Kreuz und queer der Gefühle
RestsommerDer Lesesommer beginnt mit „Restsommer“! Das Buch ist eine gute, kurzweilige Urlaubslektüre, die mit ihrem „Kreuz und Queer“ der Gefühle vor allem jüngere LeserInnen ansprechen dürfte. Es ist ...
Der Lesesommer beginnt mit „Restsommer“! Das Buch ist eine gute, kurzweilige Urlaubslektüre, die mit ihrem „Kreuz und Queer“ der Gefühle vor allem jüngere LeserInnen ansprechen dürfte. Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die an Romane wie „Tschick“, „Der Fänger im Roggen“ oder „Hard Land“ erinnert und Identifikationspotential für Jugendliche bietet, die selbst in der verwirrenden und emotionalen Findungsphase der Pubertät stecken.
Protagonist und Ich-Erzähler ist der 15-jährige Dominik, Sohn des örtlichen Bestatters. Beizeiten hilft er dort im Institut mit, das er später einmal übernehmen soll, führt ansonsten aber ein normales Teenagerleben mit kleinen Partys, Bandproben und Freibadnachmittagen. Kurz vor den Sommerferien kommt jedoch jemand Neues in Dominiks Klasse: Benjamin, Spitzname Biff, aus Berlin, ist ganz anders als alle anderen Jugendlichen aus dem Dorf - unangepasst, wild und selbstbewusst. Dominik fühlt sich zu Biffs aufregendem Leben hingezogen und das „Kreuz und Queer“ der Gefühle startet… Dominik ist verwirrt von dem, was er empfindet, es entwickeln sich eine Reihe von Konflikten und am Ende löst sich alles mit einem großen Knall.
Diese queere Coming-of-Age-Geschichte hatte für mich ihre Stärken und Schwächen. Es ist auf jeden Fall ein gut und flüssig geschriebenes Buch, das sich entspannt auch von Jugendlichen lesen lässt. Da in Alltagssprache aus Dominiks Perspektive erzählt wird, dürfte der Roman ein hohes Identifikationspotential für sie bieten. Auch das „Sommerferiengefühl“ wird durch typische Elemente (z.B. Freibad, letzte Schulwochen, Wetterlage etc.) gut rübergebracht und erinnert dabei an andere „Klassiker“ der Sommerliteratur wie „22 Bahnen“ oder „Der Markisenmann“. Trotz dieser Anleihen wirkt „Restsommer“ aber auch nicht wie ein bloßer Abklatsch davon, sondern wartet mit neuen Ideen auf z.B. dem ungewöhnlichen Setting des Beerdigungsinstituts.
Das Buch spielt 2003, was für „ältere“ LeserInnen wie mich selbst die Jugendzeit war und ich fand es anfangs klasse, wie die Autorin das damalige Lebensgefühl authentisch beschrieben hat (z.B. durch die Erwähnung bestimmter Musik oder von ICQ). Leider wird dies aber nicht bis zum Ende durchgehalten und ich fand es beispielsweise nicht stimmig, dass Dominik so oft das Handy benutzt, denn das war damals noch nicht so schnell zur Hand wie heutzutage.
Auch weniger gefallen haben mir die expliziteren Liebesszenen gegen Ende des Buches. Andere Romane im Bereich Young Adult/New Romance mögen da vielleicht heftiger sein, trotzdem hätte es das nach meinem Geschmack nicht gebraucht. Insgesamt war das Ende sowieso schwächer als der Rest des Romans, da gerade das Finale überzogen und zu konstruiert wirkt. Einerseits passiert zu viel unwahrscheinliches Drama auf einmal, andererseits tritt die Handlung dann aber auch seitenweise wieder auf der Stelle und es kommt nicht voran. Nach dem besagten „großen Knall“ hätte „Restsommer“ gut und gerne 50 Seiten kürzer sein können.
Zu wenig Entwicklung habe ich auch bezüglich der Nebenfiguren wahrgenommen, die mehr Tiefe hätten haben dürfen. So bleiben sie recht blass und der Roman verschenkt differenziertere Perspektiven auf Dominiks Gefühlschaos.
Im Großen und Ganzen ist „Restsommer“ so zwar kein komplizierteres Buch mit tiefgreifenden Zwischentönen, aber ein gefühlvoller (Jugend-) Roman, der gut das jugendliche Freiheitsgefühl der Sommerferien einfängt und daher eine empfehlenswerte Urlaubslektüre für Zwischendurch ist.