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Veröffentlicht am 08.05.2018

Hat mich gefesselt

Wahrheit gegen Wahrheit
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Vivian Miller ist seit zehn Jahren mit ihrem Mann Matt zusammen und sie haben vier Kinder. Beruflich ist sie als Spionageabwehr-Analystin bei der CIA tätig. Dort hat sie endlich einen großen Durchbruch ...

Vivian Miller ist seit zehn Jahren mit ihrem Mann Matt zusammen und sie haben vier Kinder. Beruflich ist sie als Spionageabwehr-Analystin bei der CIA tätig. Dort hat sie endlich einen großen Durchbruch erreicht, denn ihr ist der Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers gelungen. Vivian hofft nun, ein Netzwerk russischer Spione in den USA zu enttarnen. Doch was sie entdeckt, stellt ihr gesamtes Leben auf den Kopf: Auf einem der Bilder der Spione schaut sie in das Gesicht ihres Mannes Matt. Ist Matt nicht nur ein perfekter Mann und Vater, sondern auch ein perfekter Lügner? 

Mich hat dieser Thriller unheimlich gefesselt, so dass ich ihn in einem Rutsch fertig lesen musste. 
Der Schreibstil ist lebendig und bildhaft und ich konnte sofort in die Geschichte eintauchen. Die Geschichte wird in der Gegenwart aus Vivians Sicht erzählt. Dadurch konnte ich sehr gut in ihre Gedanken und Gefühle Einblick nehmen und mit ihr mitfühlen und mitfiebern. Zwischendurch gibt es Abschnitte, in denen man in die Vergangenheit von Vivian und Matt schauen kann, wie sie sich kennengelernt haben, was sie miteinander erlebten und auch welche Gespräche sie teilweise geführt haben. Alles wirkte völlig normal, wie eine durchschnittliche Familie. Bis auf Kleinigkeiten, dezente Aussagen oder Handlungen von Matt, die das Misstrauen bei mir schürten. Doch dann wieder das genaue Gegenteil, so dass ich Matt eigentlich nichts Negatives zutrauen wollte. 
Die Zweifel, die Vivian gegenüber Matt hat, sind sehr authentisch beschrieben. Kann sie ihm trauen oder hintergeht und manipuliert er sie geschickt? Aber seine Gefühle für sie und die Kinder scheinen echt zu sein. Für Vivian zählt nur ihre Familie. Sie muss eine Entscheidung treffen, deren Ausmaß ihr anfangs nicht klar ist. Ich fand ihren Zwiespalt sehr gut dargestellt und nachvollziehbar. 
Ich war das gesamte Buch über völlig unsicher, welche Rolle Matt wirklich spielt. Ist er ein Opfer der Russen und kann sich nicht aus ihren Fängen befreien? Will er das überhaupt? Oder manipuliert er Vivian so gekonnt, dass sie ihm in seiner Funktion als Spion nützt? Bis zum Ende musste ich mich gedulden, um die Wahrheit über Matt zu erfahren. 

Ein fesselnder und für mich nicht vorhersehbarer Thriller, der mir sehr gut gefallen hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Das forensische Gemetzel - ein herrlich schräger Lesespaß

Das forensische Gemetzel
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Der Massenmörder Henning Mansen wird auf seinen Wunsch in die forensische Psychiatrie in Frackhausen verlegt. Ausgerechnet der Ort, in dem er seine Taten beging und vier Frauen ermordete. Seine Verlegung ...

Der Massenmörder Henning Mansen wird auf seinen Wunsch in die forensische Psychiatrie in Frackhausen verlegt. Ausgerechnet der Ort, in dem er seine Taten beging und vier Frauen ermordete. Seine Verlegung bringt nicht nur den Alltag der Psychiatrie durcheinander, sondern auch die Ehemänner der Ermordeten, die davon alles andere als begeistert sind. Sie sind sich einig, dass Mansen weg muss. Die Idee, wie sie das in die Tat umsetzen können, ruft den Chefpsychologen der Klinik auf den Plan, der sofort die Chance wittert, seine Klinik ein bisschen auf Vordermann zu bringen.

Was für ein grandioser Lesespaß! Ich bin absolut begeistert von diesem Buch, denn ich kam aus dem Kichern und Lachen nicht mehr heraus.
Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen. Auch wenn die Geschichte vor Sarkasmus, Absurdität und schwarzem Humor nur so trieft, empfand ich sie als niveau- und anspruchsvoll. Es wurde nicht einfach flach dahingeschrieben, sondern durch Feinheiten und Intelligenz eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Hier war wirklich jeder Satz lesenswert, so dass es keine Passagen gab, die man überfliegen könnte - da würde man was verpassen.
Schon der Beginn war großartig. Durch das Personenregister wird der Leser sofort mit dem tollen Humor konfrontiert. Ich wurde sehr gut auf die Geschichte eingestimmt und freute mich aufs Lesen. Der Einstieg ins Geschehen gelang mir sehr gut. Ich war sofort in der Geschichte gefangen und hätte am liebsten nicht mehr aufgehört zu lesen. Allerdings habe ich das Buch in Etappen gelesen, weil ich den Lesespaß so lange wie möglich genießen wollte. Von mir aus hätte die Geschichte noch unendlich weitergehen können.
Die Charaktere wurden sehr anschaulich, teils skurril und abgedreht, beschrieben. Ich hatte klare Bilder von ihnen vor Augen. Die Dialoge und Gesten waren schlichtweg herrlich beschrieben, so dass alles wie ein Film in meinem Kopf ablief. Unzählige Male musste ich plötzlich Losprusten, weil die Situationen einfach total abgedreht waren.
Der Plot war gut durchdacht und spannend und hielt einige Wendungen parat.
Sehr gelungen fand ich, dass die Grenzen zwischen normal und unnormal fließend waren und der Leser sich wirklich die Frage stellte, wer denn nun eigentlich als Patient in die Klinik gehört. 

Wer auf skurrilen und schwarzen Humor steht, der wird hier einen Volltreffer landen! Ich kann mich an kein Buch erinnern, bei dem ich jemals so viel Spaß hatte! Das Buch bekommt definitiv einen festen Platz in meinem Regal. Ich vergebe volle fünf Sterne.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Welch ein grandioses Lesevergnügen!

Tulpenfrieden
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Eine typische Geschichte über das Sterben und Erben. Oder etwa nicht?

Elisabeth Wackernagel ist tot und hat ihr komplettes Vermögen völlig überraschend der Haushälterin vermacht. Kein Wunder, dass die ...

Eine typische Geschichte über das Sterben und Erben. Oder etwa nicht?

Elisabeth Wackernagel ist tot und hat ihr komplettes Vermögen völlig überraschend der Haushälterin vermacht. Kein Wunder, dass die Familie völlig schockiert ist. Adalbert, der geizige Ehemann, und die schnorrigen Kinder versuchen über das verlorene Erbe hinwegzukommen. Dann taucht auch noch ein Privatdetektiv auf, den die Verstorbene noch zu Lebzeiten engagiert hat, weil sie den Verdacht hegte, dass jemand sie vergiften wolle. Aber wer soll das gewesen sein? 

Nachdem mich die Autorin mit ihrem vorherigen Buch “Das forensische Gemetzel” bereits von ihrem Schreibtalent überzeugt hatte, habe ich mich wahnsinnig auf dieses neue Werk gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte ist herrlich abgedreht und trieft nur so vor teils bitterbösem schwarzem Humor, bissigen und aberwitzigen Kommentaren und Dialogen und schrägen Gestalten. Sowas liebe ich!
Im Mittelpunkt steht der Witwer Adalbert, der mich mit seiner trockenen, unfreundlichen Art und seinen giftigen Sprüchen regelmäßig zum Lachen brachte. Er will doch bloß seine Ruhe vor den vielen nervenden Menschen haben - und natürlich das Erbe, das ihm ja eigentlich zusteht. Ich hatte ihn super vor Augen und fand ihn einfach großartig gelungen.
Doch auch die anderen Charaktere sind fantastisch beschrieben und voller Leben. Man erhält in alle einen sehr guten Einblick, der natürlich auch das ein oder andere ganz persönliche Geheimnis mit einschließt. 
Doch die Geschichte hat nicht nur einen großartigen, trockenen Humor zu bieten, sondern auch eine spannende und dichte Story, die voller überraschender Wendungen steckt und nicht durchschaubar ist. Und sie wird mit einem lebhaften und wortgewandten Schreibstil erzählt, der mich stetig am Buch festhielt. Ich habe jede Seite und jeden einzelnen Satz genossen und mich köstlich amüsiert!

Dieses Buch sollte jeder lesen, der eine spannende Geschichte gepaart mit trockenem, schwarzen Humor liebt. Von mir gibt es verdiente 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Muscheln, Mord und Meeresrauschen

Muscheln, Mord und Meeresrauschen
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In Neuharlingersiel kommt ein polnischer Arbeiter bei einem Feuer ums Leben. Es stellt sich heraus, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Als der Investor Johann Gehrken auf einer Versammlung des Boßelvereins ...

In Neuharlingersiel kommt ein polnischer Arbeiter bei einem Feuer ums Leben. Es stellt sich heraus, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Als der Investor Johann Gehrken auf einer Versammlung des Boßelvereins herumtönt, dass er wisse, wer den Brand gelegt habe, gerät der Täter unter Zugzwang. Nur wenige Stunden später ist Johann Gehrken tot. Rosa Moll hat einen Verdacht, wer bzw. was dahinterstecken könnte. Gemeinsam mit ihren Freunden, dem Dorfpolizisten Rudi und dem Postboten Henner, macht sie sich an die Lösung des Falles. 

Dieser fünfte Fall für das Kult-Trio hat mir sehr gut gefallen.
Der Schreibstil ist gewohnt locker und flüssig, so dass ich von Beginn an bestens in die Geschichte fand und meinen Spaß hatte. Besonders gut gefiel mir wieder der norddeutsche Tonfall, der herrlich lässig und sutsche ist.
Die Charaktere Rosi, Rudi und Henner sind sehr authentisch und sympathisch beschrieben. Manchmal haben sie die Ruhe weg, doch Rosi hält sie alle auf Trab mit dem Klatsch und Tratsch, den sie im Dorf so erfährt. Um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, bieten sich ihr diverse Möglichkeiten und Taktiken, die mir eine riesige Freude bereitet haben. Was hab ich gelacht.
Aber auch alle weiteren Personen, die man so antrifft, sind sehr bildhaft und greifbar beschrieben. Auch das Flair des Ortes kam bei mir prima an.
Der Kriminalfall selbst war für mich nicht durchschaubar, so dass mir der Täter und sein Motiv bis zum Ende verborgen blieben. Es wurden mehrere mögliche Täter und Motive präsentiert, sowohl zum Brandanschlag als auch zum Mordfall. Ob beides miteinander in Verbindung stand oder ob sie nichts miteinander zu tun hatten, könnte ich nicht sagen. Ich hatte in diesem Krimi also eine ganze Menge zum Rätseln und Überlegen. Das Ende war dann schlüssig und stimmig.

Ein toller Ostfriesen-Krimi, der mich bestens unterhalten hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Espenlaub

Espenlaub
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Toni Hinteregger verliert früh seine Eltern und wächst als Waisenkind bei einer lieben Familie in den Südtiroler Bergen auf. Dort lernt er mit 18 Jahren Evi Stockner kennen. Die beiden verlieben sich unsterblich ...

Toni Hinteregger verliert früh seine Eltern und wächst als Waisenkind bei einer lieben Familie in den Südtiroler Bergen auf. Dort lernt er mit 18 Jahren Evi Stockner kennen. Die beiden verlieben sich unsterblich ineinander. Dann wird Evi von ihren Eltern zwecks Medizinstudium nach England geschickt. Für Toni bricht damit eine Welt zusammen, denn er kann und will seine Evi nicht vergessen. Auf Toni kommt noch ein weiterer Schicksalsschlag zu, denn er erhält die schockierende Diagnose Parkinson.

Dieser christliche Roman hat mir gut gefallen.
Das Buch beginnt mit einem erschütternden Prolog, in dem von einem Mann erzählt wird, der aufgrund seiner Parkinsonerkrankung Schwierigkeiten bei den täglichen Dingen hat.
Der weitere Einstieg in das Buch gelang mir nicht ganz so gut, weil ich den Schreibstil zu distanziert und aus der Ferne betrachtet empfunden habe. So empfand ich ihn auch im weiteren Verlauf des Buches, wobei ich mich daran gewöhnte und mich die Geschichte dann auch bewegen konnte.
Der Leser erfährt sehr viel von Toni, wie er aufwuchs, zur Waise wurde und wie er auf dem Hof ankam, auf dem er dann behütet erwachsen wurde. Er lernte dort auch lesen und schreiben und fand seinen Glauben zu Gott. Er ist ein sehr sympathischer Charakter, der ehrlich ist, viel und hart arbeitet und einfach ein gutes Herz hat. Die Trennung von seiner großen Liebe Evi tat mir sehr leid für ihn, denn er litt sehr darunter. Und auch als er schon früh an Parkinson erkrankte und mit den einhergehenden Einschränkungen leben musste, hatte er mein ganzes Mitgefühl. Ich konnte mich insgesamt sehr gut in ihn hineindenken und mit ihm mitfühlen.
Evi war ebenfalls sehr sympathisch. Trotz ihrer Liebe zu Toni geht sie zum Studium nach England. Doch ihr Weg ist nicht stolperfrei und ihr Glaube an Gott und die Liebe zu Toni werden auf eine harte Probe gestellt.
Die Geschichte enthält viele christliche Aspekte, die sich in Gebeten und gläubigen Gedanken und Gesprächen zeigen und sich durch das ganze Buch ziehen. Es sind ein paar sehr schöne und nachdenklich machende Passagen dabei.
Für meinen Geschmack hätte die Geschichte gerne detailreicher und nicht so sehr von außen vor erzählt sein dürfen, damit ich noch intensiver am Geschehen und an den Gefühlen hätte teilhaben können. Auch mehr Dialoge hätte ich schön und lebendig gefunden. So hat mich die Geschichte zwar berührt, aber ich empfand sie nicht als sehr intensiv und tiefgehend.

Eine schöne Geschichte über eine schlimme Erkrankung, eine tiefe und ewige Liebe und den Glauben an Gott. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.