Profilbild von oneveganbooknerd

oneveganbooknerd

Lesejury Star
offline

oneveganbooknerd ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit oneveganbooknerd über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2026

Leise und eindrucksvoll

Moosland
0

Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr ...

Elsa beginnt nach dem Krieg auf einem isländischen Hof zu arbeiten. Sie spricht anfangs kein einziges Wort Isländisch und fühlt sich fremd und allein. Die Kommunikation mit der Bauernfamilie fällt ihr schwer, sodass sie sich eher als Außenstehende wahrnimmt, die das Geschehen beobachtet. Doch möchte sie wirklich dazugehören?
Mit der Zeit wandelt sich ihre Beziehung zu den Menschen und der Umgebung. Elsa entdeckt ein Familiengeheimnis, welches sie zunehmend beschäftigt.
In "Moosland" lernen die Lesenden gemeinsam mit der Protagonistin die wunderschöne und raue Natur Islands kennen. Mit Elsas wachsendem Sprachverständnis der isländischen Sprache und ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe kommt sie bald der Familie näher. Sie erkennt, dass auch andere manche Dinge unausgesprochen lassen.

Ein leiser und eindrucksvoller Roman, der eine Sogwirkung alleine durch die Beziehungskonstrukte und ungesagte Worte erzeugt. Die für mich interessantesten Aspekte des Buches waren der Umgang mit Trauma, Heilung und das Wiederfinden der eigenen Stimme.

Eine klare Leseempfehlung für dieses zarte und dennoch kraftvolle Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Roadtrip trifft auf Coming-Of-Age - eine große Leseempfehlung

Kekeli
0

Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt ...

Kekeli hat es geschafft. Sie hat ihr Abitur in der Tasche und alles, auf was sie sich noch konzentrieren müsste, wäre der Abschlussball. Aber es soll ganz anders kommen...
Ihr Klassenkamerad Kwame lädt sie und ihre Cousine Afi, welche aus Togo zu Besuch ist, zu einem Roadtrip ein. Gemeinsam mit seinem Bruder dreht er eine Doku über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland. Kekeli wird auf ihrem Weg nicht nur auf die Spuren anderer stoßen, sondern auch auf die ihrer eigenen Familie.

"Kekeli" ist ein wunderbarer Mix aus Roadtrip und Coming-Of-Age Story. Die Dynamik zwischen Afi und Kekeli hat mir sehr gut gefallen.
Jessica Mawuena Lawson erzählt dieses zarte Annähern der Cousinen, die sich trotz großer Distanz gar nicht mal so sehr voneinander unterscheiden, so feinfühlig und empathisch.
Nicht nur ein Mal stellt sich die Frage, wie es wäre, wenn Kekeli anstelle von Afi in Togo groß geworden wäre. Dadurch wird die Tür geöffnet, über die Identität im Allgemeinen nachzudenken, aber auch darüber, welche Bedeutung Heimat haben kann. 
Ich konnte einiges aus dem Buch über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland lernen. (Gert Schramm!? - Wieso habe ich diesen Namen in der Schulzeit nie gehört?!) Neben den informativen Passagen konnte mich Jessica Mawuena Lawson aber auch mit ihrem bezaubernden Erzählstil begeistern. So viele Absätze habe ich mir markiert (siehe Slide).
Ich würde so gerne wissen, wie es mit Kekeli, Kwame, Kofi und (vor allem!) Afi weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2026

Solider Coming-of-Age-Roman mit Internatssetting

Prep
0

Lee Fiora versteht schon mit jungen Jahren, dass Ihre Familie sich nie ein großes Haus in einer wohlhabenden Gegend leisten kann. Kurzerhand entscheidet sie sich, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen ...

Lee Fiora versteht schon mit jungen Jahren, dass Ihre Familie sich nie ein großes Haus in einer wohlhabenden Gegend leisten kann. Kurzerhand entscheidet sie sich, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen und bewirbt sich auf verschiedene Stipendien privater Internate. Und tatsächlich wird sie an der renommierten Ault Schule angenommen. Dort angekommen, wird sie jedoch schnell merken, dass das Teenagersein einfach an jeder High School genau dasselbe ist. Auch an Ault gibt es die "Beliebten", die "Außenseiterinnen", "Streberinnen", etc. Alleine durch ihren Status als Stipendiatin fühlt sich Lee von Anfang an nicht ganz eingebunden in die Schülerschaft. Als sie Martha kennenlernt, soll sich dies jedoch ändern...

"Prep" war mein zweites Buch von Curtis Sittenfeld und es hat mir wieder sehr gut gefallen. Die knapp 600 Seiten lassen sich mit viel Nostalgie und Flashbacks an die eigene Schulzeit füllen. Mir war Lee nicht immer sehr sympathisch, einige ihrer Entscheidungen konnte ich wenig nachvollziehen und habe mir dabei immer wieder vor Augen geführt, dass ich als Jugendliche vermutlich (leider) ähnlich gehandelt hätte. Was "Prep" so anders macht, ist, dass Lee als Protagonistin nicht als etwas sehr besonderes dargestellt wird. Curtis Sittenfeld beschreibt hier ein "durchschnittliches" westliches Teenagerleben. Lee ist nicht die überambitionierte Heldin der Geschichte, aber es ist ihre Geschichte. Und vielleicht reicht das auch manchmal einfach. Die anderen Mitschüler
innen sind so gut gezeichnet, ich bin mir sicher, dass jeder Leserin Assoziationen zur eigenen Schulzeit haben wird.

Zwei Kritikpunkte habe ich aber leider dennoch. Zum einen hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn das Buch 100 Seiten weniger gehabt hätte. Ein paar Längen gab es dann doch. Und der zweite Punkt bildet die vielen Beschreibungen, die Lee für ihre Mitschülerinnen hat. Mehr als ein Mal wurden Mitschülerinnen als "dick" oder "Klassenschwarzer" beschrieben. Das ist mir jedes Mal bitter aufgestoßen und muss wirklich nicht mehr sein. (Auch wenn das Buch aus dem Jahr 2005 ist, hätte man immerhin einen kleinen Disclaimer hinten ins Buch packen können.)

Trotz der Kritik kann ich "Prep" als soliden Coming-of-Age-Roman empfehlen, der durchaus Spaß macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Mütter und Töchter und das Erbe, Schönheitsidealen zu entsprechen

Das schönste aller Leben
0

Vio durchlebt in ihrer Jugend den Drang, so wie eigentlich jeder Teenie, sich anzupassen. Bloß nicht auffallen oder anders sein als die Klassenkamerad*innen. Extra schwierig gestaltet sich dies jedoch, ...

Vio durchlebt in ihrer Jugend den Drang, so wie eigentlich jeder Teenie, sich anzupassen. Bloß nicht auffallen oder anders sein als die Klassenkamerad*innen. Extra schwierig gestaltet sich dies jedoch, wenn man 23 Stunden am Tag ein Stützkorsett tragen muss, um dem sich langsam entwickelnden Buckel entgegenzuwirken. Als Vio erwachsen ist, sieht sie sich erneut gesellschaftlichen Schönheitsidealen ausgesetzt. Doch diesmal geht es nicht um sie. Sie fürchtet sich davor, was Menschen über ihre kleine Tochter denken könnten. Die Kleine trägt seit einem Unfall sichtbare Narben im Gesicht. Vio kann sich seit dem Unfall selbst nicht verzeihen. Die Schuldgefühle holen sie immer stärker ein, sie scheint an ihnen zu zerbrechen...

In "Das schönste aller Leben" geht es neben den gesellschaftlichen Schönheitsidealen und deren Bedeutung für die einzelnen Frauen einer Familie auch um Schuld, (Über-)Leben und Traumata. Im Fokus stehen hier vor allem die Mutter-Tochter-Beziehungen, die schonungslos und intensiv erzählt werden.
Betty Boras erzählt leise, aber kraftvoll vom Leben ihrer Protagonistinnen. Die Geschichte hat mich zutiefst berührt und ich wollte gar nicht, dass das Buch endet. Die Autorin lädt dazu ein, selbst noch einmal die eigenen Schönheitsideale zu hinterfragen und in sich selbst hineinzuhören, was Schönheit eigentlich ganz individuell bedeuten kann.

Für mich ist "Das schönste aller Leben" jetzt schon ein Jahreshighlight und eines der stärksten Debüts 2026.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Unterhaltsam und witzig - bleibt jedoch hinter den Erwartungen

Fuckgirl
0

Fuckgirl treibt sich in Großstadt herum und lebt dort ein mehr oder weniger erfülltes Leben. Sie ist verheiratet mit Mann und führt mit ihm eine einseitig offene Ehe. So erlebt sie zu Hause das gesellschaftlich ...

Fuckgirl treibt sich in Großstadt herum und lebt dort ein mehr oder weniger erfülltes Leben. Sie ist verheiratet mit Mann und führt mit ihm eine einseitig offene Ehe. So erlebt sie zu Hause das gesellschaftlich anerkannte Sicherheitsnetz, während sie außerhalb nach erfüllendem Sex und Bestätigung sucht.
Sie trifft sich mit dem bekannten Journalist und beginnt mit ihm eine Affäre, in der sie ziemlich schnell seine Wünsche bedient, ohne davon selbst vollends zu profitieren. Doch was ist mit ihr und ihren Bedürfnissen? Kann sie sich selbst treu bleiben?

Anfänglich habe ich mich gefragt, wieso sich die Autorin für diese Art Namensgebung entschieden hat. Zuerst wirkten die Figuren für mich dadurch nicht greifbar. Doch dann empfand ich sie immer mehr als eine Art Schablone, die jede*r Lesende mit eigenem Erlebten ausfüllen kann.
Ich bin beim Lesen nur so durch die Seiten geflogen. Der Schreibstil ist unterhaltsam, schnell und witzig. Und doch fällt es mir immer noch schwer, das Buch einzuordnen. Durch die Nähe der Erzählerin wirkt es stark autofiktional. Die kurzen Abschnitte über Fuckgirls Familie fand ich sehr spannend und sie haben der Figur zusätzliche Tiefe verliehen. Davon hätte ich mir aber tatsächlich noch etwas mehr gewünscht.
Alles in allem habe ich Fuckgirl gerne gelesen, es bleibt jedoch hinter meinen Erwartungen zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere