Geh nicht in den Garten
„Was, wenn unsere dunkelste Seite in Wahrheit das einzig Echte an uns ist?“
Evanders Welt ist zu seinem eigenen Schutz auf ein dunkles Zimmer im Nordflügel des Anwesens Hazelthorn reduziert. Dort fristet ...
„Was, wenn unsere dunkelste Seite in Wahrheit das einzig Echte an uns ist?“
Evanders Welt ist zu seinem eigenen Schutz auf ein dunkles Zimmer im Nordflügel des Anwesens Hazelthorn reduziert. Dort fristet er seine Tage unter der Pflege seines Vormunds und dessen Butler. Denn Evander leidet nach einem Anschlag auf sein Leben noch immer unter wahnartigen Episoden, seit er gegen die Regel Nummer eins verstoßen hatte: Geh niemals in den Garten! Vor allem muss er sich von Laurie fernhalten, dem Jungen, der ihn auf eigenartige Weise anzieht und der ihm das überhaupt angetan hat. Doch plötzlich geschieht ein entsetzlicher Todesfall und Evander fürchtet um seine Sicherheit.
Feinster „Botanical horror“ ist es, was uns hier serviert wird. Die düstere und bedrohliche Atmosphäre in Hazelthorn ist dermaßen dicht gestrickt, dass ich beinahe glaube, sie mit Händen greifen zu können. Ebenso springt die klaustrophobische Stimmung des zu seinem Schutz im düsteren Zimmer eingesperrten Evander auf mich beim Lesen über. Ich bekomme das beklemmende Bedürfnis, die Fenster weit aufzureißen, doch genau das darf Evander niemals tun. Denn draußen lauert der Garten mit Giftpflanzen und Ranken, die sich mit aller Macht gegen das Anwesen drücken.
Der Plot ist raffiniert aufgebaut und der Erzählfluss reißt mich regelrecht mit, zieht mich in die düstere Welt von Hazelthorn. Das Worldbuilding ist phänomenal gelungen. Beim Lesen hatte ich ständig Gänsehaut, und man muss ehrlicherweise sagen, dass es nicht nur beim gefühlten Grauen bleibt. Nein, in diesem Buch fließt reichlich Blut und tobt stellenweise rohe Gewalt, da darf man auf keinen Fall zartbesaitet sein. Für mich waren diese Szenen und vor allem auch das ständig unterschwellige Grauen aber perfekt und sinnvoll in die Handlung eingewoben und perfektionierten die Horrorgeschichte. Besonders gut herausgearbeitet ist auch das spannungsvolle Verhältnis von Evander und Laurie zwischen Hingezogenheit und Angst. Dabei fand ich auch die Idee stark, einzelne Rückblickszenen auf dunklem Untergrundpapier zwischen der eigentlichen Handlung zu streuen.
Wer gute und atmosphärische Horrorstories schätzt, wird mit Hazelthorn „Botanical Horror“ vom Allerfeinsten erleben. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Ich fürchte nur, in den Garten gehe ich so schnell nicht wieder.