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Veröffentlicht am 23.11.2017

Oberflächlich und episodenhaft

Die Schlange von Essex
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London 1893: Nach dem Tod ihres despotischen Ehemannes genießt Cora Seaborne ihre neugewonnene Freiheit und reist mit ihrem Sohn in den Küstenort Aldwinder. Dort soll die jahrhunderte alte mystische "Schlange ...

London 1893: Nach dem Tod ihres despotischen Ehemannes genießt Cora Seaborne ihre neugewonnene Freiheit und reist mit ihrem Sohn in den Küstenort Aldwinder. Dort soll die jahrhunderte alte mystische "Schlange von Essex" erneut Angst und Schrecken im Fluss verbreiten. Die naturwissenschaftlich interessierte Cora betrachtet dies als willkommene Herausforderung und sieht bereits ihr Namensschild im Naturhistorischen Museum nebst der von ihr gestellten Schlange prangen. Vor Ort trifft sie auf Will Ransome, den örtlichen Pfarrer, welcher derweil Mühe hat, seiner Gemeinde den Aberglauben um das Seeungeheuer auszutreiben. Cora und Will entdecken schnell eine magische Anziehungskraft zwischen sich, obwohl sie durch Naturwissenschaft und Kirche in ihren Ansichten regelmäßig aneinander geraten...

Zugegeben, bis hierhin klingt die Beschreibung erstmal ganz interessant, vor allem in Kombination mit dem wunderschön gestalteten Cover bzw. der gesamten Aufmachung mit strukturiertem Einband und Lesebändchen. Auch der Hinweis auf den Britischen Buchpreis 2017 lässt viel erhoffen. Zu Beginn liest sich der Roman auch noch ganz angenehm - doch alles in allem wurde ich von dem Buch sehr enttäuscht: Es gibt keine wirklich angeregten Dialoge zwischen Cora und Will, zwischen Naturwissenschaft und Kirche. Auch eine Liebesgeschichte zwischen den beiden beschränkt sich auf holprige Andeutungen in Briefform, da Will als Ehemann und Vater natürlich seiner Familie treu bleiben muss, wenn auch nur körperlich. Es kommen viele wichtige und unwichtige Personen vor, der Roman vermeidet jeglichen Tiefgang, dümpelt vielmehr an der Oberfläche herum wie ein toter Fisch. Ein Sammelsurium verschiedenster Haupt- und Nebenhandlungen lässt den roten Faden der Geschichte zudem manchmal wie einen Wollpompom erscheinen, teilweise wurden die Personen des Romans sogar wie auf einer Liste jeweils mit ein paar Sätzen regelrecht abgehakt. Und ob die Schlange von Essex nun das war, was letztlich zum Ende des Roman am Ufer aufgefunden wird - oder vielleicht doch die Schlange der Verführung, welche in Form von Cora ins Dorf kam und dem Pfarrer den Kopf verdrehte - darüber mag jeder selbst urteilen.
Wer einen episodenhaften Einblick in das damalige, viktorianische England erhalten möchte, wird hier wohl das ein oder andere Interessante für sich entdecken, sei es nun der Fortschritt der Medizin oder der soziale Wohnungsmarkt. Wer einen Roman über eine naturwissenschaftlich interessierte Frau mit gewissem literarischen Tiefgang erwartet sollte seine Erwartungen hingegen nicht allzu hoch ansetzen. Ich hatte derlei Erwartungen - und mir gefiel das Buch nicht.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Zu übertrieben wirkender 2. Teil

Hangman. Das Spiel des Mörders
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"Hangman - Das Spiel des Mörders" ist nach "Ragdoll" der zweite Teil aus Daniel Coles New-Scotland-Yard-Reihe und schließt locker an den ersten Teil an. Zwar lässt sich der Roman auch lesen, ohne den ersten ...

"Hangman - Das Spiel des Mörders" ist nach "Ragdoll" der zweite Teil aus Daniel Coles New-Scotland-Yard-Reihe und schließt locker an den ersten Teil an. Zwar lässt sich der Roman auch lesen, ohne den ersten Band zu kennen, jedoch sind einige Anspielungen der Protagonisten bei Kenntnis von "Ragdoll" verständlicher.
An "Hangman" wagte ich mich heran in der Hoffnung, Daniel Cole hätte aus seinen Fehlern des ersten Teils (unrealistisch, klischeehaft, kontruiertes Ende) gelernt und sich schriftstellerisch nun verbessert. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht: Eine der Ermittlerinnen ist ausgerechnet Emily Baxter, die nervigste und zwischenmenschlich unkompetenteste Person aus Band 1. Hinzu kommt ein Sammelsurium weiterer ErmittlerInnen, einer blasser als der andere konstruiert. Als wär das nicht schon verwirrend genug, werden dem neuen Fall zugehörige Mordfälle so dermaßen in den Roman hineingewürfelt, dass es irgendwann beim Hören des Hörbuchs einfach zuviel wurde an Opfern, Namen, Berufen,Todesarten etc. Das alles wurde heruntergeleiert, ohne wirklich Tiefe hineinzubringen und verwirrte mehr, als dass es Spannung erzeugen konnte. Ebenso gibt es auch hier wieder kein Teamplay und Personen, welche ihre eigenen Interessen noch über das Lösen des Falles stellen. Wobei der Fall selbst solch übertriebene Ausmaße annahm, dass ich diesen einfach nicht mehr ernst nehmen konnte, am Schluss sogar regelrecht genervt war, vor allem, wenn die scheinbar alles und jeden anschreiende Baxter zum x-ten Male "Rooche" rief, was sich beim Hören eines Hörbuchs leider nicht überlesen lässt.
Gelesen wird das Hörbuch von Peter Lontzek, der seine Sache recht gut macht, den Protagonisten durch unterschiedliche Stimmlagen etwas Tiefe verleiht, welche der Autor ihnen leider nicht mitgegeben hat.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Gute Idee, zu klischeehaft und konstruiert umgesetzt

Ragdoll - Dein letzter Tag
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Man sollte sich nicht von dem Cover täuschen lassen: So genial das Cover auch gestaltet ist, so unrealistisch fällt leider der Roman aus. Wobei das Cover nicht mal ansatzweise Bezug zum Inhalt hat. Nach ...

Man sollte sich nicht von dem Cover täuschen lassen: So genial das Cover auch gestaltet ist, so unrealistisch fällt leider der Roman aus. Wobei das Cover nicht mal ansatzweise Bezug zum Inhalt hat. Nach seiner Suspendierung und Psychotherapie darf Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, seinen Dienst wieder aufnehmen. Als eine aus 6 Menschenkörpern zusammengeflickte Ragdoll auf seine Wohnung zeigend gefunden wird, wird bereits der erste Zusammenhang mit Wolf vermutet. Als eine Liste mit weiteren zukünftigen Opfern auftaucht, befindet sich Wolfs Name an letzter Stelle. Die Suche nach dem Täter beginnt..
Ein suspendierter Polizist darf wieder ermitteln? In einem Fall, der ihn selbst betrifft? Ebenso unrealistisch, wenn nicht sogar klischeehaft sind die weiteren Ermittler des Teams, welches scheinbar von Teamwork noch nichts gehört hat und oftmals schlicht unprofessionell agiert. Eine Polizeisprecherin, die primär auf ihr Image bedacht ist, rundet die Welt des Klischees gekonnt ab. Am schlimmsten war jedoch das Ende, welches arg konstruiert wirkte und mich regelrecht enttäuscht zurückließ.
Den Roman hörte ich als Hörbuch, gelesen von Wolfram Koch. Ich empfand die Lesung des Romans als angenehm und gut betont gelesen.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Potential wurde im Auftaktband leider verschenkt

Noras Welten
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Die Idee zum Roman klang vielversprechend und weckte mein Interesse: Nora Winter leidet unter dem Phänomen, sich unkontrolliert in Texte hineinzulesen, in Büchern und Werbeplakaten regelrecht zu verschwinden. ...

Die Idee zum Roman klang vielversprechend und weckte mein Interesse: Nora Winter leidet unter dem Phänomen, sich unkontrolliert in Texte hineinzulesen, in Büchern und Werbeplakaten regelrecht zu verschwinden. Eine Gabe, welche natürlich auch zu gefährlichen Situationen führen kann: Wer möchte schon plötzlich mitten auf einer Hauptkreuzung zur Hauptverkehrszeit landen oder im frühen Mittelalter, wo man bereits wegen seiner auffälligen Kleidung und Sprache auf dem Scheiterhaufen landet? Ihre letzte Hoffnung ist eine Hypnosetherapie bei Ben Pawell - leider geht bei einer Sitzung etwas schief und beide landen in einem seiner Fantasyromane...
Leider hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt. Primär ging es in dem Buch darum, sich in der historischen Fantasywelt zurechtzufinden und eventuelle Veränderungen wieder geradezubiegen, um dem Roman wieder entkommen zu können. Die eigentliche Fähigkeit Noras gerät dabei immer weiter ins Hintertreffen. Zudem arbeiten Nora und Ben bereits nach kurzer Zeit eher gegen- statt miteinander, jeder verfolgt seine eigenen Interessen. Die Protagonisten bleiben hierbei leider auch äußerst flach und wirkten beide auf ihre Art oberflächlich und egoistisch, teilweise sogar regelrecht unreif in ihrem Verhalten. Ich hätte mir statt des ansteigendes Hasses beider vielmehr Teamwork gewünscht und mehr über Noras rätselhafte Gabe erfahren, hinter welcher deutlich mehr zu stecken scheint, wie zum Schluss des ersten Bandes angedeutet wird.
Eine nette Abwechslung war der kleine Drache Rashuk, welchen man nicht unterschätzen sollte. Ebenfalls gefiel mir, dass jedes Kapitel mit einer kleinen Zeichnung sowie einem als Drache gestalteten Buchstaben begann.
Ich hoffe sehr, dass die Folgebände der Serie die Kinderkrankheiten des Auftaktbandes nicht wiederholen, ansonsten wäre es äußerst schade um das Potential dieser schöne Fantasy-Idee.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Zurück in die Zukunft

Heliosphere 2265 - Der Helix-Zyklus 1 - Die andere Seite (Bände 13-15)
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Mit Hardcover 5 fliegt die IL HYPERION in einen neuen Zyklus. Nach dem Flug durch den Zeittunnel des TRION-Artefakts verfolgt die Crew ihr Ziel, den Dunklen Wanderer zu erreichen, wo sie sich Antworten ...

Mit Hardcover 5 fliegt die IL HYPERION in einen neuen Zyklus. Nach dem Flug durch den Zeittunnel des TRION-Artefakts verfolgt die Crew ihr Ziel, den Dunklen Wanderer zu erreichen, wo sie sich Antworten auf die Gründe der Zeitreisenden erhofft. Doch der Weg dorthin ist voller Stolpersterne gepflastert....
Band 5 schließt nahtlos an den letzten Zyklus an und beginnt zunächst etwas langsamer, damit sich Crew und Leser in der ungewohnten Zukunft erstmal zurechtfinden können. Doch wird der Weg zum Schwarzen Wanderer nicht nur durch technische Probleme behindert. Auch feindliche, technisch überlegene Schiffe sowie Künstliche Intelligenzen bringen spannende Abwechslung in die Serie. Und auch in der Gegenwart spitzen sich die Ereignisse zu Beginn der neuen Solaren Republik immer weiter zu, meldet ein weiterer Feind Besitzansprüche auf dem Spielfeld der Politik.
Die Story beginnt zwar ruhig, baut jedoch nach und nach eine wunderbar komplexe Story auf, in welcher mehrere Begebenheiten der Gegenwart sowie der Zukunft mit Fäden verbunden scheinen, welche man als Leser nun versuchen muss aufzudecken. Dazu gesellen sich die Rätsel um die Marsbibel (welche dem Helix-Zyklus wohl seinen Namen gaben), die Echos der Zeit sowie das mysteriöse Volk des Schwarzen Wanderers, welches bestimmt auch den ein oder anderen Faden gesponnen hat.
Auch wenn ich durch die Flut der vielen Rätsel noch etwas verwirrt bin, bin ich doch scharf darauf, Licht ins Dunkel zu bringen. Für Neueinsteiger empfehle ich jedoch, erstmal die Bände 1-4 des ersten Zyklus zu lesen, sonst wäre die Verwirrung wohl zu groß.