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Veröffentlicht am 26.02.2026

Sehr dicht an der aktuellen Weltlage

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Fabian Risk und seine Tochter genießen gerade ein gemeinsames Abendessen auf ihrem Boot, als es zu einem Stromausfall an der Küste kommt. Wieder zurück im Dienst erwartet den Ermittler die Nachricht, dass ...

Fabian Risk und seine Tochter genießen gerade ein gemeinsames Abendessen auf ihrem Boot, als es zu einem Stromausfall an der Küste kommt. Wieder zurück im Dienst erwartet den Ermittler die Nachricht, dass es einen während des Blackout einen Banküberfall gegeben hat. Das Team nimmt die Ermittlungen auf, ein Verdächtiger ist schnell ausgemacht, die Beweise anscheinend eindeutig, allerdings hat der Mann ein wasserdichtes Alibi. Aber irgendetwas ist merkwürdig an der Sache.

Ich kannte die Reihe um den schwedischen Ermittler Fabian Risk bisher noch nicht, dessen bereits 7. Fall hier auf knapp 620 Seiten vorliegt. Wiedereinmal bin ich mittendrin in eine Reihe eingestiegen und war direkt begeistert. Schon mit dem Prolog hat der Autor mich gefesselt, eine absolute Horrorvorstellung, was er da beschreibt. Für jeden Leser, für mich als Mutter aber nochmal um einiges intensiver. Hier direkt auch der Hinweis, es wird im Buch teilweise recht heftig über psychische und physische Gewalt gegen Kinder geschrieben, wer da getriggert wird, bitte Hände weg. die beschriebenen Szenarien sind oft sehr brutal und verstörend, man leidet direkt mit den Betroffenen Figuren im Buch mit.

Mit dem anfangs beschriebenen Stromausfall ist man bereits mitten im Geschehen. Die Geschichte entwickelt sich auf verschiedenen Handlungsebenen mit einer enormen Fülle an Figuren. Die einzelnen Kapitel werden immer wieder aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so hat man als Leser natürlich wesentlich mehr Kenntnisse als die Ermittler, allerdings ist es auch manchmal etwas schwierig nicht den Faden zu verlieren. "Wellengrab" ist kein Buch, das man mal so nebenbei liest, hier mal ein, zwei Kapitel, es dann erstmal zur Seite legen um ein paar Tage später dann wieder mal ein paar Absätze. Ich denke da könnte man leicht durcheinander kommen. Für mich hat sich dieses Problem allerdings gar nicht erst ergeben, denn ich war buchstäblich ab der ersten Seite ins Geschehen eingesaugt.

Die Grundstimmung ist unglaublich beängstigend und dieser Eindruck wird durch die Aktualität der Geschichte noch verstärkt. Das beschriebene Szenario zeigt, wie anfällig bestimmte Strukturen für Sabotage sind, wie leicht es eigentlich ist durch gut gesteuerte Falschmeldungen die öffentliche Meinung zu beeinflussen und leider ist all dies keine Fiktion. Der Autor bedient sich an der aktuellen politischen Lage in Schweden und Europa und auch wir hier in Deutschland sehen ja ganz präsent, wie leicht es Rechtspopulisten und sogenannten Reichsbürgern fällt ihre Ziele zu verharmlosen und so eine breite Masse hinter sich zu versammeln. Beängstigend. Noch beängstigender aber die perfide und überaus brutale Art und Weise, wie die Täter im Buch ihre Ziele durchsetzen. Hier hat der Autor bei mir als Leser einen Nerv getroffen.

Im Klappentext wird das Buch als Pageturner bezeichnet, ich bin eigentlich immer vorsichtig mit solchen Bezeichnungen, muss hier aber absolut zustimmen. Wie schon gesagt, hat der Autor mich mit seiner Art zu Schreiben direkt gepackt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mit der Fülle der Figuren hatte ich kurz ein paar Schwierigkeiten, aber das hat sich schnell gegeben. Ich habe recht bald eine Beziehung zu Fabian und seinen Kollegen aufgebaut, natürlich gab es die ein, oder andere Stelle, an der die Vorgeschichte ins Spiel gekommen ist und ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte nicht kurz gedacht, oh, da wäre es jetzt schon schön die Hintergründe zu kennen, aber das hat mich letztlich im Lesefluss überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil, es macht nur um so neugieriger auf die Vorgängerbände. Bei über 600 Seiten kommt es zwangsläufig auch zu ein paar Längen in der Story, die fallen für mich in der Gesamtheit aber nicht ins Gewicht. Worüber ich mich da schon eher geärgert habe sind die genretypischen Alleingänge einiger Figuren, die natürlich dem Spannungsbogen geschuldet sind, mich aber immer so total aufregen. Beim Showdown wird es dann noch einmal ziemlich heftig und das Geschehen ist vielleicht nicht zu einhundert Prozent plausibel, so würde ich das vielleicht eher in einem amerikanischen Thriller erwarten, aber letztlich passt es.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Nix mit - Glücklich bis an ihr Ende

Deadly Ever After – Blut und Schnee
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Zusammen mit der Metzgersgattin Linde ist der junge Tristan auf der Flucht. In seiner Heimatstadt sind die Rotkappen, die Truppen der Kaiserin einmarschiert und töten unerbittlich jeden, der mit den Rebellen ...

Zusammen mit der Metzgersgattin Linde ist der junge Tristan auf der Flucht. In seiner Heimatstadt sind die Rotkappen, die Truppen der Kaiserin einmarschiert und töten unerbittlich jeden, der mit den Rebellen um Fürst Streich, Tristans Onkel, in Kontakt stand. Ganz besonderes Augenmerk liegt auf jenen, die Magie in sich tragen, den Magie ist das, was die Kaiserin unbedingt für sich haben möchte. Für Trauer um seinen Onkel bleibt Tristan nicht viel Zeit und bald ist da auch ein anderes Gefühl, Hass, Hass auf die Kaiserin und ihre Heerführerin, die Baronin. Tristan schwört den Tod seines Onkels zu rächen und macht sich auf um der Kaiserin gegenüberzutreten.

Das Autoren- und Brüdergespann T.S.-Orgel nimmt den Leser hier mit in eine märchenhafte Welt, die so gar nichts mit der zu tun hat, die man aus den Büchern der Gebrüder Grimm und ihren Kollegen kennt. Zwar tummeln sich auch hier viele der bekannten und vielleicht auch weniger bekannten Figuren, der Leser merkt aber recht schnell, dass man sich nicht sicher sein kann, wer gut und wer böse ist und all das, was einem jahrelang vorm zu Bett gehen erzählt wurde nur eine Seite der Medaille ist. Das Buch geht über die letzte Seite mit dem berühmten Satz - und sie lebten glücklich bis an ihr Ende - hinaus, nimmt den Leser mit in die Welt nach der Märchenhochzeit, fünfzehn Jahre danach, um genau zu sein. Schneewittchen ist mittlerweile Witwe und hat sich zur machthungrigen Kaiserin des Landes gemausert. Wer hättˋs gedacht.

Ich kannte die Brüder bisher nur aus dem SiFi Genre und war natürlich sehr gespannt, ob sie mich auch im Fantasy Bereich abholen können. Übung in diesem Bereich haben sie ja allemal. Mit Fantasy ist es bei mir manchmal etwas schwierig, ich liebe natürlich die großen Epen wie "Herr der Ringe", die Hexer - Saga, oder "Das Lied von Eis und Feuer", habe aber mit ganz vielen Büchern, die neu erscheinen Probleme, weil sie oft wenig Neues bieten und leider oft wie abgeschrieben auf mich wirken. Auch hier haben die Brüder das Rad nicht komplett neu erfunden, als Leser fühlt man sich zwangsläufig an Serien wie "Once upon a time", erinnert, aber eher dezent und nur am Rande.

Das Buch erzählt eine epische Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse, wobei hier natürlich die Grenzen stark verschwimmen und man nie sicher weiß, wer auf welcher Seite steht. Als Leser trifft man die verschiedensten Märchengestalten, aus der Welt der Gebrüder Grimm ebenso, wie auch aus der nordischen, oder der slawischen Mythologie. Die Autoren haben Aspekte und Deutungen aus den verschiedensten Ländern miteinander verwoben und so bekommen die Figuren Züge, die uns hier überraschen, die aber damit viel näher an der Ursprungsfassung der Märchen liegen und diese sind in den meisten Fällen eher düster und auch brutal. Nichts was man seinem Kind Abends zum einschlafen vorlesen würde. Es macht unglaublich Spaß in der Geschichte auf Entdeckungsreise zu gehen, bei manchen Figuren ist es recht einfach zu erkennen, wer sie sind, da gibt schon der Name einen Hinweis, bei anderen wiederum wird man überrascht. Rund um die bekannten Figuren wird ein ganzes Universum kreiert und das ist bunt, gefährlich, märchenhaft, magisch und, ein für mich unglaublich wichtiger Punkt, immer auch mit einer gehörigen Prise Humor. Diese Mischung ist es, die mich von der ersten Seite an eingesogen hat, fast war es, als wäre ich in ein Kaninchenloch gefallen und in einem Paralleluniversum wieder herausgekommen. Ein Universum, in dem sich all meine liebsten Märchenfiguren tummeln und natürlich auch die, vor denen ich als Kind Angst hatte und plötzlich stellt sich heraus, das ich jahrelang mit Fake News gefüttert worden bin und es in Wahrheit alles ganz anders ist. Herrlich, ich liebe es.

Kurt Tucholsky hat ein Gedicht geschrieben, das ich sehr liebe "Und darum wird beim Happy End, im Film gewöhnlich abgeblend". Klar, keiner will sehen, wie bei Schneewittchen und ihrem Prinzen der Alltag einzieht, oder ob Dornröschen nicht vielleich lieber wieder ins Bett geht, nachdem sie die Tischmanieren ihres Prinzen mitbekommen hat. Hier kommt nun das Danach und - glücklich bis an ihr Ende - ? Von wegen.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Besonderer Blick

Makula
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Makula ist per Definition ein Bereich der Netzhaut, der für das präzise Sehen verantwortlich ist, der Details erkennt und Farben wahrnimmt. Um detaillierte Wahrnehmung geht es auch in den Erzählungen von ...

Makula ist per Definition ein Bereich der Netzhaut, der für das präzise Sehen verantwortlich ist, der Details erkennt und Farben wahrnimmt. Um detaillierte Wahrnehmung geht es auch in den Erzählungen von Harald Darer, um einen präzisen Blick hinter die Kulissen, unter die Oberfläche, unverklärt, echt und manchmal auch unbequem. Das weit geöffnete stilisierte Auge auf dem Cover deutet es an, hier hat jemand ganz tief geblickt und gut beobachtet.

Das Buch enthält mehrere ganz unterschiedliche Erzählungen, die den Leser manchmal auch durchaus etwas ratlos zurücklassen. Da begleitet man eine Gruppe junger Leute zu einer Party, die etwas aus dem Ruder läuft, einen jungen Mann, der auf dem Weg zu einem Angelausflug einen Unfall hat, oder erlebt eine Sonnenfinsternis auf einem Firmenparkplatz. In all diesen Momentaufnahmen liegt aber noch so viel mehr, da werden Verwicklungen erkennbar, Hintergründe, Wechselwirkungen und immer wieder geht es um den Blick auf Menschen, auf Beziehungen, auf Lebenswege. Manchmal ist es als würde der Filter von einem Foto entfernt und man würde plötzlich klar sehen, so wie etwa bei der beschriebenen Indienreise.

Der Stil des Autors macht es leicht die Geschichten zu lesen, das finale Verstehen ist da nochmal eine ganz andere Sache, denn hier muss man sich als Leser schon auch ein bisschen anstrengen. Die Storys sind speziell, manchmal etwas wirr, ihre Bedeutung nicht unbedingt direkt zu erkennen. In gewisser Weise muss man sich einlassen. Auf jeden Fall ist dies ein Buch, das man vielleicht ein zweites und sogar ein drittes Mal lesen muss, um wirklich alle Details zu ergründen und zu verstehen. Eine eher spezielle lektüre, definitiv nicht null acht fünfzehn.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Hintergründe gut erklärt

Geistig fit bis ins hohe Alter
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Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ...

Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ertragen und doch ist die Gefahr groß im Alter daran zu erkranken. Noch gibt es keine Heilung, allerdings kann man einiges zur Vorbeugung tun und hier gilt, es ist nie zu früh und nie zu spät mit der Prävention zu beginnen.

Natürlich gehöre auch ich zu denen, die sich vor dem Vergessen im Alter fürchten, nicht nur auf Grund der Tatsache, dass ich mir schon jetzt kaum eine Telefonnummer merken kann, von Namen ganz zu schweigen und ständig irgendwas vergesse. Meine Kinder haben da natürlich ihre Freude dran, kann man doch so immer behaupten man hätte mir etwas ganz bestimmt erzählt und ich könnte mich halt einfach nur nicht mehr dran erinnern. Aber Spaß beiseite, so witzig wie sich das anhört ist es natürlich nicht und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mich das nicht zum Nachdenken bringt.

Mit diesem Buch hatte ich mir nun einen Ratgeber erhofft, der mir Übungen zeigen würde, mit denen ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen könnte, Rätsel, Rechen - und Denkaufgaben für die kleinen grauen Zellen, Übungen, um sich Zahlen besser merken zu können, Gehirnjogging sozusagen. Leider enthält das Buch genau diese aber fast gar nicht, am Ende gibt es zwar einen Trainingsplan, aber der umfasst in erster Linie die anderen Punkte, die für die geistige Fitness wichtig sind und in diesem Buch viel ausführlicher beschrieben werden.

In erster Linie erfährt man viel über den Aufbau unseres Gehirns, über seine Aufgaben, seine Arbeitsweise, das Wechselspiel mit den anderen Organen, aber auch viel darüber, was gefährlich für dieses hochkomplexe und noch so wenig erforschte Organ ist, eas es schädigt, negativ beeinflusst und eben sogar krank machen kann. Drogen und Alkohol fallen einem da natürlich als erstes ein, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, oder Erkrankungen wie Diabetes sind der Hirngesundheit nicht förderlich. Der Autor zeigt hier sehr detailliert die Wechselwirkungen, erklärt nachvollziehbar den Stand der Forschung und sagt einiges zur Entstehung von Demenz und wie man schon früh das Risiko einer Erkrankung erkennen und somit gegensteuerrn kann.

So interessant und wichtig das alles ist, so sehr fehlt mir aber eben letztlich der praktische Teil, den ich mir halt einfach von diesem Buch erhofft hatte. Die enthaltenen Tipps zum Thema gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Vermeidung von Stress etc. sind halt leider zu allgemeingültig und im Grunde eigentlich auch bekannt. Hier hatte ich einfach ganz andere Erwartungen.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Wenn dich die Vergangenheit einholt

Hinter mir
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Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten ...

Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten würde sie sie vergessen. Gerade jetzt an Halloween, an dem Tag im Jahr, an dem die Erinnerungen nur schwer zu verdrängen sind, würde sich Gemma am liebsten in ihrem Haus verstecken und niemandem die Tür öffnen, geschweige denn mit ihrem Sohn auf Süßes oder Saures Tour gehen.

Direkt im Prolog lernt der Leser Gemma kennen, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Gemma ist. Ein junges Mädchen, das große Angst hat und als letzten Ausweg die Flucht aus ihrem Zuhause und ihrer Heimatstadt sieht. Ein junges Mädchen, das alles zurücklässt, sogar ihre eigene Identität. In dieser Nacht wird Gemma geboren, Gemma, die man dann Jahre später wieder trifft, die sich ein neues Leben aufgebaut hat, ein Leben, wie es ihre tote Freundin nie haben wird.

Mike Omer schafft mit Hauptfigur Gemma quasi eine Figur ohne Basis, ohne wirkliche Tiefe, denn Gemma ist eine Person ohne Vergangenheit. Als Leser spürt man das trotz der vielen Andeutungen und Flashbacks, die einen kurzen Blick in Gemmas Jugendzeit ermöglichen. Gemma bleibt dem Leser über weite Stecken fremd, ihre Figur ist irgendwie nicht greifbar, man hat wenig Empathie ihr gegenüber, schließlich bleibt unklar, was damals geschehen ist und welche Rolle Gemma bei den Ereignissen spielte. Auch durch ihre ganze Art, ihre übertriebene Fürsorge ihrem Sohn gegenüber macht sie es mir als Leser nicht wirklich leicht sie zu mögen. Erst als die Figur des Schattenmanns, wie sie die Person nennt die auf so drastische Weise in ihr Leben eindringt, ins Spiel kommt, fängt man als Leser langsam an Gemma zu mögen, denn sie verändert sich hier, hört auf sich zu verstecken, ihre Vergangenheit zu leugnen, Angst zu haben. Mit dem Auftreten des Schattenmannes wird Gemma endlich "echt" und somit zu einer Figur, mit der ich als Leser endlich mitfühlen kann und der ich es plötzlich gönne, dass sie ihr Leben zurückbekommt.

In Gemmas Geschichte erzählt der Autor von Ausgrenzung, vom Andersein, von der Identitätsuche, von Mobbing in der Schule und dessen dramatischen Folgen, erzählt von Missbrauch und von Stalking. Stalking ist an sich schon übel für die Betroffenen, aber hier wird es auf eine überaus perfide Art und Weise dazu verwendet Macht über Andere zu erlangen, Informationen aus dem Netz werden dazu verwendet Betroffene zu erpressen und letztlich zu Taten zu veranlassen, die dem eigentlichen Täter nutzen und zuarbeiten. Es entsteht ein beängstigend höriges Netzwerk, dessen sich der Stalker nach Belieben bedienen kann, um seine Vorteile daraus zu ziehen. Mich hat dieses Szenario schon etwas verstört, gerade wenn man liest wie leicht die späteren Opfer hier in die Falle getappt sind und wie schnell sie bereit waren Dinge zu tun, die eigentlich undenkbar für sie wären, nur um zu verhindern, dass der Partner von einer Affaire erfährt, der Chef von Nacktfotos, oder die Nachbarn von der sexuellen Orientierung. Es heißt nicht umsonst - das Netz vergisst nicht - und ich denke die meisten von uns sind sich gar nicht bewusst, welche Informationen über einen selbst hier zu finden sind. Wie gesagt, verstörend und beängstigend.

Natürlich gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man beginnt aus den Flashbacks und Erinnerungsfragmenten Gemmas die Ereignisse zu erahnen, die zu ihrer Flucht aus ihrem alten Leben führten. Trotzdem schafft es der Autor einen dann doch mit den brutalen Einzelheiten zu überraschen. Ich glaubte eigentlich ich hätte das ganze durchschaut, den Schattenmann enttarnt, aber ich lag knapp daneben. Obwohl ich zu Beginn des Buches wirklich gehadert habe, mir vieles zu plump und wenig raffiniert, sogar offensichtlich durchschaubar vorgekommen ist, hat es der Autor letztlich doch geschafft Spannung aufzubauen, psychologisch Ängste zu schüren und mich der Hauptfigur näher zu bringen.

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