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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2026

Fantastische gezeichnete, zeitlose Sozialkritik mit hohem Unterhaltungswert

Die Verwandlungen der Füchsin
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Lange hat mich ein Webtoon (bzw. Manhua) nicht mehr so bewegt wie Die Verwandlungen der Füchsin. Die Künstlerin hat ein unglaubliches Talent, gesellschaftliche Beobachtungen und Interpretationen in ihren ...

Lange hat mich ein Webtoon (bzw. Manhua) nicht mehr so bewegt wie Die Verwandlungen der Füchsin. Die Künstlerin hat ein unglaubliches Talent, gesellschaftliche Beobachtungen und Interpretationen in ihren Zeichnungen wiederzugeben und deren Atmosphäre farblich zu unterstreichen (das Buch ist komplett durchcoloriert!).
Inhaltlich geht es um zwei Füchsinnen, die als Fuchsgeister versuchen, durch Herzensgedanken der Menschen genügend Magie anzusammeln, bis sie zum neunschwänzigen Fuchsgeist aufgestiegen sind. Dabei wählt die ältere Füchsin den altbewährten Weg, welcher ihr damals beigebracht wurde, indem sie versucht, Männern als dienende Frau deren Wünsche zu erfüllen. Der jüngeren Füchsin widerstrebt diese Art der Selbstverleugnung und sie wählt einen anderen Weg.
Aufgebaut ist das Buch als ineinander übergehende Episoden und behandelt viele gesellschaftliche und soziale Themen. Die Füchsinnen erscheinen hierbei mal als mehr oder minder anthropomorphe Füchse oder als Menschen, sammeln Erfahrungen und tauschen ihre Gedanken aus. Es gibt ernste Themen, kritische Sichtweisen sowie humorvolle Details, optisch wunderschön gezeichnet und stimmungsvoll coloriert. Zwar spielt das Ganze in früheren Zeiten und beinhaltet einige Traditionen, die Themen selbst können jedoch als zeitlos und auch auf die Gegenwart anwendbar interpretiert werden. Als Beispiel wären da z. B. Themen zu nennen wie, inwiefern man sich selbst aufgeben soll/darf, um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Oder wie Frau und Mann in der Gesellschaft wahrgenommen werden.
Empfehlen kann ich das Buch Jugendlichen und Erwachsenen, die Interesse haben, einen wunderschön gezeichneten Webtoon/Manhua mit sowohl Humor als auch ernsten Anklängen zu lesen.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Magie im heutigen Edinburgh

Die Hexe vom Distelschloss 1
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Dies ist einer der Mangas, bei denen mich Cover/Zeichenstil sowie die Beschreibung neugierig auf mehr gemacht haben. Das Format der Printausgabe entspricht denen der Print-Webtoons, der Manga ist nur nicht ...

Dies ist einer der Mangas, bei denen mich Cover/Zeichenstil sowie die Beschreibung neugierig auf mehr gemacht haben. Das Format der Printausgabe entspricht denen der Print-Webtoons, der Manga ist nur nicht durchcoloriert. Ansonsten setzt sich der Stil des Covers im Inneren fort mit klaren Linien, ausreichend Details und hier und da angenehm erwachsen mit ein paar Andeutungen expliziter Natur.
Die Story beginnt im heutigen Edinburgh, wo die ziemlich begabte Hexe Mary Blackwood von der Kirche den 13-jährigen Theo als Lehrling aufgenötigt bekommt. So unkonventionell Mary ist, so sozial unerfahren ist Theo. Gemein haben sie die Fähigkeit, Naturgeister wahrzunehmen, die ihnen zu magischen Fähigkeiten verhelfen können. Das Magiesystem ist schnell und verständlich erklärt und die fünf wichtigsten Naturgeister, die hier vorkommen, sind in den Buchdeckeln abgebildet.
Der Einstieg ist zunächst eher episodenhaft aufgebaut, um in die Story reinzufinden. Anschließend geht es auch schon mit einem größeren Thema weiter, welches sich in den Folgeband ziehen wird. Hierbei wird auch eine berühmte historische Person geschickt in die Welt der Magie mit eingebaut und es kommen weitere magisch Begabte mit etwas anderen Ansichten und Zielen vor.
Der erste Band schafft es recht schnell, das grundlegende Magieprinzip verständlich zu erklären und schafft die Grundlage für eine größere Handlung. Mary und Theo sind als Charaktere ziemlich gut gelungen, insbesondere Mary ist erfrischend eigenwillig und nicht unterzukriegen. Mich hat Band 1 inhaltlich sowie optisch gut unterhalten, den Folgeband werde ich ebenfalls lesen.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Lustige Romantasy mit Geistern und anderen Nervensägen

The Girls Ghostbusting Agency – Crazy Spooky Love
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Hier ist der Buchtitel Programm: Melody hat keine Lust, wie Mum und Granny die Geister Verstorbener zu therapieren. Sie bricht stattdessen mit der Familientradition und gründet ihre eigene Geisterjägerinnen-Firma. ...

Hier ist der Buchtitel Programm: Melody hat keine Lust, wie Mum und Granny die Geister Verstorbener zu therapieren. Sie bricht stattdessen mit der Familientradition und gründet ihre eigene Geisterjägerinnen-Firma. Ihre beste Freundin Marina ist sofort dabei, auch wenn sie das Glück hat, nicht ständig irgendwelche Geister zu sehen. Ihr erster Auftrag ist es, ein altes Herrenhaus von den Geistern der früheren Bewohner zu säubern. In weiteren Nebenrollen: Praktikant Artie und Mops Lestat.
Somit wären Crazy und Spooky abgehakt, bliebe jetzt noch Love. Melodys letzte Datingversuche waren leider nicht so erfolgreich (zu Beginn erfährt man auf lustige Weise, warum). Macht aber nichts, denn im Laufe des Romans kommen drei potentielle Love Interests vor. Dass alle drei unverschämt gut aussehen und Melody davon wiederholt wuschig im Kopf wird wirkte auf mich dann doch etwas zu überzogen. Und genaugenommen fallen von den drei Kandidaten auch zwei relativ schnell aus der Wahl, der eine wegen seines Charakters und der andere, nunja, aus gewissen Gründen. Nachdem Melody das selbst gemerkt hat wird der Romance-Anteil ganz unterhaltsam. Nicht zu vergessen der Auftrag mit diesem Herrenhaus, welcher die Crew rund um Melody zu detektivischen Aktionen anspornt. Improvisation inklusive. Die unterhaltsame Spannung kommt also auch nicht zu kurz.
Lasst euch übrigens von dem Cover nicht täuschen, Mel ist nicht so bieder, wie sie auf dem Bild dargestellt wird. Sympathisch und pfiffig ist sie auf jeden Fall. Freue mich schon auf den nächsten Auftrag für die Girls Ghostbusting Agency.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Freiheit mit Dachschaden

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Dieses Buch war ein Experiment für mich. Normalerweise bevorzuge ich Romane, in denen ich mich in die Protagonist/innen hineinversetzen kann. Die mir von der Denkweise entweder ähnlich sind oder deren ...

Dieses Buch war ein Experiment für mich. Normalerweise bevorzuge ich Romane, in denen ich mich in die Protagonist/innen hineinversetzen kann. Die mir von der Denkweise entweder ähnlich sind oder deren Entscheidungen ich zumindest nachvollziehen kann. In diesem Roman kauft die Studentin Sophie spontan ein Haus zu einem Spottpreis, über eine Online-Anzeige und am anderen Ende der Republik, mitten im Nirgendwo. Etwas, was ich nie gemacht hätte, da bin ich ehrlich. Da bin ich doch eher der auf-Nummer-sicher-gehen-Typ. Andererseits liebe ich es, andere Länder und Kulturen über Bücher kennen zu lernen. Also warum nicht mal eine Person mit völlig anderem Denk- und Handlungsmuster? Challenge accepted.
Ja, der Anfang war dann auch erstmal eine Herausforderung, wenn auch im positiven Sinne. Sophies Kann-man-mal-so-machen-Abenteuer hat mich zwar zunächst gefühlt auf jeder Seite denken lassen, das ist völlig schräg und unbedarft. Und dennoch auf gewisse Weise mutig. Mit der Zeit fand ich es sogar immer interessanter, sie bei ihren Erlebnissen und Gedanken zu begleiten. Was ich als äusserst positiv betonen möchte: Es gibt kein Mimimi, kein Ertrinken in Selbstmitleid oder Selbstvorwürfen. Vielmehr verbirgt sich in Sophie eine bodenständige Person, die eine gewisse Freude daran findet, selbst anzupacken, dazuzulernen und ihre kleinen Erfolge zu genießen. Und der Hintergrund, warum sie das Ganze überhaupt gemacht hat, wird mit der Zeit immer überzeugender: Der Wunsch nach Freiheit, nach einem Sprung aus dem Hamsterrad der viereckigen Häuser und Bildschirme.
Ein wirklich gelungenes Buch über den Gedanken, mal auszubrechen. Und wenn man sich das nicht selbst zutraut, kann man zumindest Sophie bei diesem Schritt begleiten. Lohnt sich, hätte ich nicht gedacht.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Von Zeitreisen und magischen Tentakeln

Das White Octopus Hotel
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Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich ...

Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich fang mal bei der Protagonistin an: Nicht allein die Tatsache, dass Eve emotional verschlossen und stets schwarz gekleidet auftritt, macht sie so besonders. Introvertierte Einzelgänger gibt es zuhauf. Entscheidend ist das WARUM: Unter ihrer Haut lebt ein Oktopus aus Tinte (wie der dort hingekommen ist erfahrt ihr beim Lesen). Nunja, und der wandert eben auch mal hin und her und hinterlässt Tintenflecken. Allein die Vorstellung ist doch total abgefahren, oder? Das jedenfalls schränkt die Kleiderwahl stark ein, wenn Eve nicht sämtliche Mitmenschen in Panik versetzen will. So weit, so verständlich. Hinzu kommt dann noch ein Ereignis in ihrer Kindheit, an dem sie selbst jetzt noch zu knabbern hat (da gebe ich zu, das war das einzige, womit ich wegen der Intensität nach all der Zeit etwas haderte) Trost sucht sie in der Musik eines Komponisten, welcher in den 1930ern spurlos verschwand. Und plötzlich bei ihr im Büro als alter Mann auftaucht. Was natürlich nicht sein kann, der Name ist bestimmt rein zufällig derselbe. Und sein achtarmiges Geschenk an sie kann auch nur Zufall sein, oder? Über einige Umwege gelangt sie ins Octopus Hotel, einst Grand Hotel der Reichen, heute ein Lost Place. Doch war da nicht was mit Zeitreisen? Genau, und hier geht der Spaß erst richtig los. Oder das Verwirrspiel, Komponist inklusive.
Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wie die Zeitebenen und gewisse Charaktere im Hotel miteinander in Verbindung stehen könnten. Die Kausalkette ist einerseits nicht zwingend chronologisch, im Nachhinein betrachtet ergibt alles einen Sinn, aus dem Zeitlabyrinth wird eine erkennbare Zeitsprung-Linie. Bis dahin gibt es allerdings so viel Schräges zu erleben, auch aus der Perspektive des Komponisten Max.
Bis zum Schluss hat die Autorin es geschafft, die Spannung hoch zu halten, bis mit dem letzten Oktopus das Puzzle endlich ein Gesamtbild ergibt. Von mir erhält das Buch wohlverdiente 4,5 / 5 Seesterne.

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