Endometriose als wichtiges Thema in Romanform
Paradise BeachIn der Gegenwart verarbeitet Ada ihre Endometriose-OP. Während sie heute Zugriff auf Online-Foren und Google hat, hatte sie damals keine Ansprechpartnerin, selbst die Verwandten haben ihre Schmerzen abgetan ...
In der Gegenwart verarbeitet Ada ihre Endometriose-OP. Während sie heute Zugriff auf Online-Foren und Google hat, hatte sie damals keine Ansprechpartnerin, selbst die Verwandten haben ihre Schmerzen abgetan und es wurde nicht darüber gesprochen. Trotzdem fand ich es erschreckend, dass man zwar auf digitale Foren zugreifen kann, diese aber nahezu die einzige Möglichkeit eines Austausches zu sein scheint und das auch nur aus eigener Erfahrung und kaum evidenzbasiert. Hier wirkte Ada auf mich so, als könnte sie das Thema noch nicht so ganz reflektieren. Darum haben mir noch ein paar Fakten, Zahlen und Infos gefehlt. Ich habe bei dem Roman etwas ganz anderes erwartet.
In Flashbacks aus ihrer Jugendzeit werden die ersten Blutungen und Schmerzen beleuchtet. Hier hat mir gefallen, wie sensibel an das Thema herangegangen wurde. Die Flachbacks bilden größten Teil der Geschichte. Es geht um Adas Sommer, unbeständige Freundschaften und wie sich der Körper eines Teenagers verändert, ohne dass dieser wirklich damit umzugehen weiß. Ada wird mit allem allein gelassen, spricht aber auch nichts von sich aus an, weil sie nicht weiß, dass ihre Schmerz nicht normal sind. Der Coming-of-Age Teil hat mir richtig gut gefallen, wenn er auch etwas unabgeschlossen wirkte hinsichtlich der Nebenfiguren.
In der Gegenwart habe ich mir mehr Fokus auf die Krankheit, ihr persönliches Erleben/Empfinden gewünscht, diese Szenen spielen (außer Spaziergängen mit dem Hund) ausschließlich in ihrem Zimmer. Das habe ich irgendwann als Eingesperrtsein im eigenen Körper interpretiert. Ebenso, wie ich den Nachbarn, durch den viel Spannung aufgebaut wurde, als Funktion für ihren Aufbruch betrachtet habe. Stellenweise konnte ich sie nicht nachvollziehen, z. B. als sie beim Nachbarn eingebrochen ist, um sich in Unterwäsche in sein Bett zu legen.
Der Schreibstil passt mMn. perfekt zum Plot: kurz, auf den Punkt gebracht, authentisch, ungeschönt, fast ein bisschen lyrisch.
Das Thema finde ich unheimlich wichtig. Ich bin mir nicht sicher, ob Leserinnen, die sich damit nicht auskennen, die gegebenen Infos reichen, um sich ein Bild zu machen. Und ob Betroffene mehr rausholen als ein "geht mir auch so". Allerdings handelt es sich ja um einen Roman und keinen Ratgeber.
Ich kann gar nicht so recht in Worte fassen, was mir gefehlt hat. Generell mochte ich die Geschichte aber gern und sie ist hängen geblieben. Ich glaube, es liegt eher an meiner Erwartung zum Thema selbst.