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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2022

Verbotene Liebe

Das verborgene Paradies
1

In dem Alpendorf Borgo San Michele kreuzen sich die Wege von Susanna und Daniele im Jahre 1610 bereits im Kindesalter. Ob die dramatische Geburt von Susanna oder ein traumatisches Erlebnis von Daniele ...

In dem Alpendorf Borgo San Michele kreuzen sich die Wege von Susanna und Daniele im Jahre 1610 bereits im Kindesalter. Ob die dramatische Geburt von Susanna oder ein traumatisches Erlebnis von Daniele im Alter von fünf Jahren, beide Ereignisse führen dazu, dass die Schicksale der beiden für immer miteinander verbunden sind. Als Susanna im Jahr 1633 verhaftet und der Hexerei sowie des Mordes an ihrem Mann beschuldigt wird, eilt Daniele zu ihrer Rettung. Die Verteidigung von Susanna gestaltet sich schwierig, denn die Macht der Kirche ist groß und die Macht einzelner Männer noch größer.

Ich habe Anfangs lange gebraucht, um in die Geschichte reinzufinden. Nach einem dramatischen und sehr spannenden Prolog sprang die Geschichte immer wieder zwischen Personen und Zeiten hin und her, und auch wenn jedes Kapitel mit der entsprechenden Jahreszahl versehen wurde, war mir persönlich zu Beginn einfach zu viel Unruhe drin. Erst nach und nach entfaltete die Geschichte ihren Sog, erklärte sich, was passiert ist. Der historische Hintergrund war hierbei wie immer toll recherchiert, die Rolle der Kirche etwa lässt mich angewidert und entsetzt zurück. Intrigen, Geheimnisse, Machtmissbrauch und Grausamkeit ziehen sich durch das Buch, aber auch Liebe und Hoffnung schimmern immer wieder durch. Ein dramatisches Finale rundet die Geschichte ab und lässt mich nachdenklich zurück.

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Veröffentlicht am 11.11.2022

Zahn um Zahn

Stille blutet
1

Die Nachrichtensprecherin Nadine Just liest während der Nachrichten eine Ankündigung des eigenen Todes vor, aus Ungläubigkeit ist sie nicht in der Lage, sich live zu bremsen, sodass diese Sequenz kurze ...

Die Nachrichtensprecherin Nadine Just liest während der Nachrichten eine Ankündigung des eigenen Todes vor, aus Ungläubigkeit ist sie nicht in der Lage, sich live zu bremsen, sodass diese Sequenz kurze Zeit später auf allen Kanälen zu sehen ist. Als Nadine zwei Stunden später von ihrem Ex-Freund Tibor tot aufgefunden wird, ist noch nicht klar, dass dies nur der Anfang einer bizarren Mordserie ist. Die junge Ermittlerin Fina hat indes eine schweren Stand als Neuling und einzige Frau in der Mordkommission. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich durchsetzen und dabei auf ihr Bauchgefühl hören kann, das oft einer anderen Meinung ist, als der ihr zugeteilte Kollege.

Dies ist der erste Teil einer neuen Buchreihe von Ursula Poznanski, aber bereits jetzt kann ich eine Fortsetzung kaum abwarten. Die Ermittler hatten Ecken und Kanten und besonders Fina habe ich ins Herz geschlossen. Ich bin sehr neugierig darauf, wie es bei ihr beruflich, aber gerne auch etwas mehr im privaten Bereich weitergeht. Den Fall selbst fand ich sehr interessant und die Art und Weise der Ausführung raffiniert. Bis zuletzt hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, welche der Personen in Betracht kommen könnte, die Morde begangen zu haben. Die Auflösung war überraschend, hat mich aber auch etwas traurig zurückgelassen, denn die Opfer waren keine netten Menschen und auch wenn sie natürlich keinen Tod verdient hatten, so gab es bei mir ein wenig Verständnis für die Wut, die sie ausgelöst haben, wenn auch nicht für die Taten an sich.

Obwohl es in der Mitte einen kleinen Hänger gab, was die Spannung angeht, konnte mich das Buch im letzten Drittel erneut abholen und fesseln. Von mir gibt es dafür viereinhalb Sterne und natürlich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.11.2022

Ein schwerer Abschied

Der Zorn sei dein Ende
1

Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch ...

Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch tot ist. Währenddessen wird Teresa, die Mutter von Peters Pflegesohn Gabe, überfallen und ihr jüngstes Kind entführt. Deren gewalttätiger Ex-Mann Chris Donatti ist sofort zur Stelle, um seiner großen Liebe, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, zu helfen. Dabei ist er bereit, alles zu tun, damit Teresa zu ihm zurückkommt, und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück.

Abwechselnd sprang die Geschichte zwischen der Ermittlung von Decker und dem Entführungsfall hin und her, wobei die Story rund um Teresa, die Ex-Frau von Chris Donatti, den meisten Raum einnahm. Die Perspektiven wechselten, wobei mich irritierte, dass Teresa dabei als einzige Ich-Erzählerin fungierte. Ebenso irritierend fand ich die Ermittlung selbst, die ich mit dem letzten Teil der Reihe eigentlich bereits abgeschlossen wähnte. Zur Spannung trug der alte Fall jedenfalls nicht bei, die eher gemächliche Handlung fand ich fast ermüdend. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle, dass es genügend Erklärungen und Wiederholungen gab, die mir geholfen gaben, mich an das letzte Buch sowie insbesondere den Werdegang von Chris Donetti zu erinnern. Dennoch fand ich nicht so richtig in das Geschehen rein.

Dies hätte das grandiose Finale der wunderbaren Buchreihe mit Rina Lazarus und Peter Decker werden sollen, leider blieb ich am Ende etwas enttäuscht zurück. Statt eines Kriminalromans bekam ich einen Mix aus True Crime und Mafiastory, wobei letztere tatsächlich überwiegend zur Abwertung führt. Der Teil nämlich, der sich um Rina sowie Peter nebst Familie und Freunden drehte, war zwar viel zu kurz, aber von den Dialogen her gewohnt gut; der feine Humor wie immer wohl dosiert und mit witzigen Spitzen versehen. Der Donatti-Teil wiederum katapultierte mich in einen Groschenroman, der sich hauptsächlich um Rache, Verrat und vorrangig Sex drehte. Viel Sex. Sehr viel Sex. Kombiniert mit den oft erstaunlich schlechten Dialogen, ergab dies kein großes Lesevergnügen für mich. Die Autorin wollte hier wohl unbedingt zeigen, was für ein böser Junge Chris Donatti ist, hat aber dadurch tragischerweise eher eine Karikatur seiner selbst erschaffen, was schade und unnötig war, denn aus den vorherigen Büchern war bereits klar ersichtlich, was für ein Mensch Chris war und ist.

Die Geschichte explodierte dann förmlich auf der Zielgeraden, die letzten hundert Seiten waren eine Höllenfahrt, was mich gleichermaßen überraschte wie erfreute. Hier entfaltete sich das Talent der Autorin, das der Grund dafür ist, dass ich diese Buchreihe seit fast fünfundzwanzig Jahren gelesen und geliebt habe. Das erste Buch ist übrigens 1986 erschienen, also vor über sechsunddreißig Jahren! Das Ende war schön und passend, aber auch tragisch und traurig. Der Abschluss nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte, aber er rundete die Geschichte von Peter und Rina, ihrer Familie und Freunden gut ab. Es war eine tolle Reise, die nun zu Ende ist. Danke dafür. Von mir gibt es dreieinhalb Sterne.

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Veröffentlicht am 07.11.2022

Typisch deutsch, oder?

Ein Alman feiert selten allein
1

Elif verbringt Weihnachten mit ihrem Freund Jonas und seiner deutschen Familie. Dies hört sich harmonisch an, ist es aber nicht. Kulturelle Unterschiede, Witze auf ihre Kosten sowie die ein oder andere ...

Elif verbringt Weihnachten mit ihrem Freund Jonas und seiner deutschen Familie. Dies hört sich harmonisch an, ist es aber nicht. Kulturelle Unterschiede, Witze auf ihre Kosten sowie die ein oder andere Kuriosität im Hinblick auf Ablauf und Durchführung der Festivitäten bringen Elif an den Rand eines Nervenzusammenbruch.

Dies ist das erste Buch der Autorin, aber hoffentlich nicht ihr letztes. Lustige Bücher lese ich kaum bis gar nicht, hier bin ich aber froh, eine Ausnahme gemacht zu haben. Dieses Buch war das Lustigste, was ich dieses Jahr lesen durfte. Die Schilderungen der Protagonistin waren aus dem Leben gegriffen, viele Situationen habe ich tatsächlich wiedererkannt. Weihnachten ist ein Pulverfass und wenn dann auch noch zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen, sind Unfrieden und Streit vorprogrammiert. Die Eigenheiten der Deutschen werden auf die Schippe genommen, die ein oder andere Spitze hat mich laut auflachen lassen. Gefallen hat mir dabei sehr, dass es nie unter die Gürtellinie ging, und dass auch einige Schrullen der türkischen Familie von Elif zur Sprache gekommen sind. Dieses Buch schreit förmlich danach, verfilmt zu werden, ich würde es mir sehr wünschen. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Friss die Hälfte

Lügen über meine Mutter
1

Daniela Dröscher erzählt über ihre Kindheit und ich bin entsetzt, angewidert und fasziniert zugleich. Größtenteils aus der Sicht eines Kindes, unterbrochen mit kurzen Resümees als erwachsene Frau, berichtet ...

Daniela Dröscher erzählt über ihre Kindheit und ich bin entsetzt, angewidert und fasziniert zugleich. Größtenteils aus der Sicht eines Kindes, unterbrochen mit kurzen Resümees als erwachsene Frau, berichtet sie über die Ehe ihrer Eltern aus ihrer Sicht in den 1980er Jahren. Wie der Vater die Mutter demütigt, Tag für Tag, weil sie ihm zu dick und dadurch nicht vorzeigbar genug ist. Er, dem die Wirkung nach außen hin fast noch wichtiger ist, als Eheglück und Frieden zu Hause. Er, der als einfacher Angestellter sein Leben lang dem Traum hinterherläuft, befördert zu werden, überhaupt Jemand zu sein. Der damit nicht klarkommt, dass seine Frau etwas besser weiß, der sie klein halten und unterdrücken muss, um besser dazustehen, mehr Schein als Sein.

Ich war mir nicht sicher, ob man dieses Gefühl transportieren kann, das wahrscheinlich jede Frau in ihrem Leben bereits mindestens einmal erlebt hat, nämlich nicht gut genug zu sein. An sich zu zweifeln und zu verzweifeln, weil ein Mann einem sagt, man sei nichts wert, nicht schlank genug oder einfach dumm. Aber die Autorin hat es geschafft, dass ich aus dem Nicken beim lesen nicht mehr herauskam. So, genau so und nicht anders war es früher, das weiß ich, denn ich war dabei. Ich war beim lesen entsetzt, ich bin zerplatzt vor Wut, konnte nicht fassen, wie der Vater manipuliert, gedroht und kleingeistig reagiert hat. Welche Freiheiten und Frechheiten er sich rausgenommen, welchen Luxus er sich erlaubt hat. Alles auf dem Rücken seiner Frau, die als Tochter, Mutter, Schwiegertochter und Pflegemutter tagtäglich den Laden am Laufen gehalten und dazu der Familie ein Leben über ihren Verhältnissen ermöglicht hat.

Diese Erinnerungen in Romanform sind eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe und sicherlich nicht das letzte Buch der Autorin, das ich lesen werde. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung. Grandios!

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