Christina haben keine einfache Beziehung, was unter anderem an der schwierigen Kinder- und Teenagerzeit von Valerie liegt. Diesen sprichwörtlichen Schuh zieht Christina sich nicht ...

Valerie und ihre Mutter Christina haben keine einfache Beziehung, was unter anderem an der schwierigen Kinder- und Teenagerzeit von Valerie liegt. Diesen sprichwörtlichen Schuh zieht Christina sich nicht an, schließlich hat sie alles Menschenmögliche getan, damit es Valerie gutgeht, wenn auch nicht auf alles für ihr Kind verzichtet, denn sie wollte es besser machen und haben, als ihre eigene Mutter es hatte. So ist es kein Wunder, dass auch die erschütternde Krebsdiagnose von Christina die beiden Frauen nicht zusammenbringt, denn für die eine ist es eine Pflicht, für die andere ein Muss.

Anfangs tat ich mich schwer damit, die Personen im Buch auseinanderzuhalten, denn die Rückblenden in die Vergangenheit, in denen ich Mütter und Väter sowie die Großeltern von Valeries Eltern kennenlernen durfte, erforderten meine Konzentration und erlaubten es nicht, unaufmerksam zu sein. Diese Rückblicke waren wichtig, um zu verstehen, wie und warum jeder einzelne von ihnen geformt und zu dem Menschen geworden ist, der letztendlich in der Gegenwart der Geschichte vorgestellt wird. Da wurde der erste Weltkrieg erlebt, der zweite überlebt, für Rechte gekämpft, verloren, Widerstand geleistet und erneut versucht, dagegenzuhalten. Die Ohnmacht der Frauen, ihr Bestreben danach, ein gutes Leben zu leben, ohne ihre Persönlichkeit aufgeben zu müssen, wenn die Kinder erstmal da sind, ihre Verzweiflung, ihre Traurigkeit und ihre Wut. Das sich Einrichten in ihrer Welt, das Ertragen und Wegducken, die Aufgabe, die Hingabe und die Pflichten der Mutterschaft; all dies wurde mir aufgezeigt und oft war ich empört, mitfühlend, traurig, lachend, mitleidig oder wütend über Situationen, die mir erschienen wie Geschichten aus einer anderen Welt. Wie verwoben alles miteinander war, wie tragisch, wenn über mehrere Generationen hinaus etwas weitergetragen wird, das sich irgendwann entlädt und mit einer Wucht freigelassen wird, die alles übertrifft.

Dieses Buch war traurig und schön, es hat mir die Last und die Bürde der Mutterschaft, aber auch ihre Hingabe und Schönheit, die Hoffnung und Liebe vor die Augen geführt. Jede der Frauen hatte recht und lag gleichzeitig falsch, ich konnte sie verstehen, waren sie doch beide das Ergebnis ihrer Kindheit und das Produkt ihrer Zeit. Mit Sympathie hat das nichts zu tun, aber mit dem Menschsein. Eine wunderbare Geschichte über die Macht der Familie. Ein großartiges Debüt, das mir Lust auf weitere Werke von der Autorin macht. Lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere