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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2020

Toller Auftakt dieser Dark-Fantasy-Reihe

Lichttrinker
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Anders wurde vom Dienst als Polizist suspendiert, seine Frau will die Scheidung. Sein Leben befindet sich in einer deutlichen Abwärtsspirale und er spricht dem Alkohol mehr zu als gut für ihn ist. Als ...

Anders wurde vom Dienst als Polizist suspendiert, seine Frau will die Scheidung. Sein Leben befindet sich in einer deutlichen Abwärtsspirale und er spricht dem Alkohol mehr zu als gut für ihn ist. Als sich das Monster aus den Träumen seiner Tochter dann auch noch als allzu real herausstellt, geht er eine gefährliche Vereinbarung ein: er reist ins vom Licht dominierte Ranulith, um der despotischen Königin Elrojana ihren gut behüteten Besitz zu nehmen.

Die Protagonisten sind alles andere als heldenhaft und gehen nicht unbedingt als gute Vorbilder voran. Sie haben einige Ecken und Kanten, doch ihre mangelnde Perfektion lässt sie authentisch wirken. Grade das macht die Geschichte auch so spannend. Denn Anders ist bereit alles zu riskieren, um seine Tochter zu retten. Auch hinter seinem Gegenspieler, dem sogenannten "schwarzen Mann" steckt mehr als man zunächst vermuten würde.

Der Leser trifft noch auf eine Menge anderer Personen und Handlungsstränge, die alle irgendwie miteinander verwoben sind. Am Ende gibt es zum Glück ein Glossar und ein Personenregister. Dieses ist auch nötig bei der Vielzahl an Namen, Völkern, Begriffen und Orten, die für Verwirrung sorgen können.

Neben den interessanten und tiefgründigen Charakteren, einer absolut komplexen Handlung und einem unglaublichen World-Building sowie einer sehr düsteren und teilweise blutrünstigen Atmosphäre hat mich im Gegensatz dazu auch der Humor überzeugt. Es ist ein toller Auftakt dieser Dark-Fantasy-Reihe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2020

Anders als gedacht, aber nicht weniger gut!

Zwischen dir und der Dunkelheit
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Sera und ihre Freunde Jo(hanna) und Mark veröffentlichen regelmäßig YouTube-Videos über die Mythen und Sagen Bayerns. Diese sind so beliebt, dass sie die Genehmigung erhalten nachts in der Münchener Frauenkirche ...

Sera und ihre Freunde Jo(hanna) und Mark veröffentlichen regelmäßig YouTube-Videos über die Mythen und Sagen Bayerns. Diese sind so beliebt, dass sie die Genehmigung erhalten nachts in der Münchener Frauenkirche drehen zu dürfen. Als sie sich dem sogenannten Teufelstritt nähern beginnt dieser auf mysteriöse Art und Weise zu glühen und ein unerklärlicher Wind geht durch die Kathedrale. Obwohl sie alles aufgenommen haben, glaubt man ihnen nicht und sie werden als Lügner beschimpft. Das geht vor allem Sera sehr nahe und sie befürchtet schon, sich alles nur eingebildet zu haben. Sie war schon immer feinfühlig und hat mehr wahrgenommen und gesehen als andere. Als sie Nachforschungen anstellt, bietet ihr Lily unerwartet Hilfe an.

Man wird direkt in das Geschehen hineingeworfen und es geht dementsprechend aufregend los. Die Geschichte spielt in der Gegenwart, allerdings erlebt Sera auch immer wieder Visionen, in denen sie in den Körper von Margarete schlüpft, die scheinbar im Mittelalter gelebt hat. Grade diese Zeitsprünge/ Perspektivenwechsel halten die Spannung permanent aufrecht. Nach und nach deckt man zusammen mit der Protagonistin die komplexen Zusammenhänge auf und bringt Klarheit ins Dunkel.

Am Anfang handelt Sera ziemlich impulsiv und naiv. Für meine Begriffe lässt sie sich doch ein bisschen zu überstürzt auf ihr völlig fremde Personen ein. Grade wenn man bedenkt, was sie mit denen eigentlich geplant hat, standen mir die Haare zu Berge. Im Verlauf macht sie aber eine ziemlich große Veränderung durch, die mir sehr gut gefallen hat.

Leider bleiben ihre besten Freunde Jo und Mark eher ein wenig im Hintergrund, schade, denn ich mochte die beiden. Mehr im Vordergrund steht Elias, den sie durch Lily kennenlernt. Als sie ihn das erste Mal trifft, scheint es ihr als habe sie ihn schonmal gesehen. Er ist geheimnisvoll und wirkt ständig abwesend.

Interessant fand ich auch die Bezüge zu realen Plätzen in und um München. Den Teufelstritt gibt es tatsächlich, ebenso wie die Sagen, die hier im Buch aufgegriffen werden.

Die Thematik des Buches ist ganz anders als ich erwartet habe, deshalb aber nicht weniger gut. Religion und Glaube spielen eine große Rolle, Gut und Böse, Gott, Engel sowie der Teufel und seine Dämonen. Das ist etwas, worüber ich in dem Umfang bisher noch nichts in einem Jugendbuch gelesen habe. Es war mal was neues, man muss es aber mögen und/ oder sich dafür interessieren. Für mich ist es absolut lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2020

Sehr atmosphärische Geistergeschichte, leider (nicht grundlos) mit enttäuschendem Ende

Mitternacht
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Es gibt einen Ort in den Nebeln, der von Geistern bevölkert ist. Sie führen dort zuzusagen ein zweites Leben nach dem Tod und handeln mit Alpträumen und Geschichten. Der junge Autor Nicholas übertritt ...

Es gibt einen Ort in den Nebeln, der von Geistern bevölkert ist. Sie führen dort zuzusagen ein zweites Leben nach dem Tod und handeln mit Alpträumen und Geschichten. Der junge Autor Nicholas übertritt durch einen Zufall die Grenze zwischen dieser und unserer Welt und wird dabei in Machtkämpfe und Intrigen hineingezogen.

Zwei Aspekte sind hier besonders hervorzuheben: die tollen und liebenswerten, aber manchmal auch ein wenig verschrobenen Charaktere sowie der sehr bildhafte und detaillierte Schreibstil. Ich mochte vor allem Chesterton, der Nicholas unter seine Fittiche nimmt. Szenen mit ihm haben mir immer ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Auch der sogenannte Findelgeist Agatha ist sehr interessant. Sie weiß nicht wirklich, wer sie eigentlich ist, weil sie keinerlei Erinnerung an ihr Leben hat. Aber natürlich war mir auch Nicholas selber sympathisch, auch wenn er ab und zu ein bisschen naiv und unüberlegt handelt.

Mich hat die Story mit ihrem metaphorischen Schreibstil und der düsteren, leicht gruseligen Atmosphäre sofort in ihren Bann gezogen. Wer gerne Geistergeschichten liest, dem wird auch dieses Buch gefallen.

Leider kam das Ende allerdings unerwartet zackig daher. Die letzten Seiten unterscheiden sich vom Rest des Buches wie Tag und Nacht: deutlich kürzere und „abgehacktere“, ja schon fast eher zusammenfassende Kapitel und dementsprechend auch ein völlig anders anmutender Schreibstil. Zuerst war ich etwas enttäuscht, vor allem weil ich auf Anhieb auch nicht alles verstanden habe. Dann habe ich das Nachwort des Autors gelesen. Die Erklärung ist leider traurig und tragisch: 2018 erlitt Christoph Marzi einen schweren Schlaganfall. „Mitternacht“ hat er deshalb nur unter großen Anstrengungen beenden können. Er hat meinen vollen Respekt, dass er es trotzdem geschafft hat die Geschichte von Nicholas, Agatha und Chesterton für uns Leser und wahrscheinlich besonders auch für sich selbst abzuschließen.

Übrigens ist im Nachwort auch die Rede von einem möglichen Folgeband. Vielleicht wird das Ende dort nochmal neu aufgerollt? Zu wünschen wäre es diesem ansonsten überaus überzeugenden Buch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2020

Tagsüber unscheinbare Studentin, nachts schillernde Tänzerin

Hiding Hurricanes
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Lenny führt ein Doppelleben: tagsüber studiert sie an der Fletcher University, verhüllt ihren Körper mit schlabbriger Kleidung, ist eher mürrisch und abweisend. Nachts hingegen verdreht sie den Männern ...

Lenny führt ein Doppelleben: tagsüber studiert sie an der Fletcher University, verhüllt ihren Körper mit schlabbriger Kleidung, ist eher mürrisch und abweisend. Nachts hingegen verdreht sie den Männern als maskierte Tänzerin „Daisy“ in einem Edel-Stripclub den Kopf. Seit Jahren ist sie in ihren besten Freund Creed verliebt. Blöd nur, dass der sich jetzt ausgerechnet in Daisy verguckt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der beiden Protagonisten erzählt, die man bereits aus den Vorgänger-Bänden kennt (die man unabhängig voneinander lesen kann). Ich war mega gespannt auf dieses Buch, weil ich die Charaktere dort gerne mochte und sie mich so neugierig auf sich gemacht hatten. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die beiden es wirklich meisterhaft verstehen sich selber im Weg zu stehen.

Für mich war es faszinierend zu sehen, wie gut und schnell Lenny es geschafft hat sich in Daisy und wieder zurück zu verwandeln. Daisy führt das Leben, das sie sich immer erträumt hat und besitzt Charakterzüge, die sie selber gerne hätte. Sie ist selbstbewusst, schlagfertig, lebt ihre größte Leidenschaft - das Tanzen - aus und wird dafür gefeiert. Denn ohne all das ist sie eben „nur“ Lenny. Und diese schafft es nicht die Aufmerksamkeit von Creed auf sich zu ziehen, denn für den ist sie nur eine Art Kumpel. Als er dann plötzlich immer wieder im „Dolly House“ auftaucht und ihr Alter Ego anhimmelt, gerät ihre Welt ins Wanken. Schließlich will sie ihm nah sein, aber eben als sie selbst.

Creed auf der anderen Seite ist genauso sympathisch wie eh und je. Er tut einem schon fast ein bisschen Leid, wie er von Lenny (unbeabsichtigt) an der Nase herumgeführt wird. Als Leser ist man den beiden natürlich deutlich voraus, man weiß also wie ihre Gefühlswelt aussieht und was in der Vergangenheit passiert ist. Das macht das Ganze irgendwie noch dramatischer und manchmal auch etwas anstrengend, weil die beiden vor lauter Bäumen den Wald einfach nicht sehen.

Die Themen Tanzen, Showtanz und Striptease wurden interessant umgesetzt. Es wirkt nie „billig“, sondern zeigt eher wieviel Training, Arbeit und Leidenschaft dahinter steckt. Auch der Zusammenhalt unter den Mädchen war schön zu sehen, besonders zu erwähnen ist hier ihre Kollegin und Freundin Gigi. Allerdings zeigt sich natürlich auch teilweise Eifersucht und Missgunst. Es wird außerdem erwähnt, dass Lenny Glück hat im „Dolly House“ gelandet zu sein, weil es ein gehobeneres Etablissement ist, der Chef die Mädchen gut behandelt und auf sie Acht gibt. Das ist dementsprechend leider nicht immer der Fall.

Tami Fischer hat mich mit „Hiding Hurricanes“ wieder in ihren Bann gezogen und ich bin gespannt auf weitere Geschichten der Fletcher University.

  • Cover
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Veröffentlicht am 12.10.2020

Beste Dreiecksbeziehung, die ich bisher gelesen habe

Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte
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Rosa und Frank treffen sich in Australien. Beide sind unverhofft alleine zu dieser Reise aufgebrochen und beschließen nun zusammen einen Roadtrip zu machen. Doch dann schließt sich ihnen auch noch David ...

Rosa und Frank treffen sich in Australien. Beide sind unverhofft alleine zu dieser Reise aufgebrochen und beschließen nun zusammen einen Roadtrip zu machen. Doch dann schließt sich ihnen auch noch David an und verändert damit alles, denn drei sind einer zu viel. Oder?

Für mich ist dies die beste Dreiecksbeziehung, die ich bisher beschrieben bekommen habe. Das Buch ist aus allen drei Perspektiven geschrieben, was die Sache besonders spannend gemacht hat. Es herrscht die ganze Zeit ein ganz spezielles Feeling. Die Jugendlichen haben Urlaub, es ist Sommer, sie reisen durch ein riesiges und faszinierendes Land. Sie sind räumlich frei, aber eben nicht emotional. Sie wollen einander nicht verletzen, aber dennoch sind sie hin- und hergerissen zwischen Freundschaft, Leidenschaft und prickelnden Gefühlen, die nicht unbedingt nur einer Person gelten.

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