Profilbild von oneveganbooknerd

oneveganbooknerd

Lesejury Star
offline

oneveganbooknerd ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit oneveganbooknerd über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2024

Spannender historischer Liebesroman

Neunzehn Stufen
0

[SPOILER – historischer Bezug!]

Nellie wächst im ruhigen Bethnal Green in London auf. Sie verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer kleinen Schwester Flo und ihren Freundinnen Barbara und Billy. Letzterer ...

[SPOILER – historischer Bezug!]

Nellie wächst im ruhigen Bethnal Green in London auf. Sie verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer kleinen Schwester Flo und ihren Freundinnen Barbara und Billy. Letzterer ist seit langer Zeit in Nellie verliebt und versucht alles, um sie glücklich zu machen. Tagsüber arbeitet Nellie als Sekretärin für die Bürgermeisterin Bethnal Greens. Sie mag ihre Chefin und ihren Job. Eines Tages führt sie während einer Sitzung der Bürgermeistern Protokoll und wird Zeugin beängstigender Nachrichten. Der in der Sitzung anwesende Bauingenieur hat große Sicherheitsmängel der U-Bahnstation Bethnal Green zu beanstanden. Diese wären schnell und einfach zu lösen. Wäre nur nicht gerade das Jahr 1942 und der Bahnhof ein Zufluchtsort für zehntausende Londonerinnen während der Luftangriffe. Und so nimmt die Tragödie ihren Lauf ...

In "Neunzehn Stufen" verarbeitet Millie Bobby Brown (bekannt u. A. aus Stranger Things und Enola Holmes) nicht nur das hierzulande wenig bekannte "Bethnal Green Tube Disaster", sondern auch die Lebensgeschichte ihrer Großmutter. Der historische Roman transportiert die bürgerliche Sicht auf den Zweiten Weltkrieg und wie die zivile Bevölkerung diesen aushalten musste. Die Leserschaft erhält Einblicke in den Alltag von Nellies Familie, der gemischt ist mit Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges und Angst vor dem nächsten nächtlichen Luftangriff. Auch wenn es erstmal nicht danach klingt, "Neunzehn Stufen" ist auch ein Liebesroman. Aber wenigstens hier möchte ich nicht all zu viel vorwegnehmen.
Auch wenn mich das Buch emotional sehr berühren konnte, war es (die geschichtlichen Geschehnisse mal außen vor) doch etwas vorhersehbar. Alles in allem ist "Neunzehn Stufen" ein solider historischer Roman und eignet sich für Leser*innen von Anne Stern und Sabine Ebert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.02.2024

Aufwachsen in einem kaputten System

Demon Copperhead
0

Damon "Demon Copperhead" Fields wächst in Virginia bei seiner drogensüchtigen Mutter in einem Trailerpark auf. Damon muss viel zu früh den Part des verantwortungsvollen Erwachsenen übernehmen, sodass sich ...

Damon "Demon Copperhead" Fields wächst in Virginia bei seiner drogensüchtigen Mutter in einem Trailerpark auf. Damon muss viel zu früh den Part des verantwortungsvollen Erwachsenen übernehmen, sodass sich das Eltern-Kind-Verhältnis umdreht. Erste Erfahrungen mit Gewalt durch seinen neuen Stiefvater werden unterbrochen von der Wärme und Fürsorge seiner älteren Nachbarn, bei denen er zu erahnen beginnt, wie schön Familie sein kann.
Nach einer Reihe unglücklicher Umstände fällt Demon (wie er sich ab diesem Moment nur noch nennt) in die staatliche Obhut und ein sicheres Zuhause liegt in ungreifbarer Nähe. Die einzige lebende Familienangehörige ist seine Großmutter Betsy. Demon macht sich auf die Suche nach seiner Großmutter, ohne zu wissen, ob diese überhaupt noch lebt.
Die Leserschaft begleitet Demon auf seinem Weg von einer Pflegestelle zur anderen, wird Zeuge erster Verliebtheiten und vieler kleiner Chancen auf echte Perspektiven.
Ich habe keine Ahnung, wie es Barbara Kingsolver geschafft hat, einem kleinen Jungen aus den Wäldern Virginias eine so echte und lebendige Stimme zu verleihen. Als Lesende*r kann man einfach nichts anderes tun, als sich ab der ersten Seite dem unheilvollen Lebensweg dieses unfassbar charismatischen Jungen hinzugeben.
Demon Copperhead ist die Version von Charles Dickens "David Copperfield", hätte dieser zur Zeit der US-amerikanischen Opioidkrise gelebt und nicht im viktorianischen England. Ganz große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2024

Ja, der Hype ist real!

Yellowface
0

Athena Liu ist eine aufstrebende, talentierte Autorin. June Hayward hat mit Ihrer Veröffentlichung keinen großen Erfolg. Die lose befreundeten Frauen treffen sich eines Abends bei Athena zu Hause und kommen ...

Athena Liu ist eine aufstrebende, talentierte Autorin. June Hayward hat mit Ihrer Veröffentlichung keinen großen Erfolg. Die lose befreundeten Frauen treffen sich eines Abends bei Athena zu Hause und kommen unter anderem auf das Manuskript von Athenas neuem Buch zu sprechen. Dieses ist jedoch noch nicht ganz ausgereift und dessen Existenz niemandem bekannt. Als Athena noch am selben Abend verstirbt, klaut June das Manuskript und bringt es später unter dem Namen Juniper Song selbst heraus.
Selten hat ein Buch beim Lesen so weh getan. Als Leserin muss man tatenlos zusehen, wie June alles mit sich reißt und immer weiter in eine ganz falsche Richtung abbiegt. Sie stiehlt Athena´s geistiges Eigentum und hat auch gar kein Problem damit, sich mit selektierten Attributen der chinesischen Kultur zu schmücken. Ich wollte June am liebsten die ganze Zeit einfach nur anschreien. Was für mich zudem alles noch perfider gemacht hat, war die Tatsache, dass die Geschichte aus June ´s Perspektive beschrieben wird. So wird alles auf eine zutiefst persönliche Ebene gehoben, in welcher gesellschaftliche Problematiken und alltäglicher Rassismus den Leserinnen noch näher transportiert werden. Ein brillanter Kniff von R. F. Kuang! Die deutsche Ausgabe (übersetzt von Jasmin Humburg) habe ich bisher noch nicht gelesen, mein Leseeindruck bezieht sich auf das englische Original. Ich freue mich wirklich sehr, dass dieses Highlight von einem Buch auch hierzulande so viel Aufmerksamkeit bekommt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2024

Wieviel Trauer kann die Liebe ertragen?

Wo wir uns berühren
0

JJ trifft als Studierende im ausgelassenen Nachtleben Londons Thomas James. Sie fühlt sich sofort zu diesem arroganten und aus dem Rahmen fallenden Fotografen hingezogen. Es dauert jedoch eine ganze Weile, ...

JJ trifft als Studierende im ausgelassenen Nachtleben Londons Thomas James. Sie fühlt sich sofort zu diesem arroganten und aus dem Rahmen fallenden Fotografen hingezogen. Es dauert jedoch eine ganze Weile, bis sie zueinander finden. Doch als dies endlich nach zahlreich durchtanzten Nächten geschieht, steht auch schon JJ´s Abreise nach Kalifornien an. Die Zwei müssen sich voneinander trennen.
Jahre später erinnert sich JJ. Sie erinnert sich an eine Liebe, die sie längst verloren hat. Als sie von ihrer Trauer überwältigt wird, beschließt sie ihre Gedanken zu verschriftlichen. Dadurch versucht sie herauszufinden, wieso Thomas James einen so großen Einfluss auf ihr Leben hat.
Beim Lesen des autofiktionalen Roman fühlt man sich als Leser*in etwas ertappt. Ganz so, als würde man in einer privaten Briefsammlung oder dem Tagebuch von jemand anderem stöbern. Lauren John Joseph schreibt roh und schonungslos. Zu keiner Zeit beschönigt sie die Erinnerungen ihrer Protagonistin.
JJ´s und Thomas James Leben prallen gnadenlos aufeinander und obwohl für Aussenstehende nicht greifbar, verfügen beide über eine enorme Anziehungskraft dem Anderen gegenüber.
Und hier kommt leider ein Punkt, welcher es mir schwer gemacht hat, mich komplett im Buch zu verlieren. Ich hatte Schwierigkeiten damit, die Liebe bzw. Vertrautheit der Beiden zu greifen. Auch wenn sich JJ in der Erinnerung an ihren Liebhaber verliert, blieb dieser für mich immer etwas eisig und unnahbar. So gerne hätte ich mit JJ gelitten, geliebt und verstanden. Aber leider kam ich nie richtig in das Buch rein. Was wirklich schade ist, da der Schreibstil der Autorin außergewöhnlich und die Einblicke in die queere Szene Londons und Kaliforniens unglaublich spannend waren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2024

Joey Goebel´s bisher schwächster Roman

Ich gegen Osborne
0

James ist ein klassischer Einzelgänger. Mit seinen 17 Jahren trägt er gerne Anzüge, hört Frank Sinatra und versucht stets seinem moralischen Kompass zu folgen. Höflichkeit und "Anstand" stehen für ihn ...

James ist ein klassischer Einzelgänger. Mit seinen 17 Jahren trägt er gerne Anzüge, hört Frank Sinatra und versucht stets seinem moralischen Kompass zu folgen. Höflichkeit und "Anstand" stehen für ihn über alles und er lehnt jegliches Popkulturelle ab. Als es nach dem Spring Break zu einem Zerwürfnis mit seiner besten Freundin (und heimlichen Liebe) Chloe kommt, kann der erste Tag nach den Sommerferien nicht schlimmer werden. Oder doch?!
Joey Goebel stellt auf 432 Seiten einen einzigen Schultag minutiös dar. Im Zentrum steht James mit seiner Adoleszenz und den dazugehörigen Problemen. Als Leserin erlebt man hautnah die turbulente Gefühlswelt eines Teenagers und die Achterbahnfahrt seiner Gefühls- und Gedankenwelt. Der Autor ist dabei, wie in seinen anderen Romanen auch, sehr empatisch und beweißt ein hohes Maß an Beobachtungsgabe. Leider gibt es in dieser Geschichte einfach zu viele Längen und ich hätte mir an manchen Stellen mehr bzw. weniger Input gewünscht. "Ich gegen Osborne" ist für mich der bisher schwächste Roman von Joey Goebel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere