Profilbild von reni74

reni74

Lesejury Star
offline

reni74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit reni74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2021

Persönliche Trauerbewältigung

Was bleibt, wenn wir sterben
0

Keiner denkt gern über seinen eigenen Tod nach und natürlich rücken wir auch den von geliebten Menschen und Angehörigen in weite Ferne. Wenn es dann soweit ist, sind wir oft ratlos und können nur schwer ...

Keiner denkt gern über seinen eigenen Tod nach und natürlich rücken wir auch den von geliebten Menschen und Angehörigen in weite Ferne. Wenn es dann soweit ist, sind wir oft ratlos und können nur schwer mit unseren Gefühlen umgehen.

Louise Brown hat innerhalb kürzester Zeit beide Eltern verloren und war hilflos in ihrer Trauer, als sie später die Arbeit als Trauerrednerin für sich entdeckt, ist das auch wichtig für die eigene Trauerbewältigung. Leider nimmt diese persönliche Trauerarbeit einen Großteil des Buches ein und der Untertitel des Buches, Erfahrungen einer Trauerrednerin, rückt eher an den Rand. Natürlich habe ich als Leserin mehr zu diesem Thema erwasrtet und einige rührende Geschichten sind auch im Buch enthalten. Meist sind aber auch sie in irgendeiner Form mit dem Tod der eigenen Eltern verknüpft.

Die Autorin versteht es sehr gut, ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen in Worte zu fassen. Hierbei kommt ihr sicher auch ihre Tätigkeit als Journalistin zu Gute. Sie schreibt sehr sanft, mitfühlend, emotional und respektvoll, oft mit einem Anflug von wohldosiertem Humor, denn wer sagt denn, dass man beim Erinnern an einen Verstorbenen nicht auch Lachen darf. Ihre Gedanken sind Aufforderung, über den eigenen letzten Gang nachzudenken, mutig zu sein und unbedingt über Wünsche zu sprechen.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die jeweils noch in einzelne Kapitel mit sehr interessanten Titeln unterteilt sind. Es gibt eine Einleitung und am Ende auch ein Zitatenverzeichnis. Die konkreten Erfahrungen mit Trauerfeiern sind kursiv vom restlichen Text abgehoben. Wie schon erwähnt, nehmen sie nur einen sehr kleinen Teil des Buches ein. Im ersten Teil ist mir die Beschäftigung mit dem Tod der Eltern gar nicht weiter aufgefallen, es hatte für mich den Anschein, als erzählte die Autorin so den Werdegang hin zu ihrer neuen Berufung. Leider konzentriert sie sich aber auch weiter auf ihre persönliche Trauerarbeit, die ihr, verständlicher Weise, durch ebendiese neue Tätigkeit erst möglich wird. Ich bin daher etwas unschlüssig. Sollte ich das Buch rein nach Thematik bewerten, hätte es nur drei Sterne bekommen, allerdings gefällt mir der Stil und die Gedanken so gut, dass ich dafür gern fünf Sterne vergeben hätte. Hätte das Buch nicht den Untertitel, der bei mir andere Erwartungen geweckt hat und die entsprechende Formulierung aus dem Klappentext, dann wäre es auch eine durchweg positive Bewertung geworden, so gibt es dann diesen Kompromiss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.11.2021

Märchenhaft

DIE GOLDENE FEDER
0

Diese kleine Anthologie enthält zehn orientalische Märchen von verschiedenen Autoren. Die Länge der einzelnen Geschichten ist ähnlich. Ob das beabsichtigt war für die Zusammenstellung weiß ich allerdings ...

Diese kleine Anthologie enthält zehn orientalische Märchen von verschiedenen Autoren. Die Länge der einzelnen Geschichten ist ähnlich. Ob das beabsichtigt war für die Zusammenstellung weiß ich allerdings nicht. Zu Beginn des Buches gibt es ein Vorwort, am Ende werden die Autoren und Autorinnen kurz vorgestellt. Zu den Märchen gibt es auch einige schöne farbige Illustrationen.

Der Schreibstil der verschiedenen Beiträge ist natürlich sehr unterschiedlich, manchmal sehr blumig und üppig, manchmal eher knapp und reduziert. Naturgemäß gefällt nicht unbedingt Alles gleichermaßen. Ich persönlich habe zwei absolute Lieblinge, aber auch die anderen Geschichten haben mir gut gefallen. Man muss sich allerdings auch auf das Thema orientalische Märchen einlassen, wer da nur wenig mit anfangen kann ist hier falsch.

Die Märchen greifen Themen auf, die man vielleicht schon aus Tausenden und einer Nacht kennt und liebt. Es gibt gleich mehrere Versionen der Dschinn - Thematik und auch die altbekannte Wunderlampe kommt zum Einsatz. Jede Interpretation ist dabei aber verschieden. Oft sind Mädchen, oder junge Frauen die Helden, unfreiwillig, oder aus der Not heraus, ihrem vorbestimmten Lebensplan zu entfliehen.

Anthologien sind immer eine kleine Wunderkiste, man lernt oft neue Autoren kennen und hat die Möglichkeit über den Tellerrand hinaus zu schauen. Ich habe schon mehrere Zusammenstellungen der Herausgeberin, Marianne Labisch, gelesen und wurde immer gut unterhalten. Sie hat ein Händchen bei der Auswahl ihrer Themen und der beteiligten Autoren und Autorinnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2021

Wichtiges Buch

FRAUEN LITERATUR
0

Ich habe mir vor dieser Lektüre nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob schreibende Frauen anders behandelt, verlegt, oder rezensiert werden. Allein wenn ich allerdings an meine Schulzeit zurückdenke, ...

Ich habe mir vor dieser Lektüre nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob schreibende Frauen anders behandelt, verlegt, oder rezensiert werden. Allein wenn ich allerdings an meine Schulzeit zurückdenke, fallen mir sofort etliche männliche Autoren ein, die Pflichtlektüre waren, bei Autorinnen ist mir tatsächlich nur Christa Wolf eingefallen. Schon merkwürdig. Auch beim erinnern an den Schullesestoff meiner Kinder kommen die allgegenwärtigen Namen zu Tage, Goethe, Schiller, Heine, Mann und ein, oder zwei modernere Stoffe, aber auch hier, Frauen definitiv in der Minderheit.

Nicole Seifert zeigt mit diesem Buch eindringlich und fundiert, dass dies keine verschobene Wahrnehmung ist, sondern Realität. Früher schon und auch heute noch. Während bestimmte Werke aus männlicher Feder ohne Unterbrechung hoch gelobt werden und als wervolle Klassiker gelten, sind Werke von Frauen, obwohl zur Erscheinung genauso erfolgreich, in Vergessenheit geraten. Viele dieser wunderbaren Geschichten werden seit einigen Jahren "wiederentdeckt" und die Lektüre lohnt sich, damals wie heute, denn anders als von Männern oft behauptet , können Frauen weit mehr als nur Liebesromane.

Ich selber muss gestehen, dass auch ich in einigen Rezensionen oft explizit darauf hinweise, dass ich erstaunt darüber bin, dass die Worte von einer Frau stammen. Gerade bei Thrillern geht mir das oft so, dass ich denke - wow, so brutal schreibt eine Frau. Aber warum ist das eigentlich so? Weil auch ich, unterbewusst, einer Autorin nicht zutraue, so schreiben zu können? Alles Quatsch, wie ich schon mehrfach lesen durfte, aber diese Denkweise schein tief in uns verwurzelt, vielleicht sogar anerzogen. In meinem Bücherregal liegt die Frauenquote übrigens überdurchschnittlich hoch, gerade was mein Lieblingsgenre Krimi/Thriller anfeht. Hier haben Autorinnen bei mir eindeutig die Nase vorn. Auf meiner Liste abgebrochener Bücher finden sich dagegen fast gar keine Autorinnen. Ich wähle meine Bücher eh nicht nach dem Namen, sondern nach dem Inhalt aus.

Nach der Lektüre ist auf jeden Fall klar, dass sich gerade auch im schulischen Bereich etwas ändern muss, aber natürlich vorrangig bei Verlagen, Verlegern und besonders männlichen Kritikern. Denn wie gesagt, Frauenliteratur hat weit mehr zu bieten als Rezepte, Haushaltstipps und Romantik. Meine Leseliste ist nach diesem Buch um einige wirklich interessante Bücher gewachsen.

Ein Muss für alle Leser und Literaturbegeisterten, unabhängig davon, welchem Geschlecht, oder welcher sexuellen Orientierung man sich zugehörig fühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2021

Am Ende bleibt nur Dunkelheit

Universum
0

Mike und seine Familie begeben sich an Bord des Raumschiffs Challenger, um ein neues Leben auf einer weit entfernten Kolonie zu beginnen. In sein altes Leben kann Mike nicht mehr zurück, denn ihn verfolgt ...

Mike und seine Familie begeben sich an Bord des Raumschiffs Challenger, um ein neues Leben auf einer weit entfernten Kolonie zu beginnen. In sein altes Leben kann Mike nicht mehr zurück, denn ihn verfolgt eine schwere Schuld aus seiner Zeit als Soldat. Die Reise zum Planeten Omicron ist ein kurzer Routinetrip für die Crew um Komandantin Christine Dillinger, aber bald wird klar, Routine ist hier gar nichts mehr.

Nach Vakuum war das das zweite Buch von Phillip P. Peterson für mich. Wieder entführt der Autor seine Leser in die unendlichen Weiten des Weltraums, wieder in einer bedrohlichen und nur schwer zu fassenden Situation. Wieder geht es letztlich ums Überleben, wenn auch diesesmal nur für eine kleine Gruppe von Menschen. Diese kleine Gruppe lernt der Leser leider nur recht kurz kennen, Einige bekommen nur wenige Zeilen zugewiesen, während Andere es auf ein paar Seiten schaffen. Letztlich dreht sich die Story hauptsächlich nur um einen kleinen Teil derer, die an Bord der Challanger sind. Im Prinzip tragen vier Personen die Geschichte, bleiben dabei aber doch recht flach und sehr in Stereotypen gefangen.

Während des ganzen Buches befinden wir uns mit den Figuren eingesperrt im engen Raumschiff. Die Enge und Beklemmung ist sehr gut spürbar. Der Autor schafft es gut die bedrückende Stimmung einzufangen, ebenso die Ängste der Figuren, die aus den Ereignissen heraus folgen. Leider wird aber auch hier nur auf wenige Personen näher eingegangen.

Wichtiger Bestandteil des Buches und der Geschichte sind verschiedenste wissenchaftliche Erkenntnisse. Der Autor erklärt mit ihnen zum Beispiel den Antrieb des Raumschiffs, die Geschwindigkeit und die Entfernung, die es letztlich zurücklegt. Hier geb ich ehrlich zu, keine Ahnung zu haben. Was davon jetzt Realität ist und was der Phantasie des Autors entsprungen, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall klingt es unvorstellbar und ich habe es auch nicht wirklich verstanden. Hier muss ich aber sagen, ich lese Sience-Fiction und kein Sachbuch, der Autor darf hier gern aus dem vollen Schöpfen. Solange er es am Ende schafft mir das Ganze als Möglich zu verkaufen, super und das hat er hier geschafft.

Der Autor zeigt hier ein spannendes Kammerspiel, das sich in groben Zügen zu einer Charakterstudie ausweitet. Er schafft eine ausweglose Situation, in der Menschen auf engstem Raum auf sich selbst zurückgeworfen werden und mit dem eigenen Tod, sowie dem ihrer Angehörigen konfrontiert sind. In diesem Kontext ist für mich aber noch viel Luft nach oben, da hätte man intensiver auf die Figuren eingehen können und weniger auf die technischen Details. Insgesamt gute, solide Science-Fiction, mit einigen Längen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2021

Böses birgt noch mehr Böses

Der Tod und das dunkle Meer
0

Arent Hayes begleitet und beschützt Samuel Pipps seit Jahren. Schutz brauch Pipps vor allem wegen seiner Tätigkeit als Ermittler. Man könnte ihn als Detektiv bezeichnen, auch wenn es diesen Begriff im ...

Arent Hayes begleitet und beschützt Samuel Pipps seit Jahren. Schutz brauch Pipps vor allem wegen seiner Tätigkeit als Ermittler. Man könnte ihn als Detektiv bezeichnen, auch wenn es diesen Begriff im Jahre 1634 noch nicht gegeben haben dürfte, als solcher hat er sich im Laufe der Zeit viele Feinde gemacht. Der Letzte Fall führte die beiden Freunde nach Indonesien, es galt ein wertvolles Objekt wieder zu beschaffen. Der Auftrag wurde erfolgreich zum Abschluss gebracht, trotzdem liegt Pipps nun in Ketten und soll an Bord der Sardam nach Amsterdam gebracht werden, um dort seinen Prozess zu bekommen. Schon vor Beginn der Fahrt geben mysteriöse Ereignisse Grund zur Sorge, die im Tod eines Aussätzigen münden. Seinen letzten Worten nach, wird die Fahrt keinen guten Verlauf nehmen. Arent sieht sich nun gezwungen auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen, um das Leben aller an Bord zu beschützen.

Das Buch ist als Kriminalroman gekennzeichnet, im Verlauf der Lektüre springen wir aber durch die verschiedensten Genre und eine eindeutige Zuordnung ist schwierig. Es gibt natürlich überwiegend Krimielemente, aber stark vermischt mit Grusel, Horror, Fantasy, selbst leichte Anklänge von Steam Punk kann man entdecken, denkt man nur an die geheimnisvolle Phantasterei, die an Bord des Schiffes mitgeführt wird. Filmisch gesehen bildet die Geschichte für mich eine Mischung aus Pirates of the Caribbean, Game of Thrones, Van Helsing und zum Ende hin sogar Lost. Wer die Filme und Serien kennt, wird mich nach der Lektüre sicher verstehen.

Normalerweise lese ich historischen Krimis eher selten. In diesem Fall war ich zu allererst von dem wundervollen Cover beeindruckt und dann hat mich der Klapentext gepackt, der eben diese Mischung auch anklingen ließ. Bis zur Mitte des Buches war ich auch voll in der Story, leider beginnt es im Mittelteil sehr sich zu ziehen. Die Ermittlungen verlaufen zäh, der Leser zieht teils schon Schlüsse, die den Figuren im Buch vollkommen verborgen bleiben und die Geschichte dümpelt ähnlich einer Flaute auf See mit Nebenschauplätzen vor sich hin. Ich vermute, der Autor will mit diesen Nebenhandlungen besonders die Integrität und das Wesen seiner Hauptfigur Arent festigen und erklären, für mich war das aber irgendwann zu bemüht. Der Leser wird mit aller Macht darauf gestoßen, das Arent hier den Part des Guten übernimmt, der quasi als Einziger das Böse auf dem Schiff besiegen kann.

Dieser Kampf Gut gegen Böse bildet quasi die Grundaussage des Buches, nicht neu, aber durchaus gut umgesetzt. Der Autor spielt geschickt mit der Macht des Aberglaubens und der Suggestion, der eben nur mit rationalem Denken beizukommen ist. Seine Figuren hat er teilweise sehr plakativ dargestellt, so dass man sie der jeweiligen Seite zuordnen kann, teilweise schafft er es aber auch bei einigen den Leser bis zuletzt aufs Glatteis zu führen. Die Frauenfiguren sehe ich etwas zwiegespalten. Einerseits sind sie sehr klug, kämpfen gegen das Korsett einer aufgezwungenen Ehe und wollen selbstbestimmt leben, andererseits lässt der Autor sie sich sofort in den sprichwörtlichen Ritter in schillernder Rüstung verlieben. Sicher ist hier der historische Kontext zu nennen, aber da hat sich der Autor in anderen Punkten ja auch nicht dran gehalten. Hier gibt es, nach meinem Empfinden, eine sehr männliche Sicht auf die Dinge. Vielleicht bin ich da aber auch grad nur etwas sensibilisiert, weil ich mich momentan mit dem Thema der Rolle der Frau in der Literatur befasse und unterstelle dem Autor hier etwas, dass gar nicht in seiner Absicht lag.

Die Auflösung seiner Geschichte ist überraschend, in Teilen durchaus logisch, leider dann aber auch sehr konstruiert. Interessant fand ich, wie zum Ende hin, dem Leser quasi alle Geschehnisse nocheinmal mit den entsprechenden Lösungen vor Auge geführt werden. Hier fühlte ich mich an die Methodik von Sherlock Holmes, oder Hercules Poirot erinnert, wo der Fall ja dann auch immer nochmal im richtigen Licht betrachtet wird. Mit dem Ende dürften sicher einige Leser, wie ich auch, hadern.

Sprachlich ist das Buch sehr gelungen, der Autor versteht es mit Worten umzugehen, Bilder und Spannung beim Leser zu erzeugen. Leider schafft er es nicht, das hohe Level während des ganzen Buches aufrecht zu halten, hier hätten ein paar Seiten weniger dem Gesamtwerk nicht geschadet. Was sehr verwirrend ist, ist die Unmenge an Figuren, die uns durch die Geschichte begleiten. Bedingt durch die teils ungewöhnlichen Namen ist es eh schon schwer den Überblick zu behalten und dann werden manche Figuren nur so am Rande erwähnt, dass man dann bei einem erneuten Auftritt erstmal grübeln muss, wer das jetzt war und welche Rolle er inne hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere