Eine Nonne verlässt ihr Kloster, um ein Verbrechen aufzuklären
Mord in der Pension MöwennestSchwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ...
Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ehemalige Novizin ist Nora ans Herz gewachsen wie eine Tochter. Als Frieda das Kloster wegen eines Lungenleidens verlassen musste, gab sie ihrer alten Freundin das Versprechen, wöchentlich einen Brief zu schreiben. Daran hat sie sich strikt acht Monate lang gehalten bis die Briefe abrupt ausblieben. Frieda war plötzlich spurlos verschwunden und niemanden schien das zu kümmern - außer Agnes. Und deshalb wurde sie wieder Nora Breen.
Jess Kidd hat mit „Mord in der Pension Möwennest“ einen Kriminalroman mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpaar geschrieben. Das Buch spielt in den 1950er Jahren und hat mich gut unterhalten.
Nora folgt Friedas Spur in die Pension Möwennest, in der sie vor ihrem Verschwinden gewohnt hat. In der heruntergekommenen Herberge lebt eine kleine Gruppe ziemlich skurriler Menschen. Sie alle können oder wollen nur vage Angaben zu Friedas Plänen und möglichen Zielen machen. Kurze Zeit nach Noras Einzug stirbt einer der Mieter. Die Polizei tippt auf Suizid, nur die Witwe geht von einem Mord aus. Nora sucht nach einer Spur von Frieda, aber auch im nahe gelegenen Städtchen Gore-on-Sea bleibt sie erfolglos. Mittlerweile sterben der nächste Bewohner des Möwennests und sein Hund eines unnatürlichen Todes. Während der Detective Inspector weiterhin von Suiziden bzw. Unfällen ausgeht, glaubt Nora an eine Mordserie, der auch Frieda zum Opfer gefallen ist.
Die Geschichte spielt 1954 und entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Die Abläufe im Möwennest, Noras Nachforschungen und gelegentliche Ausflüge in die Stadt dominieren die Erzählung. Noch leidet die Gesellschaft unter den Nachwehen des Krieges. Geld und Arbeitsplätze sind knapp. Es herrscht eine etwas düstere, resignierte Atmosphäre. Nach und nach werden Details aus Noras früherem Leben und ihre Beweggründe für den Klostereintritt offenbart, ebenso warum ihr Frieda derart ans Herz gewachsen ist.
Jess Kidds Geschichte bevölkern eher schräge Charaktere. Nora, intelligent, stur und zupackend, findet sich erstaunlich gut in ihrem neuen Leben zurecht. Sie hat das Zeug zur Ermittlerin, da die Menschen gern mit ihr reden und sich ihr öffnen. Inspector Rideout ist Noras Thesen gegenüber zwar skeptisch, pflegt aber nicht die Vorurteile gegenüber Frauen, die in den 1950ern üblich sind. Er ist gewillt ihr zuzuhören und nimmt sie ernst. Die Bewohner des Möwennests bilden eine Zweckgemeinschaft, die die Not zusammengeführt hat. Die vornehme Pensionswirtin Helena, die sich in Krankheiten flüchtet und ihre wilde kleine Tochter nicht bändigen kann. Diese kleine Dinah weigert sich zu sprechen, bekommt aber mehr mit als die meisten glauben. Die schroffe Haushälterin Irene, die nicht so gefühllos ist, wie sie sich gibt. Und die Pensionsgäste: Poppy, der Puppenspieler, angeblich vornehmer Abkunft. Bill, der ehemalige Seemann, der jetzt Barkeeper ist und Helena liebt. Teddy und Stella, ein junges berufstätiges Ehepaar. Karel, der junge Fotograf und Frieda, die verschwundene ehemalige Novizin.
Die Geschichte hat mich erst allmählich in ihren Bann gezogen. Obwohl die Zahl der Verdächtigen klein ist, erfordert es einige Zeit, die Fälle aufzuklären. Letztendlich gelingt es, den Täter zu entlarven. Auch Friedas Schicksal wird aufgeklärt.
Jess Kidd gelingt es, die Atmosphäre der 1950er Jahre einzufangen und diese Zeit ihren Lesern näherzubringen. Mit Nora hat sie eine sympathische Ermittlerin geschaffen, die hervorragend mit Inspector Rideout zusammenarbeitet. Was mich leider während des gesamten Romans gestört hat, ist, dass die Autorin einerseits mehrfach Noras klamme finanzielle Situation thematisiert, sie aber gleichzeitig unsinnige Dinge kaufen lässt, obwohl es ihr an den einfachsten Sachen mangelt wie vernünftigen Schuhen. Auch lässt sie ihre Heldin keinen Gedanken daran verschwenden, wie sie diese Notlage beheben könnte. So geht sie nicht auf Arbeitssuche, obwohl ihre Ermittlungen dies zeitlich gut zuließen und sie als Krankenschwester Arbeit finden könnte.
Insgesamt gesehen haben mir Noras Geschichte, ihre Tatkraft und ihr Humor gut gefallen. Ich werde auch ihrem zweiten Fall eine Chance geben.