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Veröffentlicht am 24.03.2026

Große Empfehlung

Eine wie sie fehlt in dieser Zeit
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Lasse ich all meine Lesejahre Revue passieren, taucht ein Name immer wieder wie ein helles Licht, eine literarische Kuscheldecke in meiner Erinnerung auf: Astrid Lindgren. Ihre Geschichten haben mich nicht ...

Lasse ich all meine Lesejahre Revue passieren, taucht ein Name immer wieder wie ein helles Licht, eine literarische Kuscheldecke in meiner Erinnerung auf: Astrid Lindgren. Ihre Geschichten haben mich nicht nur begleitet, sie haben mich seit meiner Kindheit geprägt. Besonders zur Weihnachtszeit spüre ich ihren Einfluss intensiv. Vielleicht liegt es daran, dass ihre Erzählungen mir stets ein Gefühl von Geborgenheit schenken und mich im dezemberlichen Trubel unserer konsumorientierten, gestressten Gesellschaft auf das Wesentliche besinnen lassen. Und natürlich daran, dass sie die weltschönsten Weihnachtsgeschichten geschrieben hat. Für mich ist Astrid Lindgren deshalb nicht nur irgendeine Autorin, sondern eine lieb gewonnene Wegbegleiterin, der es mit einfachen Worten und starken Bildern gelingt, mir Trost und Freude zu spenden.

Die ZEIT-Journalistin Katrin Hörnlein hat mit „Eine wie sie fehlt in dieser Zeit“ eine besondere Biografie geschrieben, die Astrid Lindgrens Wirken weit über ihre Bücher hinaus beleuchtet. Sie nimmt uns mit an bedeutsame Orte und Stationen in Lindgrens Leben: ihren Geburtsort in Vimmerby, Småland, der gleichzeitig auch die Heimat fast all ihrer Figuren ist, ihre Wohnungen in Stockholm und natürlich das Ferienhaus in den Schären. Zudem lässt sie die Menschen zu Wort kommen, die Astrid Lindgren nahestanden oder sie ein Stück ihres Weges begleiteten – darunter ihre Tochter Karin, ihr Urenkel Johan und Inger Nilsson, die weltberühmte Pippi-Darstellerin.

Das Buch beleuchtet nicht nur Lindgrens Leben und Schreiben, sondern legt besonderes Augenmerk auf ihr Engagement, ihren unermüdlichen Einsatz für Menschlichkeit und ihren festen Glauben an Kinder, die unbedingt ernst genommen werden müssen. Entstanden ist das sehr persönliche, vielschichtige Porträt einer Frau, deren Stimme auch heute, oder vielleicht gerade heute, noch fehlt. Einer Frau, die mit ihren Geschichten und ihrer klaren Haltung Generationen geprägt hat – literarisch, menschlich und politisch.

Ein kurzweiliges, informatives und dennoch sehr zu Herzen gehendes Vergnügen – und eine große Empfehlung für alle, die Lindgrens Werke so lieben wie ich.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Wie schön das war!

Im Licht der Lofoten
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„Im Licht der Lofoten“ von Sophie van der Linden ist das intime Porträt Anna Bobergs, einer (mir bisher völlig unbekannten) schwedischen Malerin, die zwischen 1864 und 1935 lebte, viel gereist ist, die ...

„Im Licht der Lofoten“ von Sophie van der Linden ist das intime Porträt Anna Bobergs, einer (mir bisher völlig unbekannten) schwedischen Malerin, die zwischen 1864 und 1935 lebte, viel gereist ist, die Welt gesehen und mit allen Sinnen erfahren hat. Doch erst im höheren Alter und auf dem Zenit ihres Schaffens findet sie in der gleißenden Kargheit der Lofoten das Motiv, das ihr auch in ihrer Heimat Schweden schließlich den lang ersehnten, künstlerischen Durchbruch bringt.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive: Wir begleiten Anna auf ihrer letzten, alles bedeutenden Reise in den Norden und in Rückblicken in ihre Vergangenheit. Durch Erinnerungen entfaltet sich ihr Weg zur Kunst, die beharrliche Suche nach dem richtigen Blick, ihre große Liebe zu ihrem Mann sowie der leise Schmerz über ihre ungewollte Kinderlosigkeit, die, auch das ist Anna nur zu bewusst, ihr die kreative Entfaltung in dieser Form erst möglich macht.

Ich hab ihn sehr gerne gelesen, diesen ruhigen, atmosphärischen Roman über ein Leben, ganz der Kunst verschrieben, getragen von der rauen Schönheit der Lofoten und einer wunderbar bildhaften Sprache. Ein schönes Buch – und ein wunderbares Geschenk für Frauen jeden Alters, die einen Bezug zu Malerei und Kunst, zu Natur und besonders dem Norden, oder einfach zu sprachlich dicht erzählten Lebensgeschichten haben.

Aus dem Französischen übersetzt von Valerie Schneider, was der Mare Verlag mir vorbildlich bereits auf dem Cover mitgeteilt hat.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Soghaft und atmosphärisch

Kala
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Der Roman „Kala“ von Colin Walsh spielt in der fiktiven irischen Kleinstadt Kinlough und erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, deren Leben durch das Verschwinden ihrer Freundin Kala für ...

Der Roman „Kala“ von Colin Walsh spielt in der fiktiven irischen Kleinstadt Kinlough und erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, deren Leben durch das Verschwinden ihrer Freundin Kala für immer verändert wird. Im Jahr 2003 gehört Kala Lanann zu einer engen Clique von sechs Freunden. Sie ist charismatisch und rebellisch, der unangefochtene Mittelpunkt der Gruppe – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Die Polizei kann den Fall nicht aufklären, und mit der Zeit zerbricht die Freundesgruppe, auch weil jeder auf seine Weise versucht, mit aufkommenden Gerüchten und ungeklärten Fragen umzugehen. Fünfzehn Jahre später kehren einige der ehemaligen Freunde wieder nach Kinlough zurück. Helen lebt inzwischen im Ausland und arbeitet als Journalistin, Joe ist ein erfolgreicher Musiker geworden und Mush als Einziger dauerhaft im Ort geblieben. Als im Wald menschliche Knochen gefunden werden, wird der alte Fall wieder aufgerollt. Die drei müssen sich nicht nur der Möglichkeit stellen, dass es sich um Kala handeln könnte, sondern auch den Erinnerungen an ihre Jugend. Stück für Stück, wie in einem Puzzle, kristallisiert sich die Wahrheit heraus, wird deutlich, dass damals vieles unausgesprochen geblieben ist und dass jeder seine Geheimnisse mit sich trägt.

Der Roman springt immer wieder zwischen der Vergangenheit der Jugendlichen und ihrer Gegenwart als Erwachsene, wodurch besonders deutlich wird, wie stark die Ereignisse von damals ihr späteres Leben geprägt haben. Während sie versuchen herauszufinden, was wirklich mit Kala passiert ist, kommen verdrängte Konflikte, Loyalitäten und Schuldgefühle ans Licht. Am Ende geht es nicht nur um die Aufklärung eines Verbrechens (das ehrlich gesagt nicht die Neuerfindung des Rads ist), sondern auch um die Frage, wie Erinnerung, Freundschaft und Verantwortung miteinander verflochten sind und wie schwer es sein kann, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Und das war ganz großes Kino!

Große Empfehlung für diesen starken Debütroman, bin komplett eingetaucht und hab mich von der Atmosphäre einfangen lassen. Wann Serie, @netflixde?

Aus dem irischen Englisch von Andrea O’Brien, starke Leistung, toll übersetzt.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Der Hund meiner Kindheit

Ich heiße Feldmann und bin ein Hund
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Heute möchte ich euch Feldmann vorstellen, den Hund meiner Kindheit. Ich bin ein Katzenmensch, immer schon, doch diesen liebenswerten, treuen Gesellen, dem ich als etwa 6jährige erstmals begegnete, habe ...

Heute möchte ich euch Feldmann vorstellen, den Hund meiner Kindheit. Ich bin ein Katzenmensch, immer schon, doch diesen liebenswerten, treuen Gesellen, dem ich als etwa 6jährige erstmals begegnete, habe ich nie vergessen. Immer mal wieder sprang er fröhlich durch meine Gedanken und ich wünschte mir sehr, wir hätten das Buch noch, das meinem älteren Bruder gehörte, irgendwann verschollen und dann lange auch im Buchhandel vergriffen war. Doch jetzt ist es wieder erhältlich, wenn auch nur direkt beim @mitzkatverlag, und ich kann euch den Kauf nur von Herzen empfehlen, denn „Ich heiße Feldmann und bin ein Hund“ ist viel mehr als ein Kinderbuch, es ist eine zarte, melancholische Betrachtung des Menschseins, der Menschlichkeit, und damit Balsam für die Seele.

Feldmann ist der aufgeweckte Chronist dieser Geschichte, seines eigenen Lebens, das bisher wenig Höhen und viele Tiefen kennt. Er sitzt zunächst im Tierheim, bis ihn der obdachlose Mensch Gustav mitnimmt. Gemeinsam ziehen sie durch Wiesen und Wälder, übernachten in Scheunen oder Ruinen, gleich viel weniger einsam, obwohl sie Hunger und Kälte, Unsicherheit und Ablehnung erfahren. Doch sie treffen auch Menschen, die ihnen helfen, erleben großartige Abenteuer und finden schließlich einen Platz, der sich endlich wie Zuhause anfühlt.

Feldmann hat ein ganz reales Vorbild. Der Autor Michael Holzach holte den Hund eigens für ein anderes Buchprojekt aus dem Tierasyl und durchquerte ganz Deutschland mit ihm. Seine Erfahrungen mit den Menschen während dieser Reise finden sich auch in dieser Geschichte wieder. Besonders tragisch: Im Frühjahr 1983 wurde die Verfilmung seines Reiseberichts vorbereitet. Während der Suche nach Drehorten an der Emscher in Dortmund fiel sein Hund Feldmann in den Kanal. Er sprang hinterher, wurde jedoch von der starken Strömung mitgerissen, schlug mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler und ertrank mit gerade einmal 36 Jahren. Der Hund konnte später von der Feuerwehr gerettet werden.

Die sehr ausdrucksstarken Illustrationen stammen aus der Hand von Freda Heyden. Empfohlen ab 8 Jahren.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Lesenswert

WEST
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„West“ von Carys Davies ist mehr eine Erzählung als ein Roman; viele Absätze und ziemlich große Schrift ließen die knapp 200 Seiten überraschend schnell schrumpfen und mich den Text in einem Rutsch durchlesen. ...

„West“ von Carys Davies ist mehr eine Erzählung als ein Roman; viele Absätze und ziemlich große Schrift ließen die knapp 200 Seiten überraschend schnell schrumpfen und mich den Text in einem Rutsch durchlesen.

Pennsylvania im Jahr 1815. Ein Mann bricht zu einer Reise mit ungewissem Ziel und Ausgang auf und überlässt die einzige Tochter ihrem Schicksal unter der Obhut der Tante und den Blicken des zwielichtigen Nachbarn Elmer. Der unbändige Wunsch nach Anerkennung, das Streben nach einem höheren Sinn und der Mythos des Wilden Westens treiben Cy Bellman an und sein Herz fort von der erdrückenden Sicherheit der Heimat und Eintönigkeit seines Lebens. Es ist eine Abenteuergeschichte durch und durch, verrückt und auch ein bisschen traurig; eine Geschichte, die die Frage aufwirft, worauf es im Leben wirklich ankommt, wonach wir suchen und was wir dafür aufzugeben bereit sind.

Der Wilde Westen, die Gründung Amerikas und das Schicksal der Native Americans sind gerade absolut meine Themen - nach Obrehts „Herzland“ im letzten Jahr und diversen Romanen Louise Erdrichs (Pflichtlektüre, eh klar) nun also „West“, eine im Vergleich sehr viel komprimiertere Geschichte, die trotz ihrer Kürze ein lebendiges Bild der Zeit heraufbeschwört. Ich bin direkt eingetaucht in die staubige, geheimnisvolle Weite des Landes und die Gepflogenheiten der Menschen, wenngleich mich die Figuren emotional nicht ganz erreichen konnten. Kein Highlight aber durchaus lesenswert. Übersetzt von Eva Bonné.

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