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Veröffentlicht am 26.07.2023

Sei (m)ein Star!

Idol in Flammen
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Die junge Schülerin Akari ist besessen von Masaki, der Mitglied in einer J-Pop Band ist, also einer japanischen Popmusik-Gruppe. Sie kauft alle CDs und DVDs der Band, die meisten doppelt und dreifach, ...

Die junge Schülerin Akari ist besessen von Masaki, der Mitglied in einer J-Pop Band ist, also einer japanischen Popmusik-Gruppe. Sie kauft alle CDs und DVDs der Band, die meisten doppelt und dreifach, führt einen Blog und spart alles, was sie in ihrem Nebenjob verdient, um Tickets für ein Konzert ihres Idols kaufen zu können. Als ein Skandal um Masaki die Nachrichten beherrscht, ist Akari entschlossen, alles zu tun, um noch ein besserer Fan zu sein.

Der Begriff J-Pop war mir bisher kaum geläufig, ich brachte diesen zwar mit Japan in Verbindung, aber was damit tatsächlich gemeint ist, war mir überhaupt nicht klar. Es wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen, sich vor dem Lesen dieses Buches darüber zu informieren, denn dann hätte sicherlich einiges mehr Sinn gemacht. Ich möchte also meinen Leseeindruck damit beginnen, dies interessierten LeserInnen nahezulegen, um diesen gesellschaftskritischen Roman rund um die Fankultur in Japan mehr verstehen und damit nachvollziehen zu können.

Im Nachhinein wird mir durch mein nachträglich angelerntes Wissen erst richtig bewusst, worauf die Autorin hinauswollte, wobei es schwierig für mich ist, dies wirklich zu verstehen, weil ich in jungen Jahren zwar ebenfalls ein Fan des ein oder anderen männlichen oder weiblichen Popstars gewesen bin, dies aber nie damit verbunden war, dass ich mich mit Fanartikeln dieser Person hätte eindecken wollen. Mir persönlich reichte da der lebensgroße Starschnitt oder ein Poster, um glücklich zu sein. Im Buch ist dies anders, das Verhalten von Akari fand ich befremdlich, um nicht zu sagen fanatisch, ihr Umfeld überfordert, die Marketingmaßnahmen, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, überzogen und falsch. Anscheinend funktioniert diese Maschinerie hervorragend und die Schäden, die sie verursacht, sieht man erst, wenn es zu spät ist.

Dieser preisgekrönte Roman funktioniert wahrscheinlich besser in dem Land, in dem er spielt. Mir waren viele Andeutungen und Hinweise fremd, wodurch wahrscheinlich beim lesen einiges an Authentizität verloren ging. Dennoch hat mir das Buch gefallen, denn Japan fasziniert mich, seine Menschen und deren Kultur auch.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Wenn die Stadt erwacht

Das Café ohne Namen
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Der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon pachtet im Jahr 1966 in Wien ein Café, er will sein Glück versuchen, sich seinen Traum von einer eigenen Gastwirtschaft erfüllen. Anfangs kommen die Menschen nur zögerlich, ...

Der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon pachtet im Jahr 1966 in Wien ein Café, er will sein Glück versuchen, sich seinen Traum von einer eigenen Gastwirtschaft erfüllen. Anfangs kommen die Menschen nur zögerlich, das Viertel ist arm, aber bald schon erwacht dort das Leben, wie überall sonst auch in der Stadt, und damit die Sehnsucht nach Glück und einem Stück Normalität so kurz nach dem Krieg.

Es war ein leises, oft nur an der Oberfläche kratzendes Buch. Die Schicksale der Menschen ploppten auf wie Blasen bei einem starken Regen, blieben kurz an der Oberfläche und platzten dann auf, um mit dem restlichen Wasser fortgeschwemmt zu werden, Platz zu machen für nachfolgende Geschichten, die nächste Generation der Glücklichen und der Glücklosen, deren Nachschub nie versiegt. Nicht immer gab es eine Erklärung, einen Anfang oder Abschluss, die Gäste kamen und gingen, einige Namen behielten Platz, andere wiederum wurden wichtig, blieben da und begleiteten Robert ein Stück. Fast konnte ich die Atmosphäre spüren, das Wienerische, das Vergangene, das Pulsierende, das Bestreben auf der Suche nach Glück.

Wer eine aufregende Geschichte erwartet, wird enttäuscht, es sind zufällig zusammengewürfelte Schicksale von Menschen, die dem Gefühl der damaligen Zeit nachspüren und die wir begleiten auf ihrem Weg. Es passiert nichts und doch so viel, sprachlich ist das Buch wahrlich keine Wucht, aber hier und da berührte es mich trotzdem ein wenig, ein Hauch Melancholie und Hoffnung zog sich durch die Zeilen, ein bisschen Kitsch und Sentimentalität. Mir fehlte ein wenig die Spannung, manchmal der Zusammenhang und oft waren mir die Beschreibungen der vielen Gassen zu viel, vielleicht fehlte mir auch einfach der Bezug zur Stadt. Ein kurzer Ausflug ins Wien, der mir ein kurzweiliges Lesevergnügen gebracht hat.

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Veröffentlicht am 20.07.2023

Durch Raum und Zeit

Ist es Liebe? Nein – es ist … Unmöglich
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Durch Zufall landet eine i-Mail von Nicolas Belcher bei Rebecca - Bee - Davies, die prompt eine E-Mail zurückschreibt und Nick auf den Fehler hinweist. Zwischen den beiden beginnt eine Unterhaltung, die ...

Durch Zufall landet eine i-Mail von Nicolas Belcher bei Rebecca - Bee - Davies, die prompt eine E-Mail zurückschreibt und Nick auf den Fehler hinweist. Zwischen den beiden beginnt eine Unterhaltung, die irgendwann dazu führt, dass sie sich treffen wollen. Der fünfundvierzigjährige Nick ist zwar noch verheiratet, seine Frau Poll hat ihn aber mit Nicks bestem Freund Jez betrogen, die Ehe ist am Ende und die Scheidung steht bevor. Als Bee am verabredeten Treffpunkt ankommt, gibt es keine Spur von Nick, obwohl dieser steif und fest behauptet, dort zu sein. Wutentbrannt blockiert Bee den Unbekannten, aber die Anziehung ist stärker und kurz danach schreibt sie ihn wieder an.

„Wären die Dinge anders gelaufen, wenn wir weniger selbstzufrieden gewesen und den Hinweisen gefolgt wären? Vielleicht. Vielleicht hätte uns das sofort in den Irrsinn katapultiert, der uns bevorstand. Vielleicht hätte einer von uns beiden den anderen für verrückt gehalten und den Kontakt abgebrochen.“ (Seite 18)

Ich mag Bücher, die anders sind und diese Geschichte ist definitiv etwas besonderes. Dies nicht etwa wegen der schriftlichen Unterhaltung der beiden Beteiligten, die immer wieder die Erzählung unterbricht, sondern wegen eines Umstandes, den der Klappentext nicht verrät und den ich möglichst versuchen möchte, ebenfalls zu verschweigen. Da es allerdings LeserInnen gibt, die solche Storys nicht mögen, folgt nun ein Satz, der einen Hinweis enthält.


SPOILER
Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen, allerdings nicht zeitlich versetzt, sondern in zwei verschiedenen Universen.
SPOILER ENDE


Ich wusste nicht was mich erwartet, habe mit einer Liebesgeschichte gerechnet, die sich aus dem Schriftverkehr ergibt. Wie erstaunt war ich zu Beginn des zweiten Teils, als es einen kryptischen Hinweis gab, worauf das Ganze hinausläuft, wobei ich ehrlich gesagt nicht sofort das gesamte Ausmaß des Abschnitts erfasst habe. War ich davor interessiert, kann ich bestätigen, dass ich ab da total angefixt und gespannt darauf war, wo die Reise hingeht. Der englische Titel Impossible trifft es exakt, aber obwohl es tatsächlich unmöglich ist, was sich Nick und Bee wünschen, blieb bei beiden und auch bei mir ein kleiner Rest Hoffnung, dass es trotzdem klappt. Vielleicht bin ich ganz tief in meinem Inneren doch mehr eine Romantikerin, als es nach Außen hin scheint.

Wie sich die Geschichte entwickelt, welche Hürden und Hindernisse vorkamen, und ob es eine Chance für Bee und Nick gibt, das muss jeder Leser und jede Leserin selbst herausfinden. Ich jedenfalls wurde sehr gut unterhalten, fand den Humor toll und fast wäre es ein Highlight geworden, wenn die Übersetzung nicht gewesen wäre. Gefühlt auf jeder Seite kam, sehr zu meinem Leidwesen, folgender Ausspruch vor: Weiß der Himmel, Herrje, Herrgott, meine Güte; getoppt nur noch durch: ach du meine Güte. Von seltsamen Wortfindungen wie Kameradchen will ich lieber gar nicht erst anfangen. Das hat irgendwann meinen Lesefluss behindert und dazu geführt, dass Bee und Nick mir etwas gestört vorkamen, was ihre Sprache betrifft. Wer darüber hinwegsehen kann, der zählt zu meinen vier Sternen einfach einen dazu. Abgesehen davon spreche ich aber gerne eine Leseempfehlung aus, denn das Buch war ansonsten wirklich richtig toll!

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Großartige Unterhaltung

Melody
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Tom Elmer lässt sich treiben, erst nachdem der Geldhahn zugedreht wurde, beginnt er, den Ernst des Lebens zu begreifen und sucht nach einem Job. Der Alt-Nationalrat Dr. Peter Stotz sucht indes nach Jemandem, ...

Tom Elmer lässt sich treiben, erst nachdem der Geldhahn zugedreht wurde, beginnt er, den Ernst des Lebens zu begreifen und sucht nach einem Job. Der Alt-Nationalrat Dr. Peter Stotz sucht indes nach Jemandem, der seinen umfangreichen Nachlass ordnen soll, und stellt Tom nach dem Vorstellungsgespräch ein. Die beiden Männer freunden sich an und führen täglich Gespräche, die sich immer mehr hauptsächlich um Melody drehen, einst die Verlobte von Dr. Stotz und dessen große Liebe, die vor über 40 Jahren kurz vor der Hochzeit verschwand. Als Tom mit der Großnichte seines Arbeitgebers eigene Nachforschungen anstellt, finden beide heraus, dass Dr. Stotz eine eigene Sicht auf die Wahrheit hat.

Das vorliegende Buch war eine Premiere für mich, denn es war das erste Werk des Autors, das ich gelesen habe. Ich bin begeistert vom Schreibstil und auch der Art des Erzählens, es wird also sicherlich nicht das letzte Buch von Martin Suter bleiben, das ich lese. Dies aber nur am Rande. Die Geschichte von Dr. Stotz bekam Tom und somit auch ich nur häppchenweise serviert, sodass eine gewisse Spannung erzeugt wurde, die das ganze Buch über anhielt. Ich habe mir die verschiedensten Gründe ausgemalt, was damals passiert sein konnte, und hätte nicht weiter daneben liegen können. Hierbei verstand der Autor es meisterhaft, falsche Spuren zu legen und auch Wendungen einzubauen, die mich verblüfften. Immer, wenn ich dachte, dass ich den Durchblick habe, legte er noch einmal nach und überraschte mich. Die Auflösung wiederum war ebenfalls anders als gedacht, ich hätte mit diesem Ausgang nicht gerechnet.

Zusammenfassend ein großartiges Buch mit einer spannenden sowie wendungsreichen Story, dazu sprachlich eine Wucht. Für mich persönlich ein Highlight, das die volle Punktzahl nebst Extrasternchen verdient und bekommt.

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Veröffentlicht am 14.07.2023

Kurz, knackig und kriminell

Meer Morde
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Für das vorliegende Buch hat Rotraut Schöberl dreiundzwanzig Geschichten gesammelt. Dabei handelt es sich nicht nur um Kurzgeschichten, sondern auch erste Kapitel aus Büchern bekannter und weniger bekannter ...

Für das vorliegende Buch hat Rotraut Schöberl dreiundzwanzig Geschichten gesammelt. Dabei handelt es sich nicht nur um Kurzgeschichten, sondern auch erste Kapitel aus Büchern bekannter und weniger bekannter AutorInnen, die Lust machen sollen auf mehr. Der Vorteil dabei ist, dass ich so neue Autoren kennenlernen und für mich feststellen konnte, ob mir deren Schreibstil liegt. Der Nachteil liegt auf der Hand; als es gerade begann, spannend zu werden, war die Leseprobe vorbei.

Mir persönlich waren die Kurzgeschichten lieber, die mal lang, mal sehr kurz ausgefallen sind. Die Auswahl war gut getroffen, die unterschiedlichen Erzählstile haben eine tolle Abwechslung geboten. Der Bezug zum Meer beziehungsweise Wasser war immer gegeben, dies spiegelte sich auch in den schwarzweißen Illustrationen wieder, die das maritime Thema aufgegriffen haben. Alles in allem eine interessante Sammlung, die für mich aber gerne mehr abgeschlossene Kurzgeschichten hätte beinhalten können. Meine Lieblingsstory war übrigens von Patricia Highsmith, handelte von der tapfersten Ratte von Venedig und war ziemlich skurril. Es war ein kurzweiliges Lesevergnügen und abschließend möchte ich noch auf das tolle Cover verweisen, das, wie die Illustrationen innen, durch Hanna Zeckau gestaltet worden ist.

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