Was macht echte US-Amerikaner aus?
Real AmericansRachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.
New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ...
Rachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.
New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ihrer ehrgeizigen Mutter treiben. Anstatt Medizin zu studieren, arbeitet die Tochter chinesischer Einwanderer lieber unentgeltlich als Praktikantin im Marketing und sucht eine Stelle als Kunsthistorikerin. Bei einer Weihnachtsfeier lernt sie Matthew, ihren Mr. Perfect, kennen. Er ist nicht nur attraktiv und intelligent, sondern auch der Erbe eines milliardenschweren Pharmaunternehmens. Nach einigem Hin und Her heiraten die beiden und bekommen einen Sohn, Nico. Der Traum aller „Aschenputtel“ scheint hier wahr zu werden. Der Abschnitt endet mit einem Cliffhanger.
2021. Nick und seine Mutter Lily leben in der Nähe von Seattle. Der Junge vermisst seinen Vater, von dem er nur weiß, dass er Matthew heißt. Verwundert darüber, dass er seiner chinesischen Mutter überhaupt nicht ähnlich sieht, sondern wie das Klischee eines weißen, blonden, blauäugigen Amerikaners schlechthin, lässt Nick heimlich eine DNA-Untersuchung machen. Diese bestätigt, dass Lily seine Mutter ist. Über das Analyse - Unternehmen bekommt Nick nach einiger Zeit Kontakt mit Matthew. Die beiden treffen sich heimlich und Nick fühlt sich zu seinem Vater, dem er so ähnlich sieht, hingezogen. Nick studiert in Yale und wird von Matthew heimlich unterstützt. Ein dramatisches Ereignis führt zum Abbruch der Beziehung.
San Francisco 2030. May, Lilys Mutter, stalkt heimlich ihren Enkel Nick, da sie sich nach einer Familie sehnt. Ihre Tochter hat jeden Kontakt zu ihr abgebrochen. In diesem Abschnitt erfahren wir, warum Mai eine so strenge, ehrgeizige Mutter war, die für ihre Tochter scheinbar keine Gefühle hatte. Den Rückblick in ihre Vergangenheit in China, die Jahre der Kulturrevolution und die Flucht in die USA fand ich besonders spannend. Es ist unglaublich, wie sehr Mai für die Erfüllung ihres Traumes brannte und welche Opfer sie dafür brachte. Auch das surreale Element, das die Geschichte durchzieht,- Mai, Lily und Nick haben die Fähigkeit die Zeit zu „dehnen“-, wird hier erklärt. Nick entdeckt Mai zufällig und sie erzählt ihm ihre Geschichte.
Rachel Khong erzählt flüssig und bilderreich eine Geschichte über Identität, Familie, Generationskonflikte, Gentechnik uvm. Der Roman hat mich schnell gefesselt und kurzweilig unterhalten. Besonders spannend fand ich die Beziehung von Lily und May, die zu einem großen Teil an Missverständnissen und nicht geführten Gesprächen krankt. Und die Tochter macht bei ihrem Sohn ähnliche Fehler. Erst Großmutter und Enkel können miteinander reden und sich verstehen lernen. Auch das Thema Identität wird einfühlsam behandelt. Auf der einen Seite Lily, die chinesisch aussieht, sich aber als Amerikanerin fühlt und nur Englisch spricht. Dagegen Nick, der weiß-amerikanisch ausschaut, aber chinesisch als Muttersprache ansieht. Was macht den echten Amerikaner, was den echten Chinesen aus? Und warum spielt das eine so wichtige Rolle? Mit dem Thema Gentechnik wird der Rahmen eines Unterhaltungsromans meines Erachtens gesprengt und wird hier auch nicht abschließend behandelt. Halten wir fest, das sie Segen und Übel mit sich bringt und viele ethische Fragen aufwirft.
Die drei Abschnitte sind sehr unterschiedlich und nicht ideal verknüpft. Die Liebesgeschichte von Lily und Matthew bspw. fand ich ziemlich flach und klischeebeladen. Dagegen erklärt Mays Geschichte manches unverständliche Verhalten und beantwortet viele Fragen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir der Roman gut gefallen hat und unterhaltsam ist, aber der Hype dazu übertrieben erscheint.