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Veröffentlicht am 09.03.2026

Was macht echte US-Amerikaner aus?

Real Americans
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Rachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.


New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ...

Rachel Khong erzählt mit „Real Americans“ die Geschichte eines chinesischen Paares, das in die USA einwandert, aus der Sicht von drei Generationen.


New York 1999. Die junge Lily lässt sich zum Verdruss ihrer ehrgeizigen Mutter treiben. Anstatt Medizin zu studieren, arbeitet die Tochter chinesischer Einwanderer lieber unentgeltlich als Praktikantin im Marketing und sucht eine Stelle als Kunsthistorikerin. Bei einer Weihnachtsfeier lernt sie Matthew, ihren Mr. Perfect, kennen. Er ist nicht nur attraktiv und intelligent, sondern auch der Erbe eines milliardenschweren Pharmaunternehmens. Nach einigem Hin und Her heiraten die beiden und bekommen einen Sohn, Nico. Der Traum aller „Aschenputtel“ scheint hier wahr zu werden. Der Abschnitt endet mit einem Cliffhanger.


2021. Nick und seine Mutter Lily leben in der Nähe von Seattle. Der Junge vermisst seinen Vater, von dem er nur weiß, dass er Matthew heißt. Verwundert darüber, dass er seiner chinesischen Mutter überhaupt nicht ähnlich sieht, sondern wie das Klischee eines weißen, blonden, blauäugigen Amerikaners schlechthin, lässt Nick heimlich eine DNA-Untersuchung machen. Diese bestätigt, dass Lily seine Mutter ist. Über das Analyse - Unternehmen bekommt Nick nach einiger Zeit Kontakt mit Matthew. Die beiden treffen sich heimlich und Nick fühlt sich zu seinem Vater, dem er so ähnlich sieht, hingezogen. Nick studiert in Yale und wird von Matthew heimlich unterstützt. Ein dramatisches Ereignis führt zum Abbruch der Beziehung.


San Francisco 2030. May, Lilys Mutter, stalkt heimlich ihren Enkel Nick, da sie sich nach einer Familie sehnt. Ihre Tochter hat jeden Kontakt zu ihr abgebrochen. In diesem Abschnitt erfahren wir, warum Mai eine so strenge, ehrgeizige Mutter war, die für ihre Tochter scheinbar keine Gefühle hatte. Den Rückblick in ihre Vergangenheit in China, die Jahre der Kulturrevolution und die Flucht in die USA fand ich besonders spannend. Es ist unglaublich, wie sehr Mai für die Erfüllung ihres Traumes brannte und welche Opfer sie dafür brachte. Auch das surreale Element, das die Geschichte durchzieht,- Mai, Lily und Nick haben die Fähigkeit die Zeit zu „dehnen“-, wird hier erklärt. Nick entdeckt Mai zufällig und sie erzählt ihm ihre Geschichte.


Rachel Khong erzählt flüssig und bilderreich eine Geschichte über Identität, Familie, Generationskonflikte, Gentechnik uvm. Der Roman hat mich schnell gefesselt und kurzweilig unterhalten. Besonders spannend fand ich die Beziehung von Lily und May, die zu einem großen Teil an Missverständnissen und nicht geführten Gesprächen krankt. Und die Tochter macht bei ihrem Sohn ähnliche Fehler. Erst Großmutter und Enkel können miteinander reden und sich verstehen lernen. Auch das Thema Identität wird einfühlsam behandelt. Auf der einen Seite Lily, die chinesisch aussieht, sich aber als Amerikanerin fühlt und nur Englisch spricht. Dagegen Nick, der weiß-amerikanisch ausschaut, aber chinesisch als Muttersprache ansieht. Was macht den echten Amerikaner, was den echten Chinesen aus? Und warum spielt das eine so wichtige Rolle? Mit dem Thema Gentechnik wird der Rahmen eines Unterhaltungsromans meines Erachtens gesprengt und wird hier auch nicht abschließend behandelt. Halten wir fest, das sie Segen und Übel mit sich bringt und viele ethische Fragen aufwirft.


Die drei Abschnitte sind sehr unterschiedlich und nicht ideal verknüpft. Die Liebesgeschichte von Lily und Matthew bspw. fand ich ziemlich flach und klischeebeladen. Dagegen erklärt Mays Geschichte manches unverständliche Verhalten und beantwortet viele Fragen.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir der Roman gut gefallen hat und unterhaltsam ist, aber der Hype dazu übertrieben erscheint.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geht wieder ein Frauenmörder auf Amrum um?

Einsames Watt
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Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen ...

Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.

In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.

Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?

Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.

Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. „Einsames Watt“ hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 06.03.2026

Wer hat Vetter Paul auf dem Gewissen?

Tote Vettern erben nicht
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Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft ...

Sabine "Biene" Hagen hat sich von der Steuerfachangestellten zur Mitinhaberin einer erfolgreichen Detektei gemausert und ist sehr stolz darauf. Leider sieht nur Oma Trudi das genauso, der Rest der Verwandtschaft bleibt skeptisch. Umso erstaunter ist die Privatermittlerin als sie von ihrer Cousine um professionelle Hilfe gebeten wird. Vetter Paul ist spurlos verschwunden und Biene soll für Franziska den Bruder aufspüren. Noch weiß die Detektivin nicht, worauf sie sich da einlässt. Der Cosy Crime erweist sich als spannende Unterhaltung.

„Tote Vettern erben nicht“ ist der 9. Fall für Biene Hagen. Obwohl es für mich der erste Fall von Vera Nentwichs Privatdetektivin war, habe ich mich gut zurechtgefunden.

Biene erledigt Franziskas Auftrag in rekordverdächtig kurzer Zeit, denn sie findet den vermissten Vetter tot im Müllcontainer seines Wohnhauses. Ermordet wie sich bald herausstellt. Motiv und Identität des Täters erschließen sich der Detektivin zunächst nicht. Allerdings erfährt sie Erstaunliches über den stets korrekten Paul. Er war ein echter Messie mit autistischen Zügen. Seine vollgestopfte und vermüllte Wohnung schlägt nicht nur Bienes smarten Geschäftspartner Jago Diaz Fernandez in die Flucht. Franziska beauftragt die Detektei Pauls Mörder zu finden. Bald fördern die Ermittlungen ein paar Spuren zutage. War der Finanzbeamte einem sogenannten „Umsatzsteuerkarussell“ auf der Spur? Oder hat er seine Mitstreiter vom Puzzle-Club verärgert? Sonst wären da nur noch eine Anzeige wegen Falschparkens und häusliche Streitigkeiten mit einem anderen Mieter wegen der versifften Wohnung. Biene stürzt sich in die Ermittlungen und übernimmt sogar notgedrungen auf Trudis Bitte hin einen weiteren Fall.

Vera Nentwichs Figuren haben mich überzeugt. Biene Hagen ist sympathisch, unerschrocken und spontan. Manchmal schießt sie über das Ziel hinaus, wenn sie ohne Rücksicht oder Nachdenken mit ihrer direkten Art vorprescht. Oma Trudi ist der Ruhepol im Leben ihrer Enkelin. Mit leckerer Hausfrauenkost hält sie Biene und oft auch deren Freunde bei Kräften. Jago Diaz Fernandez, der attraktive Miteigentümer der Detektei sorgt dafür, dass die Finanzen stimmen. Und da ist noch der korrekte Polizist Jochen, mit dem die bindungsscheue Biene eine On-off-Beziehung führt.

Der Cosy Crime liest sich flüssig und hat zeitweise mein Kopfkino aktiviert. Besonders bei den Szenen mit Bienes aktuellem Leihwagen, der über ein Radio mit nahezu prophetischer Gabe und dazu passenden Songs verfügt. Leider ereilt ihn dasselbe Schicksal wie Bienes vorherige Fahrzeuge. Auch sonst blitzt immer mal Humor auf, bspw. wenn Sahneschnitte Jago überzeugend den kolumbianischen Drogenhändler gibt. Die Geschichte ist durchgehend aus Bienes Perspektive geschrieben, sodass der Leser einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt bekommt.

Nach mehr als einer brenzligen Situation, in die sie sich mit ihrer unreflektierten Spontaneität bringt, gelingt es Biene, den Schuldigen an Pauls Tod zu entlarven. Vorher klärt sie noch ein anderes Verbrechen auf und beendet einen weiteren Fall. Kein Wunder, dass Trudi und auch Franziska stolz auf die Detektivin sind. Der Cosy Crime kommt mit angemessen wenig Gewalt aus und lädt zum Mitraten ein. Die einzig offenen Fragen bleiben am Schluss, die nach Bienes künftigem Firmenwagen und wie es mit Jochen, der sich dieses Mal kooperativer zeigt, weitergeht. Denn ohne ihn ist die Detektivin auf Dauer auch nicht glücklich.

Die Geschichte liest sich flüssig und der Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Wer einen unterhaltsamen Cosy Crime mit Humor und einer sympathischen Ermittlerin schätzt, ist hier richtig.

P. S. Mit Erben hat der Krimi trotz des Titels nur sehr wenig zu tun.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Die Psychologin und der Kommissar

Die weiße Dame
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Der Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, ...

Der Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt diese selbst zu recherchieren. Wer hatte ein Motiv für die grausame Tat? Bald wird Salome bewusst, dass sie ihre Kollegin Eva überhaupt nicht kannte.

„Die weiße Dame“ von Yngra Wieland hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Die Autorin beginnt den Krimi spektakulär und wechselt dann in ruhigere Gewässer, um ihre Charaktere einzuführen. Mit jeder Seite hat mich die Geschichte mehr gefesselt.

Eigentlich sollte Salome bereits im Flieger nach Israel sitzen. Aber der Mord an Eva verhindert diese Reise zunächst, was ihr ganz gelegen kommt. Bei ihren eigenen Ermittlungen stößt sie auf Fakten, die ein völlig anderes Bild der stets akkuraten, perfekten Kollegin ergeben. Warum hat diese den angebeteten Lover Alexander als Nutznießer ihrer Lebensversicherung gestrichen und dafür ihre Kollegin bedacht? Die beiden Frauen standen sich nicht nahe, aber diese Entdeckung verstärkt den Verdacht gegen Salome. Während die Polizei noch völlig im Dunkeln tappt, führt ein Gassigang mit Dackel Seppl die Psychotherapeutin zum örtlichen Friedhof. Eine wehmütige Erinnerung an ihren ehemaligen Freund Christian veranlasst sie die Kirche zu besuchen, wo sie prompt den toten Pfarrer findet, der brutal ermordet wurde.

Mit Salome hat die Geschichte eine sympathische, bodenständige Ermittlerin, die schon einiges erlebt hat und deren Verhältnis zur Familie schwierig ist. Die berufliche Qualifikation und Erfahrung bringt ihr gewisse Vorteile bei der Recherche und ermöglicht dem Leser diskrete Einblicke in die Tätigkeit einer Psychotherapeutin. An ihrer Seite steht als Ermittler der junge Kommissar Julian Christ, der unter Erfolgsdruck steht und massive Eheprobleme hat. Er ist der Charakter, zu dem ich schwer Zugang fand. Gefühlt hat derzeit jeder Kommissar Beziehungsprobleme. Die Nebencharaktere wiederum haben mich überzeugt, ob die lebensbejahende Freundin Waltraut, der liebenswerte Dackelbesitzer und Nachbar Bodemann oder die vom Schicksal schwer gezeichnete Mirka.

Yngra Wieland versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Der Fall entwickelt sich langsam, aber stetig. Verdächtige kommen und gehen. Zunächst hatte ich den einen im Visier, der sich dann als unschuldig erwies, dann fokussierte ich mich auf den nächsten. Ich liebe es, bei einem Krimi mitraten zu können! Erst sehr spät kam ich der Lösung auf die Spur dank einer Kollegin des Kommissars.

„Die weiße Dame“ erweist sich als intelligenter, psychologisch fundierter Krimi, der mit facettenreichen Charakteren punktet und einer sehr gelungenen Hauptfigur, die Ecken und Kanten, aber auch Herz besitzt. Der Fall wird restlos aufgeklärt und alle Fragen werden beantwortet. Dabei eröffnen sich teilweise Abgründe, in die man lieber nicht geschaut hätte. Die Geschichte liest sich flüssig und für mich hat der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Besonders gut haben mir die Einblicke in die psychotherapeutische Arbeit gefallen, die spannend waren und gut dosiert. Erfreulicherweise kommt auch der Humor nicht zu kurz und lockert manches Mal die Atmosphäre auf. Eine meiner Lieblingsszenen war die mit Putzfee und Schamane.

Es hat mich sehr gefreut zu lesen, dass Salome auch weiterhin die Polizei unterstützen wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit ihr und den charmanten Vierbeinern Seppl und Ciggy.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Das Geheimnis von Neuwerk

Fünf Fremde
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An einem stürmischen Herbsttag legt die Fähre zur Nordseeinsel Neuwerk ab. Bevor die Passagiere nach der ungemütlichen Fahrt ihr Ziel erreichen, stürzt eine der Reisenden ins eiskalte Wasser. Glücklicherweise ...

An einem stürmischen Herbsttag legt die Fähre zur Nordseeinsel Neuwerk ab. Bevor die Passagiere nach der ungemütlichen Fahrt ihr Ziel erreichen, stürzt eine der Reisenden ins eiskalte Wasser. Glücklicherweise können ein beherzter Passagier und die Crew die Verunglückte vorm Ertrinken retten. Die turbulente Reise endet zur Erleichterung aller Beteiligten sicher im Hafen. Noch ahnt niemand, was fünf von ihnen auf der Insel erwartet.

Romy Fölck hat mit „Fünf Fremde“ einen atmosphärischen Thriller geschrieben, der über die übliche Verbrecherjagd hinausgeht. Mich hat die Erzählung weitgehend überzeugt und gut unterhalten.

Die beinah ertrunkene Journalistin Sinje Bianchi kommt nach Neuwerk, um einen lokalen Cold Case für ihr neues Buch zu nutzen. Kommissarin Annika Lindt hat gleich mehrere Gründe, ihre Heimatinsel zu besuchen. Da ist zum einen ihre Mutter Hedda, die immer weiter in die Demenz versinkt, dann der marode Zustand ihrer Ehe, die seit dem Auszug des Sohnes, einer WG ähnelt und schließlich ihre sich rapide verschlechternde Gesundheit. In dieser Situation besucht sie Charlotte, eine alte Freundin Heddas. Angeblich wurde sie schriftlich eingeladen. Aber Annikas Mutter kann schon lange keine Briefe mehr schreiben und doch scheint die Nachricht an Charlotte von Hedda zu stammen. Sie alle und zwei weitere Besucher sind mit dem grausamen Verbrechen verbunden, das zum spurlosen Verschwinden des dreizehnjährigen Janosch vor 30 Jahren führte. Noch weiß keiner, dass ihre Rückkehr akribisch und langfristig geplant wurde ...

Romy Fölcks Sprache ist flüssig und bildhaft, sie schafft es mühelos, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu schaffen. Die klaustrophobe Lage wegen des Unwetters trägt dazu bei und lässt die Spannung mit jeder neuen Wendung steigen. Durch die Rückblicke ist zunehmend verständlich, worum es geht. Das Lokalkolorit ist gut in die Geschichte integriert.

„Fünf Fremde“ wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und in der Gegenwart, erzählt. Die Perspektiven wechseln zwischen mehreren Personen, sodass die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln berichtet werden. Die Protagonisten agieren nachvollziehbar und erscheinen glaubwürdig. Fast jeder von ihnen verbirgt ein Geheimnis und keiner hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Nur die akribische Vorarbeit des Täters hat mich nicht in allen Teilen überzeugt, bspw. sind Medikamente selten optisch identisch.

Der Thriller, der mehr auf die Psyche abzielt, als blutig zu sein, hat mich gut unterhalten. Am Ende wird die Situation aufgeklärt, der Täter, den ich dieses Mal nicht erraten habe, wird entlarvt. Ich fand es sehr erkenntnisreich zu lesen, wie ein traumatisches Erlebnis alle Beteiligten und ihre Familien noch jahrzehntelang beeinflusst. Zurück bleibt ein schales Gefühl, das besagt, dass kein Cold Case jemals endgültig ungeklärt zu den Akten gelegt werden sollte.

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