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Veröffentlicht am 27.03.2026

Ich suche meinen Mörder

Noch fünf Tage
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Lis Castrop, eine Spitzenköchin, liegt im Sterben. Ihr Arbeitgeber, die Milliardärsfamilie Harman, wurde mit dem Essen vergiftet, das sie gekocht hat. Alle sind tot, nur sie hat noch eine Galgenfrist von ...

Lis Castrop, eine Spitzenköchin, liegt im Sterben. Ihr Arbeitgeber, die Milliardärsfamilie Harman, wurde mit dem Essen vergiftet, das sie gekocht hat. Alle sind tot, nur sie hat noch eine Galgenfrist von fünf Tagen. Die Schweizer Polizei hält die Köchin für die Täterin. Sie soll Familie Harman mit Polonium 210 vergiftet haben, obwohl sie selbst betroffen ist. Lis erkennt, dass ihr nur noch die Zukunft ihrer Tochter Cosima wichtig ist. Also beginnt sie von ihrem Sterbebett aus zu ermitteln. Es ist nachvollziehbar, dass Zeit hier die entscheidende Rolle spielt.

Die Autorin Helena Falke hat mit „Noch fünf Tage“ einen ungewöhnlichen wie spannenden Thriller geschrieben, der neben einem beeindruckenden Setting mit präziser, klarer Sprache überzeugt. Ich habe das Buch nur ungern aus der Hand gelegt.

Der ungewöhnliche Plot dieses Romans hat mich sofort getriggert. Wie reagiert ein Mordopfer, dessen Leben unaufhaltsam in 5 Tagen endet? Mit dem Schicksal hadern? In Selbstmitleid versinken? Den Nachlass regeln? Oder einfach resignieren? Alle diese Stadien durchläuft Lis und nur ihre Pflegerin Esme begleitet sie dabei. Wie in einem persönlichen Tagebuch werden Szenen aus ihrem Leben erzählt. Stationen ihrer Karriere und Erlebnisse mit den einzelnen Mitgliedern der Familie Harman. Wie mit Reeta, der Frau an der Seite des Milliardärs. Dank Lis überwindet sie ihre Unsicherheit und kann die Freundinnen gewinnen, die sie für passend hält. Doch wegen einer Kleinigkeit erniedrigt sie ihre Köchin. Lis erinnert sich: „Ich wurde noch nie so sehr gedemütigt in meinem Leben“. Alle Familienmitglieder Harman verfügen gleichermaßen über Potenzial und Abgründe. Es ist teilweise sehr desillusionierend in die Welt der Superreichen einzutauchen.

Mithilfe ihrer Recherchen will Lis dem Mörder auf die Spur kommen. Wer von den Harmans war das eigentliche Ziel? Wer nur Kollateralschaden? Unterbrochen werden diese Überlegungen nur von den Abläufen und wenigen Besuchern im Krankenzimmer. Ähnlich wie in einem Kammerstück treten nur vereinzelt Akteure persönlich in Erscheinung.

Lis aus deren Perspektive die ganze Geschichte erzählt wird, ist eine starke Persönlichkeit. Intelligent, kreativ, loyal, zielstrebig. Vielleicht etwas zu großzügig. Zu wenig egoistisch? Mir scheint, die Harmans nutzten sie skrupellos aus, weit über ihren Job hinaus. Über allem darf man Lis Leidenschaft für ihren Beruf nicht vergessen. Sie liebte es, köstliche Kreationen zu erschaffen, die mir immer wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen.

Im Verlauf ihres Sterbeprozesses gewinnt Lis eine beeindruckende Klarheit. Dazu tragen die ernsthaften Gespräche mit der Pflegerin Esme und der Sterbebegleiterin Chrissie bei. Die anderen Protagonisten verfügen nicht annähernd über ihre Tiefe. Hier wird Lis‘ Geschichte erzählt. Während der ganzen Zeit ist der Tod immer präsent.

Ich fand Lis Geschichte spannend und vielschichtig. Es hat mich beeindruckt, dass sie, den Ablauf ihres eigenen Countdowns ignorierend, recherchiert, Motive prüft, Ereignisse reflektiert und so stur ihren Plan verfolgt. Das wirkt mitunter kühl und distanziert, doch anders kann sie ihr Ziel nicht erreichen. Schließlich weiß Lis, dass sie in Kürze ihre geliebte Tochter für immer verlassen muss.

Die Erzählung nimmt einige Wendungen und wartet mit einer echten Überraschung auf. Schlussendlich erreicht Lis alle Ziele, die sie noch hatte. Sie deckt die Identität des Täters auf und erkennt das Motiv. Und sie kann Cosima eine gesicherte Zukunft hinterlassen.

"Noch fünf Tage" präsentiert ein Mordopfer, das noch am Leben ist, aber unweigerlich sterben wird. Daraus ergibt sich eine völlig ungewöhnliche Perspektive auf das Leben, den Tod, das Sterben und den ganzen Rest. Ich habe das Buch gern gelesen, obwohl es nicht immer einfach ist, die zum Tode verurteilte Lis zu begleiten. Die Endlichkeit bereitet Unbehagen.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Der zwölfte Espresso kann tödlich sein

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Karfreitag in Neapel. Commissario Salvo Gaetano hat Urlaub und ist bei seiner Familie auf dem Land. Alles bestens oder was? Mitnichten! Schon klingelt sein Telefon. Die Diensthabende Beppa, Polizistin ...

Karfreitag in Neapel. Commissario Salvo Gaetano hat Urlaub und ist bei seiner Familie auf dem Land. Alles bestens oder was? Mitnichten! Schon klingelt sein Telefon. Die Diensthabende Beppa, Polizistin in Ausbildung und Salvos Schützling, braucht dringend Hilfe. Im Hafenbecken von Mergellina wurde eine Leiche entdeckt. Carla, die schwangere Nichte des Commissarios, reagiert wütend als ihr Onkel dem Hilferuf folgt. Doch wie will der überhaupt nach Neapel kommen? Sein Dienstfahrzeug hat Carlas Mann Michele ungefragt zum familiären Lieferwagen umfunktioniert und fährt gerade Wein im kampanischen Hinterland aus. Als Salvo endlich am Tatort eintrifft, stellt er fest, dass Beppa dort ihr eigenes Süppchen kocht ...

Fabio Nola gelingt auch mit seinem zweiten Fall "Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl" ein spannender Kriminalroman, der sich erfrischend von anderen abhebt. Der Autor glänzt erneut mit seinen profunden Kenntnissen der Neapolitaner und ihrer Stadt.

Noch ist nicht klar, was mit dem Opfer Paolo Marchesi passiert ist. Warum ist er tot? War es Mord, Suizid, Totschlag oder ein Unfall? Der Arbeitgeber des Toten, die Firma Spirafarm, ist einer der größten Arbeitgeber der Stadt und der zuständige Staatsanwalt sitzt dort im Aufsichtsrat. Der Börsengang des Unternehmens steht unmittelbar bevor und da macht es sich nicht gut, wenn plötzlich „das Gesicht“ der Firma tot ist. Entsprechend soll diskret ermittelt werden. Wie ist die Camorra in den Fall involviert? Eine der Familien fängt plötzlich an Neapels Pizzabäcker zu ermorden und feiert jede ihrer Hinrichtungen mit Feuerwerk.

Ich liebe Nolas Charaktere, die im 2. Fall deutlich an Tiefe gewonnen haben. Sie sind kantig und besitzen trotzdem Charme. Dieses Mal sticht die ambitionierte Beppa besonders hervor. Stur weigert sie sich, „ihre“ Leiche als Opfer eines schnöden Unfalls oder als Selbstmörder zu behandeln. Um ihre Mordthese zu untermauern, spannt sie ihre gesamte Sippe ein und leistet selbst höchsten Einsatz. Schließlich überzeugt sie auch Salvo, der prompt von seinem Vorgesetzten und dem zuständigen Staatsanwalt zurückgepfiffen wird. Doch auch Gaetano bleibt sich treu. Je mehr Hindernisse zu überwinden sind, desto intensiver ermittelt er. Um den komplexen Fall zu lösen, benötigt der Commissario jede Hilfe, die er kriegen kann. Auch die des Katers Geronimo.

Die Ermittlungen ziehen sich über die Osterfeiertage hin. Während der Feiertage geht die Arbeit noch langsamer vonstatten als sonst. Immerhin gelingt es Salvo trickreich den großen Zampano der SpuSi, Davide, in sein Labor zu locken. Dieser erreicht dank der schwierigen Untersuchungen beinahe die von ihm errechnete tödliche Dosis an Espressi. Wie immer bringt Davide die Ermittlungen voran. Am Karfreitag wird die Leiche entdeckt, am Dienstag nach Ostermontag der Fall gelöst. In dieser Zeit begleitet der Leser nicht nur die Arbeit der Mordkommission, sondern auch die aufwendigen neapolitanischen Osterbräuche. Erneut ermittelt Salvo während eines christlichen Hochfests in Neapel. Die Ermittlungen weisen zahlreiche Verwicklungen und Wendungen auf. Immer wenn ich dachte, der war es, verändern neue Fakten die Beweislage. Trotzdem wird der Fall dank der Sturheit Beppas und des Commissarios restlos aufgeklärt.

Dieser Fall verändert Salvos Verhältnis zu seinem behinderten Bruder Aniello grundlegend und verhilft ihm zur Erkenntnis, dass er nicht länger allein leben will. Also wendet er sich der Frau zu, die er schon lange liebt. Sie zwingt ihn, seinen schroffen Umgangston und sein Verhältnis zu den Kollegen zu ändern, was überfällig ist. Ich bin schon sehr gespannt, ob diese erfreuliche Entwicklung auch noch in Band 3 zu spüren sein wird.

Von mir gibt es für diesen spannenden, atmosphärischen Krimi die volle Punktzahl.


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Veröffentlicht am 11.03.2026

Irmi kanns nicht lassen

Schroffe Klippen
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Irmi hilft dem pensionierten Tierarzt Franz und ihrer Freundin Luise beim Umzug der Katzenstation auf ihren Hof. Während sie mit geretteten Kätzchen spielen, klingelt ein Handy. Babsi, Luises Tochter ist ...

Irmi hilft dem pensionierten Tierarzt Franz und ihrer Freundin Luise beim Umzug der Katzenstation auf ihren Hof. Während sie mit geretteten Kätzchen spielen, klingelt ein Handy. Babsi, Luises Tochter ist völlig neben der Spur. Ihre Freundin wurde tot aufgefunden, zerschmettert am Fuß der Klippen bei Hell’s Hole. Luise bittet Irmi nach Irland zu fahren und herauszufinden, warum Anja sterben musste. Die irische Garda hat den Tod als Unfall eingestuft. Aber daran glaubt Babsi nicht. Gemeinsam mit Malcolm überreden Franz und Luise die zögernde Irmi zum Irland-Trip.

Auch in der 17. Runde gehen Nicola Förg die Ideen nicht aus! Irmi ermittelt wieder und entdeckt bald Ungereimtheiten. Wie gewohnt verbindet die Autorin Verbrechen und aktuelle Themen auf spannende Weise.

Die bisher wenig gereiste Irmi begibt sich nach Irland. In Babsis Café trifft sie Malcolm wieder und beide lassen sich schildern, was passiert ist. Anja, eine Art digitale Nomadin lebte nach ihrer Scheidung mit ihren beiden Teenager-Kindern Kim und Kilian in einem luxuriösen Wohnmobil in der Nähe. Da sie als Medical Information Managerin vorwiegend im Home-Office arbeitete und die Kids eine Onlineschule besuchten, war das kein Problem. Was die beiden Amateurdetektive besonders bestürzt, ist die Information, dass Anjas Tochter Kim spurlos verschwunden ist. Ihre Großeltern, die Anja ablehnten, haben Kilian allein zurück nach Bayern geholt. Malcolm und Irmi konzentrieren sich zunächst auf die Suche nach Kim. Um ihren Bruder kontaktieren zu können, den seine Großeltern hermetisch abschirmen, benötigen sie die Hilfe von Kathi und Andrea ...

Auf ihren Fahrten quer durch Irland, die mich an einen Roadtrip erinnern, besuchen unsere Schnüffler auch verschiedene Sehenswürdigkeiten. In Tara beim Stone of Destiny spürt selbst die an Esoterik wenig interessierte Irmi ein diffuses Prickeln. Die außergewöhnliche Landschaft fasziniert sie ohnehin. Hier wird die Magie Irlands spürbar. Der Leser und der Krimi profitieren von Förgs Tätigkeit als Reisejournalistin. In dieser speziellen Atmosphäre lernen wir Irmi von einer anderen Seite kennen und kommen ihr so nah wie nie. Das hat mir sehr gut gefallen.

Förg wäre nicht Förg, wenn nicht auch Themen wie Tier- und Naturschutz oder die aktuell herrschende Stimmung in Irland eine Rolle spielten. Erschüttert hat mich das durch die ausgeprägte Wettlust der Iren hervorgerufene Elend der bei den Hunderennen eingesetzten Greyhounds. Die mafiösen Strukturen im Hintergrund dieses zweifelhaften Treibens spielen bei den Ermittlungen eine Rolle. Trotz Nebenthemen kommt der Fall zu keiner Zeit ins Hintertreffen. Malcolm und Irmi beweisen sich erneut als Dreamteam. Mit Unterstützung aus der Heimat wird der Fall geklärt. Dieses Mal hatte ich den Täter nicht im Visier und wurde überrascht. Doch die Beweisführung ist schlüssig und alle Fragen werden beantwortet.

Weniger erfolgreich gestaltet sich Irmis Beziehungsleben. Der „Hase“ hat uns beide enttäuscht. Irmi ist verunsichert und ich sauer. Mal sehen, wie und ob es mit den beiden weitergeht.

Die spannende Ermittlung lässt mich in leicht melancholischer Stimmung zurück und gibt reichlich Stoff zum Nachdenken. Ich verlasse mich darauf, dass Irmi auch weiterhin für Gerechtigkeit sorgen wird und freue mich auf ihren nächsten Fall.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Was macht echte US-Amerikaner aus?

Real Americans
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Rachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.


New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ...

Rachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.


New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ihrer ehrgeizigen Mutter treiben. Anstatt Medizin zu studieren, arbeitet die Tochter chinesischer Einwanderer lieber unentgeltlich als Praktikantin im Marketing und sucht eine Stelle als Kunsthistorikerin. Bei einer Weihnachtsfeier lernt sie Matthew, ihren Mr. Perfect, kennen. Er ist nicht nur attraktiv und intelligent, sondern auch der Erbe eines milliardenschweren Pharmaunternehmens. Nach einigem Hin und Her heiraten die beiden und bekommen einen Sohn, Nico. Der Traum aller „Aschenputtel“ scheint hier wahr zu werden. Der Abschnitt endet mit einem Cliffhanger.


2021. Nick und seine Mutter Lily leben in der Nähe von Seattle. Der Junge vermisst seinen Vater, von dem er nur weiß, dass er Matthew heißt. Verwundert darüber, dass er seiner chinesischen Mutter überhaupt nicht ähnlich sieht, sondern wie das Klischee eines weißen, blonden, blauäugigen Amerikaners schlechthin, lässt Nick heimlich eine DNA-Untersuchung machen. Diese bestätigt, dass Lily seine Mutter ist. Über das Analyse - Unternehmen bekommt Nick nach einiger Zeit Kontakt mit Matthew. Die beiden treffen sich heimlich und Nick fühlt sich zu seinem Vater, dem er so ähnlich sieht, hingezogen. Nick studiert in Yale und wird von Matthew heimlich unterstützt. Ein dramatisches Ereignis führt zum Abbruch der Beziehung.


San Francisco 2030. May, Lilys Mutter, stalkt heimlich ihren Enkel Nick, da sie sich nach einer Familie sehnt. Ihre Tochter hat jeden Kontakt zu ihr abgebrochen. In diesem Abschnitt erfahren wir, warum Mai eine so strenge, ehrgeizige Mutter war, die für ihre Tochter scheinbar keine Gefühle hatte. Den Rückblick in ihre Vergangenheit in China, die Jahre der Kulturrevolution und die Flucht in die USA fand ich besonders spannend. Es ist unglaublich, wie sehr Mai für die Erfüllung ihres Traumes brannte und welche Opfer sie dafür brachte. Auch das surreale Element, das die Geschichte durchzieht,- Mai, Lily und Nick haben die Fähigkeit die Zeit zu „dehnen“-, wird hier erklärt. Nick entdeckt Mai zufällig und sie erzählt ihm ihre Geschichte.


Rachel Khong erzählt flüssig und bilderreich eine Geschichte über Identität, Familie, Generationskonflikte, Gentechnik uvm. Der Roman hat mich schnell gefesselt und kurzweilig unterhalten. Besonders spannend fand ich die Beziehung von Lily und May, die zu einem großen Teil an Missverständnissen und nicht geführten Gesprächen krankt. Und die Tochter macht bei ihrem Sohn ähnliche Fehler. Erst Großmutter und Enkel können miteinander reden und sich verstehen lernen. Auch das Thema Identität wird einfühlsam behandelt. Auf der einen Seite Lily, die chinesisch aussieht, sich aber als Amerikanerin fühlt und nur Englisch spricht. Dagegen Nick, der weiß-amerikanisch ausschaut, aber chinesisch als Muttersprache ansieht. Was macht den echten Amerikaner, was den echten Chinesen aus? Und warum spielt das eine so wichtige Rolle? Mit dem Thema Gentechnik wird der Rahmen eines Unterhaltungsromans meines Erachtens gesprengt und wird hier auch nicht abschließend behandelt. Halten wir fest, das sie Segen und Übel mit sich bringt und viele ethische Fragen aufwirft.


Die drei Abschnitte sind sehr unterschiedlich und nicht ideal verknüpft. Die Liebesgeschichte von Lily und Matthew bspw. fand ich ziemlich flach und klischeebeladen. Dagegen erklärt Mays Geschichte manches unverständliche Verhalten und beantwortet viele Fragen.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir der Roman gut gefallen hat und unterhaltsam ist, aber der Hype dazu übertrieben erscheint.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geht wieder ein Frauenmörder auf Amrum um?

Einsames Watt
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Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen ...

Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.

In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.

Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?

Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.

Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. „Einsames Watt“ hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.

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