Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
offline

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2023

Sperrig und eigen

Goldschakal
0

Arun, Aseem und Virendra haben es geschafft, die drei jungen Männer dürfen am Indian Institut of Technology studieren und haben damit die Chance, ihrem Leben der niedrigen Kasten zu entkommen. Als Aruns ...

Arun, Aseem und Virendra haben es geschafft, die drei jungen Männer dürfen am Indian Institut of Technology studieren und haben damit die Chance, ihrem Leben der niedrigen Kasten zu entkommen. Als Aruns Mutter von ihrem Mann verlassen wird, zieht Arun mit ihr in ein kleines Dorf im Himalaya, während seine Freunde ihr Leben in vollen Zügen genießen. Bis eine schreckliche Gewalttat dazu führt, dass sich Arun seiner Identität stellen muss.

Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, da ich die indische Kultur faszinierend finde und gerne etwas mehr über das Leben dort, besonders das für mich völlig unübersichtliche Kastensystem, erfahren hätte. Der Ich-Erzähler Arun hat es diesbezüglich aber leider nicht geschafft, mich zu fesseln, geschweige denn, überhaupt für seine Erzählung zu begeistern. Abgesehen davon, dass es viele Wörter gab, die für mich keinen Sinn ergaben, weil ich nicht wusste, ob es Dinge oder umgangssprachliche Begriffe waren, gab es einfach zu wenige interessante Momente, die das Buch zu einem Genuss gemacht hätten. In Wellen kamen kurze Abschnitte, die mich hoffen ließen, der Knoten sei geplatzt und nun ginge es los, nur um wieder in Ausschweifungen zu enden, denen ich schlicht und ergreifend nicht folgen konnte. Ich fürchte, dass mir die Geschichte zu sachlich und eher für LeserInnen gedacht war, die mehr Vorwissen und Interesse haben, als dies bei mir der Fall war. Die goldene Mitte in der Bewertung ist damit nur gewählt, weil ich mir nicht anmaßen möchte, etwas zu bewerten, was für mich nicht verständlich war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2023

Schmerzhaft schön

All die ungesagten Dinge
0

Als die Nachricht über den Tod ihres siebzehnjährigen Bruders die junge Ky erreicht, kann diese es kaum fassen, schließlich war der fünf Jahre jüngere Denny ein unauffälliger Junge, ein Musterschüler und ...

Als die Nachricht über den Tod ihres siebzehnjährigen Bruders die junge Ky erreicht, kann diese es kaum fassen, schließlich war der fünf Jahre jüngere Denny ein unauffälliger Junge, ein Musterschüler und gerade dabei, erwachsen zu werden. Sie selbst war es, die ihre Eltern überredet hat, Denny in das Lokal Lucky 8 gehen zu lassen, um seinen Schulabschluss zu feiern. Nun ist Denny tot und niemand will etwas gesehen haben, aber damit will sich Ky nicht abfinden und fängt an, tiefer zu graben. Mit der Mauer des Schweigens, die ihr dabei im Wege steht, hat sie allerdings nicht gerechnet.

„Versuchte sie vielleicht, Absolution zu erlangen, indem sie sich selbst so viel Unerträgliches zumutete, sich zwang, auf die denkbar quälendste Art und Weise herauszufinden, was mit ihrem Bruder passiert war? Sie wusste nicht, wer genau ihr diese Absolution erteilen konnte. Doch sie sah keine andere Möglichkeit, sich von dem Schuldgefühl zu befreien, das ihr die Luft abschnürte, seit sie vom Tod ihres Bruders erfahren hatte.“ (Seite 97)

Aus verschiedenen Perspektiven nähert sich das Buch dem tragischen Tod von Denny an. Hierbei spielt die Handlung in der realen Stadt Cabramatta in Australien, die Protagonisten sind fast ausnahmslos vietnamesische Einwanderer und deren Nachkommen. Die Suche von Ky nach der Wahrheit wird unterbrochen durch den Wechsel zu Zeugen, Freunden, Weggefährten. Fast alle von ihnen haben gelogen, niemand will etwas gesehen, geschweige denn überhaupt mitbekommen haben. Jede dieser Personen hat eigene Gründe für das Schweigen, die erst nach und nach ans Licht kommen. Dies war so unglaublich spannend, dass ich über große Strecken hinweg von einem Spannungs-, wenn nicht sogar einem Kriminalroman sprechen würde.

Daneben wird das Thema Flüchtlinge, Integration und das Fremdsein in einem unbekannten Land immer wieder thematisiert. Die eigene Kultur, die Sprache und die Identität spielen eine große Rolle. Die verschiedenen Sichtweisen der Flüchtenden und deren Kindern wurden gegeneinander gestellt und verglichen, ohne wertend oder abwertend zu sein. Der versteckt oder offen zur Schau getragene Rassismus war erschreckend, stellenweise hat es mich geschüttelt vor Entsetzen, über lange Strecken hinweg aber ebenso mächtig wütend gemacht. Über viele Details habe auch ich mir tatsächlich noch nie Gedanken gemacht und war erschrocken, wie oberflächlich wir Menschen oftmals sind.

Der Einblick in die vietnamesische Kultur war faszinierend, die Geschichte der fiktiven Familie Tran traurig, tragisch und packend. Dieser Debütroman wird mir lange im Gedächtnis bleiben, gerne empfehle ich das Buch weiter. Volle Punktzahl mit einem extra Sternchen gibt es dafür von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2023

Mir persönlich zu konfus und überladen

Flüchtige Freunde
0

Als die zweiundzwanzigjährige Charlotte an Halloween nach einer Party verschwindet, ist die Aufregung groß; von Entführung, Vergewaltigung und sogar Mord ist die Rede. Anfangs glaubt Leda, sie sei die ...

Als die zweiundzwanzigjährige Charlotte an Halloween nach einer Party verschwindet, ist die Aufregung groß; von Entführung, Vergewaltigung und sogar Mord ist die Rede. Anfangs glaubt Leda, sie sei die letzte Person, die Charlotte in dieser Nacht gesehen hat, aber sicher ist sie sich da nicht, zu verschwommen ist ihre Erinnerung, sie weiß selbst nicht, ob und was sie in dieser Nacht getan hat.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe vom Buch, allerdings eher einen Roman mit Spannungsmomenten und nicht ein Buch, in dem die Protagonistin über lange Strecken hinweg über ihr Leben nachdenkt, es seziert und daran scheitert. Daneben ist sie von der Suche nach Charlotte so eingenommen, dass es fast einer Manie gleicht, wenn man bedenkt, dass sie das Mädchen lediglich auf der besagten Party gesehen und kurz mit ihr gesprochen hat. Ich kann nicht sagen, worauf die Autorin hinauswollte; ging es um Familie, Freunde oder einfach nur um das Campusleben und die Auswirkungen davon auf die Studierenden? Ging es um eine Identitätskrise, das Fehlen einer solchen oder auch um etwas gänzlich anderes? Eine Bedrohung zieht sich durch das Buch, die aber nicht greifbar ist und die ich deswegen als unpassend wahrnehme. Es ist, als ob die Autorin selbst nicht wusste, worauf die Geschichte hinausläuft, als ob sie sich treiben ließe, um am Ende eine Auflösung zu konstruieren, die mich etwas ratlos zurücklässt. Vielleicht war es aber auch einfach nur nicht der richtige Zeitpunkt für mich und das Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2023

Verstörend aktuell

Einer von den Guten
0

Das Doppelleben von Ben Neven, leitender Kriminalermittler in der Abteilung für Delikte am Menschen, fordert langsam seinen Tribut. Ben weiß, dass seine Situation ausweglos ist und sucht verzweifelt nach ...

Das Doppelleben von Ben Neven, leitender Kriminalermittler in der Abteilung für Delikte am Menschen, fordert langsam seinen Tribut. Ben weiß, dass seine Situation ausweglos ist und sucht verzweifelt nach einem Weg, sich einem anderen Menschen anvertrauen zu können. Der minderjährige Adrian lernt indessen das Mädchen Vera kennen, die ihm zeigt, dass es einen Ausweg geben kann. Der Preis dafür ist allerdings hoch.

Dies ist der dritte Teil der Reihe um Ben Neven und gab es in den ersten beiden Büchern vorrangig Ermittlungen, geht es in diesem Buch hauptsächlich um Ben und sein Geheimnis. Ohne die ersten beiden Bücher gelesen zu haben, wird man am vorliegenden Werk kaum Freude haben, denn die Entwicklung, die Ben durchmacht, erreicht erst allmählich ihren Höhepunkt, ich empfehle also, zum besseren Verständnis die Reihenfolge einzuhalten.

„Während der Kriminalpolizist Ben Neven nach Dortmund fährt, um Böses zu tun, denkt er schon die Rückfahrt mit, setzt sie voraus, die Erschöpfung, die Müdigkeit, die Abwesenheit von Lust und dass alles so sein wird, als wäre es nicht wirklich passiert.“ (Seite 9)

Der Autor schafft es auch in der Fortsetzung, die Zerrissenheit von Ben bildlich darzustellen und dessen Qualen abzubilden. Es fällt mir dennoch zunehmend schwer, auch nur den Hauch von Verständnis aufzubringen, obwohl Jan Costin Wagner einen Charakter erschaffen hat, der beides in sich vereint; das Gute und das Schlechte, wobei letzteres zunehmend eine böse Richtung einschlägt, die ich gar nicht tolerieren kann und will. Es ist, als ob eine dunkle Wolke sich immer mehr vor die Sonne schiebt, bis kein Sonnenstrahl mehr einen Weg herausfindet. Wo ich zu Beginn der Buchreihe noch schwankte zwischen Sympathie, Mitleid und Hass, schlage ich mich zunehmend auf eine Seite, die außer Abscheu und absolutem Unverständnis kein anderes Gefühl mehr zulässt. Aus Gründen.

„Vielleicht ist er zu hart mit sich selbst. Der Junge ist einverstanden. Warum betrachtet er selbst es als böse? Er muss nochmal darüber nachdenken, später.“ (Seite 11)

Der ungewöhnliche Sprachstil, die erschütternde und aktuelle Thematik, die Wendung, die die Geschichte nimmt und die Beleuchtung aus verschiedenen Seiten, all dies lässt das Buch so eindringlich und eindrucksvoll wirken, so beklemmend und schwer auszuhalten, und dennoch war es kaum möglich für mich, es aus der Hand zu legen, weil ich gespannt darauf war, welchen Lauf die Erzählung nimmt. Langsam baute sich eine Spannung auf, die in der Mitte ihren Höhepunkt fand, danach aber kontinuierlich zurückgegangen ist. Ich habe gehofft, gebangt und die Daumen gehalten, wollte unbedingt ein bestimmtes Ergebnis für mich. Es bleibt weiterhin spannend, denn der Abschluss war noch nicht das Ende. Es geht weiter und ich freue mich drauf!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2023

Die Suche nach der Wahrheit

Die Schwester
0

Als Maras Schwester Lisa verschwindet, ist Mara alarmiert, denn Lisa ist die Verlässlichkeit in Person, glücklich verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. Da die Polizei keinen Grund hat, nach ...

Als Maras Schwester Lisa verschwindet, ist Mara alarmiert, denn Lisa ist die Verlässlichkeit in Person, glücklich verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. Da die Polizei keinen Grund hat, nach der Vermissten zu suchen, fängt Mara an, selbst Nachforschungen anzustellen und findet Ungereimtheiten im Leben von Lisa, die ihr zu denken geben und sie ahnen lassen, dass sie weniger über ihre Schwester weiß, als sie gedacht hat.

Das Buch begann sehr zurückhaltend und blieb es durchgehend auch. Der Anfang war dabei durchaus vielversprechend, die Ich-Erzählerin Mara schilderte aus ihrer Sicht, was passierte, ergänzte fehlende Stellen durch Vermutungen und gab dabei einiges aus ihrer und der Vergangenheit von Lisa preis. Der Wechsel der Perspektive, der mir einen Blick hinter die Kulissen der Polizei ermöglichte, erfolgte oft abrupt und war nicht gekennzeichnet, was allerdings kein Problem darstellte, denn ich konnte trotzdem gut der Geschichte folgen. Diese kam nur sehr langsam in Fahrt, von Nervenkitzel gab es leider kaum eine Spur, sodass es mir schwer gefallen ist, am Ball zu bleiben. In der Mitte dann plätscherte die Story nur noch vor sich hin, hier hätte man das Buch gut und gerne kürzen können, denn relevante Tatsachen wurden dabei nicht geschaffen. Das letzte Drittel nahm dann endlich etwas Fahrt auf, es wurde aufregend und die von mir vermisste Spannung ließ sich endlich blicken. Die Wendung war nicht ganz so überraschend, da viele Indizien in diese Richtung gingen, der folgende Abschluss aber dennoch dramatisch und nicht alltäglich. Insgesamt ein solider Roman mit einer kleinen Prise Krimi, dem etwas mehr Tempo gutgetan hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere