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Veröffentlicht am 23.05.2026

Ein gelungenes Debüt

Pause
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Hanna kann nicht mehr. Seit einem Zusammenbruch auf der Arbeit wohnt sie vorübergehend bei ihren Eltern. Zurück ins ehemalige Kinderzimmer, was nun Papas Arbeitszimmer ist; zurück in die Kinderrolle, die ...

Hanna kann nicht mehr. Seit einem Zusammenbruch auf der Arbeit wohnt sie vorübergehend bei ihren Eltern. Zurück ins ehemalige Kinderzimmer, was nun Papas Arbeitszimmer ist; zurück in die Kinderrolle, die so leicht einzunehmen ist. Als wäre sie eine auferlegte Regel innerhalb des Familienbundes. Generell ist jedes Familienmitglied danach bestrebt, die zugeschriebene Rolle einzuhalten. Mama sitzt nie still für mehr als 5 Minuten, Papa hält seinen wohlverdienten Mittagsschlaf, Sara ist die kleine Schwester die stets nach Unterstützung fragt und alle zusammen halten daran fest nie über die wirklich schlimmen Dinge zu sprechen, nie wird etwas aufgearbeitet es wird einfach immer weitergemacht. Bis man nicht mehr "einfach so weitermachen" kann, wie Hanna schmerzlich feststellen muss.
Auch wenn es jetzt danach klingt, als wäre "Pause" schwere Kost, habe ich es so gerne gelesen und viel gelacht. Lena Kupke schafft mit ihrer besonderen Art und ihrem Humor, auch auf die schwierigen Themen im Leben hinzuweisen. Hanna und ihre Familie werden so herzerwärmend schrullig dargestellt, dass es sich schon fast beruhigend anfühlt, diese Familie und ihre Dynamiken zu beobachten. Mehr als einmal fühlt sich vermutlich jede*r Lesende ertappt, denn hier wird ein bemerkenswert breites Spektrum menschlicher Verhaltensweisen abgebildet.
"Pause" schafft die Balance zwischen unterhaltsamer Sommerroman und Mental-Health-Check.
Den einzigen Minuspunkt muss ich leider für die Auflösung am Ende vergeben. Das war mir dann doch ein bisschen zu sehr "the easy way out".
Alles in allem ist "Pause" ein gelungener Debütroman und ich freue mich schon darauf, noch mehr von Lena Kupke zu lesen.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Zwischen Realität und Magie

Die Mitternachtsreise
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„Das unglaublich Ärgerliche am Totsein war, dass man endlich seine Prioritäten kannte, aber nicht mehr handeln konnte, weil es zu spät war.“ (Die Mitternachtsreise, S. 268)

Wilbur Budd hat den absoluten ...

„Das unglaublich Ärgerliche am Totsein war, dass man endlich seine Prioritäten kannte, aber nicht mehr handeln konnte, weil es zu spät war.“ (Die Mitternachtsreise, S. 268)

Wilbur Budd hat den absoluten Traumjob, er ist Buchhändler. Er selbst liest für sein Leben gern und er schafft es immer, genau das richtige Buch für eine Person zu finden, die es gerade am dringendsten lesen muss. Doch schnell wird ihm das nicht mehr genug sein. Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, ist er bestrebt so viel Erfolg wie möglich zu haben. Viel zu spät wird er merken, was in seinem Leben dadurch auf der Strecke geblieben ist und dann ist es leider zu spät.
In „Die Mitternachtsreise“ nimmt uns Matt Haig wieder auf eine philosophische Reise mit. Dabei werden Realität und Magie stark miteinander verwoben, was mir persönlich auch schon bei der Mitternachtsbibliothek so gut gefiel. Dabei ist der Erzählton eine einzigartige Mischung aus Witz, Romantik und Melancholie. Wilbur mag kein direkter Liebling beim Lesen sein, aber er ist greifbar und authentisch. Ich habe die literarischen Anspielungen in diesem Buch sehr gemocht und da Wilbur Buchhändler ist, gab es davon ein paar zu entdecken.
Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass mich das Buch zu sehr an „Die Mitternachtsbibliothek“ erinnern wird. Dem war aber nicht so. Ab den ersten Seiten konnte ich das Buch komplett losgelöst davon betrachten und es hat einen ganz eigenen Charme.
„Die Mitternachtsreise“ empfehle ich allen Leser*innen die gerne eine Geschichte mit emotionaler Tiefe und Humor lesen möchten.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Düster und atmosphärisch

Hazelthorn
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Evander lebt seit seiner Kindheit abgeschottet auf dem geheimnisvollen Anwesen Hazelthorn. Sein Vormund Byron Lennox-Hall verbietet dem kränklichen 17-jährigen sein Zimmer zu verlassen und unter gar keinen ...

Evander lebt seit seiner Kindheit abgeschottet auf dem geheimnisvollen Anwesen Hazelthorn. Sein Vormund Byron Lennox-Hall verbietet dem kränklichen 17-jährigen sein Zimmer zu verlassen und unter gar keinen Umständen darf er je den Garten betreten.

Als Byron plötzlich und unter mysteriösen Umständen verstirbt wird Evander alleiniger Erbe des riesigen Anwesens. Dieser glaubt nicht an einen natürlichen Tod seines Vormunds und er beginnt mit Laurie, dem Enkel Byrons, die dunklen Geheimnisse von Hazelthorn zu ergründen.

Das Erbe ruft jedoch auch die verstoßene Verwandtschaft auf den Plan, von denen jeder versucht ein kleines Stück vom großen Kuchen zu bekommen. Das Anwesen erwacht buchstäblich zu neuem Leben und ist über das Erscheinen der gierigen Verwandten gar nicht erfreut…

Hazelthorn ist ein Plant/Body-Horror-Roman mit düsterer Atmosphäre. Die Gothic Elemente hat CG Drews wieder wunderschön gezeichnet und die dunkle Stimmung hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die Beziehung zwischen Evander und Laurie wirkt zuerst viel zu konstruiert. Umso tiefer man jedoch in die Geschichte einsteigt, ergibt so vieles Sinn. Die Situation, in der sich Evander befindet, ist klaustrophobisch und erschreckend detailliert beschrieben.

Mich konnte das Buch im Gegensatz zu „Don’t Let the Forest in“ nicht zu 100 % von sich überzeugen. An manchen Stellen war es mir dann doch etwas zu brutal bzw. die physische Gewalt zu sehr ausgeschmückt und für die beschriebenen Situationen nicht angemessen.

Für Horror-Liebhaber
innen ist „Hazelthorn“ eine empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein Leben mit Endometriose

Paradise Beach
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Ada ist Ende 20, hat Endometriose und liegt frisch operiert in ihrer Wohnung. Schlaf findet sie kaum, zu laut ist der Nachbar über ihr und zu stark sind die Schmerzen in ihrem eigenen Körper. Während über ...

Ada ist Ende 20, hat Endometriose und liegt frisch operiert in ihrer Wohnung. Schlaf findet sie kaum, zu laut ist der Nachbar über ihr und zu stark sind die Schmerzen in ihrem eigenen Körper. Während über ihr Schritte hallen und Scheiben zu Bruch gehen, beginnt Ada das Verhalten des Fremden zu beobachten. Dieser Aspekt wird einen immer größeren Stellenwert in ihrem Alltag einnehmen. Um sich abzulenken, flüchtet sich Ada auch in ihre Erinnerungen. Zurück zum Sommer ihrer Jugend, in dem sich vieles zum ersten Mal zeigt: die ersten Krämpfe, das erste Schwärmen und das langsame Entwachsen von Zuhause.

Dara Brexendorf zeichnet das Bild einer Endzwanzigerin, die sich mit derDiagnose Endometriose nicht nur körperlich, sondern auch gesellschaftlich auseinandersetzen muss. Ein System, das Schmerzenoft kleinredet, ein Narrativ vom „Aushalten“, das sich hartnäckig hält, und eine medizinische Realität, die viel zu häufig versagt.All das schwingt in Adas Geschichte mit. Gleichzeitig schafft der Roman Raum für Sichtbarkeit und Verständnis einer Erkrankung, die noch immer zu wenig Beachtung findet. Obwohl mir die zurückliegende Zeitebene beim Lesen mehr Freude bereitete, bleibt mir die gegenwärtige länger im Gedächtnis und hallt nach.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Ein Portrait über eine dysfunktionale Familie

Verlorene Schäfchen
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Ein Familienportrait über eine dysfunktionale Familie und dem Wunsch in einem solchen Konstrukt als Individuum wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Bei den Flynns wird es nie langweilig. Catherine hat ...

Ein Familienportrait über eine dysfunktionale Familie und dem Wunsch in einem solchen Konstrukt als Individuum wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Bei den Flynns wird es nie langweilig. Catherine hat beschlossen ihr Ehe nun offen zu führen und beginnt mit den Nachbarn zu flirten. Bud, ihr Ehemann, der mit diesem Arrangement nicht sehr zufrieden ist, verbringt die Nächte im gemeinsamen Familienvan und findet auf der Arbeit Ungereimtheiten bei gewissen Transaktionen. Er ermittelt auf eigene Faust und entdeckt dabei Missstände, die eine Nummer zu groß für ihn sind…

Währenddessen schleicht sich die älteste Tochter Abigail auf die Party eines zwielichtigen Millionärs und lernt dort einen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes lernen und lieben. Louise, die Zweitgeborene, fühlt sich von allen übersehen und sucht in christlichen Internetforen nach Anerkennung. Das dort auch Menschen lauern, die nichts Gutes im Schilde führen ist erstmal zweitrangig. Und dann wäre da noch Harper. Die Jüngste der Flynn-Töchter scheint die häusliche Situation damit zu kompensieren, dass sie ihr überdurchschnittlich intelligentes Gehirn dafür nutzt, semi-illegalen Tätigkeiten nachzugehen. 

"Verlorene Schäfchen" war ein Fiebertraum von einem Buch, welches mich sehr unterhalten und zum Lachen gebracht hat. Madeline Cash hat eine besondere humorvolle Art, wenn es darum geht, triviale aber auch komplexe Beziehungen darzustellen. Die Übersetzung von Sophie Zeitz greift diesen Ton haargenau auf und macht ihn nun auch für die deutschsprachigen Leser*innen zugänglich.

Die Flynns wirken auf den ersten Blick wie eine ganz außergewöhnliche Familie, aber auf den zweiten stehen sie für so viele Familien(-konstrukte), wenn auch etwas überzeichnet. Es hat so viel Spaß gemacht, jedes einzelne Familienmitglied kennen zu lernen. Mein Favorit ist Harper. Ein hochintelligentes Kind, welches sich durch seine differenzierte Art zu denken und die Welt wahrzunehmen oft selbst im Weg steht und für so einigen Ärger sorgt.

Große Leseempfehlung!

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