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Veröffentlicht am 18.01.2026

Emotionale Spurensuche am anderen Ende der Welt

Die Magnolientochter (Die Blumentöchter 4)
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Schon ganz gespannt habe ich auf den 4. Band der ,, Blumentöchter-Saga "  von Tessa Collins gewartet,  nachdem ich die  vorherigen Teile  mit großer Begeisterung gelesen habe.  Auch wenn jeder Teil ohne ...

Schon ganz gespannt habe ich auf den 4. Band der ,, Blumentöchter-Saga "  von Tessa Collins gewartet,  nachdem ich die  vorherigen Teile  mit großer Begeisterung gelesen habe.  Auch wenn jeder Teil ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann, macht es viel größere Freude alle zu kennen und so   tiefer in die bewegte Familiengeschichten einzutauchen.   

Nach der Spurensuche mit Dalia in Mexico, Soley auf Island und Lali in Sti Lanka  geht es nun  mit Magnolia auf den nächsten Kontinent: Neuseeland.  

So wie ihre Cousinen und der Rest der Familie fühlt sich Magnolia auf dem Familienanwesen in Cormwall ,, Blooming Hall" sehr wohl . Auch nach dem Tod von Albert und Rose Carter ist es ein geliebtes Zuhause, auch wenn die Besuche der 35 jährigen  äußerst engagierten Umwelttechnikerin  Magnolia aus London nicht mehr ganz so oft möglich sind.  Da ihre Eltern Cedar und Maia schon lange in Amerika leben und  arbeiten,  ist es noch schöner , die Familienmitglieder in Cornwall zu sehen. Gerade als es Magnolias Mutter , die schon länger an Depressionen leidet, nicht gut geht ,  tut so ein Besuch gut. Als dort eine alte Quittung,  ein Foto eines Kettenanhängers und  ein Flugticket nach Neuseeland  aufgefunden wird,  kann  es nur einen Zusammenhang mit Maia geben, die in Neuseeland bei  Adoptiveltern aufgewachsen ist.   Magnolia möchte herausfinden,  was diese Unterlagen mit der Herkunft ihrer Mutter zu bedeuten haben. Ihr Chef unterstützt sie bei einer Reise nach Neuseeland, wo sie noch nie zuvor war.  Er gibt ihr den Auftrag , sich mit seinem alten Bekannten Kyle  zu treffen,  der ebenfalls in einer Umweltschutzorganisation tätig ist, und sich dort die Arbeit im Umwelt- und Klimaschutz anzusehen.  Kyle ,der in der Nähe von Queenstown ein Weingut betreibt,  hilft ihr bei der  Suche nach Hinweisen vor Ort und so ganz nebenbei lässt er ihr Herz höher schlagen.  Was wird Magnolia herausfinden  und ihrer Mutter damit zu einem  Weg aus der Depression verhelfen? 

Mit dem  großartigen lebendigen und bildgewaltigen Schreibstil  habe ich mich mit Magnolia auf eine packende,  aber auch sehr berührende Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter gemacht.  Dabei konnte ich dank der großartigen Beschreibungen die Schönheit des Landes bewundern. Wie mit Magnolias Augen  habe ich  Queenstown, Dunedin,   Rotorua und den Lagoon Scenic Walkway mit seiner imposanten Bergkette im Hintergrund   direkt vor mir gesehen.  Eine so tolle Landschaft,  die  ich eines Tages mit eigenen Augen genießen möchte. 

In einem zweiten Erzählstrang bin ich tief in das Leben von Amiri  in den 60er Jahren eingetaucht.  Die junge Frau aus einem Maori-Stamm hat  auf der Farm von Steve Mitchell gearbeitet.  Ihre Erlebnisse , die weitreichende Folgen für ihr ganzes Leben haben,  berührten und erschütterte mich gleichermaßen, rührten mich zu Tränen.   Für ihre Stärke , dieses Schicksal zu ertragen,  bewundere ich sie sehr.  Durch Amiri und ihre Familie erhält der Leser hervorragend interessante Einblicke in die indigenen  Traditionen und Lebenweise der  Maori.  

Magnolias Mut , sich auf die Suche nach der Wahrheit und die Herkunft ihrer Mutter Maia zu machen, hat Tessa Collins so packend und mitreißend, dabei einfühlsam und berührend  , erzählt,  daß ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.  Eine großartige Geschichte über Liebe und Verlust und die Kraft den eigenen Weg zu finden. In die  Gedanken und Gefühle,  sowohl von Magnolia als auch Amiri und weiteren  Familienmitgliedern  konnte ich mich  durch die feinfühligen Beschreibungen jederzeit  hineinversetzen.  

Besonders erwähnen möchte ich die wunderschöne Gestaltung des Covers mit dem Farbschnitt, der mit den  Magnolienblüten  ein wahrer Augenschmaus ist.  Es passt hervorragend zu den weiteren Bänden und bildet zusammen einen wunderbaren Blütenreigen. 

Schon jetzt bin  ich ganz gespannt,  was mich im leider letzten Band der Reihe , Die Rosentochter "  erwartet,  wenn es im August 2026 mit Nara auf Spurensuche  nach Namibia geht. 

Von ganzem Herzen empfehle ich  diese großartige Reihe von  Tessa Collins,  mit der man auf spannende und gefühlvolle Spurensuche    von 5 Frauen auf 5 Kontinente reist.  


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Veröffentlicht am 10.01.2026

Emotionale Spurensuche in Argentinien

Die verlassene Tochter
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Mit dem 6. Band ,, Die verlassene Tochter " ihrer bewegenden Reihe ,, Die verlorenen Töchter"  nimmt die Autorin Soraya Lane den Leser wieder auf Spurensuche nach einem Familiengeheimnis. .   Mit den vorherigen ...

Mit dem 6. Band ,, Die verlassene Tochter " ihrer bewegenden Reihe ,, Die verlorenen Töchter"  nimmt die Autorin Soraya Lane den Leser wieder auf Spurensuche nach einem Familiengeheimnis. .   Mit den vorherigen Bänden bin ich mit den jeweiligen Protagonisten  schon  begeistert auf die Suche nach dem Geheimnis der kleinen Holzschachteln  nach Italien,  Kuba Griechenland,  in die Schweiz und nach Paris gereist.   Und diesmal geht es in ein für mich völlig neues Land: Argentinien.   Dazu passt hervorragend das wunderschöne Cover mit der bezaubernden Landschaft.  Das herrschaftliche Gebäude ziert außerdem den Anfang jedes Kapitels,  welches  jeweils mit Ort und Jahreszahl versehen ist. Ein wunderschönes Detail,  was für mich dieses Buch noch etwas mehr besonders macht.   Jeder Teil ist in sich abgeschlossen,  aber mehr Freude macht es , alle Familiengeheimnisse zu genießen.  

Als eine von  7 Frauen erhält Rose in der  Londoner Anwaltskanzlei  eine kleine Holzschachtel , die in ,, Hope's House " für ihre Großmutter hinterlegt wurde,  als sie als Baby adoptiert worden ist.  Da ihre Grandma  vor einigen Monaten verstorben ist, kann Rose sie nicht mehr fragen, ob sie von ihrer Herkunft  wusste.  Kurz darauf verliert sie  auch noch ihre Mutter  und fühlt sich ziemlich allein.  Dann flattert ihr ein Brief eines Anwalts aus Argentinien ins Haus, in  dem ihr mitgeteilt wird, daß  ihre Mutter Alleinerbin eines großen Landgutes in Argentinien sei, die Estancia Santiago.   Ihre beste Freundin Jessica überzeugt Rose, sich nach den anstrengenden , belastenden und traurigen Monaten,   sich das Ganze in Argentinien anzusehen und danach zu entscheiden, was sie mit dem Erbe anstellen soll.   Wieso erbt ihre Mutter und nun sie , etwas in Argentinien?   Wo es  doch bisher gar keine Verbindung dorthin gab? Oder ist das kleine Holzkästchen ,  gefüllt mit einem geschnitzten Holzpferd und einem Stück Stoff ein Hinweis auf das Geheimnis , welches sich hinter der Adoption verbirgt?  Da sie die Auszeit einerseits gut gebrauchen kann, um sich  Gedanken über ihre Beruf Zukunft zu machen,  andererseits auch  etwas über  die Herkunft ihrer Grandma  erfahren möchte,  macht sie sich  auf den Weg dorthin.   Vor Ort erfährt sie, daß die ehemalige Gutsbesitzerin  Valentina   ihre Urgroßmutter war.  Aber warum hat sie ihre neugeborene  Tochter  in London zur Adoption gegeben?  Rose hofft , hier  Antworten auf diese Frage zu bekommen.  Vielleicht kann ihr  der Polospieler Benjamin helfen,  der auf der Ranch  lebt und arbeitet?  Wird  Rose dabei auch ihren eigenen Weg für ihre Zukunft finden?  Womöglich  eine   in Argentinien? 

Während Rose sich auf die Suche nach den Zusammenhängen  begibt,  taucht der Leser auf der zweiten Zeitebene in  das Leben von Valentina  ab den 1930 er Jahren ein.  Ein sehr bewegendes  und  emotionales, welches mich  einerseits fassungslos und traurig machte , mir  aber  die Willenskraft  und Stärke dieser jungen Frau  enorm  imponierte.  

Soraya Lane  hat eine eindrucksvolle bildhafte  und lebendige Sprache,  so daß ich mich sehr schnell  in London und besonders in Argentinien  wohl fühlte. Die Beschreibungen der Landschaft ließen augenblicklich Bilder in meinem Kopf entstehen,  die mich neugierig auf eine Reise in dieses bezaubernde Land machen.  Sehr gut haben mir dabei auch die Schilderungen des Lebens auf der Estancia  und besonders des Polospiels gefallen, von dem ich zuvor nicht allzuviel wusste.   Die Protagonisten sind wieder liebevoll und  mit vielen Details  ausgearbeitet, in ihre Gefühle  und Gedanken konnte ich meistens gut hineinversetzen.  Auch wenn mir als Mutter das Herz blutete,  ein Baby nicht  bei sich zu behalten.  Ich habe mich  mit ihnen  über glückliche Momente und Ereignisse gefreut,  habe vor Traurigkeit und Enttäuschung geweint  und   immer auf eine glückliche Wendung gehofft.  Mich hat diese spannende Familiengeschichte mit sovielen Emotionen  von Beginn an gefesselt.  Die Seiten  flogen nur so dahin und das Buch konnte ich erst aus der Hand legen , als die letzte Seite beendet war. 

Für mich ist es  wieder eine absolut spannende  und sehr emotionale Reise, diesmal in das  wunderschöne Argentinien,  in das Leben von Valentina und Rose gewesen.   Ich  bin schon jetzt ganz gespannt,  was mich im  nächsten Teil erwartet,  wenn es  im Juni 2026  mit  ,, Die vergessene Tochter " auf die Suche nach dem nächsten Familiengeheimnis in Norwegen geht. 

Ich bin absolut begeistert und empfehle  sehr gerne  dieses Geschichte  und die ganze Reihe für Liebhaber von gefühlvollen und spannende Familiengeschichten. Lasst Euch  in  vergangene Zeiten und  andere Länder entführen.  





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Veröffentlicht am 01.01.2026

Spannende Vergangenheit der geliebten Großmutter

Die Welt in unseren Händen
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Emily Waltons Roman ,, Die Welt in unseren Händen  " erzählt die Geschichte einer jungen Frau,  die mutig ihren Weg  in ein  selbstbestimmtes Leben geht.  Es ist die Geschichte ihrer eigenen Großmutter, ...

Emily Waltons Roman ,, Die Welt in unseren Händen  " erzählt die Geschichte einer jungen Frau,  die mutig ihren Weg  in ein  selbstbestimmtes Leben geht.  Es ist die Geschichte ihrer eigenen Großmutter,  welche die Autorin  zum  Anlass dieses großartigen Romans inspiriert hat. 

Als Emma 2012 ihre geliebte Großmutter June im Altenheim besucht und ihr dort ein altes, etwas abgegriffenes in Leder gebundenes Büchlein in die Hände gerät,  entdeckt sie darin eine liebevolle Widmung  von Ken.  Doch wer ist Ken?   Als June sieht,  was Emma in den Händen hält,  sagt sie : ,, Ich denke, es ist  Zeit , daß ich  Dir davon erzähle." 

Von diesem Satz an, taucht der Leser in das aufwühlende , spannende und berührende Leben der jungen June, beginnend im Jahr 1940 , ein.   June  wurde schon vor langem von ihrem Vater gezwungen,  im Haus  von Mr. Rankine  zu leben, den Haushalt zu führen und sich ausnutzen zu lassen.  Doch die 17 jährige will raus aus diesem Leben,  macht daher einen  Schreibmaschinenkurs . Ihr Freund Paul  unterstützt sie dabei und träumt von einer gemeinsamen Zukunft.  Da June  mehr aus ihrem Leben machen möchte, als Heim und Kinder zu versorgen,   trennt sie sich von ihm und meldet sich freiwillig bei den ,, Women's Auxillary Air Force " ( WAAF )  um etwas in diesem Krieg,  der nun auch England erreicht hat, zu unterstützen und zu bewirken.  

Bei der  harten Ausbildung lernt sie Dotty kennen,  die  ihr nach kurzer Zeit nicht nur eine  echte Freundin ist, sondern wie eine Schwester,  die sie sich schon immer gewünscht hat. Als sich June die Gelegenheit bietet , im Ausland den nächsten Schritt ihrer Karriere zu machen,  zögert sie nicht,  und übernimmt die Herausforderung an. In Ägypten  erwartet sie zwar ,, nur " eine Bürotätigkeit, doch als sie dem südafrikanischen Kameramann Ken  begegnet,  beginnt sie die Stadt Kairo mit allen Sinnen zu genießen.  Während sie die jeden Tag stärker werdende Liebe genießt,  macht sie sich um Dotty   große Sorgen , die gesundheitlich angeschlagen,  Kummer über den Verbleib ihres Verlobten hat.  Außerdem wütet in Europa der Krieg immer mehr.   Was June  bei ihrem Einsatz erleben wird, ob Dotty in  England die Kriegswirren unbeschadet überstehen kann und  warum June  Emma erst jetzt von Ken  erzählt,  müsst Ihr selber lesen.  

Emily Walton nimmt den Leser durch ihren wunderbaren , absolut bildhaften Schreibstil mit auf eine unglaublich  spannende Reise in Junes Leben. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen.  Die Seiten sind nur so geflogen und ich konnte das Buch erst aus der Hand legen,  als ich  beendet habe.  Die eindrucksvolle Beschreibung  der Lebensumstände in  Romford, Essex  , bei der Ausbildung der WAAF  und das Arbeiten in Kairo und später in Italien  ist so eindrucksvoll lebendig  und realistisch.  In meinem Kopf sind sofort Bilder entstanden.  Ich habe in Gedanken mit June tatkräftig bei den Sperrballons angepackt  und bin  mit ihr durch die Straßen von Kairo gegangen.  Den Duft der Speisen  konnte ich förmlich riechen und zu gerne hätte ich mit June diese probiert.  Die Autorin hat die Charaktere so liebevoll  dargestellt,  daß mir nicht nur Emma und June, sondern auch Dotty, Peggy  und Ken  ans Herz gewachsen sind.  June hat mir mit ihrer Entschlossenheit , etwas  mehr aus ihren Leben zu machen  und ihrem Mut,  diesen Weg zu verfolgen,  imponiert.   Sie ist eine Frau,  die trotz ihrer schlechten Jahre als Kind und Jugendliche,  das Herz  für Gefühle weit öffnen kann.   In diesen schwierigen Kriegsjahren macht June eine großartige Entwicklung durch. Von einer jungen , mitunter unsicheren , wird sie eine starke  und  selbstbewusste Frau,  die sich nicht ausnutzen und unterbuttern lässt.  Sie kann sich durch ihren großartigen Mut ein  selbstbestimmtes  Leben gestalten, auf das sie mit Stolz zurück blicken kann.  Die Entschlossenheit,  mit der June  aus ihrem ihr vorbestimmten Leben ausbricht,  um ihren eigen Weg zu gehen,  hat Emily Walton äußerst eindrucksvoll und grandios  dargestellt.  

Im Nachwort geht Emily Walton auf das Leben ihrer Großmutter ein, welches sie zu zu diesem hervorragenden,  sehr gefühlvollen und packenden Roman inspiriert hat. Auch wenn manches fiktiv ist, könnte es sich genauso zugetragen haben. 

Für diesen großartigen historischen Roman kann ich  nur eine  hundertprozentige Leseempfehlung geben.  Eine eindrucksvolle , packende , aber auch sehr emotionale und berührende Geschichte einer mutigen Frau,  die mich absolut begeistert hat.  




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Veröffentlicht am 18.12.2025

Aus den wunderschönen Craven Dales in die schmutzige Stadt

Glimmende Himmel
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Nachdem mich der erste Teil ,, Der Wind von Yorkshire " der Saga,, Die Fasern der Welt " von Lia Scott absolut begeistert hat, habe ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet. Jetzt könnte ich endlich ...

Nachdem mich der erste Teil ,, Der Wind von Yorkshire " der Saga,, Die Fasern der Welt " von Lia Scott absolut begeistert hat, habe ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet. Jetzt könnte ich endlich nach dem Cliffhanger weiter lesen und erfahren, wie es June in Bradford, der Stadt der Wollspinnereien, ergeht.

Zum besseren Verständnis empfehle ich , zunächst den ersten Teil zu lesen.

Auch wenn es für June völliges Neuland ist, in einer Stadt zu leben, arrangiert sie sich zügig mit den ungewohnten Lebensumständen. In ihrer Zimmergenossin Hattie findet sie eine liebevolle Freundin, die mit ihrer erfrischenden Art die Trennung von ihren Schwestern Dahlia und Fern und ihrer Tante Eliza etwas leichter macht. Die meisten Bewohner Bradfords schuften bei viel zu wenig Lohn in dem Wollspinnereien. Auch June findet hier eine Anstellung. Die Arbeit ist hart und den Fabrikanten ist aus Profitgier die Gesundheit der Arbeiter egal. Der mickrige Lohn reicht nicht, die Familie zu ernähren, so daß schon die Kinder in den Fabriken bis zum Umfallen mitarbeiten müssen. Dauerhafte Schäden und Todesfälle sind an der Tagesordnung. Franklin , der vor über 3 Jahren die Craven Dales so plötzlich verlassen hat, begegnet June immer wieder,,zufällig " in der Stadt. Die gegenseitige Anziehung ist deutlich zu spüren, auch wenn beide wissen, daß eine Verbindung zwischen ihnen undenkbar ist. Besonders durch die Vergangenheit Franklins. Obwohl er June am liebsten wieder in die Craven Dales schicken würde, ermutigt er sie , ihre Stimme zu finden, als sie mit ihren Kenntnissen in der Heilkunde versucht, einem Kind zur Gesundung zu verhelfen. Denn sowohl Hebammen als auch Ärzte verwenden längst überholte Behandlungsmethoden, die eher schaden als helfen. Das breite Wissen, welches June sich bei der jahrelangen Unterstützung ihrer Tante Eliza angeeignet hat, möchte sie gerade den Bewohnern der Arbeiterviertel vermitteln, um ihre erbärmlichen Lebensumstände mit einfachen und kostengünstigen Mitteln zu verbessern. Kann sie sich mit Hilfe des Journalisten Jakob Ford Gehör verschaffen und etwas bewirken?

Lia Scott hat mich mit ihren bildgewaltigen Erzählstil von der ersten Seite an in wieder in die Geschichte hineingezogen. Die Seiten flogen nur so dahin. Das ärmliche Leben der Familien in den viel zu engen und verkommenen Wohnhäusern, die harte Arbeit in den Wollspinnereien und die schlechten hygienischen Verhältnisse , schildert die Autorin so eindrucksvoll, daß ich das Gefühl habe, direkt mit June und den anderen in der schmutzigsten Stadt Englands zu sein. June, die aus der Not heraus, ohne zu Wissen, was sie erwartet, in Bradford für die Behandlung ihrer kranken Schwester Dahlia Geld verdienen geht, macht in den wenigen Monaten eine tolle Entwicklung zu einer selbstbewussteren Frau durch. Besonders wie sie sich dem kleinen Tommy annimmt, hat mich sehr berührt. Es macht deutlich, wie mit nur wenig Unterstützung und Willen eine ganze Familie profitieren kann. Beeindruckend finde ich auch, wie Lebensfreude und Hilfsbereitschaft , Zusammenhalt untereinander trotz der widrigen Lebensumstände, nicht unterzukriegen sind.

Die Charaktere sind wunderbar authentisch und lebendig ausgearbeitet, es ist hervorragend detailliert beschrieben, wie sie das Leben in ihren Verhältnissen meistern müssen. Ich konnte mich jederzeit sehr gut in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen, ihre Ängste und Sorgen , ihre Trauer , ihre Freude und Zuversicht spüren.

Mich hat auch der zweite Teil absolut begeistert, das Buch konnte ich nicht aus der Hand legen, bevor ich die letzte Seite gelesen hatte. Nun warte ich wieder ganz ungeduldig, bis der nächste Teil erscheint und ich June, Franklin , ihre Schwestern und die weiteren liebgewonnenen Charaktere auf ihrem weiteren Weg begleiten kann Hoffentlich muß ich nicht allzu lange warten, ich bin doch schon so gespannt.

Von ganzem Herzen eine hundertprozentige Leseempfehlung für alle, die in hervorragend recherchierten historischen Romanen eine spannende, berührende und packende Zeitreise erleben möchten.



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Veröffentlicht am 09.12.2025

Hoffnungsvoll nach dunklen Jahren

In den Scherben das Licht
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In  ihrem neuesten Roman ,, In den Scherben das Licht "  nimmt die Autorin Carnen Korn  den Leser mit in das zerstörte Hamburg. Die Stadt so stark zerstört, daß man kaum die alten Straßenzüge wieder findet, ...

In  ihrem neuesten Roman ,, In den Scherben das Licht "  nimmt die Autorin Carnen Korn  den Leser mit in das zerstörte Hamburg. Die Stadt so stark zerstört, daß man kaum die alten Straßenzüge wieder findet, wenn man eine Weile  nicht dort war. Nur wenig Wohnraum ist intakt. Als der 16 jährige Gert 1946 nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft nach Hamburg kommt, findet er im Keller des halb abgebrannten Hauses der ehemaligen Volksschauspielerin Friede Wahrlich Obdach.  Als Gisela, 14 Jahre , ebenfalls nach Hamburg zurückkehrt,  fällt sie ihm bei der Suche nach einem Schlafplatz buchstäblich in die Arme. Da beide ohne Familie sind, arrangieren sie sich und wohnen gemeinsam im Friedes Keller. Sie ist ganz  froh,  nun nicht immer alleine am Küchentisch zu sitzen.  

Während Gert sehnsüchtig über das Rote Kreuz nach seiner kleinen Schwester Barbara sucht,  ist Gisela fest davon überzeugt,  daß ihre Mutter im Hamburger Feuersturm ums Leben gekommen ist und ihr Vater als Kriegsfotograf ebenfalls nicht überlebt hat.  Schließlich hätten sie doch  nach ihrer Tochter gesucht.  Friede denkt gerne an die alten Zeiten zurück,  als sie als Schauspielerin  gefragt und gleich von 2 Männern umgarnt wurde.  Doch diese Zeiten sind vorbei.  Außerdem trägt sie ein schlechtes Gewissen mit sich  herum: sie  fühlt sich schuldig,  daß ihr früherer Liebhaber Viktor Franke als einer der ersten ins Lager nach Lodz  deportiert wurde und das wohl kaum überlebt haben kann. 

Eindrucksvoll  und sehr anschaulich beschreibt Carmen Korn das entbehrungsreiche Leben in den Nachkriegsjahren im zerstörten Hamburg.  Mit  nur wenigen Nahrungsmitteln musste man versuchen,  satt zu werden. Es ist fast eine Kunst ,aus wenigem eine schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten.  In den Ruinen zerbombter Häuser macht Gert sich auf die Suche nach Brennholz oder noch brauchbaren Haushaltsgegenständen. Ein Ofen wäre ein großes Glück im eiskalten Winter.  Sind die 3 Hausbewohner anfangs noch eine Wohngemeinschaft,  wachsen sie im Laufe der gemeinsamen Zeit zur Wahlfamiliie zusammen.  Auch weitere Mitbewohner füllen das Haus mit Leben.  Sie geben sich gegenseitig Halt,  spenden Hoffnung und hoffen auf Glück und  bessere Zeiten.  

Die Autorin verwendet eine leichte Sprache,  mit kurzen Sätzen,, die das einfache Leben widerspiegeln.  Durch die abwechselnden Erzählperspektiven  konnte ich mich in die Protagonisten hineinversetzen,  ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen.  Auch wen  ich Friedes Verhalten manchmal nicht verstehen konnte.  Ihre Kabbeleien mit Martha ließen mich einige Male  den Kopf schütteln.  Auch wenn sie sich nicht grün sind, so ganz ohne einander geht es dann  doch nicht.  Die Kapitel sind mit Monat und Jahr gekennzeichnet,  so daß man sehr gut den Überblick über den Zeitverlauf von 1946 bis 1955 behält.  

Mir hat die Entwicklung der  authentisch beschriebenen Protagonisten sehr gut gefallen.  Aus den Jugendlichen werden junge Erwachsene,  die selbstbewusst ihren Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft gestalten können. Die Wahlfamilie hält zusammen und nimmt jeden so wie er ist . Mit Ecken und Kanten, mit  belastenden Erlebnissen aus der Vergangenheit   und gemeinsam ist  das Licht der Hoffnung zu sehen  und zu ergreifen.  

Ein wunderbarer Roman , der mich sehr berührt hat. Es ist  keine leichte Wohlfühlkost, aber eine hoffnungsvolle  Geschichte,  die das Leben schreibt.  Ich bin begeistert und empfehle sie sehr gerne weiter. 


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