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Veröffentlicht am 13.06.2020

Sehr empfehlenswerter historischer Roman

Im Lautlosen
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Melanie Metzenthin greift in „Im Lautlosen“ als Thema die Euthanasie an Menschen mit Behinderung zur NS-Zeit auf. Erschienen ist der Roman im Juli 2017 bei Tinte & Feder.

Hamburg, 1926: Richard und Paula ...

Melanie Metzenthin greift in „Im Lautlosen“ als Thema die Euthanasie an Menschen mit Behinderung zur NS-Zeit auf. Erschienen ist der Roman im Juli 2017 bei Tinte & Feder.

Hamburg, 1926: Richard und Paula begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung an der erst vor wenigen Jahren gegründeten Universität Hamburg. Beide studieren Medizin und schnell ist klar, dass beide sich zueinander hingezogen fühlen. Sie heiraten und bekommen Zwillinge. Während Emilia hören kann, wird bei Georg recht schnell festgestellt, dass er gehörlos ist. Als die Nationalsozialisten immer mehr an Macht gewinnen, wird dies zum Problem, denn diese erlassen Gesetze, die die Rechte von Menschen mit Behinderung stark einschränken und im weiteren Verlauf sogar zur Tötung führen. Richard, der mittlerweile als Arzt arbeitet, kann sich hiermit nicht arrangieren und so fängt er an seine Patienten vor der Euthanasie zu schützen und bringt somit nicht nur sich, sondern auch seine Familie in Gefahr.

Bei Büchern zur NS-Zeit weiß ich immer schon vorher, dass diese mich emotional sehr berühren werden und dieses Buch macht da keine Ausnahme. Ich habe schon einige Romane zu dieser Zeit gelesen und dennoch gibt es immer wieder schreckliche Dinge aus dieser Zeit, die ich noch nicht wusste. Ich finde es wichtig, sich in unregelmäßigen Abständen mit diesem Thema zu konfrontieren, denn es darf wirklich niemals vergessen werden, was für schlimme Sachen zu dieser Zeit passiert sind.
Der Schreibstil der Autorin war sehr angenehm für mich zu lesen. Man kann zügig lesen und kommt gut in der Geschichte voran. Ich fand die Perspektive gut gewählt. Paula und Richard sind das Zentrum dieser Geschichte und man erlebt die Geschichte, wie sie sich für die Bevölkerung ereignet hat, die sich teilweise nur aufgrund von Gerüchten und Beobachtungen zusammenreimen konnte, was da im Hintergrund alles passiert.
Die Geschichte fängt noch vor der Machtergreifung an. Deutschland hat große Fortschritte gemacht. Es wird nicht mehr nur der obersten Schicht gestattet zu studieren, sondern auch Richard als Tischlergeselle sowie Paula als Frau können Medizin studieren. Man erlebt mit wie sich die Stimmung im Land schleichend ändert und dabei bleiben so einige Parallelen zur heutigen politischen Situation nicht aus. Das hat mir so manches Mal Gänsehaut verursacht, wenn ein Nazi seine menschenverachtenden Ansichten so frei geäußert hat oder auch wie gute Ideen wie die Arbeiterwohlfahrt durch die Übernahme durch die NSDAP ad absurdum geführt wurden.
Der Roman zeigt sehr gut, warum sich die Menschen dennoch vom Nationalsozialismus haben blenden lassen. Es zeigt aber auch das Dilemma der Personen, die nicht hinter der Politik der Nationalsozialisten standen, diese aber wiederum ausführen mussten oder sich eben einen Weg suchen mussten, wie sie das Gesetz umgehen können. Hier ist Richard als Arzt in einer Nerven- und Heilanstalt in einer Schlüsselrolle. Man erlebt im Zeitraffer wie sich die Gesetzeslage immer mehr verschärft und es immer schwieriger wird, etwas zu tun, ohne selbst in Gefahr zu geraten und ich habe großen Respekt vor allen, die das gemacht haben.
Die Themen in diesem Buch sind so vielfältig. Die Euthanasie und Behandlung von Menschen mit Behinderung steht ganz klar im Vordergrund, durch die Personenzusammensetzung wird aber auch die Situation der Juden gezeigt. Wir erfahren etwas über das Leben in einem Feld- sowie Hauptlazarett im zweiten Weltkrieg. Wir erleben Bombennächte in Hamburg mit und was getan wurde, um den Gegner zu verwirren und wie sich die Rolle der Frau in dieser Zeit verändert hat. Das Buch endet nicht direkt mit dem Ende des Krieges, sondern es wird gezeigt, was danach passierte und das eben nicht direkt alles wieder gut war, sondern die Besatzung der Briten einiges an Entbehrungen mit sich brachte. Ich habe wieder viel Neues an Wissen für mich mitgenommen, was mir so nicht bewusst war.
Mit den Personen im Buch habe ich mitgefiebert. Paula und Richard habe ich als Eltern bewundert, wie sie mit der Gehörlosigkeit ihres Sohnes umgehen. Ich konnte die Naivität von Paula bei manchen Themen gut nachvollziehen, aber auch die Verbitterung von Richard, der sich sehr für Politik interessiert. Ich habe die Freundschaft zwischen Richard und seinen besten Freund Fritz bewundert. Mit Georg habe ich unvorstellbare Ängste ausgestanden, dass er durch seine Gehörlosigkeit zu einem Opfer des Nationalsozialismus wird. Ich habe mich über jeden gefreut, der gerettet werden konnte und war am Boden zerstört über jeden, dem dieses Glück nicht vergönnt war.
Ich könnte noch viel mehr zu diesem tollen Buch schreiben. Das Nachwort zeigt, dass hier gut recherchiert wurde. Die Autorin trennt hier Fiktion von Wahrheit und zeigt auf, wie sie die fiktive Geschichte von Paula und Richard mit echten Fakten verwoben hat. Ich finde, das ist Melanie Metzenthin wunderbar gelungen. Die kleineren Freiheiten, die sie sich herausgenommen hat, sind alle mehr als vertretbar.

Fazit: Ein historischer Roman, der mit der Euthanasie an Menschen mit Behinderung ein sehr wichtiges Thema aufgreift und das Dilemma der Personen zeigt, die diese Menschen retten wollten. Darüber hinaus hat mich der Roman sehr berührt und ist sehr gut recherchiert. Hierfür gibt es eine unbedingte Leseempfehlung an alle, denn das was in der NS-Zeit passiert ist, muss in Erinnerung bleiben und darf sich auf keinen Fall wiederholen.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2020

Ein sehr starker zweiter Teil. Ich liebe diese Reihe

Cyber Trips
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Mit „Cyber Trips“ ist der zweite Band aus Marie Grashoffs „Neon Birds“-Welt erschienen. Der Kampf der Menschheit gegen eine scheinbar unbesiegbare künstliche Intelligenz geht in die nächste Runde. Der ...

Mit „Cyber Trips“ ist der zweite Band aus Marie Grashoffs „Neon Birds“-Welt erschienen. Der Kampf der Menschheit gegen eine scheinbar unbesiegbare künstliche Intelligenz geht in die nächste Runde. Der Roman ist im Mai 2020 bei Bastei Lübbe erschienen.

Im beginnenden 22. Jahrhundert kämpft die Welt schon seit Jahrzehnten gegen eine immer besser werdende künstliche Intelligenz, die sich KAMI nennt. Millionen wurden bereits infiziert und wurden so ihres freien Willens beraubt. Das Militär kennt nur eine Antwort: Kämpfen und die Ausbreitung mit allen Mitteln verhindern. Doch Andra, die Kämpferin aus dem Yuna-Dorf, hat einen anderen Plan: Sie möchte mit KAMI reden, weil sie glaubt, dass KAMI ein Bewusstsein hat.

Wow, wow, wow, was für ein zweiter Teil einer Reihe. Normalerweise bin ich recht entspannt, was das Warten auf weitere Teile angeht, aber hier würde ich am Liebsten sofort weiterlesen.
Zu Beginn gibt es eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse aus dem ersten Teil. Diese ist sehr gut gelungen und sorgt dafür, dass man direkt wieder in der Geschichte drin ist. Begeistert bin ich immer wieder von den philosophischen Kapiteln, in denen uns KAMIs Sichtweise näher gebracht wird, aber auch in den anderen Kapiteln gelingt es der Autorin neben den Ereignissen die Gefühle der Protagonisten gut herauszustellen. Das Buch in der Bahn zu lesen, ohne komische Blicke auf sich zu ziehen, war teilweise echt schwierig, so sehr habe ich das, was im Buch passiert, gefühlt.
Der Spannungsbogen steigert sich über das Buch ins Unermessliche. Ich fand alle Handlungsstränge interessant. Zwischendrin gibt es ein paar ruhigere Kapitel, in denen man kurz verschnaufen kann. Viele neue Informationen kommen hinzu. Das Verständnis für die Personen und KAMI steigt. Im Finale dieses Buches kratzt Marie Grasshoff allerdings sehr hart an der Grenze zum Informationsoverload. So viel passiert gleichzeitig, so viel wird enthüllt, so viele Gefühle. Mir hat das super gefallen, aber ich brauchte ein bisschen bis das alles in meinem Gehirn angekommen war.
An der Reihe an sich gefällt mir der Kontrast, der erschaffen wurde. Die Menschheit lebt in einem Militärstaat, der dafür gesorgt hat, dass die Menschen versorgt sind und nachhaltig leben. Dinge, die für uns heute noch normal erscheinen, sind in dieser Zeit verpönt und werden nicht mehr genutzt. Und obwohl wir uns in so vielen Dinge weiter entwickelt haben, haben wir es natürlich dennoch geschafft, etwas zu erschaffen, dass uns in unserer Existenz bedroht. Was wäre der Mensch auch ohne eine wirkliche Bedrohung? Das wäre ja irgendwie langweilig.
Man merkt der Reihe deutlich an, dass sich Zeit genommen worden ist, für das Worldbuilding. Hierzu tragen insbesondere die Militärakten bei, die immer wieder eingestreut werden. Es wirkt alles in sich schlüssig und durchdacht und gleichzeitig ist alles auch so komplex. Man wird zum Nachdenken angeregt. Das würde man nicht hinbekommen, wenn man hierauf weniger Wert gelegt hätte und die Autorin hat dies in der Leserunde bestätigt.
Bei den Charakteren habe ich immer noch keinen eindeutigen Favoriten. Ich mag sie alle irgendwie und jeder hatte starke Szenen in diesem Buch. Andra gefällt mir sehr in ihrer Denkweise und dass sie bereit ist einen anderen Weg zu gehen als der Rest der Menschheit. Sie möchte mit KAMI reden, was einiges an Mut erfordert. Okijens Kampf mit der Welt um ihn herum ist in diesem Teil sehr gut dargestellt und man erfährt mehr dazu, warum das so ist. Luke, der für die Menschen kämpft, die ihm was bedeuten, auch wenn es aussichtslos erscheint. Flover, der sich von Luke mitreißen lässt, auch wenn alles in ihm danach verlangt, einfach aufzugeben. KAMI, die eigentlich der Gegner ist, deren Gedanken man im gewissen Rahmen dennoch nachvollziehen kann.
Dieser Band hatte neben vielen Gefühlen und Action einige Überraschungen zu bieten, die ich so nicht erwartet habe. Es wurden einige Fragen beantwortet, die mich sehr interessiert haben, aber auch viele neue erschaffen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Geschichte zu einem Ende geführt wird und ob meine Fragen in ausreichendem Maße beantwortet werden. Gerade bei den Personen, die diesen Militärstaat geschaffen haben, gibt es noch einiges, wozu ich gerne mehr wissen möchte.
Zum Schluss möchte ich noch die tolle Aufmachung des Buches erwähnen, auch wenn ich vorab nur das ebook hatte. Die Überschriften passen immer sehr gut zu den Kapiteln, zu Beginn gibt es von jedem Charakter ein Bild und neben den Militärakten findet man zwischendrin Illustrationen zu einigen Szenen des Buches, die ich sehr gelungen finde. Die Illustrationen kann man sich gerne auch schon vorab auf der instagram-Seite von Marie Grasshoff anschauen.

Fazit: Ein grandioser zweiter Teil, der mich noch mehr von dieser Reihe überzeugt hat und zu keinem Zeitpunkt schwächelt. Viele Fragen wurden beantwortet, neue erschaffen und der Spannungsbogen ist gut gelungen. Es wurde eine spannende Ausgangslage für das Finale dieser Reihe erschaffen. Ich möchte diese Reihe wirklich allen sehr ans Herz legen. Wenn euch der Klappentext anspricht, dann probiert diese Reihe aus, auch wenn euch das Label Science-Fiction vielleicht abschrecken mag. Es lohnt sich definitiv. Ich habe schon lange keine Reihe mehr gelesen, die mich so begeistern kann.

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Veröffentlicht am 09.05.2020

Beim Plot gab es einige Ungereimtheiten, aber das Thema ist spannend und hochaktuell

Leben
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Mit „Leben“ legt Uwe Laub seinen nächsten Wissenschaftsthriller vor, der mit dem Thema Artensterben ein aktuelles Thema aufgreift. Erschienen ist der Roman im April 2020 bei Heyne.

Mark Brenner fliegt ...

Mit „Leben“ legt Uwe Laub seinen nächsten Wissenschaftsthriller vor, der mit dem Thema Artensterben ein aktuelles Thema aufgreift. Erschienen ist der Roman im April 2020 bei Heyne.

Mark Brenner fliegt im Auftrag seines Geldgebers in den Kruger Nationalpark nach Südafrika, um der plötzlichen Schließung auf den Grund zu gehen. Dort wird er mit einem beispiellosen Artensterben konfrontiert, dass nicht nur eine, sondern viele der im Park lebenden Tiere betrifft. Und auch in Deutschland wird er fündig. Fledermäuse auf der schwäbischen Alb fallen tot von der Höhlendecke. Doch was hat es mit diesem ominösen Sterben auf sich? Hängt die geheimnisvolle neue Krankheit, die immer mehr Menschen befällt, mit dem Tiersterben zusammen? Fabian Nowack ist einer der Betroffenen. Er wird Teil einer Studie und stößt dort auf Informationen, die das Aussterben der Menschen zur Folge haben könnten.

Schon wieder insgesamt ein eher durchwachsenes Buch, wo mir die Bewertung schwer fällt, denn es gibt Dinge die fand ich richtig gut und es gibt Dinge, die waren eher weniger gut.
Der Schreibstil hat mir insgesamt gut gefallen und dieser lässt einen gut durchs Buch kommen. Ein Thriller, der nicht das Präsens als Mittel der Wahl nutzt, um noch näher dran zu sein. Es war alles gut verständlich geschildert und die wissenschaftlichen Erklärungen sind gut vereinfacht worden. Das Buch wirkte in dieser Hinsicht auch nicht überladen auf mich und hat eine gute Balance zwischen Unterhaltung und dem wissenschaftlichen Aspekt gefunden. Der Aufbau mit kürzeren und längeren Kapiteln hat mir gut gefallen.
Das Thema des Buches ist top aktuell und spannend. Es geht ums Artensterben und dass wir uns gerade am Anfang des 6. Massenaussterbens befinden, dass sich in diesem Buch massiv beschleunigt. Ein Szenario, dass ich als durchaus realistisch empfinde und das der Autor mit einigen interessanten Fakten unterstützt. Dass das Buch während des Lockdowns auf Grund von Corona herausgekommen ist, mag Zufall sein, aber es ergeben sich doch einige erschreckende Parallelen zu unserer aktuellen Lage.
Der Aufbau ist insgesamt gut gewählt, auch wenn es für mich gedauert hat, bis es richtig spannend wurde. Die ersten Szenen sind eindringlich und erschreckend, aber ab dann wird es erstmal sehr undurchsichtig und man weiß nicht, wie die einzelnen Teile der Geschichte zusammengehören. Das hat es für mich etwas langatmig gemacht, weil tatsächlich auch erst zur Hälfte hin sich langsam ein Bild zusammensetzt. Das hätte für mich schon eher einsetzen können. Zum eher durchwachsenen Eindruck beigetragen haben ab dann die teilweise doch sehr vorhersehbaren und unlogischen Entwicklungen. Es gab Situationen, wo man sich dachte, dass muss die Person doch jetzt checken und entsprechend handeln. Schade finde ich auch, dass ein Handlungsstrang vollkommen aus dem Fokus geraten ist und auch zum Ende hin nicht mehr aufgelöst wird.
Der Personenmix in diesem Buch war gut. Ich hatte Personen, bei denen ich mitgefiebert habe und Personen, die mir unsympathisch waren. Wie Fabian Nowack in diese ganze Geschichte reingeraten ist, erschien mir teilweise ein bisschen willkürlich, aber es ist irgendwie auch typisch für diese Geschichten, dass ein Typ von nebenan mitten in die Verschwörung gerät. Die anderen Personen haben für mich besser ins Gesamtkonzept gepasst. Wir haben eine Biologin, den geldgierigen Pharmaboss, den fanatischen Visionär und noch einige mehr.
Gut dargestellt empfand ich die Entwicklung der Pandemie. Im ersten Teil des Buches gibt es vor jedem Kapitel Ausschnitte aus unterschiedlichen Medien, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Situation zeigen. Zu den Medien gehört das Handelsblatt, BBC News, BILD, Twitter und ich musste da so manches Mal bei schmunzeln, weil ich es so passend fand.
Das gesamte Buch über hatte ich das Gefühl, dass hier ein Thema angesprochen wird, das dem Autor am Herzen liegt und mit dem sich dieser ausführlich beschäftigt hat. Das Nachwort am Ende bestätigt dies und gibt einen Überblick darüber, was wirklich Fakt ist und wo es ins Fiktive übergeht.

Fazit: Ein Wissenschaftsthriller mit spannendem Thema, das gut recherchiert wurde und aktueller nicht sein könnte. Gerade zum Ende hin sehr spannend, aber die teils vorhersehbaren und teils unlogischen Entwicklungen trüben den Lesespaß. Empfehlenswert für alle, die über die ein oder andere Ungereimtheit hinwegsehen können und wissenschaftliche Themen mögen.

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Veröffentlicht am 02.05.2020

Beim zweiten Mal zwar interessant, aber nur mittelmäßig

Vengeful - Die Rache ist mein
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„Vengeful - Die Rache ist mein“ von V. E. Schwab ist der zweite Teil der Villains-Reihe. Auch diesmal spielen die ExtraOrdinären Eli Ever und Victor Vale eine wichtige Rolle, aber auch neue EOs betreten ...

„Vengeful - Die Rache ist mein“ von V. E. Schwab ist der zweite Teil der Villains-Reihe. Auch diesmal spielen die ExtraOrdinären Eli Ever und Victor Vale eine wichtige Rolle, aber auch neue EOs betreten die Bühne. Erschienen ist der Roman im April 2020 bei Fischer Tor.

Marcella Riggins wollte immer mächtig sein. Um dies zu erreichen hat sie in ihrer Jugend den Mafiosi Marcus Riggins geheiratet. Der jedoch bringt sie nach 12 Jahren Ehe um. Noch während sie stirbt schwört sie Rache und da dies in Kombination mit einem unbedingten Überlebenswillen dazu führt, dass man ein ExtraOrdinärer wird, wacht sie mit außergewöhnlichen Fähigkeiten wieder auf. Darauf bedacht nie wieder im Schatten irgendeiner Person zu stehen, sorgt sie für einige Furore und bringt schließlich auch Eli Ever und Victor Vale auf den Plan. Die Konsequenzen, die dies mit sich bringt, hat sie allerdings nicht bedacht.

Dies ist wieder ein sehr zwiespältiges Buch, zu dem mir die Rezension zu schreiben, sehr schwer fällt. Der erste Band konnte mich mit seinem Konzept überzeugen und hatte durch seine düstere Atmosphäre etwas Besonderes, das irgendwie neu war. In diesem Buch setzt die Autorin auf das gleiche Rezept und das war mir irgendwie zu wenig.
Am Schreibstil kann man nichts aussetzen. Dieser konnte mich ins Geschehen ziehen und ich konnte mir alles gut vorstellen. Ich habe mich allerdings immer wieder dabei ertappt, dass ich mir dachte, hier würde mir ein 2 bis 3stündiger Film besser gefallen. Es sind einige Szenen dabei, die mir visuell als Filmerlebnis und mit komprimierterer Geschichte einfach besser gefallen hätten.
Der Roman hat wieder mehrere Zeitebenen, die zum Ende hin immer näher an das Jetzt rücken. Hier werden unterschiedliche Aspekte beleuchtet. Es gibt einen Handlungsstrang, der sich mit Marcella Riggings und ihrer Vergangenheit beschäftigt. Wir haben die Geschichte rund um Victor Vale, der in diesem Band ein Problem lösen muss. Es gibt eine Organisation namens EON, die Jagd auf ExtraOrdinäre macht und auch in die Vergangenheit von Eli Ever erhalten wir einen neuen Einblick.
Die Autorin setzt hierbei auf Vieles, das sich bewährt hat und mir hat irgendwie was Neues gefehlt. Es gibt einige Schocker im Buch, weswegen man auf keinen Fall zartbesaitet sein sollte, aber das erwartet man nach dem ersten Band auch. Für mich hat die Geschichte stellenweise vor sich hingeplätschert und ich hatte einfach nicht den Drang, dass ich unbedingt weiterlesen muss. Das Ende ist offen und deutet ein weiteres Buch an, was ich vielleicht nicht lesen werde. Das kommt sehr drauf an, ob mich der Klappentext überzeugen kann. Darüber hinaus konnte mich die Auflösung einiger Stränge nicht überzeugen. Ich fand es teilweise zu leicht gelöst, was die Spannung aus dem Ganzen genommen hat.
Jeder Charakter in diesem Buch ist ambivalent, was diese Reihe gerade interessant macht, was aber dazu führt, dass man nicht wirklich eine Identifikationsfigur hat. Es ist ein Buch, was genau mit diesem Konzept spielt und ich fand es spannend, die Motive der einzelnen Figuren zu hinterfragen. Man begleitet die Personen und findet Dinge, die man gut an ihnen findet, aber dann machen ebenjene Personen Dinge, die nicht in Ordnung sind. Andererseits passieren auch Sachen, die man selbst seinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde und irgendwie fühlt man mit jeder Person so ein bisschen mit und kann deren Verhalten nachvollziehen, aber andererseits fragt man sich auch, was das über einen selber aussagt.

Fazit: Ein Buch mit interessanten Charakteren und altbewährtem Rezept, das beim zweiten Mal nur mittelmäßig überzeugen kann. Gezielte Schocker werden gesetzt, die allerdings nicht ihre volle Wirkung entfalten können. Empfehlenswert für Personen, die Band 1 bereits kennen und die vom diesem absolut umgehauen worden sind; für alle anderen gibt es nur eine bedingte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.04.2020

Eine Familiensaga, die unterhält und gerade zum Schluss hin aufdreht

Der mutige Weg
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„Der mutige Weg“ ist der mittlerweile 5. Band der erfolgreichen Hansen-Saga von Ellin Carsta und mutig ist der Weg, den die Familie Hansen in diesem Teil einschlagen muss. Tiefgreifende Veränderungen stehen ...

„Der mutige Weg“ ist der mittlerweile 5. Band der erfolgreichen Hansen-Saga von Ellin Carsta und mutig ist der Weg, den die Familie Hansen in diesem Teil einschlagen muss. Tiefgreifende Veränderungen stehen an. Erschienen ist der Roman Ende März 2020 bei Tinte & Feder.

Therese hat sich dazu entschieden mit ihren Kindern nach Kamerun zu gehen und dort das Leben an der Seite ihres Schwagers Robert Hansen zu verbringen. Kaum in Kamerun angekommen, wird die Plantage vor eine große Herausforderung gestellt.
Luise versucht hingegen ihr Leben als Mutter und Geschäftsfrau unter einen Hut zu bringen. Nicht immer einfach, denn sie liebt ihre Tochter über alles. Umso geschockter ist sie, als sie erneut Unregelmäßigkeiten im Kontor entdeckt. Kann sie die Sache aufklären und ist ihr Cousin Richard möglicherweise involviert?
Und auch in Wien ist nicht alles so rosig wie es scheint. Georg hat sich seinen Platz in der Familie Hansen zurückerobert, ist aber dennoch nicht glücklich. Zu sehr plagt ihn die heimische Situation mit seiner Frau, die tagein tagaus schlechte Stimmung verbreitet und auch die Rückkehr ins hanseatische Kontor hat ihm beruflich nicht das gebracht, was er sich erhofft hat.

Wie man sieht ist wieder Einiges bei der Familie Hansen los und selbst Dinge, die sich zum Guten gewendet haben, können sich auch schnell wieder ins Gegenteil verkehren.
Sehr gut gelungen ist Ellin Carsta wieder einmal, dass man von allen Charakteren die Beweggründe nachvollziehen kann, auch wenn man diese nicht teilt. Ich finde, das ist eine ganz große Stärke der Autorin. So manche Person möchte man schütteln und in die richtige Richtung drängen, aber meist lässt das der grundsätzliche Charakter ebenjener Person dann doch irgendwie nicht zu.
Ich habe insbesondere wieder sehr mit Luise, Therese und Robert mitgefiebert. Luise ist eine bewundernswerte junge Frau, die die Mutterrolle allein nicht ausfüllen kann und die konstant im Zwiespalt mit ihrer Entscheidung im Kontor zu arbeiten lebt. Das hat sie für mich sehr menschlich gemacht und man hat die Liebe zu ihrer Tochter immer gespürt.
Therese ist an sich so ein positiver Mensch, von dem sich jeder, glaube ich, eine Scheibe abschneiden kann, weil es manche Sachen einfacher macht. Mit ihrem Umzug nach Kamerun macht sie einen gewagten Schritt, doch ihre Art führt dazu, dass das Beste daraus erwächst.
Robert lässt sich nur zu gerne von dieser Art anstecken und ich bewundere ihn dafür, dass er hart anpacken kann, wenn es nötig ist. Zusammenhalt und Respekt ist für ihn wichtig und dies lebt er so auch vor.
Der Schreibstil der Autorin ist wieder einmal toll zu lesen. Ich konnte mir das Kontor, Hamburg, Kamerun und all die anderen Orte im Buch wunderbar vorstellen. Ich mag es, dass es niemals zu ausschweifend wird, aber dennoch ein richtiger Film im Kopf entsteht.
Die Handlungsstränge sind interessant, dennoch konnten mich nicht alle für sich einnehmen. Insbesondere mit Marthas Handlungsstrang konnte ich nicht so wirklich etwas anfangen und dieser kam mir auch ein wenig überflüssig vor. Die Handlung in Wien hatte positive sowie negative Seiten. Gut gefallen hingegen hat mir wieder Kamerun. Es hätte den Rahmen des Romanes wahrscheinlich wirklich gesprengt, dennoch hätte ich mir hier auch ein bisschen mehr zu den Schattenseiten der Kolonialisierung gewünscht. Die Ausführungen zu der Plantage und dem Anbau des Kakaos fand ich hingegen sehr interessant.
Von der Spannung her zog der Roman im letzten Drittel auf jeden Fall enorm an und verspricht viel Konfliktpotenzial für Teil sechs, der im Juni erscheinen soll. Gerade das Ende hat mir viel Lust gemacht, die Reihe weiterzuverfolgen, aber ich merke, ich muss bei Romanen wie diesen auch immer in der rechten Stimmung sein.
Im Nachwort erzählt die Autorin etwas zu den historischen Hintergründen, die in den Roman eingeflossen sind, aber eben auch, dass dies eine Reihe sein soll, die unterhalten soll und das schafft sie auf jeden Fall. Mir ist es dadurch manchmal einfach ein bisschen zu seicht und ich würde mir einen stärkeren historischen Bezug wünschen, aber ich kann eben auch mal zur Abwechslung diese Art der Erzählung genießen, wenn ich darauf eingestellt bin.

Fazit: Eine Familiensaga, wo der Name Programm ist und ein fünfter Teil, in dem wieder Einiges passiert, bei dem aber nicht alle Handlungsstränge zu überzeugen wissen. Ich persönlich würde einen stärkeren historischen Bezug befürworten. Daher meine Leseempfehlung an alle, die Familiensagas lieben, bei denen die Familie im Vordergrund steht und die die typischen Intrigen sowie Auf und Abs mögen.

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