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Veröffentlicht am 22.04.2018

Wie ein Fisch im Strom der Zeit

Wie man die Zeit anhält
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Tom Hazard ist londoner Geschichtslehrer, Einzelgänger, spielt Klavier - und ist über 400 Jahre alt! Was, das glauben Sie nicht? Dann halten wir mal die Zeit an - und drehen diese zurück ins Jahr 1581. ...

Tom Hazard ist londoner Geschichtslehrer, Einzelgänger, spielt Klavier - und ist über 400 Jahre alt! Was, das glauben Sie nicht? Dann halten wir mal die Zeit an - und drehen diese zurück ins Jahr 1581. In diesem Jahr kam Tom in Frankreich zur Welt, wuchs wie jeder Junge normal auf - bis er im Alter von ca. 14 Jahren äußerlich aufhörte zu altern. Wobei, so ganz korrekt ist dies nicht, denn er altert auch, nur leider deutlich langsamer als andere Menschen. Und dies zu einer Zeit des Aberglaubens und der Hexenverfolgung. Seiner Mutter, mittlerweile mit ihrem Sohn in England lebend, bekam dies leider gesundheitlich gar nicht gut, sie bestand den Hexentest nicht. Und Tom lebt seitdem auf der Flucht vor der Zeit und dem Aberglauben der Menschen...

"Ich war in meinem Leben so viele Menschen, habe so viele Rollen gespielt. Ich bin nicht einer. Ich bin viele in einem Körper." (Zitat S. 128)

Eine Regel, an die Tom sich hält, ist, niemanden an sich, an sein Herz zu lassen. Dies ging jahrhundertelang mehr oder weniger gut, doch nun ist da Camille, die Französischlehrerin, welche sein Herz zu berühren scheint. Und so erzählt Tom abwechselnd aus seinen früheren und seinem jetzigen Leben. Die früheren Leben sind recht interessant, ist er doch Persönlichkeiten wie Shakespeare oder Cpt. Cook begegnet. In seinem jetzigen Leben jammert er leider viel über seine Kopfschmerzen und seine Einsamkeit, ist mit sich und allem unzufrieden und beginnt zu spüren, dass sich etwas ändern muss, um nicht im Strom der Zeit unterzugehen.
So interessant seine Erinnerungen der Vergangenheit auch sind, blieb mir Tom leider stets etwas unnahbar. Er lässt nicht nur andere Menschen, sondern auch den Leser nicht sehr nah an sich heran, was ich recht schade finde. Diese Mischung aus Distanziertheit und Resignation lässt mir stellenweise die Gefühle fehlen, welche selbst, oder gerade ein Einzelgänger haben müsste. Wettgemacht wird dies zum Glück durch ein Ende, welches weder kitschig noch unrealistisch ist und den Roman wunderschön abrundet.

Veröffentlicht am 23.11.2017

Oberflächlich und episodenhaft

Die Schlange von Essex
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London 1893: Nach dem Tod ihres despotischen Ehemannes genießt Cora Seaborne ihre neugewonnene Freiheit und reist mit ihrem Sohn in den Küstenort Aldwinder. Dort soll die jahrhunderte alte mystische "Schlange ...

London 1893: Nach dem Tod ihres despotischen Ehemannes genießt Cora Seaborne ihre neugewonnene Freiheit und reist mit ihrem Sohn in den Küstenort Aldwinder. Dort soll die jahrhunderte alte mystische "Schlange von Essex" erneut Angst und Schrecken im Fluss verbreiten. Die naturwissenschaftlich interessierte Cora betrachtet dies als willkommene Herausforderung und sieht bereits ihr Namensschild im Naturhistorischen Museum nebst der von ihr gestellten Schlange prangen. Vor Ort trifft sie auf Will Ransome, den örtlichen Pfarrer, welcher derweil Mühe hat, seiner Gemeinde den Aberglauben um das Seeungeheuer auszutreiben. Cora und Will entdecken schnell eine magische Anziehungskraft zwischen sich, obwohl sie durch Naturwissenschaft und Kirche in ihren Ansichten regelmäßig aneinander geraten...

Zugegeben, bis hierhin klingt die Beschreibung erstmal ganz interessant, vor allem in Kombination mit dem wunderschön gestalteten Cover bzw. der gesamten Aufmachung mit strukturiertem Einband und Lesebändchen. Auch der Hinweis auf den Britischen Buchpreis 2017 lässt viel erhoffen. Zu Beginn liest sich der Roman auch noch ganz angenehm - doch alles in allem wurde ich von dem Buch sehr enttäuscht: Es gibt keine wirklich angeregten Dialoge zwischen Cora und Will, zwischen Naturwissenschaft und Kirche. Auch eine Liebesgeschichte zwischen den beiden beschränkt sich auf holprige Andeutungen in Briefform, da Will als Ehemann und Vater natürlich seiner Familie treu bleiben muss, wenn auch nur körperlich. Es kommen viele wichtige und unwichtige Personen vor, der Roman vermeidet jeglichen Tiefgang, dümpelt vielmehr an der Oberfläche herum wie ein toter Fisch. Ein Sammelsurium verschiedenster Haupt- und Nebenhandlungen lässt den roten Faden der Geschichte zudem manchmal wie einen Wollpompom erscheinen, teilweise wurden die Personen des Romans sogar wie auf einer Liste jeweils mit ein paar Sätzen regelrecht abgehakt. Und ob die Schlange von Essex nun das war, was letztlich zum Ende des Roman am Ufer aufgefunden wird - oder vielleicht doch die Schlange der Verführung, welche in Form von Cora ins Dorf kam und dem Pfarrer den Kopf verdrehte - darüber mag jeder selbst urteilen.
Wer einen episodenhaften Einblick in das damalige, viktorianische England erhalten möchte, wird hier wohl das ein oder andere Interessante für sich entdecken, sei es nun der Fortschritt der Medizin oder der soziale Wohnungsmarkt. Wer einen Roman über eine naturwissenschaftlich interessierte Frau mit gewissem literarischen Tiefgang erwartet sollte seine Erwartungen hingegen nicht allzu hoch ansetzen. Ich hatte derlei Erwartungen - und mir gefiel das Buch nicht.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Bildgewaltiges Fantasy-Epos

Myre – Die Chroniken von Yria. Band 1
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Yria: eine zerklüftete, raue Welt. Eine Welt, welche dereinst vor Leben blühte. Doch heutzutage kann sich keiner der tierähnlichen Bewohner mehr daran erinnern, lediglich Legenden berichten aus einer Ära ...

Yria: eine zerklüftete, raue Welt. Eine Welt, welche dereinst vor Leben blühte. Doch heutzutage kann sich keiner der tierähnlichen Bewohner mehr daran erinnern, lediglich Legenden berichten aus einer Ära der Drachen.
Das Crowdfunding-Projekt „Myre – Die Chroniken von Yria“ bietet eine Bildgewalt, welche sowohl faszinierend wie auch beeindruckend ist. Die Bilder bieten eine derartige Detailtreue, dass die Story ohne viele Worte auskommt. Und dennoch hatte ich in keinem Moment das Gefühl, es würde etwas fehlen. Die Charaktere sind allesamt tierähnlich und bestechen mit einer ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Und inmitten dieser Story erleben wir Myre, welche auf ihrer Drachendame Varug als einsame Wanderin unterwegs ist und deren schicksalhafte Reise hier beginnt. Für Fantasyfans und Anhängern hervorragender Artwork absolut zu empfehlen.

Veröffentlicht am 12.06.2018

Erotisches Spiel einer Karrierefrau

Game - Lust ohne Liebe 01
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Karrierefrau Sayo hat ein Problem - oder vielmehr die Männer haben ein Problem mit ihr: Sie ist ihnen zu sehr mit dem Job liiert, das schreckte bisher jeden Liebhaber ab. Bis der neue Kollege ihr völlig ...

Karrierefrau Sayo hat ein Problem - oder vielmehr die Männer haben ein Problem mit ihr: Sie ist ihnen zu sehr mit dem Job liiert, das schreckte bisher jeden Liebhaber ab. Bis der neue Kollege ihr völlig unverblümt Avancen macht und Sayo sich auf ein erotisch Spiel mit ihm einlässt: Lust ohne Liebe.
Ein sehr ansprechend gezeichneter Manga für Erwachsene, und nicht nur für Frauen. Vor allem durch seine klaren Linien besticht dieser Manga und macht dadurch optisch was her. Die Charaktere selbst wirken noch ein wenig oberflächlich, Sayo mir manchmal etwas zu passiv. Sehr gefällt mir auch, wie Sayos Probleme einer Karrierefrau in Japan dargestellt werden, dort ist eine beruflich erfolgreiche Frau den Männern noch sehr suspekt. Kitsch wird man in diesem Manga vergeblich suchen, dafür mit ein paar sehr schönen erotischen Szenen belohnt.

Veröffentlicht am 10.06.2018

Starkes Thema, schwache Umsetzung

Iron Flowers – Die Rebellinnen
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Die Schwestern Serina und Nomi leben in einer patriarchischen Welt, in welcher der Frau ein Großteil der Rechte aberkannt wurde. Selbst Lesen und Schreiben wurde ihnen verboten. Alle drei Jahre sucht sich ...

Die Schwestern Serina und Nomi leben in einer patriarchischen Welt, in welcher der Frau ein Großteil der Rechte aberkannt wurde. Selbst Lesen und Schreiben wurde ihnen verboten. Alle drei Jahre sucht sich der Regent drei "Graces" aus, junge Frauen, welche er seinem Harem zufügt. Dieses Jahr wird der Thronfolger sich seine ersten drei Haremsdamen aussuchen. Im Gegensatz zu Nomi, welche sich heimlich diesem Frauenbild widersetzt und lesen gelernt hat, wurde Serina seit ihrer Kindheit auf die Wahl zur Grace vorbereitet: Mit weiblichen Rundungen und devotem Verhalten soll sie dem Thronfolger gefallen, Nomi ihr derweil als Zofe dienen. Doch es kommt anders: Der Thronfolger entscheidet sich für die leidenschaftliche Nomi - und die zarte Serina wird auf eine Gefängnisinsel verbannt.
Gleich zu Beginn wird man in eine fremde Welt ohne großes Worldbuilding geworfen. Das Frauenbild, welches gezeichnet wird, ist erschreckend veraltet und gefiel mir gar nicht. Erst recht konnte ich nicht nachvollziehen, dass Serina sich diesem System einfach so fügte und sich freute, Haremsdame zu werden und sich quasi zu prostituieren. Mir völlig unverständlich. Als das Schicksal den Mädchen andere Wege bahnt als geplant bietet sich für beide die Chance, etwas zu verändern. Leider wirkten die Mädchen auch hierbei mehr oder minder unrealistisch in ihrer Entwicklung, manchmal regelrecht naiv. Das ist sehr schade, da es in diesem Buch darum geht, sich gemeinsam zu erheben und für seine Rechte zu kämpfen.
Erzählt wird die Geschichte im Wechsel aus Serinas und Nomis Sicht. Die Story ist in sich nicht abgeschlossen sondern endet nach einer drastischen Wende mit einem Cliffhanger. Da ich bereits in diesem Band erahnen konnte, wie die Story sich entwickeln wird, ist für den Folgeband in erster Linie der Weg von Interesse, weniger das Ziel, welches sich bereits jetzt vermuten lässt.