Konnte mich überzeugen
Hanna braucht dringend eine Pause. Als sie nach einem Ohnmachtsunfall aus dem Krankenhaus entlassen wird, steht auf dem Arztbrief als Diagnose "Panikattacke". Abgeholt wird sie von ihren Eltern, die sie ...
Hanna braucht dringend eine Pause. Als sie nach einem Ohnmachtsunfall aus dem Krankenhaus entlassen wird, steht auf dem Arztbrief als Diagnose "Panikattacke". Abgeholt wird sie von ihren Eltern, die sie direkt mit ins Elternhaus nehmen. Eigentlich möchte Hanna so schnell wie möglich zurück nach Berlin, doch als sie feststellt, dass sie bei ihrer Arbeit aus dem Projekt gekickt wurde und ihr Freund Paul keine Zeit hat, sie abzuholen, beschließt sie widerwillig und gezwungenermaßen ein paar Tage in ihrem Heimatort zu verbringen.
Selbst wenn Hanna es sich selbst nicht eingestehen möchte, erkennt man als Leser sehr schnell, wie es zu Hannas Zusammenbruch kam. Sie selbst ist sehr gut darin, vor den Tatsachen die Augen zu verschließen. Statt sich mit der bedrückenden Vergangenheit auseinanderzusetzen, vergräbt sie sich in ihrer Arbeit und schiebt ihre Gefühle beiseite. Welche Schatten in ihrer Vergangenheit liegen, lassen sich durch leichte Bemerkungen anfangs nur erahnen. Mit ihrer Ankunft im Elternhaus wird jedenfalls klar, dass es in der Familie Gang und Gebe ist, Emotionen nicht anzusprechen. Die Mutter redet zwar viel, nicht jedoch über ihre Gefühle. Die Probleme stehen wie der unsichtbare Elefant im Raum, um den jeder einen großen Bogen macht. Hanna kann man ihr Verhalten also nicht wirklich vorwerfen. Sie ist der Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt, aber unter diesem Verhalten sehr leidet. Schritt für Schritt kämpft sie sich zurück und auch wenn ich mir mit ihren Verhalten nicht immer leicht getan habe, war es interessant ihre Charakterentwicklung zu verfolgen. Die Nebencharaktere wie ihre Schwester Sara, ihre Freundin Blanka sowie die Arbeitskollegin bleiben leider recht blass und hätten gerne mehr Raum einnehmen können. Ansonsten zeichnet sich der Roman durch einen flotten, ansprechende Schreibstil und sympathische Figuren aus. Mich konnte der Roman jedenfalls mitreißen, zum Schmunzeln und zum Mitfühlen bewegen, weshalb ich gerne fünf Sterne vergebe.