Reale Begebenheiten
Eigentlich wollte ich das nicht schreibenZunächst: Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. In THE TIDAL YEAE verarbeitete die Autorin den plötzlichen T0d ihres Bruders in einem Memoir, das unerwartet großen Erfolg in der Buchbranche genoss.
Über ...
Zunächst: Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. In THE TIDAL YEAE verarbeitete die Autorin den plötzlichen T0d ihres Bruders in einem Memoir, das unerwartet großen Erfolg in der Buchbranche genoss.
Über diesen Prozess schreibt sie nun:
Trotz des sommerlichen Covers ist der Ausgangspunkt tragisch: nach dem T0d ihrer Schwester schreibt Nola ein Buch über ihren Kummer, wie sie damit umgeht, wobei ihre ganze Familie zwischen den Zeilen eine zunehmend größer werdende Rolle spielt.
Nola ist jemand, der Gefühle und Gedanken nicht offen anspricht, sondern Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Das kann man jetzt so oder so sehen, aber ich finde nicht, dass sie als schwieriger Charakter abgestempelt werden sollte, weil sie nicht einer Normvorstellung entspricht. Dass sie sich eher schriftlich ausdrücken kann, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Und wenn man sich die Familie anschaut, hat sie ein gesundes Miteinander auch nie gelernt.
Ein Familienmitglied erhebt Klage, als es zur Buchverfilmung kommen soll, und nun gilt es herauszufinden, wer dahinter steckt. Und genau das meine: Warum nicht Nola direkt darauf ansprechen? Warum muss immer alles hinter dem Rücken geschehen?
Gerade wegen diesen menschlichen "Schwächen" war der Roman für mich so greifbar und authentisch. Besonders die Schwesternbeziehung hat mir ein bisschen sehr das Herz gebrochen.
Spannend fand ich auch die moralische Frage, wer bei einer solchen Verfilmung/Verschriftlichung Mitspracherecht hat. Natürlich erlebte jeder die Verstorbene anders und ist nun verletzt oder wütend, dass diese eine ganz bestimmte Perspektive an die Öffentlichkeit dringt. Obwohl Erinnerungen nun einmal verzerrt sind und es hier kein richtig oder falsch geben kann und man sich auch ganz sicher intern nicht einig würde. Da denke ich mir auch so ein bisschen, dann schreibt doch eure eigene Denkweise auf oder bringt es als Medium heraus, anstatt Nola für ihre zu kritisieren. Ich glaube, letztlich waren alle einfach nur wahnsinnig verletzt und konnten werder damit umgehen, noch es richtig ausdrücken.
Die Trauerbewältigung hat mir Tränen in die Augen getrieben. All das Ungesagte, all das, was zwischen einem stand und nicht mehr gelöst werden kann. Ich fand es von Nola sehr mutig, den Weg der Verschriftlichung zu gehen, fast schon als Therapieform.
Ich konnte mir auch einige Zitate markieren. Der Stil war teils zugänglich, teils das komplette Gegenteil (zT hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit dem Text), aber genau deswegen hat es mich beschäftigt und zum Nachdenken angeregt. Weil ich letztlich nicht sagen konnte, das ist ein großartiger Roman oder er hätte mir nicht so gut gefallen, sondern stattdessen ein Gefühl zurückgeblieben ist, das in keine Schublade passt, aber mich bewegt hat, und ich glaube, genau das macht es aus und gut.
Beim Lesen sollte man auf jeden Fall Abstand davon nehmen, Figuren und deren Denkweise in eine moralische Schublade sortieren zu wollen, weil Gefallenwollen im klassischen Sinne nicht das ist, was das Buch mMn möchte :)