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Veröffentlicht am 03.06.2026

Wolfram Siebeck. Vom Flakhelfer zum Gastrokritiker.

Siebeck – Ein sattes Leben
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Als in Deutschland der Toast Hawaii noch als raffinierte Küche galt, schrieb Wolfram Siebeck seine erste Kochkolumne. Noch ahnte er nicht, dass er damit, Ende der 1950er Jahre, bereits sein Lebensthema ...

Als in Deutschland der Toast Hawaii noch als raffinierte Küche galt, schrieb Wolfram Siebeck seine erste Kochkolumne. Noch ahnte er nicht, dass er damit, Ende der 1950er Jahre, bereits sein Lebensthema gefunden hatte. Fortan widmete er sich mit missionarischem Eifer der schwierigen Aufgabe, den Gaumen seiner Landsleute zu schulen.

Dr. Christoph Wirtz, ehemaliger Chefredakteur des Restaurantführers Gault & Millau und Kenner der Feinschmeckerszene, versucht den Menschen Wolfram Siebeck hinter der Fassade des spitzzüngigen Gastrokritikers zu zeigen. Herausgekommen ist ein Stück Zeitgeschichte zum Thema Essen in Deutschland und das Porträt eines facettenreichen Charakters.

Der kleine Wolfram verbringt seine Kindheit im Ruhrpott. 1938 wird sein Vater beruflich nach Posen versetzt. Der zehnjährige Wolfram bleibt mit der Mutter und später der ausgebombten Oma in Duisburg zurück. Geht zur Schule und zum Jungvolk, überlebt Bombennächte im Keller und wird mit 15 Jahren Flakhelfer, was ihn schließlich, 1945, noch an die Ostfront bringt. Als dort die russische Offensive beginnt, gelingt ihm die Flucht. Allein schlägt er sich 300 km Richtung Westen durch und landet für mehrere Wochen in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr hält es der 17-jährige Wolfram nur noch drei Tage in seiner alten Schule aus. Was ich gut verstehen kann. Diese Jahre haben Wolfram Siebeck für immer geprägt. Ohne Abschluss findet er nach mehreren Rückschlägen 1948 eine Stelle als Pressezeichner bei der WAZ. Er arbeitet jetzt für das Medium, dass zeitlebens sein Schicksal bestimmen wird.

Klug erkennt er, dass die Fotografie seinen Job überflüssig machen wird und wendet sich dem Schreiben zu, das ihm überraschend leicht fällt. Sein Talent zeigt sich schnell und so bekommt er Ende der 1950er Jahre den Auftrag eine Kochkolumne zu schreiben. Damit ist er bei seinem Lebensthema angekommen.

Der Autor beschreibt anschaulich und unterhaltsam den Werdegang des Wolfram Siebeck. Er erzählt die Geschichte von einem der auszog, Mehlschwitze und Fertigfraß zu bekämpfen und den Deutschen den Puritanismus ab- und guten Geschmack anzugewöhnen. Er lernt kochen und trainiert fortwährend seinen Gaumen. Siebeck polarisiert, aber er sorgt für Auflage und Anzeigen, das Credo aller Zeitungsverleger. Er wird geliebt und gefürchtet für eine spitze Feder und sein freches Mundwerk.Dr. Wirtz zeigt einen Menschen, der scheinbar auf die Meinung anderer pfeift und auf die meisten herabsieht. Was aber steckt tatsächlich hinter diesem Schutzschild aus Arroganz? Schüchternheit behauptet der Autor. Siebeck mag weder Menschenansammlungen noch schätzt er Small Talk. Am liebsten ist ihm die Gesellschaft seiner Frau Barbara. Ihre Ehe wird bis zu Siebecks Tod bestehen.

Gern hätte ich mehr Privates erfahren, z. B. über das Zusammenleben des Paars und den drei schulpflichtigen Söhnen, die Barbara mit in die Ehe gebracht hat. Ob da täglich Haute Cuisine auf den Tisch kam? Oder konnte sich der Gourmet damals in das Alltagsleben der von ihm so geschmähten Hausfrauen einfühlen?

Immerhin erfährt der Lesende, dass Siebeck die Erlebnisse in der Jugend eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Mitgliedschaften in Vereinen, Parteien, Verbänden und Abhängigkeiten jedweder Art eingebracht haben. So trifft es sich gut, dass er als freier Journalist arbeiten konnte. Auch seine Eitelkeit wird thematisiert, die ihn jedoch nicht von einem Statement abhält: Das Tragen roter Socken. Ausgerechnet ein Wahlslogan der CDU von 1994 („Auf in die Zukunft, aber nicht auf roten Socken“) hat ihn dazu inspiriert.

Wolfram Siebeck hat tatsächlich viel für die deutsche Küche getan. Sein Kampf für qualitativ hochwertige Lebensmittel war seinerzeit missionarisch und ähnelt dem heutigen Einsatz für Bio-Lebensmittel, ist also immer noch aktuell. Während das auf eine Ernährung, die auf hohem Fleischkonsum, viel Butter und Speisen wie Foie gras basiert eher nicht mehr zutrifft. Seine Eigenheit, sich nahezu ausschließlich auf die französische Küche zu konzentrieren, mutet angesichts zahlreicher hervorragender Gerichte aus anderen Ländern, seltsam, ja nahezu kleingeistig an. Warum sich derart beschränken, wenn freie Auswahl herrscht? Sollte ein „Berufsesser“ nicht deutlich offener für neue Geschmackserlebnisse sein? Siebeck liebte neben Paris immerhin noch Wien und London. Wobei es in der Stadt an der Themse nicht das Essen, sondern die Kultiviertheit der Upper Class war, die ihn anzog.

Ich habe diese Biografie gern gelesen und wurde abgesehen von kleineren Längen gut unterhalten. Das reichhaltige Bildmaterial rundet den Text passend ab.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Was der See verbirgt.

Chiemsee-Gold oder Die Grube der unschuldigen Kinder
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Sein Job, insbesondere ungelöste Fälle wie sein letzter („Umlaufaufzug“) setzen Kriminalhauptkommissar Konrad „Konny“ Kramer derart zu, dass er sich von seiner Kollegin Waltraud zu Ferien überreden lässt. ...

Sein Job, insbesondere ungelöste Fälle wie sein letzter („Umlaufaufzug“) setzen Kriminalhauptkommissar Konrad „Konny“ Kramer derart zu, dass er sich von seiner Kollegin Waltraud zu Ferien überreden lässt. Eine ganze Woche lang! Mit dem Instinkt des passionierten Ermittlers wählt er sich zielsicher einen scheinbar idyllischen Urlaubshotspot aus, den Chiemsee. Doch unter der Oberfläche dieses beliebten Touristenziels lauert bereits das Verbrechen.

Reiner Jansen schickt sein Ermittlerpaar Winter und Kramer erneut auf Verbrecherjagd. Wie schon im Vorgänger „Umlaufaufzug“ begegnen sie unerwarteten Phänomenen. Für spannende, aber unkonventionelle Unterhaltung ist gesorgt. Ein Krimi? Mal sehen.

In verschiedenen Erzählsträngen rund um den Chiemsee wird uns das bayrische Gewässer näher gebracht. Dabei verändert sich mit jedem Kapitel die Perspektive und fordert damit die Aufmerksamkeit des Lesenden. Die geologische Entstehung des Sees wird beschrieben, vor zirka 10.000 Jahren. Zahlreiche Besucher bzw. Anwohner hat das Gewässer seither verzeichnet, vom frühen Nagetier über die Freunde Bran und Ulik bis zum hinterhältigen Römer Scipio. Vom Obersturmbannführer bis zu Lady Anja mit der lukrativen Geschäftsidee. Der drittgrößte See in Deutschland hat bereits viel gesehen und immer wieder ertönt ein unheilvolles Brummen ...

Reiner Jansen schreibt sehr bildhaft, feinsinnig und unterhaltsam. Seine Charaktere, insbesondere Konny, Waltraud und Todenhöfer habe ich gern wieder getroffen. Die Dialoge des Kommissars und seiner Kollegin genieße ich sehr, egal ob sie sich über eine Trödelshow im Fernsehen (der Autor hat doch nicht etwa unsere Kommentare beim Schauen abgehört?) unterhalten oder den ersten Bayern unter gleichen. Humor vom Feinsten („We are we“).

Der arme Konny, der heldenhaft seine Angst vorm tiefen Wasser überwinden will, stolpert bzw. schwimmt prompt über eine Leiche. Kein Wunder, dass ihm sein Urlaub nicht gefällt. Erst der Tote, dann die Begegnung mit seinem ehemaligen Hauptverdächtigen aus dem letzten, dem ungelösten, Fall. Ob Todenhöfer nicht doch ein Alter Ego von Jansen ist? Jedenfalls können sich acht Tage ganz schön in die Länge ziehen. Zumal der Urlaub doch noch zur Ermittlung mutiert, nachdem ein getöteter Taucher teilweise offenlegt, was die ganze Zeit tief im See ablief. Dann überschlagen sich die Ereignisse und rufen sogar die US-Amerikaner auf den Plan ...

Mir hat „Chiemsee-Gold“ ausgezeichnet gefallen. Vielleicht setzt die Geschichte einen bestimmten, eher schwarzen, Humor und eine gewisse Großzügigkeit bzw. Toleranz voraus. Das Buch ist unkonventionell, besonders im letzten Teil und fordert den Lesenden durch seine Sprunghaftigkeit. Gleichzeitig wirkt es dadurch lebendig und anhaltend spannend. Die feinsinnigen Anspielungen auf Personen und Ereignisse unserer Zeit sowie der humorige, aber nicht klamaukige Tonfall zeichnen Rainer Jansen aus. Die Antwort zu meiner Frage: Das Buch ist auch eine Art Krimi, aber eben nicht nur.


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Veröffentlicht am 01.06.2026

Nie mehr Waldmeisterlikör!

Mord mit Schwips
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Romy Fuchs besucht gemeinsam mit Großtante Annemarie und Omama Hildegard die Schnapsbrennerei von Gut Luisenau. Zu einer Führung mit anschließendem Edelbrand-Tasting. Brennmeister Mike Walters flirtet ...

Romy Fuchs besucht gemeinsam mit Großtante Annemarie und Omama Hildegard die Schnapsbrennerei von Gut Luisenau. Zu einer Führung mit anschließendem Edelbrand-Tasting. Brennmeister Mike Walters flirtet heftig mit Romy und luchst ihr dank Hildegards Unterstützung sogar die Handynummer ab. Kurze Zeit später lädt er sie auch schon per Textnachricht zum Essen ein. Dazu kommt es nicht, denn der aufdringliche Mike wird am nächsten Morgen tot aufgefunden. Ertrunken in einem großen Bottich voll mit Waldmeisterlikör. Von Annemarie nach Luisenau gerufen, trifft Romy gleich der zweite Schock: Der ermittelnde Beamte ist Kriminalhauptkommissar Ben Jacobs, ihr Ex. Was macht diese Großstadtpflanze im Bayrischen Wald?

„Mord mit Schwips“ ist der Auftaktband der neuen Bayernkrimi-Reihe aus Schweinhütt. Der Cosy Crime von Eva Cramer hat mich mit Mord, Humor und Lokalkolorit bestens unterhalten.

Vordergründig um Großtante Annemarie zu beruhigen, beginnt Romy, früher Journalistin in München, jetzt Keramikkünstlerin im Bayrischen Wald, selbst zu ermitteln. Ihr geschiedener Mann Ben toleriert diese Einmischung, solange keine Interna verraten werden und die Polizei eine gute Presse bekommt. Als freie Mitarbeiterin des „Ostbayern-Boten“ hat sich Romy die Berichterstattung im Mordfall Walters gesichert. Bald stellt sich heraus, dass der Ermordete ein unangenehmer Zeitgenosse war, der durch Frauengeschichten, ungezügelte Neugier und penetrante Übergriffigkeit auffiel. Mehrere Personen hatten ein Motiv, den Brennmeister mit der Vorliebe für Erpressung zu töten. Ein zweites Mordopfer erhöht den Druck auf die Kripo. Was ist bloß los in der luxuriösen Seniorenresidenz Luisenau?

Romy war mir auf Anhieb sympathisch. Klug, taff und vielseitig talentiert hat sie nach ihrer Scheidung und der Flucht aus der Großstadt einen Neuanfang gewagt. Jetzt ist sie im Kreis ihrer Lieben stärker und geerdeter als zuvor. Mir gefällt ihre Art zu denken. Zum Beispiel kommt ihr gleich George Plantagenet in den Sinn als sie erfährt wie Mike zu Tode gekommen ist. Dessen Schicksal besiegelte angeblich ein Fass Wein. Romy ist eine gute Beobachterin und einfühlsam. Auch die anderen Charaktere haben mir gefallen. Sei es die Mehrgenerationen-WG der Familie Fuchs in der Villa Serafina, der strafversetzte Ben oder der widerwärtige, aber gut getroffene Lokalreporter Anton Bauer, der Neid und Unterlegenheitsgefühle mit Unhöflichkeit und Machogehabe kompensiert.

Neben den gelungenen Protagonisten in Haupt- und Nebenrollen hat mich das Lokalkolorit besonders begeistert. Das gilt für die beeindruckende Landschaft mit dem Dreiflüsseeck in Passau oder der idyllischen Burgruine Altnußberg genauso wie für Sagen, Brauchtum und Regionalgeschichte. Da ich die Gegend kenne, gab es einige Déjà-vus.

Eva Cramer erzählt ihren Wohlfühlkrimi flott und humorvoll, aber ohne Klamauk. Zunächst haben mich die Rückschauen irritiert bis ich mich daran gewöhnt hatte. Für ausreichend Spannung ist gesorgt, die dank einiger Wendungen bis zum Showdown anhält. Mir hat gefallen, dass das Privatleben der Ermittler thematisiert wird, ohne dass es zu viel Raum einnimmt. Die noch vorhandenen Gefühle des ehemaligen Paares waren für mich ebenso gut nachvollziehbar wie die Trennungsgründe. Letztendlich wird der Fall aufgeklärt und alle Fragen sind logisch beantwortet. Wird Ben also rehabilitiert nach München zurückkehren?

Ich fand die Villa Serafina so gemütlich und die Wohngemeinschaft von Romy, Mathias, Jannis, Nicki, Omama Hildegard und Kater Falko so angenehm, dass ich mich schon auf den nächsten Besuch dort freue. Wie ich mit Vergnügen gelesen habe, wird das schon im Oktober der Fall sein.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Drei Frauen und der Kommissar

Ein Fenster in Copacabana
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Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ...

Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ebenfalls vor wenigen Tagen ermordet wurde. Die Kollegen sind verständlicherweise beunruhigt und rätseln über den vermeintlichen Polizisten-Serienkiller. Einer von ihnen, Nestor, der erst seit wenigen Tagen in Espinosas Revier arbeitet, bietet diesem seine Hilfe bei den Ermittlungen an, was dem Kommissar seltsam vorkommt. Kurze Zeit später wird Nestor tot aufgefunden - ebenfalls erschossen. Und der Killer scheint noch nicht fertig zu sein. Als nächste sind die Freundinnen der Toten an der Reihe. Der Täter scheint sich außergewöhnlich sicher zu fühlen und nimmt nach zwei weiteren Morden die dritte der Geliebten, Celeste, ins Visier.

Luiz Alfredo Garcia-Roza war ein brasilianischer Psychologieprofessor, der 30 Jahre lang Theorie der Psychoanalyse unterrichtete und Fachbücher schrieb. Im Ruhestand entdeckte er ein neues Genre für sich, den Kriminalroman. Seine Kommissar Espinosa-Reihe, die er mit Anfang Sechzig begann, war auch international erfolgreich. Mehrere Bände wurden ins Deutsche übersetzt. Für sein Krimidebüt bekam er 1997 den Prêmio Jabuti, einen brasilianischen Literaturpreis. Sein zweiter Krimi wurde 2007 verfilmt (Die Tote von Ipanema). Ich war gespannt auf diesen Autor und wurde nicht enttäuscht.

Der Kommissar stellt ein kleines Ermittlerteam aus drei Polizisten zusammen: Oberinspektor Ramiro, Artur, frisch von der Akademie und Inspektor Welber. Vorbehaltlos vertraut er nur Welber. Die Ermittlung gestaltet sich schwierig, da der Täter clever agiert und ein Meister der Tarnung ist. Das Team stößt bei den Kollegen der Toten, also ebenfalls Polizisten, auf eine Mauer des Schweigens. Wer von ihnen gehört zur „Faulen Bande“ wie die Presse korrupte Polizisten bezeichnet?

Espinosa ist ein spannender Charakter. Seit seiner Scheidung vor zehn Jahren lebt er als Single und hat eine Geliebte, Irene, die wie er Unabhängigkeit schätzt. Der Kommissar träumt davon, irgendwann die Polizei zu verlassen und ein Buchantiquariat zu eröffnen. Seine kleine Wohnung dekorieren meterhohe Bücherstapel, tausend Bände, die ihm seine Großmutter hinterlassen hat. Wenn er zur Ruhe kommt, greift er zu seiner Lektüre, dem Thriller-Klassiker "Phantom-Lady" von Cornell Woolrich. Die anderen Charaktere bleiben eher flach. Drei Frauen, neben seiner Geliebten Irene, die Zeugin Serena und das potenzielle Opfer, die dritte Geliebte Celeste, spielen wichtige Rollen im Krimi.

Garcia-Roza schreibt spannend, aber ziemlich nüchtern. Die allgegenwärtige Korruption bei der Polizei wird ebenso thematisiert wie die sozialen Unterschiede innerhalb der brasilianischen Gesellschaft. Espinosas Viertel Copacabana wird bildhaft beschrieben. Hier ist der Autor aufgewachsen und hat die Entwicklung vom malerischen Dorf zum berühmtesten Stadtteil Rio de Janeiros miterlebt.

Offiziell wird der Fall nicht aufgeklärt, doch Espinosa entlarvt den Täter. Er erzählt Irene die Auflösung des Falls und wie er auf den Täter gekommen ist. Der Kommissar ist sicher, dass die Zeit für ihn arbeitet und er den Killer noch zu Strecke bringen wird.

„Ein Fenster zur Copacabana“ ist ein spannender, manchmal etwas spröder Krimi, der mich gut unterhalten hat. Die Einblicke in die brasilianische Gesellschaft fand ich aufschlussreich. Überrascht aber überzeugt hat mich die Identität des Täters. Vermutlich war das nicht der letzte Krimi dieses Autors für mich.

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Veröffentlicht am 29.05.2026

So kommt der Buchhändler auf den Hund

101 Schlawiner
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In Remslingen geht alles seinen gewohnten Gang. Nur Selinas beruflich bedingte Abwesenheit macht Robert Mondrian zu schaffen. Frustriert erliegt der Buchhändler beinahe den Reizen seiner neuen attraktiven ...

In Remslingen geht alles seinen gewohnten Gang. Nur Selinas beruflich bedingte Abwesenheit macht Robert Mondrian zu schaffen. Frustriert erliegt der Buchhändler beinahe den Reizen seiner neuen attraktiven Nachbarin. Doch ein Mord in deren Geschäftsräumen, dem Hundesalon „Crew Ella“, lenkt Roberts Konzentration auf die Ermittlungen seines Freundes Kommissar Neher. Auch Anton, Mitarbeiter in der Buchhandlung, hofft auf einen neuen Fall für „Bookman“, wie er seinen Chef insgeheim nennt. Doch zunächst tappen alle Beteiligten im Dunkeln. Wer war der Tote und hat Ella in ermordet?

Auch in seinem 6. Fall wird der Buchhändler Robert Mondrian, ein ehemaliger Topagent, von dessen Vergangenheit in Remslingen niemand erfahren soll, mit einem ungeklärten Verbrechen konfrontiert. Erneut sorgt er mit seinen privaten Ermittlungen für spannende Unterhaltung. „101 Schlawiner“ ist auch für Neueinsteiger gut verständlich.

Im Straßenbild von Remslingen tauchen etliche Dalmatiner auf. Was steckt hinter dem vermehrten Auftreten der schönen Hunde? Zunächst sieht niemand einen Zusammenhang mit der steigenden Verbrechensrate: Bei einem Firmenwagen werden Reifen zerstochen, Pasquale, dem Seniorchef der Pizzeria Fontana der Familienschmuck gestohlen und Dorothea von Meier samt ihrem Kulturverein die Tageskasse geklaut. Die Situation eskaliert als Mondrian in seinem Hinterhof betäubt und zusammengeschlagen wird. Auch Nachbarin Ella fühlt sich bedroht. Und Antons Freundin Marie, zwar schmächtig aber ein Karate-Ass, kann im Nachbarort nach einer Krimilesung den Raub der Abendkasse gerade noch verhindern. Wenig später verschwindet eine Journalistin und der bewusstlose Mondrian schickt Kommissar Neher Ratschläge aufs Smartphone? Was ist nur los hier? Der Fall benötigt dringend einen Robert Mondrian in Bestform!

Gewohnt humorvoll und eloquent entführt uns Autor Jürgen Seibold ins fiktive Remslingen, das von der Stadt Waiblingen inspiriert ist. Ich komme immer wieder gern hierher und treffe alte Bekannte wie den Schotten und Nazareth-Fan Richie oder Puppenspieler Gustaf Kruse und die anderen. Mir gefällt der gelungene Mix aus spannender Unterhaltung, Lokalkolorit und den sympathischen Protagonisten, allen voran meine Favoriten Sherlock und Watson, die dieses Mal sogar Hunde kommandieren.

Während dieser Ermittlung wächst sogar Remslingens stadtbekannte Klatschbase Elsa Heberle über sich hinaus. Zuerst behält sie, was sie selbst erstaunt, brandheiße Informationen diskret zurück, dann hilft sie, Mondrian aus einer bedrohlichen Situation zu retten, um dann im rasanten Showdown sogar ... aber lest selbst. Jedenfalls verändert sie sich sehr zu ihrem Vorteil oder hat sie endlich ihr wahres Ich entdeckt?

Der neueste Cosy Crime aus Remslingen hat meine Erwartungen voll erfüllt und mich bestens unterhalten. Lediglich ein paar gewieftere Ganoven habe ich vermisst. Aber der Fall wird gelöst und die offenen Fragen beantwortet. Im Städtchen im Rems-Murr-Kreis geht wieder alles seinen gewohnten Gang.

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