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Veröffentlicht am 14.06.2023

Großartige Fortsetzung der City on Fire-Trilogie

City of Dreams
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Danny Ryan und seine Crew sind nach den dramatischen Ereignissen in Providence als Verlierer des blutigen Bandenkrieges auf der Flucht vor der Mafia, der Polizei und auch dem FBI. In Kalifornien will Danny ...

Danny Ryan und seine Crew sind nach den dramatischen Ereignissen in Providence als Verlierer des blutigen Bandenkrieges auf der Flucht vor der Mafia, der Polizei und auch dem FBI. In Kalifornien will Danny ein neues Leben beginnen und auf legalem Wege sein Geld verdienen. Natürlich ist dies utopisch, denn das FBI hat eigene Pläne, möchte einen Deal mit Danny, der ihm ein Vermögen oder den Tod bringt. Als Danny sich kurz darauf in einen Hollywoodstar verliebt, wird es richtig kompliziert, denn ihre und seine Vergangenheit holt die beiden ein.

„Wir sind auf der Flucht, denkt Danny beim fahren. Verfluchte Fliehende. Entflohene. Im Exil.“ (Seite 27)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie. Der erste Band mit dem Titel City on Fire hat mich letztes Jahr fast in Ekstase versetzt, sodass ich es kaum erwarten konnte, die Fortsetzung zu lesen. Man könnte das Buch zwar gut lesen, ohne den Vorgänger zu kennen, denn immer wieder gibt es Erklärungen und Wiederholungen darüber, was passiert ist. Mir als Leserin des ersten Buches hat dies sehr geholfen, sich an die Begebenheiten zu erinnern, allerdings kann ich mir vorstellen, dass man ohne Vorwissen oft nicht wirklich verstehen wird, was passiert ist. Aus diesem Grund empfehle ich, mit dem ersten Teil anzufangen, zumal dieser grandios war!

Der Schreibstil des Autors begeistert mich immer wieder aufs Neue, seine Art zu erzählen, die Nebensächlichkeiten, die für die vorliegende Story nicht vorrangig, aber trotzdem total interessant sind, einzubauen, der Wechsel der Perspektive und die Beleuchtung einer Situation aus mehreren Seiten, das ist schon meisterlich. Danny ist der Hauptcharakter, aber seine restliche Crew, die Gegenseite und viele andere Beteiligte gehören dazu und natürlich empfand ich die ein oder andere Person mal mehr, mal weniger sympathisch. Keine von ihnen wäre verzichtbar, alle trugen dazu bei, dass die Geschichte stimmig und absolut mitreißend geworden ist. Dabei war diese ganz anders als gedacht, denn der Fokus lag hier nicht auf einem Bandenkrieg, sondern eher den Bemühungen von Danny, endlich den legalen Weg gehen zu können. Natürlich ist ein solcher Weg steinig und aufgrund seiner Vergangenheit hart und mühevoll, aber unmöglich ist er nicht. Danny dabei zuzusehen, war spannend und aufregend, ich habe den Atem angehalten und die Daumen gehalten, mitgelitten und gehofft. Aufgrund des Prologs habe ich das schlimmste angenommen und dennoch mit diesem Ausgang nicht gerechnet. Nun warte ich sehnsüchtig auf den Abschlussband, der nicht anders werden kann als grandios.

Ein großartiger Thriller, der mich sehr gut unterhalten und tatsächlich eine schlaflose Nacht beschert hat. Die Filmrechte an City on Fire sind verkauft und ich bin sehr gespannt darauf, was da auf uns zukommt. Ach ja, was könnte dieses Highlight wohl bekommen; fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung sind da wohl das mindeste.

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Veröffentlicht am 13.06.2023

Alles für die Liebe

Das Leben ist sinnlos, wenn du nicht liebst
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„Doch wenn du liebst, wird die Liebe dich halten, heilen, tragen, trösten. Sie wird dir jeden Weg erleuchten, wie ein Licht, das niemals erlischt und jede Finsternis bricht.“ (Seite 19)

Jens Böttcher ...

„Doch wenn du liebst, wird die Liebe dich halten, heilen, tragen, trösten. Sie wird dir jeden Weg erleuchten, wie ein Licht, das niemals erlischt und jede Finsternis bricht.“ (Seite 19)

Jens Böttcher ist Musiker, kreativer Lebensberater und Schriftsteller, trotzdem habe ich noch nichts von ihm gelesen und kann das nicht fassen, nachdem ich sein Buch mit diesem außergewöhnlichen und wunderschönen Titel in einem regelrechten Rausch durchgelesen habe. Es sind 12 Abschnitte, Kapitel oder Lektionen, hier kann und möchte ich mich nicht festlegen, die sich um die Liebe drehen, das Buch bietet aber so viel mehr. Träume, Sehnsüchte, Wünsche fanden hier ihren Platz und umgarnten mich. Worte, Sätze, Seiten voll Gedanken, Ratschlägen, Hinweisen und Anregungen, die wunderschön verpackt ihren Weg zu mir fanden.

„Doch wenn du nicht liebst, wird kein Glück sich an dich binden - du findest keinen Sinn und kein Sinn wird dich je finden.“ (Seite 52)

Ich habe so viele Stellen markiert, ich könnte damit selbst ein Buch füllen, es gab so unzählige tolle Passagen, dass mein Herz zum bersten voll war mit liebevollen Gedanken. Ein lyrisches Kleinod, ein poetischer Genuss ist dieses Buch und wird mein Regal so schnell nicht mehr verlassen, schließlich will und werde ich es noch einmal lesen. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.06.2023

Liebe ist Heimweh

Kentucky
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Owen Callahan treibt mehr oder weniger ziellos durchs Leben. Nachdem er seine Heimat für Jahre verlassen hat, kehrt er nun nach Kentucky zurück, um in Louisville Creative Writing zu studieren, kommt solange ...

Owen Callahan treibt mehr oder weniger ziellos durchs Leben. Nachdem er seine Heimat für Jahre verlassen hat, kehrt er nun nach Kentucky zurück, um in Louisville Creative Writing zu studieren, kommt solange bei seinem Großvater unter. Um sich die Studiengebühren leisten zu können, nimmt er einen Job bei der Universität an und erledigt Baumpflegearbeiten auf dem Campus. Kurz darauf begegnet er Alma, die Autorin ist und bereits an ihrem ersten Buch über ihre Familie schreibt. Als Kind bosnischer Einwanderer hat sie eine Vergangenheit, die auch Owen fasziniert, sodass dieser beschließt, diese in sein geplantes Buch einzubauen, was verständlicherweise zu einem Konflikt führt.

Das vorliegende Buch lässt mich ein wenig ratlos zurück. Der Klappentext, der eine spannende Story mit explosiven Inhalten versprochen hat, ist irreführend, da er im Grunde das gesamte Buch in ein paar Sätzen zusammenfasst. Anders ausgedrückt könnte man sagen: mehr passiert im Buch nicht. Dies würde der Geschichte aber nicht gerecht werden, deswegen versuche ich es anders. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt und der erste Teil dreht sich vollständig darum, dass Owen und Alma zusammenkommen. Dass dies viele Längen beinhaltet und manchmal etwas langatmig ist, liegt auf der Hand, dauert diese Phase immerhin das halbe Buch lang.

„Vor mir sah ich eine Zukunft, in der wir längst Geschichte waren und ich voll Wehmut an diesen Moment zurückdachte. Ja, es schmerzte sogar jetzt: vorauseilende Sehnsucht nach einem vergangenen Moment, der noch gar nicht vorüber war.“ (Seite 252)

Owen war mir sympathisch, ich fand es beeindruckend, wie er trotz seiner Herkunft und einer bewegten Vergangenheit versucht hat, seine Ziele zu erreichen. Wie verschieden dagegen das Leben von Alma, die als Kind von Einwanderern ein gänzlich anderes Leben geführt hat, das im Vergleich dazu fast schon privilegiert anmutet. Beide Charaktere haben viele Gefühle in mir ausgelöst, positive natürlich, aber oft auch negative, und zwar durch Handlungen, die mich den Kopf schütteln ließen. Der Ich-Erzähler Owen hat Ecken und Kanten, Fehler und Schwächen, aber dennoch eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt, die dazu führte, dass ich das Buch durchgezogen und es letztendlich nicht bereut habe. Das letzte Drittel fand ich dabei am interessantesten, tatsächlich passierte in diesem Teil des Buches so viel, dass ich diesen in einem Rutsch durchgelesen habe, wo ich mich davor oft dazu animieren musste, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Hierzu passt das folgende Zitat, das ich sehr schön fand:

„Man sehnt sich nach den Dingen, die man vorher öde fand.“ (Seite 402)

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich gut unterhalten wurde, das Buch aber wegen der vielen Längen und einer Handlung, die oft schlicht und ergreifend nur mäßig interessant war, meine Erwartungen nicht erfüllt hat. Der Schreibstil war zumindest toll und das letzte Drittel hat zu einer Aufwertung geführt, die bei mir mit dreieinhalb Sternen ihren Höhepunkt findet.

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Großartiger Reihenstart

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Auf der Ladefläche eines verunfallten Kleinlasters stößt eine Zeugin durch Zufall auf die Leiche einer Frau, auf deren nackten Körper die private Adresse des Bundeskanzlers geschrieben steht. Die Kommissaranwärterin ...

Auf der Ladefläche eines verunfallten Kleinlasters stößt eine Zeugin durch Zufall auf die Leiche einer Frau, auf deren nackten Körper die private Adresse des Bundeskanzlers geschrieben steht. Die Kommissaranwärterin Nele Tschaikowski wird dem Ermittler Artur (Art) Mayer zur Seite gestellt, der darüber nur mäßig begeistert zu sein scheint. Als kurz darauf Videos auftauchen, die eine Beteiligung des Kanzlers vermuten lassen, wird es kompliziert, denn gleichzeitig stellt dieser Forderungen an Art Mayer, die an eine frühere Verbindung geknüpft sind, von der niemand etwas wissen darf.

Dies ist der erste Teil einer Buchreihe um den Ermittler Art Mayer und für mich ein sehr überzeugender Reihenauftakt. Obwohl ich Bücher über Politik oder politische Themen überhaupt nicht mag, war die Dosierung hier genau richtig. Auch die Verbindung zwischen Fakten und Fiktion war perfekt gewählt, die Geschichte spielt in der Gegenwart, und zwar in der unseren, sodass natürlich genug Hinweise auf wichtige Ereignisse erfolgen. Bereits früh baut Marc Raabe eine gewisse Spannung auf, die er kontinuierlich steigert. Natürlich half dabei der Umstand, dass beide Hauptpersonen, also Artur und Nele, für mich als Leserin absolut fremd waren, sodass ich nach jeder noch so kleinen Information lechzte.

Man nehme das knifflige Verbrechen, ein paar falsche Fährten und die ein oder andere Wendung, fertig ist ein großartiger Thriller, der trotz der hohen Seitenzahl bis zuletzt keine Längen hatte. Beide Ermittler fand ich authentisch und freue mich auf viele weitere Fälle, die hoffentlich genauso ausgeklügelt sein werden, wie im vorliegenden Buch. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und natürlich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.06.2023

Gestärkt aus der Krise

Der Himmel muss warten
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Marie Parker ist müde, genauer gesagt lebensmüde. Sie mag nicht mehr und sie will es auch nicht wollen. Nach mehreren gescheiterten Suizidversuchen ist sie mit der Einweisung in eine Klinik einverstanden; ...

Marie Parker ist müde, genauer gesagt lebensmüde. Sie mag nicht mehr und sie will es auch nicht wollen. Nach mehreren gescheiterten Suizidversuchen ist sie mit der Einweisung in eine Klinik einverstanden; dies nicht etwa, um gesund zu werden, sondern um Menschen zu finden, die mit ihr zusammen aus dem Leben scheiden. In der Klinik trifft sie auf unterschiedliche Leidensgenossen und erfährt deren Geschichten, die tief in ihr etwas berühren und auslösen.

Eigentlich wollte ich nur kurz in die Leseprobe, die keine war, weil die Autorin mir das gesamte Buch elektronisch zur Verfügung gestellt hat, reinlesen und blieb nach vierundzwanzig Seiten kleben. Der leichte Schreibstil und der immer wieder eingestreute Humor machten es mir in dieser Hinsicht leicht, sodass ich das relativ schmale Buch recht zügig und auch sehr gerne gelesen habe. Das Thema Depression und Suizid ist hier vordergründig, wie bereits ausführlich im Klappentext erwähnt, sodass ich zwar keine Triggerwarnung aussprechen, hierauf aber explizit noch einmal hinweisen muss und möchte. In der Klinik werden verschiedene Krankheiten behandelt, darüber sollten sich LeserInnen ebenfalls im Vorfeld im Klaren sein.

Aus der Kürze der Geschichte resultieren im übrigen zwei Kritikpunkte, die ich habe. Die Entwicklung, die Maria macht, passiert so blitzschnell, dass ich dies unrealistisch finde. Nun kann man das Buch natürlich nicht der Realität anpassen, aber dort die Zeit anders ablaufen lassen. Hier hätte ich mir mehr Raum für die Entwicklung gewünscht, ich glaube, dass das Leseerlebnis dann etwas intensiver geworden wäre. Womit wir beim zweiten Punkt wären. Das Buch gleicht mehr einem Ratgeber in Romanform, was ich an sich nicht schlecht finde. Die geballte Masse an Empfehlungen, Tipps und Ratschlägen allerdings hat mich stellenweise erschlagen. Hier wäre weniger mehr gewesen, weil ich ein wenig das Gefühl hatte, dass aufgrund der Kürze der Erzählung jeder Charakter so viel therapeutisch kluges wie möglich von sich geben sollte. Dass dies bei so vielen Patienten einer solchen Klinik relativ unwahrscheinlich ist, lassen wir einmal außen vor; dass dies in einer solchen Fülle erfolgt, fand ich aber schon ein wenig befremdlich. Natürlich ist dies meine persönliche Einschätzung, da es Menschen gibt, die diese Lebensweisheiten und Lebenshilfen noch nicht kennen und davon mehr profitieren könnten, als ich dies getan habe. Anmerken möchte ich in diesem Zusammenhang, dass ich die Unterhaltungen nichtsdestotrotz gut gewählt und außerordentlich nützlich finde für Menschen, die in dieser Hinsicht den Halt oder ihr Ziel aus den Augen verloren haben.

Das Ende hat leider wieder ein wenig den Kontakt zur Realität verloren. Die Reaktion von Marie auf eine bestimmte Aktion ist nicht nur indiskutabel, sondern erfüllt für mich einen Straftatbestand. Für mich nicht nachvollziehbar und ein wenig schade, denn dies hätte man anders lösen können, finde ich. Wie immer macht sich aber auch hier jede/r LeserIn am besten eine eigene Meinung.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich froh darüber bin, dass das Buch den Weg zu mir fand. Die schweren Themen so aufgelockert in eine Erzählung zu packen, war eine gute Entscheidung. Die Krankheitsbilder verdienen mehr Aufmerksamkeit und auch die immer noch stattfindende Stigmatisierung psychischer Probleme muss endlich ein Ende haben. Wie schön, dass diese Menschen durch solche Bücher eine Stimme bekommen.

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