Unersetzlich…
Pina fällt aus…ist Pina im Leben ihres autistischen Sohnes Leo. Sie sorgt dafür, dass sein Alltag organisiert wird und kämpft unermüdlich für seine Inklusion und Akzeptanz in der Gesellschaft. So kommt es ...
…ist Pina im Leben ihres autistischen Sohnes Leo. Sie sorgt dafür, dass sein Alltag organisiert wird und kämpft unermüdlich für seine Inklusion und Akzeptanz in der Gesellschaft. So kommt es einer kleinen Katastrophe gleich, als Pina eines Tages zusammenbricht und für Wochen ins Krankenhaus muss. Was soll nun mit Leo geschehen? Keiner scheint sich so richtig verantwortlich zu fühlen und so sind es plötzlich die Nachbarn, die sich um Leo kümmern müssen. Die 86-jährige Inge, das rebellierende Teenagermädchen Zola und der zurückgezogen lebende Wojtek sind jedoch auch alle auf ihre Art „komische Vögel“ und müssen erst langsam zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Am Ende wachsen aber alle bei der Bewältigung der Aufgabe über sich hinaus und es zeigt sich, dass jeder einen wertvollen Beitrag zu einer Gemeinschaft beitragen kann - so anders er/sie auch sein und denken mag! Ein Appell für Diversität und Inklusion!
UNERSETZLICH finde ich es aufgrund dieser wichtigen Botschaft somit auch, diesen wunderbaren Roman zu lesen. Nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich stellt die Autorin ihr Feingefühl an den Tag und schildert sensibel die alltäglichen Herausforderungen, mit denen Betroffene im Umgang mit Behinderten konfrontiert sind. Trotz all der Belastungen strahlt das Buch dennoch Optimismus aus, denn die Figuren haben eine optimistische Willenskraft und beweisen Durchhaltevermögen ohne dabei verbissen und verzweifelt zu agieren. All das und besonders auch die herzergreifende Beziehung zwischen Mutter und Sohn haben mich sehr berührt und mir das Buch ans Herz wachsen lassen.
Die Charaktere habe ich im Laufe der Handlung richtig lieb gewonnen, da sie alle ihre eigenen Marotten haben und von der Autorin differenziert und realistisch dargestellt werden. Die Figuren bleiben nicht flach und durchlaufen einen individuellen Entwicklungsprozess, wobei besonders Zola in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Die Wahrnehmung dieser Figur hat sich bei mir während der Lektüre ganz besonders verändert. Dadurch, dass die Kapitel aus wechselnden Perspektiven geschrieben sind, lernt man die Protagonisten in der Innen- und Außensicht kennen und kann sich ein umfassendes Bild von ihnen machen.
Die positiven Durchhalteparolen dieses Romans habe ich als bestärkend empfunden. Scheinbar beiläufig streut Vera Zischke so viele ermutigende Lebensweisheiten ein und einiges muss man auch zwischen den Zeilen herauslesen. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen, auch das scheinbar Alltägliche und Normale wert schätzen und sich an Kleinigkeiten erfreuen - sei es „nur“ ein warmer Kaffee oder die Vorfreude auf die Abendserie. Was aber überhaupt „normal“ ist stellt die Autorin durch Pinas und Leos Schicksal ja auch immer wieder in Frage und sie zeigt am Ende, dass man nicht den Konventionen entsprechen muss und sich Träume verwirklichen lassen, wenn man den Mut hat alternative Weltbetrachtungen zuzulassen.
„Pina fällt aus“ ist also wirklich ein Buch für Herz und Hirn! Es hat nicht nur eine wichtige Botschaft, sondern punktet auch mit einer feinfühligen, sensiblen Sprache, liebenswerten und skurrilen Charakteren sowie herzergreifenden Szenen. Dabei vergisst die Autorin aber auch nie ein Augenzwinkern oder den nötigen Galgenhumor, den es wahrscheinlich braucht, um so manche heikle Situation zu „wuppen“. Eine UNERSETZLICHE Lektüre wie ich finde.