Cover-Bild Paradise Beach
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Eichborn
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 30.03.2026
  • ISBN: 9783847902379
Dara Brexendorf

Paradise Beach

Roman
Ada schläft kaum noch, seit sie nach ihrer Endometriose-OP Medikamente nimmt. Sie lauscht den Geräuschen ihres Wohnhauses und erinnert sich zurück: an den Sommer ihrer Jugend, den sie zusammen mit ihrer Cousine Lill in ihrer Heimat an der Ostseeküste verbringt. Die Tage sind bestimmt vom Perfektionieren des eigenen Körpers und der Begegnung mit Elja, die Adas Welt ins Wanken bringt. Doch mitten in diesem Jahrhundertsommer 2003 beginnt ein Schmerz, und mit ihm das Schweigen, das Ada zunehmend von ihrer Außenwelt trennt.
Ein berührender Coming-of-Age-Roman über die Erinnerung an einen flirrenden Sommer, der bis in die Gegenwart wirkt.
»Paradise Beach ist voller Körper. Dara Brexendorf zeigt sie aufrichtig in ihren kleinen wie großen Versehrtheiten. Poetisch-klangvoll begegnet Paradise Beach einer systemischen Sprachlosigkeit für weiblichen Schmerz und so wird der Text nicht nur zu einem literarischen Geschenk.« Paulina Czienskowski

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2026

Leicht zugängliche Leidensgeschichte

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Ada kann nicht schlafen, wie so oft. Um 03:14 hört sie ein Klirren über ihrer Etage, gefolgt von einem Schrei. Um 03:17 ruft sie die Polizei. Die Polizistin wirkt freundlich, fragt sie nach dem Grund ihres ...

Ada kann nicht schlafen, wie so oft. Um 03:14 hört sie ein Klirren über ihrer Etage, gefolgt von einem Schrei. Um 03:17 ruft sie die Polizei. Die Polizistin wirkt freundlich, fragt sie nach dem Grund ihres Anrufs. Sie muss alles dokumentieren und hält Adas Worte auf einem Notizzettel fest. Dann geht sie. Ada schaut aus dem Fenster und sieht die Polizisten mit dem Typen sprechen, der über ihr wohnt. Er steht vor dem Krankenwagen und gestikuliert aufgeregt. Sein linker Arm ist bandagiert. Er trägt schwarze Skinny-Jeans und braune Mokassins. Auf seinem weißen Shirt ist Blut.

Ada denkt an Oma Ylvi. Kurz bevor Ylvi stürzt, feiert Ada ihren elften Geburtstag. Ylvi bricht sich den Oberschenkelhals und verliert ein paar Zähne. Adas Mama Mo will Ylvi bei ihnen aufnehmen, aber das will Adas Vater nicht. Also ziehen Mo und Ada zu Ylvi, als sie aus dem Krankenhaus zurückkommt. Vormittags kommt der Pflegedienst, wäscht Ylvi und geht ihr zur Hand. Am Nachmittag kocht Mo und verhindert Stürze. Dazwischen sitzt Ada bei Ylvi und schneidet Grimassen mit ihr.

Ihre Cousine Lill wohnt gleich nebenan. Sie ist ein Jahr älter als Ada und viel cooler. Während Ada noch mit Ylvis Baumwollnachthemden durchs Haus tobt, trägt Lill schon enge Jeans und bauchfreie Tops. Zwei Jahre später lernt Ada Elja kennen, die mit ihrer Familie Ferien macht. Es ist die Zeit, in der Ada zum ersten Mal eine Verschiebung in ihrem Körper spürt und danach ist nichts mehr wie vorher.

Fazit: Dara Brexendorf, freie Autorin und Literaturvermittlerin, hat in ihrem Debüt das Thema Endometriose verhandelt. Ihre Protagonistin ist Anfang dreißig als eine fähige Gynäkologin Endometriose diagnostiziert. Ada wird operiert und frühzeitig in die Menopause katapultiert. Während ihrer Krankschreibung rekonstruiert sie die Anfänge ihrer Krankheit, wie sie ihr die Leichtigkeit der Jugend nahm und wie sie ihre erste große Liebe verpasste. Sie ist dreizehn, als ihr Zyklus aktiv wird. Vier Wochen später blutet sie sehr stark und hat heftige Krämpfe. Sie glaubt damit klarkommen zu müssen, weil doch alle Frauen irgendwie damit klarkommen. Man spricht schlicht nicht über Monatsblutungen. Die Geschichte zeigt deutlich den spürbaren Leidensdruck. Auch wenn Ada ein feines Gespür für andere entwickelt, kreist sie gedanklich um sich selbst. Die Krankheit hindert sie daran, sich tiefer auf Menschen einzulassen. Dara Brexendorf ist eine überaus gute Erzählerin. Alles ist unaufgeregt und ruhig. Melancholie prägt die Grundstimmung. Sie erzählt konsequent im Präsens auch die Rückblicke, das ist am Anfang etwas verwirrend, stört dann aber nicht weiter. Die Figuren sind fein ausgearbeitet, so dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Die Autorin hat ein Tabuthema entstigmatisiert, ein Frauenleiden an die Oberfläche geholt und das scheint mir wichtig. Eine leicht zugängliche Leidensgeschichte ohne großen Druck, verständlich gemacht.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Zwischen Schmerz und Schweigen

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Schnell werden wir in eine Situation hineingeworfen, die wirkt wie der Beginn eines geheimnisumwobenen Krimis. Doch so schnell wir als Leser:innen in Adas schlaflose Nacht hineinkatapultiert werden, so ...

Schnell werden wir in eine Situation hineingeworfen, die wirkt wie der Beginn eines geheimnisumwobenen Krimis. Doch so schnell wir als Leser:innen in Adas schlaflose Nacht hineinkatapultiert werden, so schnell tauchen wir auch ein in eine Vergangenheit, die die Protagonistin erst jetzt selbst wieder einholt.

Im ersten Drittel des buches entstanden für mich viele Fragen; Fragen nach der Bedeutung des Nachbarn, der Art und Weise, wie Ada lebt, dem Zusammenhang der Erinnerung - später dem Hund, von Elja. Im zweiten Drittel erinnerte mich der Erzählstil von Dara Brexendorf sehr an "Den Geschmack von Apfelkernen" von Katharina Hagena, nur ohne die fortlaufende aktuelle Handlung. Die Erzählung wirkte auf mich lange unstimmig, unzusammenhängend, unklar. Ich habe lange nach dem roten Faden gesucht, nach einer aktuellen Handlung, abseits der Erinnerungsfetzen, die zwar nicht unchronologisch, aber auf eine Art unsystematisch wirkten. Doch all das löste sich für mich im letzten Drittel. Wo plötzlich deutlich wurde, dass genau das Adas Weg nach Ihrer Endometriose-OP war. Ein sich zurecht finden in einer für sie neuen Welt, in der auch ihr die Bedeutung von vielem nicht klar war. Wo die Gegenwart wenig bestimmt war von dem Außen, welches wir mitbekommen (dem Räusperer, dem Hund, dem Alltag, ...), sondern vielmehr von dem Inneren. Dem Erinnern, der Verbindung vom damaligen Schmerz und dem damaligen Schweigen hin zur heutigen Ada - oder Andra?
Ich habe nie wirklich eine Verbindung zu Ada als Protagonistin aufgebaut, aber am Ende hatte ich den Eindruck, dass das genau so sein sollte und dass ich es mir auch nicht anders gewünscht hätte. Denn den Schmerz und das Schweigen - das ist vielen von uns Frauen bekannt. 66% von uns kämpfen einmal im Monat mit leichten bis schweren Menstruationsbeschwerden. Einige (oder viele?) von uns reden nicht offen darüber, wie es uns damit geht, wie sich etwas in uns zusammenzieht, wie wir versuchen, sie mit Disziplin oder Schmerzmitteln zu unterdrücken. Es ist (noch!) nicht vollständig sichtbar, obwohl es doch für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung Alltag bedeutet. Ich muss Ada nicht symphatisch finden oder mich in ihr sehen oder mich durch die geschriebenen Worte in ihren Schmerz hineinversetzen. Ich verstehe sie auch so. Im Gegenteil, diese Distanziertheit lässt mich eine andere Art Vertrautheit spüren, die sagt: "Ich weiß, was du fühlst. Ich kenne das auch."

Deshalb passt für mich die Erzählform, die zumindest in der Rahmenerzählung aufgrund der vielen Leerstellen unzuverlässig oder zumindest entrückt scheint, zum Plot. Ada scheint selbst in dieser Post-OP-Phase entrückt zu sein, mehr in der Vergangenheit und in ihrem inneren Aushandeln denn bewusst im Alltag, was sich jedoch auf den letzten Seiten u.a. durch die Browserchronik auflöst und zu einem stimmigen Abschluss findet, ohne viel zu erklären.
Klare Leseempfehlung für alle. Und ja, für alle - auch Männer. Denn Frauen*gesundheit geht uns alle an und in welcher Form können wir besser ins Nachdenken und Reflektieren geraten als durch Literatur (außer vielleicht Kabarett und Satire)?

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Zarter und doch einprägsamer Feminismus

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Ich freue mich immer sehr, wenn Themen, die "nur" Frauen* betreffen, mehr Sichtbarkeit bekommen - in diesem Roman war die Endometriose das Zentrum und gleichzeitig der Katalysator für ein Gesamtbild an ...

Ich freue mich immer sehr, wenn Themen, die "nur" Frauen* betreffen, mehr Sichtbarkeit bekommen - in diesem Roman war die Endometriose das Zentrum und gleichzeitig der Katalysator für ein Gesamtbild an "Symptomen", mit denen Mädchen und Frauen sich tagtäglich auseinandersetzen müssen und die sie stillschweigend ertragen, weil ihnen Scham dafür beigebracht wird.
Wir begleiten Protagonistin Ada kurz nach einer OP, von der sie sich Erinnerungen an ihre Teenagerzeit durchlebend erholt. Wir erfahren so gewissermaßen, "wie alles begann", in dem Sommer ihrer ersten Periode, und gleichzeitig, wie Adas aktuelle Lebensrealität aussieht. Unterschiedliche Nebenfiguren beeinflussen dabei ihr Erleben und ihr Handeln - andere Mädchen, die ebenfalls mit ihrer Rolle und den Erwartungen an sie kämpfen, erwachsene Frauen, die ihre schützende und leitende Position nicht ausfüllen können, und auch übergriffige, diskriminierende Männer. Was die Frauen alle vereint, ist ihr Schweigen - über den Schmerz, die Fragen, die Angst.
Das war für mich auch das Einprägsamste an diesem Roman: Wie gut diese gesamtgesellschaftliche Form des Kleinhaltens funktioniert, weil Frauen nicht erlaubt wird, sich zu verbünden, sondern ihnen für ganz normales Erleben so viel Scham eingeredet wird, dass sie nicht darüber sprechen.
Wer hier einen Ratgeber oder ein aufklärendes Sachbuch über Endometriose erwartet, ist an der falschen Stelle; dieses Buch ist so viel mehr. Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Sehr schmerzhafte und emotionale Geschichte

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In der Geschichte geht es um Ada. Sie hat gerade eine Endometriose-OP hinter sich und ihr rauben die Medikamente den Schlaf. Also lauscht sie den Geräuschen in ihrem Haus und verliert sich in alten Fotos ...

In der Geschichte geht es um Ada. Sie hat gerade eine Endometriose-OP hinter sich und ihr rauben die Medikamente den Schlaf. Also lauscht sie den Geräuschen in ihrem Haus und verliert sich in alten Fotos und Erinnerungen. Sie taucht ein in den Sommer 2003, wo sie mit ihrer Cousine Lill im Haus ihrer Großmutter an der Ostsee war. Dort hat sie Elja kennengelernt, in die sie heimlich verliebt war und auch ihre Endometriose ist zu dieser Zeit aufgetreten und geblieben, jedoch wusste sie lange nicht, dass die starken Schmerzen eine ernsthafte Erkrankung sind und es hat ein jahrelanger Leidensweg begonnen.

Ich fand, dass die Geschichte sehr schmerzhaft und emotional war. Die Krankheit Endometriose wird zwar weniger erwähnt, als ihn eigentlich erwartet hätte, weil es das Thema der Geschichte ist. Aber die Geschichte war trotzdem für mich sehr emotional und auch schmerzhaft, weil ich richtig mitfühlen konnte, wie Ada jahrelang darunter leidet. Für mich bräuchte es noch mehr Geschichten zu diesem Thema. Von mir gibt es sehr gerne 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung, weil mich die Geschichte nicht mehr losgelassen hat und ich mich auch noch lange an diese Geschichte erinnern werde.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Eine literarische Verarbeitung von Endometriose

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„Paradise Beach“ ist ein Roman von Dara Brexendorf. Ada liegt nach einer Endometriose-Operation in ihrer Wohnung. Sie erholt sich, leidet unter den Nebenwirkungen des Endometriose-Medikaments und hört ...

„Paradise Beach“ ist ein Roman von Dara Brexendorf. Ada liegt nach einer Endometriose-Operation in ihrer Wohnung. Sie erholt sich, leidet unter den Nebenwirkungen des Endometriose-Medikaments und hört was im Haus so vor sich geht. Außerdem wandern ihre Gedanken zurück in ihre Jugend, als sie damals im Sommerurlaub am Strand waren…
4.5 ⭐️ Eine berührende Geschichte mit einer leisen, eindrücklichen und melancholischen Atmosphäre. Das Thema Endometriose zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte (es ist eine literarische Repräsentation, bitte keinen Ratgeber/Informationsmaterial erwarten) und ich finde es super, das dieses wichtige Thema hier Raum bekommt. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Im Jetzt hält Ada sich primär in ihrer Wohnung auf, neben den Ereignissen im Haus gibt es wenig konkrete Handlung und es geht vor allem um Adas Gedanken und innere Prozesse. Die zweite Zeitebene im Coming of Age Stil führt an den Ostseestrand. Im damaligen Sommer geht es um Themen wie Freundschaft, Liebe, den Körper und Beginn der Symptome und wie allein Ada damit ist. Die Grenzen zwischen dem Jetzt und den Erinnerungen verfließen, das Erzähltempo ist gemächlich. Ich kann mir vorstellen, dass der besondere und mitunter etwas skurrile Stil des Buchs nicht jedem gefällt - ich mochte es aber sehr gerne. Eine leise Geschichte mit einem wichtigen Thema, die nachklingt.

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