Zarter und doch einprägsamer Feminismus
Paradise BeachIch freue mich immer sehr, wenn Themen, die "nur" Frauen* betreffen, mehr Sichtbarkeit bekommen - in diesem Roman war die Endometriose das Zentrum und gleichzeitig der Katalysator für ein Gesamtbild an ...
Ich freue mich immer sehr, wenn Themen, die "nur" Frauen* betreffen, mehr Sichtbarkeit bekommen - in diesem Roman war die Endometriose das Zentrum und gleichzeitig der Katalysator für ein Gesamtbild an "Symptomen", mit denen Mädchen und Frauen sich tagtäglich auseinandersetzen müssen und die sie stillschweigend ertragen, weil ihnen Scham dafür beigebracht wird.
Wir begleiten Protagonistin Ada kurz nach einer OP, von der sie sich Erinnerungen an ihre Teenagerzeit durchlebend erholt. Wir erfahren so gewissermaßen, "wie alles begann", in dem Sommer ihrer ersten Periode, und gleichzeitig, wie Adas aktuelle Lebensrealität aussieht. Unterschiedliche Nebenfiguren beeinflussen dabei ihr Erleben und ihr Handeln - andere Mädchen, die ebenfalls mit ihrer Rolle und den Erwartungen an sie kämpfen, erwachsene Frauen, die ihre schützende und leitende Position nicht ausfüllen können, und auch übergriffige, diskriminierende Männer. Was die Frauen alle vereint, ist ihr Schweigen - über den Schmerz, die Fragen, die Angst.
Das war für mich auch das Einprägsamste an diesem Roman: Wie gut diese gesamtgesellschaftliche Form des Kleinhaltens funktioniert, weil Frauen nicht erlaubt wird, sich zu verbünden, sondern ihnen für ganz normales Erleben so viel Scham eingeredet wird, dass sie nicht darüber sprechen.
Wer hier einen Ratgeber oder ein aufklärendes Sachbuch über Endometriose erwartet, ist an der falschen Stelle; dieses Buch ist so viel mehr. Klare Empfehlung!