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Veröffentlicht am 21.04.2025

Starke und tiefsinnige Story, anschauliche und menschliche Charaktere, schöne Location - Top-Zutaten für ein Top-Buch

Ein Fall für Bianca Rossi / Espresso mit Schuss
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Bianca Rossi ist eine eigenwillige, selbstbewußte, aber auch liebenswerte Carabiniera am Gardasee. Als sie zu einem Todesfall in einer bekannten Kaffee-Firma gerufen wird, überschlagen sich bald die Ereignisse. ...

Bianca Rossi ist eine eigenwillige, selbstbewußte, aber auch liebenswerte Carabiniera am Gardasee. Als sie zu einem Todesfall in einer bekannten Kaffee-Firma gerufen wird, überschlagen sich bald die Ereignisse. Schnell stellt sich heraus, dass die Juniorchefin des Unternehmens keines natürlichen Todes gestorben ist. Auch die Schuldfrage scheint schnell geklärt, denn die Tote hatte sich scheinbar aus mehreren Gründen mit ihrem Vater, dem Seniorchef der Kaffee-Firma überworfen. Nach und nach kommen aber immer mehr Ungereimtheiten ans Licht und die Liste der Verdächtigen, sowie ihrer möglichen Motive wird länger und länger.

Als Bianca Rossi dann auch noch selbst in Gefahr durch ihren gewalttätigen Ex-Partner gerät, spitzt sich die Geschichte immer weiter zu. Was ist wirklich mit der Kaffee-Dynastie-Erbin geschehen und ist die Ermittlerin selbst in größerer Gefahr, als sie für möglich hält? Hat sie trotz der großen emotionalen Belastung noch den Durchblick...?

Der Autorin Heidi Troi ist mit "Espresso mit Schuss" wieder einmal ein Spitzenkrimi mit sehr viel Lokalkolorit gelungen, der nicht nur spannend und mitreissend daherkommt, sondern sich auch einem schwierigen Thema widmet. Gewalt in Beziehungen wird noch immer viel zu oft totgeschwiegen und die Widersprüche, die die Autorin in diesem Buch selbst eine so toughe Polizistin wie die Hauptfigur durchleben läßt, sind oftmals an der Tagesordnung. Ein solch schwieriges und sensibles Thema in einen spannenden Krimi zu verpacken ist ein Meisterstück - deshalb absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Eine emotionale Reise in die eigene Vergangenheit

Der irische Fremde
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Mary ist gebürtige Irin, lebt aber seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Tante in Frankfurt. Sie ist erfolgreiche Reisejournalistin, aber nicht in der Lage ernsthafte Beziehungen oder nur Freundschaften ...

Mary ist gebürtige Irin, lebt aber seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Tante in Frankfurt. Sie ist erfolgreiche Reisejournalistin, aber nicht in der Lage ernsthafte Beziehungen oder nur Freundschaften zu pflegen. Der Grund dafür liegt in ihrer Kindheit, denn sie hat den Tod der Eltern praktisch hautnah miterlebt. Sie war zugegen als das Hotel der Familie niederbrannte und hat in dem Inferno die Leichen der Eltern gesehen. Dieses traumatische Erlebnis hat sie allerdings scheinbar nie wirklich verarbeitet - zumindest erinnert sie sich nur noch diffus und ungenau an diese Zeit zurück.

Jetzt - 25 Jahre später - sorgt eine zufällige Begegnung dafür, dass Mary das alte Trauma aufarbeiten und die Wahrheit darüber erfahren will, was damals wirklich geschehen ist. Sie ist sich sicher - etwas stimmt an der offiziellen Version eines Unfalls durch austretendes Gas nicht. Mary reist nach Irland - an den Ort ihrer Vergangenheit, wo sich die Unklarheiten nach großem Hin und Her und so mancher überraschenden Wendung zunächst turmhoch auftürmen, ehe sie sich schließlich auflösen sollen. Was ist damals wirklich passiert - eine hochspannende Reise, die Mary an ihrem eigenen Verstand zweifeln lassen und sie an die Grenze des zumutbaren bringen wird, beginnt.

"Der irische Fremde" von Matthias Moor ist ein hochspannender Krimi mit einigen Thriller-Elementen, der die Lebensgeschichte einer bereits im Kindesalter traumatisierten Frau als Aufhänger für eine äußerst verworrene Geschichte nimmt. Geschickt spielt der Autor mit den Perspektiven, lässt seinen Hauptcharakter zweifeln und teilweise verzweifeln. Ein sehr lesenswertes Buch mit einer besonderen, außergewöhnlichen Storyline, die es so nur selten gibt.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Eine ungleiche Gruppe von Vogelfreunden ermittelt

Schräge Vögel – SOKO Neuntöter
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Es ist schon eine ungewöhnliche Truppe, die sich da seit einiger Zeit immer sonntags zum Sonnenaufgang auf einem Beobachtungsturm im Grabenstätter Moos am Chiemsee trifft. Harald, Katja, Thilo, Sabine ...

Es ist schon eine ungewöhnliche Truppe, die sich da seit einiger Zeit immer sonntags zum Sonnenaufgang auf einem Beobachtungsturm im Grabenstätter Moos am Chiemsee trifft. Harald, Katja, Thilo, Sabine und Frank könnten verschiedener nicht sein - zwischen 21 und 73 Jahre alt, in völlig unterschiedlichen Berufs- und Lebensphasen, eint die Gruppe aber eines - die Leidenschaft für die Vogelbeobachtung, bei der sie allesamt Ruhe und Entspannung vom Streß der Woche finden.
Die Fünf kennen sich nur oberflächlich, aber als eines sonntags mit Frank ausgerechnet einer der Vogelfreunde vom Rest der Truppe tot in unmittelbarer Nähe des Beobachtunsturmes gefunden wird, denken alle sofort an eine unnatürliche Todesursache - außer der herbeigerufenen Polizei, die das Ganze für einen Unfall hält. Die vier verbliebenen "schrägen Vögel" rücken zusammen, beginnen selbst zu ermitteln und stoßen schon bald auf Ungereimtheiten und einige dringend Verdächtige aus dem Umfeld des Toten - Teamwork ist nun gefragt, und das obwohl jeder einzelne aus der Gruppe seine ganz eigenen Probleme mit sich herumträgt.
Mit "Schräge Vögel - SOKO Neuntöter" hat die Autorin Anna Täuber einen netten, humorvollen Krimi mit sehr sympathischen Charakteren und einer außergewöhnlicher Handlung vorgelegt. Auch der Faktor Lokalkolorit kommt nicht zu kurz und macht das "Geschehen" noch authentischer. Ein schöner Wohlfühlkrimi, der einige Längen aufweist, was bei Auftaktbänden zu Reihen jedoch völlig normal ist, da die Vorstellung der Charaktere in der Regel die eine oder andere Zeile mehr benötigt. Insgesamt ein guter Cosy Crime, der Lust auf die Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Äußerst detailierte Darstellung eines schwierigen Themenkomplexes

Iran – Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät
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Der bekannte deutsch-iranische Politologe Ali Fathollah-Nejad hat sich mit seinem Buch "Iran - Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät" offensichtlich zum Ziel gesetzt, den Lesern die aktuelle ...

Der bekannte deutsch-iranische Politologe Ali Fathollah-Nejad hat sich mit seinem Buch "Iran - Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät" offensichtlich zum Ziel gesetzt, den Lesern die aktuelle Entwicklung der innen- und außenpolitischen Situation in der Islamischen Republik Iran nahezubringen.
Er legt dazu äußerst detailiert - fast schon minutiös - dar, wie sich die Lage im Iran in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie die politischen und religiösen Anführer in diesem Land das eigene Programm immer wieder verbiegen um das eigene politische System zu legitimieren und zu erhalten. Dazu gehört unter anderem die massive Unterstützung von Staaten, Institutionen und Gruppen in anderen Ländern, die für den Iran und seine Ideen eine Art "Stellvertreter-Krieg" gegen "den Westen" allgemein, und die USA und vor allem Israel im Besonderen führen. Dabei ist der Iran stets darauf bedacht, selbst nicht als direkter Akteur zu offensichtlich in Erscheinung zu treten um die entsprechenden Reaktionen des "Westens" - sprich: direkte Angriffe - nicht selbst zu spüren zu bekommen.
Ali Fathollah-Nejad zeigt in diesem Buch praktisch nahezu die gesamte Entwicklung des Irans, die innen- und außenpolitischen Ziele des Regimes, die Versuche der Legitimierung, die Verteufelung der "Feinde" und die "Huldigung der Freunde", sowie den brutalen Umgang der Regierung und der ihnen nahestehenden Gruppen mit kritisch gesinnten Oppositionellen oder einfach nur kristischen Bürgern auf. Dabei geht der Autor extrem ins Detail, so dass es dem interessierten Leser teilweise sehr schwer fällt den ganzen Einzelheiten und Zusammenhängen zu folgen.
Ein wichtiges, kritisches und sehr fachkundiges Buch, dass für den interessierten Laien jedoch schwer zu Lesen und noch schwerer zu verstehen ist.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Gut strukturierte Zusammenfassung zum Thema, aber nicht viel Neues

Digitale Diagnosen
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Die Autorin Laura Wiesböck veranschaulicht in ihrem Buch "Digitale Diagnosen" eindrucksvoll, in welchem Maße medizinische, psychologische und klinische Begriffe mittlerweile vor allem in den sozialen Medien ...

Die Autorin Laura Wiesböck veranschaulicht in ihrem Buch "Digitale Diagnosen" eindrucksvoll, in welchem Maße medizinische, psychologische und klinische Begriffe mittlerweile vor allem in den sozialen Medien präsent sind und dort in erster Linie von Nicht-Experten gestreut werden. Anhand vieler Beispiele legt sie die Gefahren dar, die von dieser durch absolute Laien befeuerten "Mainstreamisierung" und unverantwortlichen Vereinfachung teilweise hochkomplexer Diagnosen ausgehen.
Nur weil bei jemanden eine bestimmte Diagnose gestellt wurde, macht das diese Person noch nicht zu einem Experten dieses speziellen Krankheitsbildes. Und nur weil jemand mal gelesen hat, dass ein bestimmtes Symptom mit einer bestimmten Diagnose einhergehen kann, ist das nicht gleichbedeutend mit einer eindeutigen, von einem Laien zu stellenden Diagnose. "Das Kind kann sich schlecht konzentrieren, also hat es ADHS" => nein, so einfach ist es nicht...
Vor solchen gefährlichen Vereinfachungen und unverantwortlichen Laien-Diagnosen, die nebenbei auch die Arbeit der echten Experten behindern, weil ihre Expertise immer öfter in Frage gestellt wird, warnt die Autorin deutlich und zeigt Wege auf, wie man wieder zu einem erträglichen Maß an "Digitalen Diagnosen" kommen kann. Lesenswert.

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