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Veröffentlicht am 09.07.2025

Mörderische Vergangenheit

Die Lago Maggiore-Morde - Tod im Camper
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Commissaria Roberta Casanova hat einen neuen Fall. Auf einem Campingplatz in Locarno wurde ein Toter in seinem Wohnmobil gefunden. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Mann an einer Vergiftung ...

Commissaria Roberta Casanova hat einen neuen Fall. Auf einem Campingplatz in Locarno wurde ein Toter in seinem Wohnmobil gefunden. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Mann an einer Vergiftung durch Knollenblätterpilze starb und es sich um Mord handelt. Doch schnell ist Roberta den Fall wieder los, denn der Tote ist nicht, wie vermutet, ein französischer Tourist, sondern ihr Onkel Valerio Banfi. Der Commissaria war die Existenz eines Bruders ihrer Mutter nicht bekannt. Seine Familie hatte ihn verstoßen, nachdem er sich vor 40 Jahren den "Roten Brigaden", einer italienischen Terrororganisation, angeschlossen hatte. Da die Commissaria wegen Befangenheit hier nicht tätig werden darf, setzt ihr Chef sie auf den Cold Case Leutenegger an, einen Fall, den sie seinerzeit nicht lösen konnte. Mit dem Mord an Robertas Onkel bekommt die gerade beförderte Ispettrice Marta Ravelli ihre erste eigene Ermittlung.

Im dritten Fall der Lago Maggiore-Krimi-Reihe von Annemarie Regez ermittelt Ispettrice Ravelli zum ersten Mal in eigener Regie, während sich Commissaria Casanova mit ihrem ungelösten Mordfall aus Band eins konfrontiert sieht. Trotzdem lässt sich Teil drei "Tod im Camper" ohne Vorkenntnisse lesen.

Erfreut über das Vertrauen ihres Chefs, stürzt sich Marta hoch motiviert in die neuen Ermittlungen und unterdrückt ihre leichten Selbstzweifel. Roberta fällt es dagegen schwer, sich erneut mit dem Mord an Jacques Leutenegger auseinanderzusetzen. Offensichtlich schreckt sie den Täter durch die Neuaufnahme des Falls auf, den sie erhält zeitnah Drohbriefe, die in einem Giftanschlag auf ihre Frau und ihre Tochter gipfeln. Die Ermittlungen erweisen sich in beiden Fällen als fordernd. Während Marta u.a. bei der Verfolgung eines Tatverdächtigen beinahe ertrinkt und die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch nehmen muss, gelingt es der Commissaria einen neuen perfiden Mordanschlag im Zuge ihrer Ermittlungen zu verhindern. In beiden Fällen wird auch der sympathische, wegen seiner fehlenden Ambitionen chronisch unterschätzte, Agente Francesco Chiesa tätig. Und zumindest für Roberta erweist sich diese Zusammenarbeit als sehr hilfreich.

Annemarie Regez schreibt flüssig und bildhaft. Ihre Charaktere sind überzeugend und wirken authentisch. Sie schildert das Ambiente detailliert und lässt uns hautnah an den Gedanken und Schlussfolgerungen ihrer Ermittler teilhaben. Und nicht nur an deren. Einige Passagen des Buchs schildert die Autorin aus der Perspektive der schuldigen Person im Mordfall Leutenegger, die sich mit Hybris, Psychopathen und dem zugehörigen Themenbereich intensiv beschäftigt. Durch diesen Kunstgriff bekommt der Leser spannende Einblicke in die verstörende Gedankenwelt dieses Menschen.

Die Autorin hat erneut einen packenden Krimi vor der attraktiven Kulisse des Lago Maggiore geschrieben. Nicht nur die Ermittlungen, auch die für den Fall erforderlichen Hintergrundinformationen empfand ich als sehr aufschlussreich. So war mir bspw. nicht bekannt, dass Mitterrands Frankreich den roten Brigadisten Asyl gewährte.

Der aktuelle Fall bietet erneut fesselnde Unterhaltung mit Verwicklungen und Wendungen. Am Ende löst Marta ihren ersten Fall mit Bravour, während Roberta im Cold Case die Zusammenhänge aufdecken kann, ihr aber Beweise für eine Verhaftung (noch?) fehlen. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung, in der es Roberta, Marta und Francesco gelingt, den Fall Leutenegger erfolgreich abzuschließen. Genauso wie es dem Agente der Polizia Comunale von Locarno endlich glückt, den Dieb von Hundemäntelchen (!) zu fassen.

4,5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Sylter Morde

FriesLandGier (Küstenkrimi)
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Im Sylter Luxushotel Villa Veronica wird ein Gast so grausam ermordet, dass die Tötung an eine Hinrichtung erinnert. Da die Kriminalabteilung der Insel unter akutem Personalmangel leidet, wird die Mordkommission ...


Im Sylter Luxushotel Villa Veronica wird ein Gast so grausam ermordet, dass die Tötung an eine Hinrichtung erinnert. Da die Kriminalabteilung der Insel unter akutem Personalmangel leidet, wird die Mordkommission des LKA Kiel um Amtshilfe gebeten. Mit List und Tücke gelingt es Kommissar Fabiu Covaci seinen Vorgesetzten und Teampartner Carsten Wolf aus dessen Auszeit wegen Überstundenabbaus zurück an die Arbeit zu locken. Gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan möchte er nämlich nicht gern ermitteln. Also fahren Wolf & Covaci nach Sylt, um den Fall des ermordeten Unfallchirurgen Dr. Alexander Neubert zu übernehmen. Noch während das Spurensicherungsteam am Tatort beschäftigt ist, wird ein zweiter Mord gemeldet. Die bekannte Journalistin Frauke Simon wurde mit derselben Methode umgebracht wie Dr. Neubert. Geht ein Serienmörder auf Sylt um?

Seit ich ihr Buch „FriesLandFang“ gelesen habe, bin ich ein Fan von Nele Bruuns Ermittlerduo Carsten Wolf und Fabiu Covaci. Ihren neuen Fall „FriesLandGier“ wollte ich mir deshalb nicht entgehen lassen. Es ist die dritte Mordermittlung dieses Teams und der achte Küstenkrimi der Autorin insgesamt. Alle Bände können unabhängig voneinander gelesen werden.

Der junge Kommissar Covaci, der wegen seiner rumänischen Wurzeln an seiner ersten Stelle beim LKA München gemobbt wurde, ist jetzt seit einem Jahr in Kiel. In seinem neuen Team fühlt er sich wohl und schätzt seine Kollegen, bis auf einen. Allmählich gewinnt er an Selbstvertrauen und bewahrt jetzt seinen gelegentlich unbesonnen agierenden Chef vor einigen, aber nicht allen Fehlern. Das Team Covaci und Wolf ergänzt sich hervorragend und arbeitet gut zusammen. Trotzdem gehen die Ermittlungen nur zäh voran. Mit Unterstützung der bewährten Teammitglieder Susanne und Manu, sowie der kompetenten Rechtsmedizinerin Dr. Dunkel, können die Ermittler Hintergrundmaterial sammeln und das Hotelpersonal sowie die Gäste durchleuchten. Den ersten Durchbruch verzeichnet Fabiu.

Nele Bruun schreibt flüssig und bildhaft. Schnell kann sich der Leser ein Bild von Sylt und seinen Gegebenheiten machen. Trotz der fordernden Ermittlungsarbeit kommt der Humor nicht zu kurz, der sich nicht auf den Flachwitzwettstreit zwischen Manu und Carsten beschränkt. Die Stimmung im Team ist gut.

Das Motiv ist bei diesem Fall nicht offensichtlich und es kostet die Kommissare einiges an Arbeit, Mühe und Intuition, um den auslösenden Impuls für die Morde aufzudecken. Deshalb und dank einiger Wendungen hält die Spannung an und macht das Miträtseln Spaß. Am Ende werden alle Fragen beantwortet und der Fall ist gelöst.

Mir hat der Ausflug nach Kiel und Sylt wieder viel Spaß gemacht. Vielleicht hätten ein paar Verdächtige mehr der Spannung gut getan, aber letztendlich war der neue Einsatz von Wolf & Covaci wieder sehr unterhaltsam. Nicht zuletzt weil die Chemie in diesem Team einfach stimmt. Ich schätze das toughe Ermittlerduo samt Flachwitzen und den wiederkehrenden Diskussionen, welche Vorgehensweise legal ist. Vielleicht besinnt sich auch noch Sandalen-Stefan und mutiert zu einem angenehmen Kollegen für Fabiu?

Ein Flachwitz von Manu am Ende muss noch sein: Wie heißt der Bruder vom Werwolf? Na?

Von mir bekommen Covaci & Wolf 4,5 Sterne und beim nächsten Fall bin ich mit Sicherheit wieder dabei. Auf welche Insel nach Föhr, Sylt und Baltrum uns Nele Bruun wohl das nächste Mal schicken wird?

Manus Auflösung? Warumwolf!

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Mord im Ferienparadies

Inspector Pescadores und der Tote im Pool
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Markus Fischer wagt den totalen Neubeginn. Frisch geschieden, hängt er seinen Job als Kriminalhauptkommissar an den Nagel und verlässt Deutschland. Ein fetter Lottogewinn macht es möglich. Als seine neue ...

Markus Fischer wagt den totalen Neubeginn. Frisch geschieden, hängt er seinen Job als Kriminalhauptkommissar an den Nagel und verlässt Deutschland. Ein fetter Lottogewinn macht es möglich. Als seine neue Heimat wählt er Gran Canaria. Nach sechs Monaten Auszeit hat er Freunde gewonnen und sich gut eingelebt. Da schwimmt morgens eine Leiche im Pool seiner Wohnanlage. Frederico, der Sohn der Besitzerin der Ferienhäuser, wird als dringend tatverdächtig festgenommen. Aber ist er wirklich ein Mörder?

„Inspector Pescadores und der Tote im Pool“ ist der Auftaktband zu Daniel Veranos neuer Krimiserie „Der Gran-Canaria-Mordclub ermittelt“.

Der Autor hat einen unterhaltsamen Sommerkrimi mit leichter Hand geschrieben. Er lässt die Ferieninsel vor dem inneren Auge seiner Leser so anschaulich erstehen, dass die Sonne auf der Haut zu spüren ist und der spezielle Duft des Meeres in der Luft liegt. Seine Protagonisten hat Daniel Verano glaubwürdig gezeichnet. Da sind Markus, der ehemalige Polizist, den sein Lottogewinn vor dem Burnout rettet und der trotz bester Vorsätze gleich wieder in die Rolle des Ermittlers rutscht, Petra, die Meisterdetektivin, die eher das Cluedo-Spielbrett fallen lässt, als eine Niederlage zu akzeptieren, Andreas, der joviale Bademeister im zu engen roten Baywatch-Höschen und Marianne, auch "Speedy Mary" genannt, mit dem grünen Gürtel in Karate, die immer ein paar Kabelbinder zur Hand hat. Sie sind eine diverse, aber harmonische Gemeinschaft, die nicht nur ihre Leidenschaft fürs Detektiv spielen, ob bei Cluedo oder im realen Leben, verbindet.

Mir hat der Krimi gut gefallen. Ambiente, Setting und Atmosphäre sind hervorragend beschrieben. Die Chemie im Team stimmt und die vier Freunde ergänzen sich gut. Manchmal waren mir die Ortsbeschreibungen ein wenig zu ausführlich, dafür hat mich das leckere Essen entschädigt. Insgesamt bekommt man Lust auf eine Stippvisite nach Gran Canaria. Das Tatmotiv fand ich einigermaßen seltsam, aber der Mord erfolgte aus mehreren Gründen. Zuletzt wird das Verbrechen dank der tatkräftigen Hilfe unserer Freunde restlos aufgeklärt und die nächste Party kann steigen.

Der Krimi endet mit mehreren kleinen Cliffhanger. Was hat Marianne früher gemacht? Polizei, Security, Detektei oder Justizangestellte? Was ist mit ihren Söhnen los? Wie geht es mit Markus und Eva weiter? Outet sich „unser Held“ als Expolizist oder lädt er seinen früheren Kollegen, der so lustiges Südhessisch spricht, wieder aus?

Fragen über Fragen, die hoffentlich in „Inspector Pescadores und der Mord im Mandeldorf“, dem zweiten Fall des Gran-Canaria-Mordclubs, beantwortet werden.

Von mir gibt es gute vier Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans leichter, eher unblutiger Sommerkrimis in traumhafter Umgebung.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Wiener Schmäh trifft britischen Humor

Miss Vergnügen
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Hamish Brooks hat die Midlife - Crisis erfolgreich bekämpft, indem er seine junge Sekretärin schwängerte. Dies gesteht er seiner verblüfften Ehefrau während eines gemeinsamen Urlaubs. Damit sein junges ...

Hamish Brooks hat die Midlife - Crisis erfolgreich bekämpft, indem er seine junge Sekretärin schwängerte. Dies gesteht er seiner verblüfften Ehefrau während eines gemeinsamen Urlaubs. Damit sein junges Glück nicht gestört wird, kehrt er allein nach England zurück und lässt seine Gattin in Wien sitzen. Mithilfe von Schwager Bertie, Geschäftsführer in Diensten des bekannten Kosmetiklabels "Très Loué", organisiert die verlassene Miss Brooks (sie verwendet ihren verhassten Vornamen nicht) ihr Leben neu. Sie bleibt in Wien und zieht in Berties heruntergekommenes Wochenendhäuschen. Einen Job bei "Très Loué" verschafft ihr der hilfsbereite Schwager obendrein. Allmählich gewöhnt sich Miss Brooks an ihr Wiener Leben. Doch dann wird Bertie ermordet. Und sie fragt sich, ob ihre ungeliebte Halbschwester Suzy tatverdächtig ist.

"Miss Vergnügen" ist der Auftaktband einer neuen Cozy Crime-Reihe, der uns in die Welt der Beautybranche führt. Hier dreht sich alles um Jugend, Schönheit und knallhartes Business. Umso erfrischender wirkt der Hauptcharakter Miss Brooks, die anders ist, aber in ihrer neuen Umgebung gut klarkommt, ohne sich zu verbiegen. Es hat mich sehr amüsiert, wie sie Noch-Ehemann Hamish in ihre Falle lockt und sich so, neben Rache, eine faire Ausgangsposition für die Scheidung verschafft. In Stanzi, einer bekannten Moderatorin, und der Journalistin Katja hat sie zwei kluge und loyale Freundinnen gefunden, die ihr den Rücken stärken und so verhindern, dass sie als willkommene 24/7 - Betreuerin ihrer Enkel endet. Auch die anderen Charaktere in Haupt- und Nebenrollen überzeugen, so die kantige Chefinspektorin Rita oder der schöne Edi, der schwindendes Aussehen durch Charakter und guten Schmäh ersetzt.

Die Burgenländer Autorin Martina Parker schreibt flüssig und sehr bildhaft. Ihre hervorragenden Ortskenntnisse beeindrucken und die gute Recherche ist stets spürbar. Nebenbei erweiterte sie meinen österreichischen Wortschatz und meine kulinarischen Kenntnisse. "Einbrennte Hund mit Krokodil und Beamtenforelle" waren mir bisher unbekannt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Bei manchen besonders gut gelungenen Formulierungen musste ich spontan lachen. Ein Beispiel? "Naturkosmetik, die von chantenden Veganerinnen gerührt wird ..."

Jedes Kapitel beginnt mit einer Information, die aus einem anspruchsvolleren Kalender stammen könnte. Mein Favorit: "Eine Umfrage an der Kingston University London kam zu der Annahme, dass Menschen, die Bücher lesen, empathischer und achtsamer sind als Menschen, die fernsehen." Na klar!

Neben unterhaltsamem Wortwitz und sprachlichem Geplänkel finden ernsthafte Ermittlungen durch die Polizei und unser Mädelstrio statt. Zuletzt wird nach einigen Wendungen und Verwicklungen, die für Spannung sorgen, ein Doppelmord restlos aufgeklärt.

Diese Miss hat Potenzial. Von mir bekommt sie 4,5 Sterne und die feste Zusage, dass ich bei ihrem nächsten Fall "Miss Verständnis" wieder dabei bin.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Psychogramm eines Mörders

SKATRUNDE
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Die Mittwochabendskatrunde, bestehend aus Notar Engelbank,
Apotheker Bärkraut und Makler Wagner, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Das illustre Trio wird erpresst. Drei Millionen Euro fordert Engelbanks ...

Die Mittwochabendskatrunde, bestehend aus Notar Engelbank,
Apotheker Bärkraut und Makler Wagner, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Das illustre Trio wird erpresst. Drei Millionen Euro fordert Engelbanks Angestellte und Ex-Geliebte Sonja Steiner für ihr Schweigen. Ansonsten fliegen die nur halblegalen Immobiliengeschäfte und die langjährigen Steuerhinterziehungen der Herren auf. Die Betrüger hängen an ihrem Geld und bezweifeln, dass die Erpressung mit der einmaligen Zahlung endet. Also muss Sonja verschwinden.

„Skatrunde“ ist der neue Thriller von Herbert H. T. Osenger. Für mich war es das erste Buch des Autors.

Scheinbar skrupellos, nur von ihrer Gier angetrieben, beschließen drei angesehene Männer den Mord an einer lästigen Mitwisserin. Überraschend schnell werden aus miesen Betrügern und Steuerhinterziehern brutale Killer. Doch ihre grausame Tat entpuppt sich als wesentlich folgenschwerer als gedacht. Denn die Erpressung geht weiter. Nur die Höhe des Schweigegelds ist gestiegen. Notar Engelbank kann Sonjas Schrift problemlos identifizieren. Sie hat die neuen Erpresserbriefe verfasst. Doch wie kann das sein?

Der Autor lässt uns an den Gedankengängen eines perfiden Mörders teilhaben. Sein Thriller ist weitgehend aus der Perspektive des scheinbar ehrenwerten Notars Engelbank geschrieben. Was die Erpressung und ein Mord aus drei angesehenen Mitgliedern der besseren Gesellschaft macht, ist spannend nachzulesen. Sämtliche Hauptfiguren werden entweder von Gier oder Hass angetrieben. Die Gedankengänge Engelbanks, seine inneren Dämonen und Ängste werden nachvollziehbar geschildert. Dazu kommen noch Mystery-Elemente, die Fragen aufwerfen. Gibt es tatsächlich Geister? Kann ein Haus wie Engelbanks Jugendstilvilla „böse“ sein oder speichert es negative Energien über Jahrzehnte?

Herbert H.T. Osenger schreibt flüssig und bildhaft. Seine Beschreibungen aktivierten mein Kopfkino. Die Jugendstilvilla stellt manches Spukhaus, das aus Film und Fernsehen bekannt ist, mühelos in den Schatten. Mich erinnert es an das Herrenhaus in „The Others“.

Der Mystery-Thriller hat mich gut unterhalten. Als erfahrene Krimileserin hatte ich zwar bald eine Ahnung, was mein Lesevergnügen aber nicht groß beeinträchtigt hat. Der Mix aus aktuellen Verbrechen und Mystery-Elementen hat mir gefallen. Ich werde den Autor im Auge behalten.

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