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Veröffentlicht am 29.12.2023

In guten wie in schlechten Zeiten

The Marriage Act - Bis der Tod euch scheidet
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Großbritannien in der Zukunft. Nachdem es vor geraumer Zeit gelungen ist, durch die Hilfe eines Unternehmens mittels eines DNA-Matches seine wahre Liebe zu finden, geht die britische Regierung einen Schritt ...

Großbritannien in der Zukunft. Nachdem es vor geraumer Zeit gelungen ist, durch die Hilfe eines Unternehmens mittels eines DNA-Matches seine wahre Liebe zu finden, geht die britische Regierung einen Schritt weiter und erlässt ein Gesetz, das Ehepartnern viele Vorteile verschafft, um ihre Bürger dazu zu animieren, dass sie heiraten und einen sogenannten Smart-Marriage-Vertrag unterschreiben, der daraufhin den Behörden unter anderem erlaubt, bei allen Gesprächen mitzuhören und einzugreifen, falls Gründe vorliegen sollten, die auf Unstimmigkeiten zwischen den Eheleuten hinweisen. Eine KI entscheidet dann über das weitere Vorgehen, das, in mehrere Stufen gegliedert, zuletzt in der Fortführung der Ehe oder einer Scheidung, auch gegen den Willen der Beteiligten, münden kann. Nicht alle Bürger sind damit einverstanden, allerdings erwartet die Gegner dieser Maßnahmen die volle Härte der Unterstützer dieses Gesetzes, die nicht immer legal operieren.

Nach den beiden Büchern The One: Finde dein perfektes Match und The Passengers: Du entscheidest über Leben und Tod, die sich bereits mit der Künstlichen Intelligenz, selbstfahrenden Autos und natürlich der Liebe beschäftigt haben, folgt nun folgerichtig eines über eine mögliche Zukunft, in der es mit Privilegien verbunden ist, zu heiraten und im Zuge dessen dem Staat gegenüber jede Privatsphäre aufzugeben. Der gläserne Mensch im Kampf mit der KI und einer handvoll Mächtiger, die ihre Stellung nicht immer im Sinne der Bürger ausnutzen. Kann dieses Thema funktionieren? Es kann und ergibt einen großartigen Science-Fiction-Roman, der spannender und erschreckender nicht sein könnte, den ich an zwei Nachmittagen ausgelesen und nicht mehr aus der Hand gelegt habe.

Aus verschiedenen Blickwinkeln konnte ich der Geschichte folgen, der Autor hat hierfür diverse Charaktere geschaffen mit unterschiedlichen Motiven und Hintergründen. Natürlich waren darunter nicht nur gute Menschen und ganz typisch für ihn hat er den Personen Prüfungen auferlegt, die nicht ohne waren, damit es nicht langweilig wird. Hierbei hat er so manchen Charakter etwas erleben lassen, das ich diesem gerne erspart hätte. Wie üblich machte John Marrs vor fiesen Aktionen bei keiner seiner Buchfiguren halt, so unfair und böse diese auch sein könnten. Dies machte einen großen Reiz aus, denn nie konnte ich sicher sein, welche der Personen ein Fiasko unbeschadet überstehen würde und welche nicht. Die Auflösung war stimmig, der Abschluss hat mich mitgenommen und tatsächlich noch einmal überrascht. Wieder ein Buch des Autors, das vor Einfallsreichtum nur so strotzte und mich sehr gut unterhalten konnte. Gerne vergebe ich dafür die volle Punktzahl und empfehle es weiter.

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Veröffentlicht am 21.12.2023

Versteckt hinter Masken

Pirlo - Gefährlicher Freispruch
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Ein Corona-Testzentrum am Düsseldorfer Rheinufer fällt den Flammen zum Opfer, es war Brandstiftung. Emre Ben Hamid, der zu einer bekannten Clan-Familie gehört, wird aufgrund von Zeugenaussagen und des ...

Ein Corona-Testzentrum am Düsseldorfer Rheinufer fällt den Flammen zum Opfer, es war Brandstiftung. Emre Ben Hamid, der zu einer bekannten Clan-Familie gehört, wird aufgrund von Zeugenaussagen und des Umstandes festgenommen, dass sein Auto in der Nähe des Tatorts stand. Emre Ben Hamid wendet sich an Pirlo und weist überzeugend nach, wer für den Brand verantwortlich ist. Für Pirlo ist klar, dass er für Emre einen Freispruch erreichen muss, ohne den wahren Schuldigen preiszugeben, was sich als knifflig erweist.

Der Einstieg ins Buch fiel mir, wie bereits bei den ersten beiden Büchern, sehr leicht. Das dramatische erste Kapitel machte Lust auf mehr und voller Vorfreude stürzte ich mich in die Story. Kurz danach war ich leider etwas ernüchtert, als ich feststellte, dass der Fall erneut mit der Familiengeschichte von Pirlo zusammenhängt, denn eigentlich hatte ich mich auf eine neue Strafsache eingestellt, die ein wenig aus dem Milieu herausführt. Nach anfänglicher Enttäuschung stellte ich mich allerdings den Fakten und verfolgte gespannt das weitere Geschehen. Etwas ausgebremst wurde ich hierbei von dem Umstand, dass Ironie und Sarkasmus stellenweise überhand nahmen, und zwar in einem solchen Maße, dass ich ab und zu etwas irritiert war und von der eigentlichen Story abgelenkt wurde. Dies legte sich zum Glück ein wenig, als die Geschichte in der Mitte anzog und es strafrechtlich interessant wurde.

Positiv herausheben möchte ich, dass es der Autor schaffte, die kompliziertesten juristischen Feinheiten für Laien verständlich auszudrücken. Insbesondere bei einem Justizkrimi ist das wichtig, da nicht jeder, wie ich, in dieser Hinsicht vorbelastet ist. Speziell Sophie Mahler hat es mir angetan, ihre Detailversessenheit und ihr Talent, aus dem Stegreif gerichtliche Entscheidungen und Urteile zu zitieren, begeisterte mich immer wieder. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde aus dem Justizkrimi aber bedauerlicherweise ein Wirtschaftskrimi; fünfzig Seiten vor Gericht und drei Tage in Untersuchungshaft reichen da einfach nicht aus, um diese Bezeichnung zu verdienen. Die entsprechenden gesellschaftlichen Strukturen wurden über Seiten hinweg erklärt und die Möglichkeiten, wie man den Staat und andere Institutionen betrügen kann, ausgiebig erörtert. Zu diesem Zeitpunkt hat das Buch mich in großen Teilen zwar nicht unbedingt gelangweilt, mein Interesse am weiteren Ausgang aber doch erheblich geschmälert. An Ideen, wie man bei einer zukünftigen Pandemie Straftaten begehen könnte, mangelte es im vorliegenden Buch zumindest nicht.

Wer die ersten beiden Bücher nicht kennt, kommt hier trotzdem gut rein, wird im vorliegenden Band allerdings sehr gespoilert, was die Vorgänge im vorherigen Buch betrifft, sodass ich dazu raten würde, den zweiten Teil vorher zu lesen, um sich in die Position zu bringen, den Ausgang mitraten zu dürfen. Was die private Situation von Pirlo betrifft, bauen alle Teile aufeinander auf, allerdings wird auch immer wieder der Hintergrund entsprechend erläutert, sodass man vieles versteht, ohne es bereits gelesen zu haben. Insgesamt wurde ich gut unterhalten, an die Spannung und den Nervenkitzel im ersten Band kommt dieser Teil allerdings bei weitem nicht dran. Von mir gibt es dafür die goldene Mitte, die abschließend bei soliden drei Sternen ihren Höhepunkt findet.

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Veröffentlicht am 18.12.2023

Tödlicher Ausflug

Never Coming Home
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Unknow Island ist das wohl exklusivste Reiseziel der Welt, der Aufenthalt dort nur für Personen bis 21 Jahren erlaubt und rundum kostenlos. Zum Soft Opening haben die Betreiber zehn ausgewählte Influencer:innen ...

Unknow Island ist das wohl exklusivste Reiseziel der Welt, der Aufenthalt dort nur für Personen bis 21 Jahren erlaubt und rundum kostenlos. Zum Soft Opening haben die Betreiber zehn ausgewählte Influencer:innen eingeladen, darunter einen Superstar, einen Sportler, eine Umweltaktivistin und andere mehr oder weniger bekannte Social-Media-Persönlichkeiten. Unmittelbar nach ihrer Ankunft auf der Privatinsel stellen die jungen Menschen fest, dass sie alleine sind, vom Personal fehlt jede Spur, aber auch von jeder Annehmlichkeit wurde anscheinend Abstand genommen. Die zehn erhalten einen Brief, in dem ungeheuerliche Anschuldigungen stehen, kurz danach ist eine Person tot. Und dies scheint nur der Anfang gewesen zu sein.

Der vorliegende Jugendthriller hat mit dem Klappentext meine Aufmerksamkeit erregt, thematisch war meine Neugier sofort geweckt. Eine Liste der zehn involvierten Personen am Anfang des Buches erleichterte mir eine lange Zeit die Zuordnung dem Namen und Betätigungsfeld nach, bis diese irgendwann fest in meinem Gehirn verankert waren. Schnell war ich in der Story drin, der Schreibstil machte es mir in dieser Hinsicht wirklich nicht schwer. Die Perspektive wechselte permanent, sodass es sehr abwechslungsreich war, der Geschichte zu folgen, weil die Beteiligten alle sehr unterschiedliche Charaktere gewesen sind. Ihre Besonderheiten, Fehler und Geheimnisse behielten sie lange für sich, erst allmählich erfuhr ich und ihre Mitstreiter näheres darüber. So blieb über eine lange Zeit eine gewisse Grundspannung erhalten, die bei dramatischen Vorkommnissen schon mal heftig nach oben geschnallt ist.

Die Idee war toll und die Umsetzung lange Zeit perfekt, bis der Geschichte im letzten Drittel leider ein wenig die Puste ausgegangen ist. Die Auflösung wiederum überraschte mich, auch die Ausführungen zum Schluss waren gut platziert und haben das Gesamtbild abgerundet. Insgesamt eine unterhaltsame und in weiten Teilen spannende Story, die mich zufrieden zurücklässt. Von mir gibt es dreieinhalb Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2023

Düstere Aussichten

Hund 51
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Als in Zone 3 ein Toter aufgefunden wird, weist man Zem Sparak an, die Ermittlung zusammen mit einer Beamtin aus der Zone 2 durchzuführen. Die junge Salia Malberg ist darüber, genauso wie Zem Sparak, nicht ...

Als in Zone 3 ein Toter aufgefunden wird, weist man Zem Sparak an, die Ermittlung zusammen mit einer Beamtin aus der Zone 2 durchzuführen. Die junge Salia Malberg ist darüber, genauso wie Zem Sparak, nicht begeistert, aber Befehlen widerspricht man nicht und so raufen sich die beiden unterschiedlichen Polizisten zusammen. Die erste Spur führt in Zone 1, wo die Privilegierten und Mächtigen wohnen, die alles dafür tun würden, dass Ihre Geheimnisse nicht ans Licht kommen.

Ich habe eine gewisse Zeit benötigt, um ins Buch zu finden, was nicht etwa am Schreibstil lag, sondern daran, dass die Welt, die der Autor da skizziert hat, einfach erschreckend und nicht einmal so abwegig gewesen ist. Staaten, die pleite gegangen, Regierungen, die gestürzt, und Länder, die privatisiert worden sind. Eine Drei-Klassen-Gesellschaft, der Reichtum der einen auf dem Rücken der anderen aufgebaut und aufrechterhalten. Daneben eine Mordermittlung, die sich über drei Zonen erstreckt, durchgeführt durch Polizeibeamte, die sich nicht vertrauen und trotzdem zusammenarbeiten müssen. Ein paar Kapitel hat es gebraucht, aber dann war ich versunken in dieser neuen Welt, gebeutelt von Klimakatastrophen und korrupt, wie nicht anders zu erwarten war.

„Sparak ist von Marias Anblick wie hypnotisiert und fragt sich, ob Griechenland um seine Kinder geweint und getrauert hat, die abgewandert sind, um all die jungen Menschen, die sich GoldTex angeschlossen haben, weil man ihnen erzählt hat, dass es sinnlos ist, Bürger eines bankrotten Landes zu sein, dass eine neue Zeitrechnung begonnen hat, an der sie teilhaben können.“ (Seite 273)

Die Protagonisten Zem und Salia waren beide gleichermaßen sympathisch wie abstoßend, in Zwischensequenzen erfuhr ich den Grund dafür. Erst schrittweise verstand ich, was passiert war, wobei vieles bis zum Schluss etwas nebulös geblieben ist, was aber nicht tragisch war, da es für den vorliegenden Fall und auch zum besseren Verständnis unwichtig gewesen ist. Die Auflösung hat mich überrascht, viele Handlungen auf dem Weg dahin fassungslos gemacht und auch wenn das Ende nicht ganz nach meinem Geschmack gewesen ist, so war es passend, denn so und nicht anders musste es ausgehen, dieses tragische Stück. Eine großartige Dystopie, ein düsteres und bisweilen trostloses Szenario, das mich zusammen mit den Krimi-Elementen bis zuletzt begeistert hat. Eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, dafür aber belohnt wird. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.12.2023

Alpträume, die man verdient

Der Botaniker
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Eine unbekannte Person schickt Menschen, die nicht unbedingt Sympathieträger sind, getrocknete Blumen und ein Gedicht, das man als eine Todesdrohung verstehen kann. Trotz eines riesigen Aufgebots an Personenschützern ...

Eine unbekannte Person schickt Menschen, die nicht unbedingt Sympathieträger sind, getrocknete Blumen und ein Gedicht, das man als eine Todesdrohung verstehen kann. Trotz eines riesigen Aufgebots an Personenschützern und Polizeibeamten gelingt es nicht, die Adressaten zu schützen, es ist, als ob die Täterperson durch Wände gehen könnte. DS Washington Poe von der National Crime Agency hat alle Hände voll zu tun, zumal seine gute Freundin, die Pathologin Estelle Doyle gerade verhaftet und des Mordes an ihrem Vater angeklagt wurde. Mit Unterstützung der Analystin Tilly Bradshaw versucht Poe, beide Fälle parallel zu bearbeiten, was bald zu Problemen führt.

Ich liebe sogenannte Locked Room-Krimis, weil es mir sehr viel Spaß macht, mitzuraten, obwohl ich regelmäßig feststelle, dass ich eine Niete darin bin, eine Lösung zu finden. Würde ich in einem Escape Room eingeschlossen werden, müsste man mich aus diesem wahrscheinlich Stunden später befreien, um mich zu retten. Nichtsdestotrotz habe ich große Freude an solchen Büchern und wurde durch das vorliegende Werk glücklicherweise nicht enttäuscht. Bereits nach den ersten Kapiteln, die erfreulicherweise eine angenehme Länge hatten, war mein Glückslevel sehr hoch, denn abgesehen von der fast sofort einsetzenden Spannung, die das ganze Buch über meistens unverändert blieb, fand ich den britischen Humor mal wieder grandios. Die interessanten und bisweilen skurrilen Charaktere vervollständigten den unterhaltsamen Fall, der mich ebenfalls vor ein großes Rätsel stellte, wie die Akteure im Buch.

Einen richtigen Riecher hatte ich, ansonsten war es mir nicht möglich, auch nur in die Nähe der Lösung zu kommen, die überraschend und schlüssig war. Ich fand es fast schade, am Ende angelangt zu sein, und würde mich freuen, wenn es ein Wiedersehen mit Poe, Tilly und den anderen Personen gibt, was sehr wahrscheinlich ist, denn beim vorliegenden Buch handelt es sich um den fünften Teil der Reihe mit Washington Poe, sodass ich auf eine zeitnahe Übersetzung der restlichen vier Teile hoffe. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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